Ihr Lieben!
Als ich Anfang Januar einen Tag, nachdem ich aus dem Senegal wieder zu Hause war, angefangen hatte, den Blog dazu zu schreiben, hatte ich euch hier in der Einleitung noch ein frohes neues Jahr gewünscht. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, daß es über zwei Monate dauern würde, bis ich das Ganze vollenden und hochladen konnte. Warum es so kam, erklärt sich im folgenden Text, deswegen kommen wir mal schnell zum Wesentlichen. Ich und die olle Olga, meine heiße Feuermausgefährtin, waren ja wie im letzten Eintrag angekündigt über Weihnachten und Silvester für drei Wochen im Senegal im endlich mal wieder wohlverdienten Urlaub. Und wie ebenso letztes Mal angekündigt bin ich nach kurzen zweieinhalb Wochen zu Hause schon wieder nach Indien geflogen, zum Arbeiten, Skateboard fahren und weiser werden, aber ich will euch jetzt erstmal von unser Senegal Reise berichten. Denn Afrika ist bekanntlich nicht immer nur Urlaub, sondern für unsere westlichen Standards auch Abenteuer, weil das ist nun mal eine völlig andere Welt, wie das Kontinente oder auch nur unbekannte Länder (weit weg) seit jeher so an sich haben. Und eigentlich mache ich ja nicht so gerne Urlaub in sogenannten – aus Ermangelung besserer Wörter – Dritte Welt- oder Entwicklungsländer ohne dazugehörige Skateparkbaumission, es fühlt sich irgendwie falsch an. Aber nach zwei Jahren Winter zu Hause brauchten wir Ende letzten Jahres mal wieder vor allem Sonne und Meer mit nicht allzu viel Streß nebenbei. Und ich brauchte noch ein Land in Westafrika für meine tätowierte Weltkarte auf`m Rücken, dazu dann im Laufe der nächsten Wochen hoffentlich die entsprechenden Photos…
Ein senegalesisches Sprichwort lautet:
Jamoul aya na, tey ladhieteoul a ko raw.
Not to know is bad, not to wish to know is worse.
Word… Und auch wenn ich weiß, daß so ein halbwegs authentischer Afrika-Trip nicht jedermensch`s Sache ist, sollte jeder Mensch das mal gemacht haben oder sich wenigstens mal Afrika von innen angucken. Nämlich um die Welt besser zu verstehen und sich einmal mehr ins Gehirn zu hämmern, wie scheiße privilegiert wir sind in unserer tollen westlichen Blase. Aber kommen wir mal von diesen Unterschieden weg, no borders, no nations… Tatsächlich könnte man den folgenden Reisebericht vielleicht auch als eine Anleitung zum Nachmachen betrachten, ich werde auch extra alle von uns sehr zu empfehlenden Unterkünfte für Euch verlinken (leider nur über Booking.com, manchmal muß es auch einfach gehen), denn Senegal ist ein wirklich tolles Land zum Bereisen und Kennenlernen, vor allem wenn mensch Sonne und nette Menschen mag. So, und da ich selber aber am besten weiß, daß ich mich mit diesem Blog-Eintrag echt mal beeilen muß, schreib` ich jetzt einfach los…
Dollerupholz, Donnerstag 8. Januar 2026 19.10 Uhr
Liebes Tagebuch!
