FRANCIS – DAS INTERVIEW
7. Februar 2009 | Von Web Gnom | Kategorie: Magazin LikeSpezielle Zeiten erfordern spezielle Berichterstattung, gerade auf unserer tollen neuen Webseite. So wollen wir euch an dieser Stelle jetzt nicht nur alte unaktuelle Artikel bieten, sondern auch was richtig Aktuelles und Zeitgemäßes: Ein Interview mit unser derzeitigen und wohl letzten Praktikantin mit dem klangvollen Namen Francis Quasthoff, die uns jetzt, im zarten Alter von 19 Jahren, schon seit gut drei Monaten live vor Ort beisteht und bei unseren Auszug und der Fertigstellung der letzten Ausgabe mit helfender Hand zur Seite steht. Dafür sind wir wirklich ausgesprochen dankbar, danke, Francis! Und anscheinend gefällt es ihr hier sogar so gut, daß sie ihr Praktikum ein paar Wochen verlängert hat, um uns auf diesem schwierigen und anstrengenden Weg auch bis zum endgültigen Ende zu begleiten, und alleine dafür hat sie schon unseren, aber vor allem auch euren Applaus verdient. Ihre Tage sind übrigens gezählt, am 10.2. fährt sie ein letztes Mal nach Hause und wird dann nicht wieder nach Dortmund kommen, schneuz… Aber Glück für sie, dann muß sie mir nicht mehr ständig Geld leihen… Wir haben Francis also mal ein paar Fragen gestellt, um sie euch und ihre Tätigkeit einmal vorzustellen, weil wir denken, das könnte doch für den einen oder die andere interessant sein, was aber leider nicht heißen soll, daß ihr euch weiterhin für Praktika bei uns bewerben könnt, die Zeiten sind leider vorbei. Jetzt aber erstmal alle zusammen ein dreifaches Hoch auf Francis!!! Ho-ho-hoch und holldrio!
Arne
Francis, was sollten die BOARDSTEIN Leser und Fans über dich wissen? Zum Beispiel, daß du dein Skateboard nicht mit nach Neuseeland genommen hast!?
Ich finde nicht, daß das unbedingt jeder wissen muß. Die Entscheidung nach Neuseeland zu gehen war eine reine Bauchentscheidung, die mir ganz und gar nicht schwer im Magen lag. Ich hatte mich dafür entschieden und wußte, daß es richtig war. Noch viel unerwarteter kam die Entscheidung, mein Brett nicht mitzunehmen. Das ist jetzt über ein Jahr her und mittlerweile sehe ich die Dinge ganz anders, was wahrscheinlich wiederum daran liegt, daß ich ganze neun Monate auf mein eigenes Brett verzichten mußte. Ich liebte und liebe es, Skateboard zu fahren. Doch vor einem Jahr war ich der Meinung, etwas völlig Neues kennenlernen zu müssen, und das ging nur, wenn ich alles schon Bekannte zurück ließ. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht und sie war nicht überlegt. Sie war halt aus dem Bauch heraus und lag mir schon wenige Wochen später schwer im Magen. Ich erinnere mich noch an so manche Straßen, die mir beim bloßen Anblick des Belags ein wohliges Stöhnen entlockten. Aber barfuß auf ihnen lang zu laufen war fast halb so schön wie mit Brett. Und in Gedanken habe ich so manche Spots bearbeitet. Ich finde damit ist schon ziemlich viel über mich gesagt. Ich bin halt ein Bauchmensch, der sich gerne in seine grenzenlose Phantasie verliert, sich dabei den Bauch streichelt und auf ein wahr werden der gerade geträumten Träume hofft.
Erzähl` mal kurz, was du in Neuseeland gemacht hast und wie es da war!
