GERÄUSCHE AUS DER KÜCHE, NR. 46.5

17. Januar 2009 | Von Web Gnom | Kategorie: Magazin Like
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Das größte Phänomen der Rockgeschichte, namentlich MOTÖRHEAD, knallt uns nur ein Jahr nach der letzten Scheibe erneut elf Brecher vor den Latz, die sich gewaschen haben. ‘Motörizer’ heißt ihr 24.(!) Album und man bekommt, was man erwartet, und darf sich darüber einmal mehr freuen, denn die Platte ist wieder einfach nur klasse. Lemmy, mittlerweile 63, zeigt allen, was Arsch tretender Rock`n`Roll ist und warum Motörhead diesbezüglich höchstens AC/DC das Wasser reichen kann. Mein Anspieltip: ‘Rock out’.

THE REVOLTING COCKS gehören zu den Bands, die auch Punks und Metallern gefallen, die sonst rein gar nichts mit elektronischen Klängen anfangen können. Im Ganzen Ministry sehr ähnlich, aber nicht ganz so hart und ein bißchen mehr mit `80er Jahre-Sounds angereichert. Ist also auch in Großraumdiscos tanzbar, am Alternative-Abend zu später Stunde gleich nach Rammstein, Genepool und CKY. ‘Sex-O Olympic-O’ heißt das neueste Werk der Mannen um Mastermind Al Jourgensen und es lohnt sich wie immer.

Die neue SCHEISSE MINELLI, ‘The Crime Has Come’ gab`s diesmal leider nur als gebrannte Promo ohne Cover, aber egal. Wieder ein absoluter Hauptgewinn, Oldschool Hardcore Punk von der West Coast läßt grüßen. Ich spar` mir diesmal Vergleiche, aber die Platte wäre als Soundtrack für die besten Skatevideos der späten `80er bestens geeignet. Gehört eigentlich in Flow`s Skaterock News das Ganze, Doppeldaumen hoch nach Aschaffenburg!

Ebenfalls zwei Skater sind bei KLANGABUSUS am Start, einer neuen Band aus Flensburg. Getreu dem Motto ‘Einfach machen’ haben sie zehn Songs aufgenommen und unter dem Namen ‘Sisplietsch’ selbst rausgebracht. Angenehm abwechslungsreicher Punk Rock, mal deutsch, mal englisch gegröhlt, experimentierfreudig und alles andere als überprouziert. Ist wirklich authentisch und durchaus hörenwert.

Aus der Bay Area kommen STATIC THOUGHT mit ihrem zweiten Album ‘The Motive For Movement’, mal wieder ein absoluter Hellcat Hauptgewinn. Punk Rock wie er sein soll, schnell, energiegeladen, aggressiv und anspruchsvoll. Durch die vielseitigen Songs und die Tatsache, daß wohl alle vier Bandmitglieder singen, klingt es zuweilen sogar wie ein Sampler. Ganz großes Kino jedenfalls!
Die Label-Kollegen STREET DOGS bieten dagegen auf ‘State Of Grace’ reinen Street Punk mit reichlich Dropkick Murphy`s Flair, kommen ja auch aus Boston. Mehr muß eigentlich auch nicht gesagt werden, interessant ist laut Promoflyer vielleicht noch, daß der Sänger ehemaliger Feuerwehmann und Golfkriegsveteran ist…

CIVET sind vier heiße Punkrock-Ladies aus L.A., die`s sich richtig dreckig geben. Erinnert spontan an die Distillers, zeigt dann aber auch eine eigene Note aus melodischem Punkrock, der wirklich rotzig und dreckig vorgetragen wird. Ihre erste Scheibe erschien auf Duane Peters` Disaster Records, ‘Hell Hath No Fury’ auf Hellcat ist ebenfalls eine Gewinnerin und die Band hätte eigentlich in der Ladies Issue mit Interview vorgestellt werden müssen.

Nicht wirklich brauchen tut man dagegen TURBONEGRA, fünf Turbojugend-Jüngerinnen aus San Francisco, die die größten Hits ihrer Helden nachspielen. Da sie das aber ganz gut machen, drücken wir mal ein Auge zu, denn ‘L`Ass Cobra’ kann man deswegen ruhig mal durchlaufen lassen.

Apropos TURBONEGRO, deren 2005 auf 1000 limitierte ‘Small Feces Vol.1 & 2′ Compilation wurde jetzt im schicken Digipak re-released. Das Ganze enthält das komplette Schaffensmaterial der Band von 1989-`97, haufenweise Coverversionen, unveröffentlichtes Zeug und Session-Aufnahmen, da real shit sozusagen. Von Geldmacherei kann keine Rede sein, weil es sich um sehr geiles und hochwertiges Material handelt, das somit nicht nur für Turbojünger interessant ist, denn hier sind Turbonegro noch 100% Punk Rock und nicht überproduziert.
Mit ihnen vergleichbar sind die Landsmänner von SILVER, und die haben sich mit ‘Wolf Chasing Wolf’ ordentlich von ihren letzten Alben wegentwickelt, aber das Programm bleibt ansprechender Punk Rock. Wesentlich rockiger als zuvor schleichen sich ordentlich Heavy Metal-Anteile in die Songs und geben dem Ganzen so eine irgendwie glamouröse Note.