Am 16. Dezember sollte es ja losgehen mit unser Reise, nach zwei Tagen im Kuschelland bei Olga in Hamburg (mit nochmal kurz nach Hause fahren, um den vergessenen Impfpass zu holen, grmpf) ist der ganze Batzen also um 18.03 Uhr mit Turkish Airlines über Istanbul nach Dakar geflogen. Das hat mit gut drei Stunden Aufenthalt insgesamt 15 Stunden gedauert und war eher anstrengend. Wir hatten extra einen Nachtflug gebucht, um nicht unnötig Zeit zu verplempern, aber leider hat das mit dem Schlafen im Flieger nicht so richtig geklappt, super stickige Luft und irgendwie zu viel Aufregung und Vorfreude vielleicht. Ich hab` dann im Unterhaltungsprogramm mal wieder ‚Eine neue Hoffnung‘ (Special Edition) geguckt und bei der Szene mit Luke und den Doppelsonnen auf Tatooine wie immer geheult. Sehr zu empfehlen auch die Bob Dylan Verfilmung ‚A Complete Unknown‘, ich bin ja großer Fan… Leider kamen wir dann beide – ich krasser als Olga – ziemlich durch und gerädert morgens in Dakar an. Da hatten wir uns ja zum Ankommen für drei Nächte ein Zimmer im La Casbane du Pecheur Atlantic Evasion gebucht, die einzige feste Buchung außer der Lodge über Silvester in Cap Skirring im Süden Senegals, die wir hatten. Alles andere also go with the flow und so, Hauptsache Küste und südwärts…
Also mit Taxi einmal quer durch die große (3,5 Millionen EinwohnerInnen) Stadt und erstmal in Betti, natürlich nicht so viel Bettwäsche wie zu Hause, war ja sehr warm bis heiß, die frische Brise dazu tat auf jeden Fall sehr gut. Unsere erste Unterkunft war so ein Surf-lastiges Hostel, weil vor dem fünf-Minuten Bootsfahrt entfernten Inselchen Nbor einer der besten Surfspots des Landes vorzufinden ist, wir waren also bestens aufgehoben.
Ja, und noch witziger – genau wie in Tunesien letztes Jahr – nachdem wir tagsüber unseren Schlaf nachgeholt hatten, mußte ich bei meinem ersten abendlichen Spaziergang durch die Hood feststellen, daß einer von den drei Skateparks, die ich in Dakar hatte googeln können, gleich um die Ecke war – perfekt! Da konnte ich doch direkt am zweiten Tag die Hälfte von meinem mitgebrachten Stuff loswerden. Dickes Danke an dieser Stelle nochmal an Richie und Mantis, die kurzfristig noch Hardware klargemacht hatten, damit unser jeweils 2x 23kg Gepäck auch halbwegs anständig ausgefüllt war, ich alleine hatte nicht mehr genug alten Stuff dafür zusammenbekommen.
Nach meinem ersten, überraschend kühlem, Bad im türkis schimmernden Ozean und danach auffe Dachterassen chillen und anschließendem Spaziergang bin ich da also mit Olga am nächsten Tag nochmal hin, um was davon in gute Hände zu geben, und der Betreiber (na logo ganz Rasta), der das wohl als ersten Skatepark des Landes 2020(?) alles selbst auf die Beine gestellt hat, hat sich natürlich sehr gefreut. Es gab da einen kleinen Shop und reichlich Boards zum Ausleihen, und eben diese Ghetto-Betonlandschaft, auf der ein paar Kids eifrig alles gaben, genau wie die Hühner und Ziegen drumherum.