Ich bin nach Neuseeland geflogen, ohne auch nur das Geringste über dieses Land zu wissen, was viele sicher für fragwürdig und ziemlich leichtsinnig halten. Aber so hatte ich keine Erwartungen, die möglicherweise enttäuscht worden wären. Ich hatte kein vorgefertigtes Bild in meinem Kopf und sah Neuseeland so, wie es sich eben gerade mir zeigte. Und es zeigte sich mir von der allerbesten Seite. Nenn` es Glück oder Vorsehung, ich nenne es einfach nur gelungene neun Monate und ein unvergeßliches Erlebnis. Gemacht habe ich so ziemlich alles, was ich schon immer mal machen wollte, ohne dabei in irgendeine Touristenattraktion abzudriften. Es gab da so einen Werbeslogan – Pure New Zealand – ich glaube ich kann von mir sagen, daß ich genau das erlebt habe. Ich habe gearbeitet, bin gereist, habe die großartigsten Menschen gefunden, ohne sie vorher gesucht zu haben, war mal traurig und mal fröhlich. Ich habe gelebt und mich dabei ein Stück weit selbst entdeckt.
Warum dann ein Praktikum bei BOARDSTEIN im Keller?
Mein eigentlicher Plan war es, im Anschluß ein Studium zu beginnen. Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der FU in Berlin. Dummerweise war die Bewerbungsfrist schon abgelaufen und nachrutschen war auch nicht mehr drin. Also beschloß ich, ganz einfach noch ein paar praktische Erfahrungen zu sammeln, bevor es drei Jahre lang an trockene Theorie geht. Und da ich mit Arne schon in Neuseeland reichlich e mail- Kontakt hatte und die Vibrations stimmten, machte ich mich auf in den Pott.
Wie hast du gelebt und gewohnt in Dortmund, du wohnst ja eigentlich relativ weit weg!?
Oh ja, ich komme aus einer kleinen Stadt im schönen Osten. Aschersleben ist ihr Name und die älteste Stadt Sachsen-Anhalts. Nichts worauf man besonders stolz sein kann. Aber der Osten, der ist schön. In Dortmund gelebt habe ich im BOARDSTEIN- Keller, gewohnt habe ich da auch, nur geschlafen habe ich woanders. Ich bin da an so eine Wohngemeinschaft geraten, wie sie ganz und gar nicht im Bilderbuche steht, aber da zur Zeit meiner Anreise gerade ein akuter Wohnungsmangel herrschte, blieb mir gar nichts anderes übrig. Meine Mitbewohner waren mißtrauisch, verschlossen und vom ständigen Wechsel der Anwohner völlig abgestumpft. Aber getrübt hat mich das nicht. Ganz im Gegenteil, umso mehr Zeit habe ich eben woanders verbracht und einen Nebenjob als eine Art Taxifahrer hatte ich ja auch noch. Und die letzten Wochen habe ich dann sogar noch im Keller übernachtet. Ein Zimmer und die Miete gehen ja auch ganz schön ins Geld. Und Geld ist ja eh immer knapp.
Was waren so deine Aufgaben während des Praktikums? Was hast du am liebsten gemacht und was mochtest du gar nicht?
Erst mal mußte ich ankommen und dann klarkommen. Mit der noch unklaren Lage und dann mit der immer klarer werdenden eher schlechten Lage für BOARDSTEIN. Der Gedanke, BOARDSTEIN beim Abbau helfen zu müssen, stieß in mir übel auf. Aber einmal damit angefreundet und das Ganze von einer anderen, motivierteren Seite betrachtet ließ mich sogar Spaß an der Arbeit haben. Klar, der schleichende Abriß und das immer kahler werden der Wände war kein Sahnebonbon, aber alle Augen richteten sich in Richtung letztes Magazin. Noch ein letztes Mal allerletzte Gelder zusammenkratzen und jede Menge neue Aufbringen um dieses 160 Seiten- Monster irgendwie finanzieren zu können. Einen nicht unwesentlichen Teil trugen da die Ebay- Auktionen bei. Spätestens nach dem Einstellen des zweihundertfünfundvierzigsten Artikels hatte ich davon genug. Allein der Gedanke daran, daß das noch lange nicht der letzte Artikel gewesen war, ließ mein Gesicht in die Unkenntlichkeit verzerren. Aber da ging es Arne und Klaas nicht anders. Routinearbeit ist für mich wohl das Schlimmste. Am besten gefällt mir alles, wo ich selbst kreativ sein darf. Da gab es nicht so viel, aber das Korrekturlesen Arne seiner Texte hat mich immer ganz gut befriedigt.
