3x BESSER SPÄT ALS GAR NICHT

21. Juni 2009 | Von Arne | Kategorie: Magazin Like
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An dieser Stelle wollen wir euch mal drei verschiedene mediale Veröffentlichungen der letzten Monate vorstellen, die uns am Herzen liegen und von uns wärmstens empfohlen werden können, vor allem weil sie zeitlos sind, weswegen diese verspäteten Rezensionen auch eine Daseinsberechtigung haben. Aber lest am besten selbst…

‘DAS MÄDCHEN IM MOND’ – Jan Wallenstein, Schundbuch/BOARDSTEIN 2009 (ISBN 978-3-00-0271775-5)
Hatten wir erst letztes Jahr in der Ladies Issue das erste Buch ‘Nachtschalter’ von Jan Wallenstein, einem alten Freund von mir, vorgestellt, hat Walli vor ein paar Monaten direkt mit seiner zweiten Veröffentlichung nachgelegt, und ich freue mich ganz besonders darüber, daß dies das erste richtige Buch überhaupt mit einem BOARDSTEIN Logo drauf ist. Denn wenn wir immer wieder betonen, wir würden gerne in Zukunft öfter mal das ein oder andere Buch veröffentlichen, so soll dies ein kleiner Anfang sein, auch wenn Walli das gute Stück wieder komplett selbst rausgebracht hat. Aber wir nehmen es gerne mit in unser Programm auf und wollen es euch natürlich entsprechend ans Herz legen, denn die Lektüre an sich ist sehr BOARDSTEIN-artverwandt, das gleich schon mal vorweg.

Wie schon in seinem ersten Werk verarbeitet Walli sein Verhältnis zu sich selbst und den lieben Frauen, diesmal in einem halbwegs Roman-artigen Rahmen, dem Mädchen im Mond eben. Der Autor selbst bezeichnet die Geschichte(n) als rein fiktive Tatsachen, und dieser Ausdruck kriegt schon mal den BOARDSTEIN Gütestempel des Gonzo-Jorunalismus. „Wir gingen ein paar Meter, bis wir die anderen nicht mehr sehen konnten, und dann nahm Martina mich an die Hand. Es war, als ob ich bis dato noch nicht gelebt hatte, denn dieses Gefühl (… so lasset den Autor in seiner Vergangenheit schwelgen, von der er doch deutlich mehr besitzt als Zukunft, und höret nicht hin, wenn er von Gefühlen spricht, denn diese verwechselt der glück- wie auch trübsinnige Tor leicht mit hormonellem Überquell, aufgebauscht und verzerrt durch pubertäre Inkontinenz des Verstandes.), das dort aufkam, als ich zum ersten Mal ihre Hand spürte, ist mir heute leider unbeschreiblich. Okay, ich möchte nicht sagen, daß Liebe das Größte aller Dinge ist, denn dann wüßte ich nicht, wovon ich rede. Aber in jungen Jahren, wenn zum ersten Mal ein hübsches Mädchen deine Hand hält, könnte man glatt davon ausgehen…“

Wie gesagt, mein Freund hat im Leben so seine Erfahrungen mit Frauen gemacht und jeder Mann würde lügen, wenn er sich in der ein oder anderen nicht wiederfinden würde, und Walli hat das Talent, das in bittere Worte zu verpacken, die einem aber trotzdem schmunzeln lassen. Und daß er noch nicht die Frau fürs Leben gefunden hat, liegt seiner Meinung nach nicht an ihm, wobei das schwer zu beurteilen scheint, wenn man chronisch notgeil ist, man hat manchmal richtig Mitleid beim Lesen. Und lesen tut sich das Ganze wie schon ‘Nachtschalter’ erfrischend dreckig und schamlos, Pulp Fiction aus Norddeutschland, die echter nicht sein könnte: „Mein Herz hatte sie soeben rausgerissen, ohne vorher den Brustkasten zu öffnen. Einfach so durch. Sie hatte es achtlos auf die Erde geschmissen, in einen Haufen Dreck und Scheiße, mit Benzin übergossen und das Feuer angepinkelt. Den durchgewrungenen, stinkenden Rest durfte ich mir anschließend wieder einsetzen, ich mußte ja weiterleben. Aber auch wenn der kümmerliche Rest vielleicht niemals mehr fähig zu lieben gewesen wäre, den Stolz hatte sie mir nicht rauben können: Und so nahm ich einen Schluck von meinem Bier, zischte es durch meine beiden Schneidezähne direkt in ihr linkes Auge und der Typ, der mir eben noch gegenüber stand, stand jetzt neben mir, beziehungsweise über mir, denn ich lag unter ihm mit blutender Lippe.“

Ich will nicht zu viel vorweg nehmen, denn das Buch ist mit 140 Seiten in äußerst lesefreundlicher Schriftgröße schnell durchgelesen. Und wer nun Lust auf diese Perle guter Untergrundliteratur bekommen hat, kann ‘Das Mädchen im Mond’ dann tatsächlich auch bald in unserem neuen BOARDSTEIN Onlineshop bestellen oder wendet sich über www.jan-wallenstein.de direkt an den Autor.

‘DE PROFUNDIS’ – A Berlin Skateboard Video by Philipp Hambach
Hinter dem Namen ‘De Profundis’ verbirgt sich eine Skate-DVD von Philipp Hambach, einem Kollegen aus Flensburg, der seit ein paar Jahren in Berlin wohnt und dort regen Anschluß zur Szene gefunden hat. Als erstes muß ich mich bei ihm entschuldigen, daß ich das versprochene Review erst jetzt zum Besten gebe, über ein halbes Jar nach der Premiere, aber im Umzugsstreß ist irgendwie die DVD ab- und dann erst spät in einem Karton wieder aufgetaucht, und dann gab es bei uns in Hamburg das ein oder andere technische Problem, so daß sich alles brutalst verzögert hat. Also dickes Sorry dafür, Bro!