Ich bin dann ein bißchen halbherzig dazwischen rumgerollt, aber das war alles schon recht schrappelig gebaut, die Metallrampen superrutschig und ich war definitiv nicht zum Skaten in Urlaub gefahren, davon hatte ich auf Montage in Siouville ja mehr als genug von. (Übrigens, der Part dazu ist natürlich in meinem Kopf schon ziemlich ausgereift, ich werde mir demnächst auch mal das Schnittprogramm DaVinci runterladen und mich beizeiten das erste Mal selbst am Editing versuchen.) Jedenfalls wollte ich mir in Afrika nicht unnötig wehtun, um auf Krampf irgendwas an diesem allerdings schon sehr filmogenen Ort zu filmen, ich war auch noch ziemlich gejetlagged. Abends gab`s dann aber trotzdem noch lecker Sex…
Gejetlagged bin ich jetzt gerade übrigens auch wieder, aber hallo! Ich bin ja nach einer 20-Stunden Rückflug-Tortur nach Hamburg und einem Kurzbesuch im Kuschelland heute morgen um Elf erst wieder in Kuschelhütti angekommen, das alles nach zweieinhalb Stunden Schlaf, weil ich um 9.00 schon eine professionelle Zahnreinigung in Glücksburg hatte, da kann mensch als Kassenpatient ja froh sein, wenn mensch mal einen Termin kriegt. Und auf meine Zähne muß ich echt aufpassen, zu viele sind da ja nicht mehr, wie du weißt…
Deswegen mußte ich um Fünf schon wieder aufstehen, um den Zug um 5.38 Uhr nach Flensburg zu kriegen, und die Nacht von Dienstag auf Mittwoch war auch schon sehr kurz und anstrengend gewesen, deswegen mach` ich für heute Abend mal lieber Schluß, wedel` mir noch schnell einen von der Palme und schlaf` mal wieder zweistellig aus, das werden noch actionreiche zwei Wochen bis zum Abflug nach Indien. Ich hab` heute auch endlich mal den ultra-anspruchsvollen Visa-Antrag fertigmachen können, Alter, was die alles wissen wollen, ey, den Namen von der Schule, wo ich meinen Abschluß gemacht habe, Geburtsort von den Eltern und so. Derartig indiskret war das ja nicht mal beim chinesischen Visum…
Laberrababer und gute Nacht, liebes Tagebuch, ich melde mich bestimmt morgen wieder!
Küßchen,
dein Arne
Dollerupholz, Freitag 9. Januar 2026 20.12 Uhr
Liebes Tagebuch!
Ja, da bin ich wieder, 13 Stunden habe ich letzte Nacht geschlafen, morgens ein paar Mal zwischendurch wach gewesen, aber sonst selig durchgeträumt. Ich muß dir gestehen, gestern Abend war ich wirklich zu stoned zum Weiterschreiben, wir hatten im Urlaub tatsächlich drei Wochen nicht gekifft und dann hab` ich mir natürlich zu Hause ein paar Joints von unserer eigenen Ernte reingetan, das hat ziemlich gut funktioniert. Aber Schreiben war dann fast schon zu anstrengend und Wichsen irgendwie einfacher, hihi… Allerdings wollte ich ja von unserer Reise erzählen und da waren wir am zweiten Tag stehengeblieben, nachdem Olga und ich die Hälfte des mitgebrachten Skate-Stuffs beim ersten Park abgegeben hatten.
Nach einem Spaziergang durchs Viertel und einem sehr leckeren Dinner mit Zebu-Filet – ja, bei derart gutem von freilaufenden Rindern stammenden Fleisch macht mensch im Urlaub manchmal auch Urlaub vom jahrzehntelangen Vegetarismus – war es dann wohl abends Zeit für unseren ersten Streit. Olga plagte mal wieder eine heftige Blasenentzündung, für die sie mich und mein angeblich ständiges Fremdgeficke verantwortlich machte. Ich hab` dir ja schon oft genug von den Problemen berichtet, die wir seit über zwei Jahren haben, und daß dieser Urlaub unsere Generalprobe sein würde, war uns beiden durchaus bewußt.
Zwischenmenschliche Beziehungen sind nun mal nicht einfach, vor allem wenn es sich bei beiden Partnern um Freaks jenseits des Durchschnitts handelt und mensch sich trotzdem einig ist, bis zum Ende als Gefährten durchs Leben ziehen zu wollen. Jedenfalls artete das so aus, daß ich die Nacht lieber auf einer der Bänke draußen am Strand verbrachte, was nicht so tolle war, weil die von der Pension die Polster nachts reinnehmen, ich nur mein Badelaken zum Zudecken hatte und eben eine frische Brise wehte.
