BOARDSTEIN LEBT KOLUMNE – LAST TRY NR.14

25. November 2009 | Von Arne | Kategorie: Magazin Like
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Liebe BOARDSTEIN Gemeinde!
Weil sich ja sonst nicht so viel auf dieser Webseite tut, da wir nach wie vor dem gedruckten Wort näher stehen als dem visuellen, hier mal wieder etwas Getipptes, das tatsächlich auch auf Papier gedruckt wurde. Meine neuste Kolumne im Last Try Magazin aus Österreich, garniert mit ein paar Bildern von Minus Ramps und Co. Man muß nun beim Lesen dieser Zeilen bedenken, daß viel Zeit vergangen ist, bis es dann tatsächlich gedruckt wurde und jetzt hier online veröffentlicht. Und mit drei Monaten Abstand betrachtet würde ich manches so heute wahrscheinlich nicht mehr schreiben, was nicht heißen soll, daß ich es nicht genau so stehen lassen kann. Denn man muß sich im Klaren sein, ob man etwas wirklich so schreiben will, wie man es dann tut, wenn es tatsächlich mal in einem Magazin o.ä. gedruckt und auf die Menschheit zum Lesen losgelassen wird. Deswegen hat das gedruckte Wort in der Regel auch mehr Qualität als der ganze Ramsch, den man heutzutage so auf Webseiten liest. Aber steht in den meisten Magazinen nicht eigentlich auch nur Ramsch? Und wer bin ich zu behaupten, was Ramsch ist und was nicht, also bevor ich hier abschweife vom Eigentlichen, zieht euch einfach den Text rein oder laßt es bleiben! Aber ihr könnt euch sicher sein, daß Ende Januar der zweite Teil dazu genau an dieser Stelle nachgereicht wird, dann nämlich, wenn Last Try Nr.15 erschienen ist, auf Papier versteht sich…
Arne

Ohne Streß kein Leben

Hallo, hier ist wieder der BOARDSTEIN!
Wie auch unserer Webseite zu vernehmen ist und der ein oder die andere vielleicht schon anders mitbekommen hat, bin ich nach dem Ende unseres tollen Skateboardmagazins bei Minus Ramps untergekommen. D.h., ich habe den Sommer mehr oder weniger damit verbracht, mit einem Haufen gleichgesinnter Andersartiger individuelle Skateparks aus Beton zu bauen, und zwar so richtige. Ich kann mich sehr gut erinnern, daß ich bereits letzten Sommer auf der Bright Messe in Frankfurt Matt Grabowski, seines Zeichens Kopf und Gründer von Minus Ramps, vorwarnte, daß ich mit einem sich ankündigenden baldigen Ende unseres Magazins in Zukunft gerne für ihn arbeiten würde, sollte denn dieser schlimmste aller Fälle tatsächlich eintreten. Tja, und so mußte ich mich dann im Frühjahr tatsächlich für ein Praktikum bei Minus Ramps ”bewerben”, was sich sehr gut dadurch ergänzte, daß zu dieser Zeit zwei Baustellen in Hamburg, meiner jetzigen Wahlheimat, am Start waren. So konnte ich perfekt meine bescheidenen Vorkenntnisse in Sachen Betonbau erweitern und im Laufe der folgenden Monate auf weiteren Baustellen mehr oder weniger so vervollständigen, daß ich nächstes Jahr mit reichlich Praxis ausgerüstet in die Saison gehen kann und so tatkräftig helfen werde, weitere Skateparks zu verwirklichen.

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Fast fertig - Schifflange in Luxemburg

Und die Arbeit macht mir super Spaß, schließlich hatte ich eh die Schnauze voll davon, immer den ganzen Tag am Schreibtisch am Rechner zu sitzen und Bürohengst zu spielen. Nach neun Jahren war mir da so gesehen eine Abwechslung mehr als willkommen, auch wenn ich BOARDSTEIN natürlich sehr gerne noch ein paar Jahre weitergemacht hätte. Aber nun spiele ich halt nicht mehr Bürohengst, sondern schön im Dreck mit Beton, und das ist eine durchaus liebenswerte Angelegenheit. So bin ich den ganzen Tag draußen und an der frischen Luft und arbeite mit vollem Körpereinsatz und nicht nur mit dem Kopf, und ich habe sehr schnell gemerkt, wie mir das schon rein menschlich einfach gut tut. Und ich habe inzwischen auch mehr als einmal gehört, daß ich wesentlich gesünder aussehe als vor einem Jahr noch, kein Wunder bei so viel Sonne, wie ich sie diesen Sommer abbekommen habe.