Wie hast du diese spezielle Zeit, die du mitgemacht hast, erlebt, und was waren die großen Highlights bzw. Tiefpunkte während deiner Zeit in Dortmund?
Es gab gute Tage und schlechte Tage. Die guten Tage waren gut und die schlechten Tage waren auch irgendwann vorbei. Persönliches Highlight für mich war, als mein Freund mich in Dortmund besucht hat. Es gibt eben doch nichts Schöneres, als mit einem geliebten Menschen auf Beutejagd zu gehen, sich auf den Straßen auszutoben und mit einem breiten Grinsen einzuschlafen. Gleich auf ist der Bowljammer in Schwarzenbach. Tolle Menschen und tolle Feier. Weiteres Highlight war der hohe Besuch aus Leipzig, Wulf and Friends, die mit ihrer 20.000 EUR Kameraausrüstung die gefühlten letzten Stunden im BOARDSTEIN- Keller dokumentarisch festhielten, was gleichzeitig auch irgendwie den Tiefpunkt darstellte, da es sich ja schließlich um die letzen Stunden handelte.
Was hat dir am BOARDSTEIN Magazin immer am besten gefallen?
Ich habe über die Zeit so einen komische Macke entwickelt, Magazine beim ersten Durchblättern immer von Hinten anzufangen. Und da hatte ich bei BOARDSTEIN immer gleich meinen persönlichen gelesenen Höhepunkt. Die Boardsteinschwalben machen einfach spaß. Klar, da gibt es noch jede Menge anderer Sachen, die gefallen. Die berühmten Vorworte, viele Wahre Worte und ganz bitter, Deutschlands beschissenste Skateparks. Aber was soll das viele Drumherumgerede, BOARDSTEIN ist/war einfach ein Ausnahmeheft und jede Ausgabe ein gelungenes Gesamtwerk für sich. Schön war`s. Alter, zieh’ dir das ma` rein!
Wie hast du die Redaktion, ihre Bewohner und Besucher kennengelernt, wie war die Atmosphäre im BOARDSTEIN?
Als ich das erste Mal in den Keller kam, war ich von den ganzen Eindrücken völlig erschlagen. Hinsetzten und entspannen ging erstmal gar nicht. Aber als das überwunden war, konnte auch ich die ungezwungene Atmosphäre in der BOARDSTEIN genießen. Es lag auch schon mal Gram und Schwermut in der Luft. Aber das gehört ja schließlich dazu. Besonders bei so einer intensiven Phase, wie ich sie erlebt habe. Ansonsten war der Keller immer freundlich zu seinen Gästen und die Gäste immer irgendwie speziell.
Beschreibe mal ein bißchen Klaas und Arne, was sie so machen und was so ihre Unterschiede sind!