So war ich am nächsten Tag immer noch gerädert, genau wie Olga natürlich auch, und irgendwie haben wir dann wie immer (fürs Erste) alles klären können und waren nach ein paar Stunden richtigem Schlaf wieder guter Dinge. Somit ging es per Taxi dann in den Süden der Stadt zum nächsten Skatepark, der sich allerdings eher als Pleite entpuppte, denn von den Bildern im Internet waren nicht mehr viele Rampen übrig und der Rest ist bis auf eine Bank aus Beton ziemlich fragwürdig.
Es war außer einer Frau und einem älteren Mann auch niemand da, aber sie bedankten sich für die Bretter und alles, und ich war sicher, die würden in die richtigen Hände kommen. Bei den Schuhen war ich mir allerdings nicht so sicher, ob die letztendlich durch Skater ihrer Bestimmung erliegen werden, der alte Mann liebäugelte direkt mit den sehr gut erhaltenen Cons, die ich damals von Sebastien in Rombies et Marchipont gekriegt hatte. Aber wir hatten unser Bestes getan und waren bis auf ein paar Lagen Griptape den schweren und sperrigen Stuff losgeworden. Mission war jetzt wieder quer durch die Stadt zum größten und scheinbar bestem Skatepark der Stadt zu fahren, also Taxi rausgewunken und los.
Tja, und da erlebten wir auf einer langen Fahrt durch unzählige Nebenstraßen das turbulente Dakar von all seinen Seiten. Und das ist einfach krass in afrikanischen Großstädten, das alltägliche Leben der BewohnerInnen. Geordnetes Chaos ist noch geschmeichelt, eigentlich herrscht da wirklich Anarchie, was zu funktionieren scheint, weil ein gewisser Respekt voreinander herrscht, denn alle versuchen, sich irgendwie durchzuschlagen und üben entweder ein Handwerk aus, Kochen oder verkaufen irgendetwas. Wo die Spannweite der Verkaufsstände von ein paar Tütchen Erdnüssen über Früchte und obligatorischen Plastikschrott bis hin zu kleinen „Boutiquen“ geht, mit Klamotten, überall Klamotten. Entweder vom Roten Kreuz aus Europa, in Asien gebootlegged oder vor Ort selbst angefertigt, am liebsten natürlich knallbunt, wie es in Afrika gerne angesagt ist.
Ja, ich bin jedes Mal wieder fasziniert und vor allem geschockt, wie viele Millionen, ach was, Milliarden Menschen so viel bescheidener leben und unter Umständen, die wir uns nicht mal vorstellen können. Es ist schwer, das zu beschreiben, und ich will ja nicht ständig (un)gefragt Menschen photographieren, aber alles ist genauso wie im Fernsehen (kicher) und schonungslos dreckig irgendwie. Mülleimer? Vergiß es! Der Müll liegt einfach nur überall rum und alleine aus den ganzen alten Auto- und Lasterreifen könnte mensch wahrscheinlich einen achten Kontinent bauen.
Wir mußten uns dann ein bißchen durchfragen und wurden wohl – zumindest unserem Verständnis nach – erstmal in die falsche Richtung geschickt. Ja, vielleicht auch gleich zum Anfang erklärt, Amtssprache ist im Senegal Französisch, und da Englisch eher selten und Zufallssache ist, ist mensch bei einer Reise mit (halbwegs) Französischkenntnissen schon mal besser beraten, als Olga und ich mit unserem petit peu. Ansonsten ist das Land wohl vor allem im Norden hauptsächlich muslimisch, aber so richtig ernst nehmen das nur die Allerwenigsten und außer ein bißchen Moscheen mit dazugehörigem Geplärre kriegt mensch davon nicht besonders viel mit. Olga hatte noch schlau gegoogelt wegen entsprechender Bekleidung, bloß keine Schultern zeigen und so. Aber das ist alles vollkommen latte und ich ärgerte mich, mehr T-Shirts als Tank Tops mitgenommen zu haben.