Ein sympathisches Trio aus deutschen Landen, genauer gesagt aus Selm-Bork, liefert unter dem mysteriösen Namen EXGORKINOWAK mit ‘No Comments From The Peanut Gallery!’ eine selbstproduzierte CD ab, die dank der rauhen Stimme als erstes und auch später wie eine Mischung aus Social Distortion und Leatherface klingt. Rock`n`Roll der Spaß macht und blind weiterempfohlen werden kann.

Ebenfalls nur zu dritt, aber hingegen aus Brandenburg sind EARTHBEND und die machen ausgeklüngelte Rockmusik fern von allen Standards. Anspruchsvolles Songwriting, eine ordentliche Portion Pop und elementare Einflüsse aus den `70ern machen ‘Harmonia’ zu etwas Besonderem. Die lange Spielzeit der Scheibe, spricht für sich, das ist also nichts für stumpfe Ochsen in Lederjacken, sondern eher für Musikliebhaber.

ADAM WEST haben schon wieder eine neue Scheibe fertig, aber die schlechte Nachricht zuerst: Es wird wohl die letzte sein, denn die Band hat sich danach aufgelöst. ‘ESP: Extra Sexual Perception’ reiht sich ein aber 1A ein in ihre lange Liste von Veröffentlichungen, und wer Bock auf exquisite Rockmusik hat, wird hier auf jeden Fall zufriedengestellt.

BORN TO LOSE kommen aus Texas und bieten auf ‘Saints Gone Wrong’ erstklassigen Rock`n`Roll, der keine Wünsche offen läßt. Melodie und die nötige Härte ergänzen sich hervorragend, so daß ich mich manchmal sogar an Good
Riddance erinnert fühle, aber hört am besten selbst mal rein.

Ein Debut gibt es von THE NIGHT MARCHERS, und das heißt ‘See You In Magic’. Zu hören gibt es auch hier Rock, aber eher so auf Alternative. Sehr individuell und handwerklich ist da nichts zu beanstanden. Zum Teil könnte das auch im Radio laufen, ist aber eigentlich zu gut dafür.

Etwas Besonderes liefern auch SUBSTYLE ab. Gutes und abwechslungsreiches Songwriting, ein super Sänger, insgesamt irgendwie eine Mischung aus Mainstream-Rock und authentischer Alternative-Musik inkl. Akkordeon. Erinnert mich stellenweise an ganz alte Bon Jovi Sachen, was wohl am Sänger liegt. ‘Walk The Dino’ ist jedenfalls definitiv kein Einheitsbrei und alleine deswegen schon ein Reinhören wert.

Wes Borland veröffentlicht mit BLACK LIGHT BURNS nur vier Monate nach deren letztem Album jetzt ‘Cover Your Herat & Anvil Pants’, zehn Coverversionen (u.a. Lard, Iggy Pop, Duran Duran) plus sieben instrumentale Eigenkompositionen, die nochmal eine eigene Sprache sprechen. Die Coversongs werden recht schrammelig rübergebracht und mit reichlich Industrial-Sounds angereichert, weswegen das Ganze nicht überflüssig, sondern äußerst höhrenswert geworden ist. Die instrumentalen Stücke klingen teilweise wie die Musik von Ray Barbee in langsam, und das alles gibt`s fett mit dazugehöriger DVD.

XAVIER RUDD ist ein Singer/Songwriter mit Surf-, Reggae und Worldmusic-Roots und sein neues Album ist dadurch sehr vielschichtig und ausführlich geworden. Läuft es erst eher gemächlich und gemütlich an wird es zwischendurch auch clubtechnisch tanzbar, alles in allem sehr chillige und intelligente Musik.
Zum Schluß erweisen sich URIAH HEEP die Ehre, die haben inzwischen auch gut vier Dekaden auf dem Buckel und legen jetzt mit ‘Wake The Sleeper’ nach zehn Jahren mal wieder ein neues Album vor (das 21.!). Und natürlich haben sie nichts verlernt, das ist Prog Rock der Spitzenklasse. Wer auf die `70er steht oder nur ansatzweise Rocker- oder Hippie-Tendenzen hat, ist mit den britischen Altmeistern bestens bedient.
Arne

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Ein Kommentar
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  1. moin arne…danke für die blumen, das album nennt sich übriegens “Displietsch” …..bis bald ma wieder in flenne…

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