Da gibt es so viel. Unterschiedlich sind die beiden ja wie Pech und Schwefel. Ich finde, daß beschreibt es schon ganz gut. Die beiden sind unterschiedlich, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, dennoch halten sie zusammen und das so richtig. Klaas ist insgesamt ein sehr runder Mensch. Und damit meine ich nicht nur seinen gut geformten Bauch, alles an ihm stimmt. Immer ordentlich angezogen, selten fettiges Haar und der Schreibtisch immer sauber. Selbst am Telefon ist er immer souverän. Allein die Begrüßung – „BOARDSTEIN, Klaas, hallo!“ – runder geht nicht. Man kann schon sagen, daß Klaas ein kleiner Perfektionist ist. Alles, was er macht oder unter seinem Namen läuft, muß auch richtig gemacht werden. Aber trotz der ganzen Ernsthaftigkeit, die sein Leben ausmacht, ist Klaas ein Mann mit Herz. Seine Phantasie und die Gabe, sich Dinge bildlich vorzustellen, übersteigt die meine um Längen. Er erfreut sich manchmal an Dingen, die ich einfach nicht nachvollziehen kann. Trotzdem lache ich jedes Mal mit, denn wenn Klaas erstmal lacht, ist es nicht nur die Stimme, die sich freut, nein, der ganze Mensch wippt auf und ab. Gestern erst schnappt er sich meinen Joghurt, rennt damit zu Arne und meint „Ahn ma`, sieht aus wie Rotze.“ Arne ist da schon kantiger und meldet sich auch mal gerne mit „Abfallhalde“. Trotzdem ist er ein Mensch mit ganz Fiehl Liebe in sich. Er skatet mit Liebe, schreibt mit Liebe und bindet sich die Schuhe mit Liebe, und wenn er lacht, lacht alles in mir mit ihm.
Sind deine Erwartungen von BOARDSTEIN erfüllt worden und hast du was gelernt während deiner Zeit? Hat sich das Praktikum gelohnt?
Natürlich nicht.
Du photographierst ja auch gerne, warum verkaufst du trotzdem deine Kamera im Rahmen der laufenden BOARDSTEIN Ebay-Auktionen?
Die Digitalkamera sollte das Grande Finale meiner bisherigen eher kleinen Ausrüstung darstellen. Leider mußte ich dann feststellen, daß ich für die geschätzten dreihundertfünfundzwanzigtausend Funktionen und Spielerreihen an diesem Kameramonster gerade keinen Kopf frei hatte. Und es tat mir so leid, sie so unterfordert und teilweise unbenutzt rumliegen zu sehen. Da ich eh nicht der Mensch bin, der irgendwas nur halbherzig in Angriff nimmt, habe ich mich entschlossen sie fürs Erste wieder zu verkaufen und darauf zu warten, daß ich mich diesem kleinen, großen Projekt ‘Neue Kamera’ gewachsen fühle. Und mit 500 Scheinchen läßt sich ja auch anderweitig einiges reißen. Was aber nicht heißen soll, daß das Thema Photographie für mich abgeschlossen und zu den Akten gelegt ist. Photographieren und kreativ sein, sehen und festhalten, was vielleicht kein anderer sieht, ist Teil von mir und kann nicht so einfach verkauft werden. Die analoge Schwester der 20D gibt`s ja auch noch und wird jetzt eben wieder öfter ausgepackt.
Hast du irgendwelche Pläne und Ziele für deine Zeit nach BOARDSTEIN?
Uh ja, also Ziele immer, Pläne auch ganz viel, nur mit der konkreten Umsetzung hapert`s meistens ein bißchen. Berlin spuckt immer noch in meinem Kopf rum. Ich werde dort wohl für eine Weile Wurzeln schlagen. Aber das Reisen bleibt auf keinen Fall aus. Ganz viel reisen und ganz viel raus. Ein Buch muß auch noch geschrieben werden, nicht nur eins, und die Eindrücke, die ich in Neuseeland gesammelt habe, müssen auch noch irgendwie kreativ umgesetzt werden. Ich sag` ja, an Zielen und Plänen mangelt es bei mir nicht. Ein ganz großes Ziel, das keinen großen Plan bedarf, ist das Willkommenheißen des Sommers. Langsam langt`s mit kalt und naß und so.
Was kannst du zum Schluß den Menschen, die das hier lesen, mit auf den Weg geben?
Ich kann nur sagen, ich will alles wagen, und das sollten die Menschen, die das hier lesen, auch. Leben und brennen, denn die Welt ist voller Sterne.





i like a lot! :)
Ich hatte mal das Vergnügen Francis bei einem Kellerbesuch kennen zu lernen
und mein Eindruck passt zu dem Interview.
ein Rundes Positivum!
Wünsch dir was
und bleibe so.
alla
wolfgangster