Als es schon dunkel war, fanden wir den Skatepark dann doch gar nicht so weit weg von da, wo uns der Taxifahrer rausgelassen hatte, und der sah in der Tat ganz geil aus, vor allem das Bowl-Design könnte mensch ein bißchen aufgepeppt tatsächlich mal in Europa so nachbauen. Da war dann auch richtig Halligalli und ordentlich Skater am Start und ich ärgerte mich jetzt nun doch, daß ich den ganzen Kram schon weggegeben hatte, hier wäre er vielleicht besser aufgehoben gewesen, direkt beim Endkonsumenten sozusagen. Naja, die Jungs bedankten sich für das Griptape und nach ein paar Photos wollten wir uns dann auf den nochmal dreiviertelstündigen Rückweg machen.
Spätestens an diesem Abend verliebten wir uns auch in die lokalen Erdnüsse, eins von Senegal`s Hauptexportgütern, die eigentlich in jeder Bar/Restaurant als Snack gereicht oder gerne auch in Flaschen verkauft werden, so verdammt lecker. Zum Abendbrot gab`s dann nochmal das wirklich ebenso verdammt leckere Zebu-Filet, denn Vegetarisch kennen sie da nicht wirklich und ansonsten gibt`s fast nur Sachen mit Fisch und Seefrüchten, da bin ich ja komplett raus. Aber wie viele Zebus wir heute frei auf den Straßen hatten rumlaufen sehen, die anspruchslosen Rinder scheinen da in all dem Chaos ein zufriedenes Leben zu führen, und das Filet war wirklich mit das beste Fleisch, das ich je gegessen hab`.

Am Samstag, den 20., ging es dann um Neun aus Betti, nochmal ab in den Ozean (immer noch verdammt frisch) und schnell zum Frühstück. Mit ein paar Sprachhindernissen ließ sich trotzdem alles bezahlen und für die Weiterreise ein Fahrer organisieren, der uns erst zu einem funktionierendem(!) Bankautomat und dann für umgerechnet 50,- Euro die zweieinhalb Stunden in die kleine Stadt Joal zur nächsten Unterkunft fahren würde, die wir gestern noch gebucht hatten. Und ja, Bankautomat = Bargeld war/ist wichtig, und wenn schon in der Hauptstadt so gut wie keiner von den spärlichen Automaten funktioniert, mußt du dich jedes Mal, wenn mal einer funktionieren sollte, gut eindecken, bevor du dich in ländlichere Gebiete begibst. Dort mußt du dich dann natürlich mit den großen Scheinen rumplagen, die nicht überall gewechselt werden können, das erleichtert allerdings das Trinkgeld geben zugunsten der Einheimischen…
Joal mit der Schwesterstadt Fadiouth liegt am südlichen Ende der Petit Coté südlich von Dakar, 100km Strandküste mit den verschiedenen touristischen Zentren, am Eingang des Sine-Saloum Deltas, einem riesigen Mangroven-Gebiet, wo der Gambia Fluß in den Atlantik mündet. Saly, das touristische Haupozentrum, wollten wir auf jeden Fall umgehen, wir wollten Ruhe und kein Halligalli.
Taxifahren ist übrigens der bequemste Weg, sich im Senegal fortzubewegen, denn die lokalen Kleinbusse sind immer super voll und fahren noch langsamer als die Taxis, ich glaube, schneller als 80 km/h sind wir in den drei Wochen kein einziges Mal gefahren, eher immer so 50/60 km/h. Schneller geht eigentlich auch wenn dann nur auf der einen Autobahn des Landes, sonst gibt es auf allen Straßen gerade in Dörfern und Ortschaften mehr Speedbumps, als du verkraften kannst. Dieses ständige Bremsen und Anfahren macht nach zwei Stunden nicht mehr so richtig Spaß, aber hey, T.I.A. – this is Africa.