Zurück zum Wesentlichen, denn ‘De Produndis’ kann sich wirklich sehen lassen, es wird 100% Streetskating geboten und Berlin hat bekanntlich mehr als genug Spots, bekannte und unbekannte, so ist diesbezüglich auf jeden Fall für Abwechslung gesorgt und es gibt auch reichlich Neues zu entdecken. Das gilt vor allem für die gezeigten Fahrer, so werden vor allem langjährige Locals vorgestellt, von denen man außerhalb Berlins wahrscheinlich noch nichts gehört hat, und die meisten der großen Namen haben in den zahlreichen Mixparts auch ein paar Tricks abbekommen. Die Mixparts gefallen mir auch am besten, doch die eigentlichen Parts sind auch durchweg ordentlich, mit dabei sind Vincent Heller, Paul Knipp, Willy Wagner, Robert Ciesierski, Enrico Fengler, Martin Gregor, Amnon Loewe und Yannick Schall, und sie allesamt bieten massig gutes Skateboarding, das sich fast durchweg im Tech-Bereich befindet, es wird also kaum gemosht im Video, wenn man mal von Willy Wagners Stunts absieht.

Highlight ist ohne Frage der letzte Part mit Roland Hirsch, der ist nicht nur schnitttechnisch am anspruchsvollsten und unterhaltsamsten, sondern auch vom Skateboarding her erstklassig, denn Roland legt eigentlich nur fette Manöver hin, mosht also auch ordentlich, und ich kann nur sagen, hoffentlich sieht man in Zukunft bald noch mehr von ihm. Im Bonusfootage gibt es massig Leftovers, bei denen aber noch einige Perlen zu entdecken sind, das zieht sich zum Schluß dann allerdings alles ein bißchen hin, allerdings ist die Musik hier besser als im eigentlichen Film. Das wäre auch der einzige Kritikpunkt meinerseits, nämlich die zum Teil unerträgliche Musik, ich steh` nun mal nicht auf Beats und dergleichen, und die dominieren hier. Ach so, und dann hakt meine DVD an manchen Stellen übel, so daß ich den Part von Yannick Schall z.B. gar nicht zu Ende gucken kann, aber das ist bestimmt nicht beabsichtig, zeigt jedoch, daß diese ganzen selbsgebrannten Sachen auch nicht immer das Gelbe vom Ei sind.

Die DVD hat insgesamt einen sehr urbanen Flair und macht Lust auf Skaten in der Hauptstadt, alles gut gefilmt und geschnitten, aber immer noch mit sympathischen Home Video Style. Das Teil lohnt sich das auf jeden Fall für gute Unterhaltung, insgesamt gute Arbeit! Und wer jetzt Bock auf ordentliches Berlin-Footage hat, wendet sich an blechschmelze@gmx.de und grüßt bitte Philipp schön von mir!

‘NOFX – BACKSTAGE PASSPORT’ – Fat Wreck Chords
Als alter (Betonung auf alt!) NOFX Fan habe ich die liebe Wiebke bei Fat Wreck in San Francisco gebeten, obwohl wir kein Magazin mehr machen, mir doch bitte ein Exemplar dieser DVD zu schicken, die nun auch schon seit einiger Zeit käuflich zu erwerben ist, was sie dann auch gemacht hat, dicken Dank erstmal dafür! Denn das ist mal eine Musik-DVD, die sich wirklich lohnt, sonst bin ich ja nicht so der Fan von Musik im Fernseher, aber Fat Mike und seine Jungs haben wirklich eine Menge Arbeit investiert und dabei ganze geleistet. So gibt es z.B. außer der eigentlichen Dokumentation auf einer zweiten DVD noch mehr Extrafootage, als man an einem Stück verkraften kann.

Aber kommen wir mal zum Inhalt, der macht das Ganze nämlich so besonders. Und zwar hatte sich die Band im Jahre 2006 eine etwas andere Welttournee als Ziel gesetzt, so sollte es ausschließlich in Länder gehen, wo man noch nie gespielt hatte und wo man vielleicht auch nicht unbedingt gerne gesehen ist. So flog man zu einzigartigen Gigs und Konzerten in exotische Reiseziele in Südostasien oder Südamerika oder auch nach Rußland, Japan und Südafrika, die sicher mit zu den Highlights im Film zählen. Und man ist halt die ganze Zeit quasi backstage live mit an Bord dabei und bekommt so einen guten Einblick in Situationen, die diese nicht alltäglichen Rockstars so wohl auch zum ersten Mal erleben.

Eine durch und durch witzige Reality TV Show im Stile von Steve-O und Konsorten, die sich wirklich lohnt und auch absolut sehenswert ist, wenn man mit der Musik von NOFX nichts anfangen kann. Hinterher muß man auf jeden Fall zugeben oder gegebenenfalls neidlos anerkennen, daß die Band es nach über 25 Jahren nur so weit gebracht hat, weil sie dabei immer eine Menge Spaß hatte, und das sollte bei Punkrock doch irgendwie das Wichtigste sein. Revolution, anders sein und alternativ leben schön und gut, aber ohne Spaß macht es doch echt keinen Spaß… Die DVD kommt im schicken Digipak mit informativen Booklet und kann von mir nur wärmstens empfohlen werden! Good watch!

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