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Aufräumen nach getaner Arbeit

Dazu kommt, daß ich einen Haufen neuer Arbeitskollegen habe, die größtenteils alte Bekannte von mir sind und mit denen man bei der Arbeit, aber vor allem auch danach – und das ist natürlich sehr wichtig, wenn man wochenlang irgendwo fern der Heimat auf Montage zusammen in einem Boot sitzt ? ordentlich Spaß haben kann. So handelt es sich in der Tat um eine Ansammlung von Freaks und scheinbar gesellschaftlich gescheiterten Existenzen wie mir und ich brauchte mich da gar nicht großartig ins Team einleben, sondern war vielmehr von Anfang an ein Teil des Ganzen. Und um euch die netten Jungs mal etwas näher zu bringen – denn sie sind es, die der an sich stumpfen Materie Beton Leben einhauchen, damit ihr und kommende Generationen an Skatern Spaß damit haben könnt – will ich euch die Mannschaft gerne mal vorstellen:
Am wichtigsten ist natürlich Matt selbst, für den es als langjähriger Rampenbauer und Transitionliebhaber, um nicht zu sagen Poolshredder, eine logische Weiterentwicklung war, aufgrund der beschissenen Lage bezüglich guter Skateparks in Deutschland und Mitteleuropa, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, sich das nötige Wissen und die dazugehörige Maschinerie anzueignen und einfach loszulegen. Und nach dem ersten Projekt, dem Mickey Mouse Pool in Hagen im Ruhrgebiet, geriet die Sache dann in den letzten drei Jahren so richtig ins Rollen. Matt`s Lebensstil ist insgesamt ziemlich kompromißlos und er zieht sein Ding durch, und daß er da eine gute Sache am Laufen hat, wird inzwischen von Skatern, die sogar aus dem Ausland kommen, um seine Parks zu fahren, durch hartes Skaten in den bereits fertiggestellten Objekten bestätigt. Außerdem rippt Matt selbst auch schwer auf dem Skateboard, und das ist quasi eine Grundvoraussetzung, um bei Minus Ramps zu arbeiten. Man muß einfach selbst Skateboard fahren und wissen, was man wofür baut, so gesehen steht die Maxime ‘Skateparks von Skatern für Skater’ bei uns an absolut oberster Stelle. Und Matt schafft es tatsächlich immer wieder, diesen Haufen abgerauchter Skateboarder zu organisieren und teilweise auf zwei Baustellen gleichzeitig arbeiten zu lassen, das ist schon mal ein kleines Kunststück für sich. Und wenn man dann noch bedenkt, was es sonst noch so für einen Streß mit sich bringt, eine Baustelle zu leiten und sich in Sachen Skateparkbau mit offiziellen Stadtvertretern auseinanderzusetzen, kann man schon mal vor Ehrfurcht nur den Hut, oder besser gesagt sein Meshcap, ziehen und Matt Respekt und Dank für seinen Einsatz aussprechen. Ohne Streß kein Leben…

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Baustellenkoller

Dann ist da noch Andre Neubert, ein alter Freund aus Hagen, der schon bei Minus Skateboards von Anfang an mit dabei war und auch bei Minus Ramps am längsten schafft. Andre, liebevoll auch Neubi gennant, ist ein ziemlicher Charakter, und sein böses Äußeres verträgt sich eigentlich so gar nicht mit seinem liebenswerten und superwitzigen Wesen, so ist beim Arbeiten eigentlich die ganze Zeit immer nur am Sprüche klopfen und Blödsinn machen. Er ist auch einer der Männer an der Spritze. Also wenn`s ums eigentliche Betonspritzen geht, ist er immer an vorderster Front, ein Job, der eine gewisse Härte und ordentlich Standkraft verlangt.