In Joal wurden wir dann an unserer Unterkunft, dem Hotel Joal Lodge herzlich begrüßt und es stellte sich sofort raus, daß wir wieder einen Glückstreffer gelandet hatten, auch/obwohl(?) wir für unsere drei Nächte die einzigen Gäste sein sollten. Aber alles sehr spartanisch kuschelig, sehr heiß (die steife Brise aus Dakar ist hier nur ein laues Windchen), in den Gassen überall süße freilaufende Esel und Ziegen und alles nur 50m vom Strand, den wir bei reinkommender Flut erstmal bei Bierchen von der Dachterrasse bestaunten. Da mußte ich gleich rein, und siehe da, das Meer war deutlich wärmer als in Dakar, ich war schon etwas besorgt gewesen, die Wassertemperatur dort wäre Standard für den Rest des Urlaubs. Aber nein, hier war es diesbezüglich genau, wie wir uns das gewünscht hatten, tropisch eben.

Bei unserem anschließenden Strandspaziergang Richtung Ortskern waren wir dann allerdings schwer geschockt von dem ganzen Plastikmüll, also so viel davon auf einmal hatte ich noch an keinem Strand dieser Welt gesehen, Fischernetze noch und nöcher und alles an schwimmbarem Zivilisationsmüll, den du dir vorstellen kannst. Dazwischen tote Fische vom Beifang und hier und da mal `ne gehäutete Ziege oder andere Appetitlichkeiten. Trotzdem noch genug Sand für die Hunderten von Kids, wobei die Jungs vor allem eins machen, natürlich Bolzen. Fußballspielen wäre dafür ein bißchen geschmeichelt.
Und die Allerkleinsten und Süßesten von ihnen haben ihre wahre Freude daran, uns Weißen wie ein Chor von schwarzen Schlümpfen ‚Bonjours‘ zuzupiepsen und dabei aufgeregt zu winken und sich tod zu freuen, wenn mensch zurückwinkt. Einfach Zucker, willkommener kann mensch sich nicht fühlen, wir waren so gesehen wirklich mitten in Afrika, und daß der Fischfang in diesem Land eine ganz große Rolle spielt, wurde uns spätestens hier deutlich.
Auch in unserer neuen Unterkunft lief abends an der Bar/im Restaurant dann immer der Africa Cup im Fernsehen und Senegal ist seit jeher gerne vorne mit dabei. Da außer Samuel hinter der Theke nur ein einziger weiterer Gast da war, hatten wir nicht damit gerechnet, daß ausgerechnet der uns beim Warten aufs Essen auf Norddeutsch anquatscht, und zwar klar und deutlich. Ja, die Welt ist klein und unser neuer Freund sollte noch reichlich mehr deutsche Sprichwörter zum Besten geben. Jack war nur zu Besuch in seiner Heimat und lebte schon seit über 20 Jahren in Deutschland und seit Längerem in Hannover. Er hatte Deutsch schon in der Schule gelernt, war früher der beste Torhüter der Region und seit jeher Stammgast an dieser Theke.
Als wir ihn fragten, warum es überall so leer schien, obwohl wir uns doch mitten in der touristischen Hauptsaison befanden, erklärte er uns, daß der Tourismus nach Covid – wie es ja fast überall außer in Deutschland genannt wird – noch nicht wieder richtig in die Gänge gekommen ist. Das überraschte uns total, denn hier konnte mensch wirklich sehr gut und relativ günstig Urlaub machen, aber außer Franzosen und vielleicht ein paar Belgiern scheinen das nicht allzu viele zu wissen, zumindest zieht es die nicht nach Joal-Fadiouth.
Ja, die Schwesterstadt, die eigentlich eine Insel aus Muscheln ist, wollten wir dann am nächsten Tag zu Fuß erkunden. Dafür ging es dann nach dem obligatorischen Bad im Ozean, bei dem Olga nun auch endlich mal mit kam und dabei wie zu erwarten wie ein glücklicher Frischling im Matsch vor Freude rumquiekte, am nächsten Vormittag erstmal drei, vier Kilometer an einem nahezu menschenleeren Strand um eine Landzunge zum Eingang der Mangroven, wo es eine 800m lange Holzbrücke nach Fadiouth gibt. Der Strandspaziergang war sehr lehrreich und wir packten die ersten Muscheln und Steine als Souvenirs in die Taschen und waren perplex über den Müll zwischen den ganzen Plastikflaschen und -tüten. Auffallend häufig dabei und quasi alle zehn Meter zu finden: Taschenlampen und Rucksäcke. Und Schuhe natürlich, überall Schuhe, in allen Größen, Farben und Aggregatzuständen.
Da daß vor allem mit der Strömung zusammenhängt, ist das zum Glück nicht überall im Senegal so (schlimm) und am Eingang zur Mangrove, die Skyline von Fadiouth in der Ferne, wurde es dann auch schon deutlich sauberer. Und da mensch auf einer guten Reise ja sowieso jeden Tag etwas Neues sieht, erlebt und lernt, erfreut mensch sich dann natürlich vor allem über richtige Highlights. Wie eben die Muschelinsel Fadiouth, die mit Milliarden von Muscheln auf einer Sandbank quasi von Menschenhand „aufgeschüttet“ wurde und mit quietschlebendigen freilaufenden Schweinen sehr christlich daher kommt. Es ist wirklich faszinierend, sich durch die Gassen eines Städtchens, das auf Muscheln gebaut wurde, zu bewegen, eine völlig andere Welt. Aber Touristen sind sie hier gewohnt und dabei ausgesprochen entspannt, es leben dort auf den gut 15 Hektar ca. 9000 Menschen, was Fadiouth zu einer der dichtbesiedelsten Inseln der Erde macht.
Mindestens genauso beeindruckend ist dann der Friedhof auf einer Nachbarinsel, auch komplett aus Muscheln aufgeschüttet, ein sehr skurriler Ort mit ausgesprochen spezieller Atmosphäre. Leider fanden wir nicht den deutschsprachigen Gondoliere, den Jack uns empfohlen hatte, mit dem wir gerne einen kleinen Abstecher in die Mangroven gemacht hätten, aber es war auch so mehr als eindrucksvoll alles.
Nach einem großen Bierchen und dann noch einem am Festland machten wir uns auf den Heimweg an der Straße entlang und jetzt fing mein linker Fuß gemein an zu schmerzen. Da hatte ich mir kurz nach`m Losgehen am Strand an einer verwitterten Betonmauer ein verrostetes Stück Bewehrungsstahl zwischen zwei Zehen gerammt, im Urlaub trägt mensch ja barfuß oder im Notfall Sandalen, auf gar keinen Fall Arbeitsstiefel. Das tat jedenfalls echt weh und ausnahmsweise ging Olga dann mal schneller als ich und nach dem obligatorischen Wasser und Erdnüsse/Früchte/Lungentorpedos besorgen genossen wir beim Dinner wieder Fußball und Jack`s Anwesenheit, bis er los mußte, aber er wollte dann morgen nochmal vorbeikommen und uns bei den Ideen für unsere Weiterreise behilflich sein.
Am Montag dann wie immer vor`m Frühstück kurz in Ozean gesprungen und reichlich in den Wellen geplantscht, besser kann mensch nicht den Tag beginnen. Olga sollte sich wirklich öfter durchringen mitzukommen, wenn sie erst einmal im Wasser ist, strahlt sie immer wie ein glückliches Meeresschildkrötchen… Heute sollte es zum Giant Baobab gehen, ca. eine halbe Stunde Autofahrt landeinwärts. Baobabs sind im deutschsprachigem Raum spätestens nach dem großen Heinz Sielmann besser bekannt als Affenbrotbäume und der heilige Baum Afrikas, und ein 900 Jahre altes Exemplar, in das mensch sogar reingehen kann, wollten wir dann auch unbedingt bestaunen.