Ebenfalls aus Hagen und mit einer ähnlichen Vorliebe für gutes und viel Essen ausgestattet ist Mhueller, der BOARDSTEIN Leser der ersten Stunde mit seinen kranken Geschichten und Artikeln seinerzeit noch ein Begriff sein sollte. Und wer sich ein besseres Bild von ihm machen will, sollte sich am besten per Schleichwerbung in unserem neuen Onlineshop auf www.boardstein.com ein paar alte Ausgaben von uns nachbestellen, denn Mhueller muß man einfach gelesen haben. Und es ist schon ein bißchen komisch, nach all den Jahren wiedervereint neben- und miteinander auf dem Bau zu schuften und nicht im Büro, aber immer noch für Skateboarding…

Dann ist da noch Bruno aus Mechelen in Belgien, denn die Blutsbrüder vom belgischen Brusk Collective, ebenfalls langjährige Skateveteranen und Betonfreaks, haben viel bei Matt`s ersten Projekten mitgeholfen. Und Bruno ist bis heute bei uns geblieben und so eine Art One Man Army, der auch in seiner Heimat Projekte realisiert und auch schon in Amiland mit den Grindline Jungs zusammengearbeitet und demenstprechend große Erfahrungen auf dem gesamten Gebiet hat, von einer gloreichen Skateboardvergangenheit mal ganz zu schweigen. Auch Bruno ist ein super witziger Kollege und für jeden Schabernack zu haben, und auch wenn er Deutsch versteht und ein bißchen spricht, sorgt er doch dafür, daß unser aller Englischsprachkünste nicht einrosten und stetig weitergeformt werden. Soll heißen, wir reden durch ihn auf der Arbeit und nach Feierabend kollektiv zusammen ziemlich viel Englisch miteinander.

Auch vom BOARDSTEIN her solltet ihr Baum, Fabian und David Böttger kennen. Baum hat uns die ganzen neun Jahre lang als eine Art Maskottchen begleitet und hatte außer reichlich Zitaten und Partyaktionen sogar auch den ein oder anderen Artikel bei uns im Magazin. Und wer den Baum mal gesehen und erlebt hat, weiß auch, warum er nur ‘Der Baum’ genannt wird, man muß ihn einfach liebhaben, den Baum.

David war in den ersten Jahren unseres Magazins einer der fleißigsten Photographen, der uns mit massig Bildern vor allem aus Hamburg unterstützt und versorgt hat. Seine Photographenkarriere tauschte er dann irgendwann gegen die eines Fahrradkuriers ein, eine Zeit, von der er ziemlich viel und gerne redet. Aber auch das ist eine Sache der Vergangenheit und es ist schön, David wieder da zu sehen, wo er hingehört, nämlich im Skateboarding, und zwar, wenn nicht wie neuerdings auch mal vorne an der Spritze, meistens hinten an der Pumpe. Er sorgt dann dafür, daß der Beton immer einwandfrei durchläuft, und wenn es Zeit zu pumpen ist, für die Kommunikation mit den Betonlasterfahrern usw., ein wichtiger Job, gerade wenn die Betonmischung mal wieder zu zäh oder zu flüssig ausgefallen ist.

Und Fabian ist nach mir das neueste Rookie-Mitglied der Crew, auch einer der legendären Hagener und seit Anfang an Mitglied von Familie BOARDSTEIN, der gerade in unser Anfangszeit damals auf fast jeder Tour mit dabei war, viel gefilmt und mit seinem unerschöpflichen Allgemeinwissen geglänzt hat und auch immer noch tut. Er ist übrigens auch Drummer bei den genialen Burial, und die sollte man wirklich mal gesehen und vor allem gehört haben, wenn man auf Musik der härteren Gangart steht.

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Wir bauen Skateparks für die ganze Familie

So, das wären auf jeden Fall so die Jungs, mit denen ich diesen Sommer am meisten Zeit verbracht habe, das Team wird halt individuell nach Bedarf noch von ein paar Leuten ergänzt, wie z.B. durch Nils aus Hamburg, der schon bei fast allen bisherigen Projekten irgendwie mit dabei war, dieses Jahr aber durch neue Vaterpflichten ein bißchen von der Arbeit abgehalten wurde. Dann ist da noch Schalli aka Jörg Schaller, ein Vollprofi und Workaholic seiner Zunft, der mit Sk8park Project nebenbei noch seine eigene Rampenfirma betreibt, jetzt aber für noch mehr Weiterbildung erst mal wieder zur Schule geht. Oder Pudi, bürgerlich Axel Görger, Überlebenskünstler und Photograph, der auch BOARDSTEIN öfter mal mit seinen Bildern bereicherte und inzwischen nach einer eigenen Rezeptur in der heimischen Garage im tiefsten Schwarzwald hochwertiges Poolcoping herstellt, welches dann widerum auch von uns in unsere Pools und Bowls verarbeitet wird. Pudi legt aber auch auf dem Bau selbst gerne mit Hand an, und dadurch, daß er schon über dreißig Jahre Skateboard fährt und so ungefähr jeden kennt und alles schon gesehen hat, kann er stundenlang Geschichten erzählen und Anekdoten auspacken. Aber viel wichtiger ist, er läßt mit inzwischen 44 Jahren fast alle von uns, zumindest in Transitions, ziemlich alt aussehen. Soll heißen, Pudi rippt die Scheiße verdammt, der kann sogar richtig Halfpipe skaten! Oh Mann, und da hätte ich beinahe Dirk Lücke vom Studio L2 vergessen, der ausführenden Architekt, der Matt und uns bei allen Unternehmungen immer den Rücken freihält und nebenbei auch sein eigenes Poolcoping herstellt, welches ebenfalls schon in etlichen Projekten von uns verwendet wurde. Lücke ist mehr der Mann hinter den Kulissen, aber ohne ihn würde eigentlich gar nichts laufen, denn ohne Architekten geht`s nun mal nicht.

Schalli spritzt ab

Schalli spritzt ab

Irgendwie kann man letztendlich schon sagen, daß sich diese herzensgute Mannschaft mehr oder weniger durch BOARDSTEIN kennengelernt hat, und das Lustige an unserer Vollblutproletariertruppe ist, daß wir auf die Außenwelt ganz offensichtlich den Eindruck eines zutätowierten, biertrinkenden Trümmerhaufens abgeben – und das ein oder andere davon läßt sich ganz sicher auch nicht leugnen – aber wenn die Leute uns einmal haben arbeiten sehen oder sichtlich erfreut zum ersten Mal das Endergebnis unserer Arbeit bestaunen, können wir uns des Respekts aller sicher sein. Denn wir verstehen unser Handwerk und für den ein oder anderen Landschaftsarbeiter- und architekten gibt es soagr noch was von uns zu lernen. Denn grundsätzlich muß man davon ausgehen, daß die meisten offiziellen Involvierten noch nie mit einer so individuellen und artfremden Baustelle zu tun hatten, das sieht man z.B. auch immer am Interesse der Betonmischerfahrer, wenn sie das erste Mal unsere Baustelle anfahren und sich fragen, was das denn wohl mal werden soll, wenn`s fertig ist. Und daß wir anscheinend dann doch ganz umgängliche Typen sind, wird uns immer wieder von offizieller Seite oder zivilen Besuchern der Baustelle bestätigt, ganz zu schweigen von diversen Herbergsvätern und Campingplatzwarten, deren Etablissments wir auf Montage nun mal regelmäßig in Anspruch nehmen müssen. Ich glaube wirklich, wir haben bisher überall einen durchweg positiven Eindruck hinterlassen und das allgemeine Bild des verhaßten Skatepunks ein wenig ins rechte Licht gerückt.

Gebailt, aber nicht gestanden

Gebailt, aber nicht gestanden

Tja, so viel erstmal dazu, nächstes Mal erzähle ich euch dann, warum wir ausgerechnet Betonskateparks bauen und warum eigentlich jede Stadt und jede Gemeinde einen ordentlichen Betonskatepark braucht. Und wenn man bedenkt, daß wir diese Saison so gesehen ”nur” fünf Projekte fertiggestellt haben, nämlich zweimal Hamburg, Siegburg bei Bonn, Luxemburg und Düsseldorf, wird es sich noch ganz schön hinziehen, bis wir Mitteleuropa so mit Beton zugepflastert haben, daß wir auch nur ansatzweise zufrieden sein können. Aber Anfragen und Aufträge für nächstes Jahr gibt es anscheinend genug, und so wie es aussieht, muß Matt sich wirklich Gedanken machen, wie er das mit einer solch kleinen Mannschaft alles bewältigen will, ohne selbst den körperlichen Kollaps herbeizuschwören. Aber wie sagt er immer so schön? ‘Ohne Streß kein Leben’…
Wir lesen uns im nächsten Heft. Make good!

Ein Kommentar
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  1. ich find sau cool, dass sich bei Minus Ramps die halbe bs crew wiedertrifft… jetzt halt im praktischen einsatz für skateboarding

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