Unser Gastgeber Samuel brachte uns dann auch zu einem kleinen Busbahnhof, von wo für 500 Senegal Franc also ausgesprochen günstig Kleinbusse in die wenigen zur Auswahl stehenden Richtungen abfahren, sobald jeder Platz besetzt ist. Und es ist unglaublich wo die zumeist jungen Männer, die das alles abchecken, immer noch versteckte Bänke oder Notsitze herzaubern. Jedenfalls hat ‚voll‘ oder ‚besetzt‘ dort natürlich andere Bedeutungen als wenn wir zu Hause mal im Bus stehen müssen. Es wird wirklich alles rausgeholt und Tiere sind auch herzlich willkommen…
Etwas gequetscht und durchgeschüttelt wurden wir dann mitten in der Savanne bei einer kleinen Gebäudeansammlung rausgelassen und dann steht er da auch schon, dieser Baum. Schnell nahm sich ein ausgesprochen gut Englisch sprechender Rastamann unserer an und erklärte uns als Erstes, daß Baobabs keine Bäume sind, sondern Pflanzen, und bis zu 2000 Jahre alt werden können. Das Exemplar vor uns war/ist der Älteste im Senegal und hat satte 32m Umfang, und ja, mensch kann durch ein kleines Loch tatsächlich reinschlüpfen und ein paar chillende Fledermäuse an der Decke betrachten. Früher wurden dort die Toten bestattet…
Ansonsten lassen sich nahezu alle Bestandteile des Baobabs auf irgendeine Weise nutzen, vor allem natürlich als Medizin. Wirklich faszinierend das alles, andere Ländere, andere Sitten, würde der Spießer jetzt sagen, und an diesem Ort waren wir irgendwie Spießer. Nach der kleinen Führung wollte Mann natürlich gerne ein bißchen dafür bezahlt werden und die willkommenen Gäste im für alle Seiten günstigsten Fall danach aus dem hauseigenem Merchandise-Angebot mit Souvenirs eindecken. Gut, afrikanische Kunst wollte ich sowieso kaufen, aber so viel auf einmal!? Okay, gerne, ihr habt davon Familien zu ernähren und ich habe geilen authentischen Kram für meine Hütte und Garten. Keine neue Erkenntnis zum Schluß: Olga kann wirklich tausendmal besser (ver-)handeln als ich…
Der (sehr gute und super witzig geschriebene) Reiseführer von Bradt hatte wie mit fast allem auf jeden Fall Recht, wenn es da heißt, die Unterstände für die Händler stehen ein bißchen zu nahe am Baum, es wird ihm irgendwie nicht ganz gerecht. Nun denn, trotzdem ein rundum gelungener Ausflug, für den Rückweg haben wir mit Hilfe des Rastamanns dann ein Auto angehalten, das uns für ein Scheinchen mit zurück nach Joal genommen hat, so wie mensch das in Afrika nun mal so macht, die helfen sich da halt gegenseitig, wo sie können. Weil ich meinte, Olga brauche doch nur kurz den Rock hochziehen, war sie dann zwei Stunden ziemlich gnatschig und genervt von mir, weil ich ja keine Ahnung habe, wie es als weiße Frau in Afrika so ist, aber zum Abendessen waren wir dann schon wieder ganz der Batzen.
Danach checkten wir dann noch vor Ort mit Jack die Möglichkeiten und beschlossen schließlich, in M`bour einen Kollegen von ihm zu treffen, mit dem er zur Schule gegangen ist und der auch vorzüglich Deutsch spricht, der uns eine Fahrt in den Süden bis Zinguinchor klarmachen sollte. Der stellte sich am Telefon als ‚Der Heilige Jack‘ vor und wir verblieben dann so, daß wir uns am nächsten Tag gegen Mittag in M`bour, der nächsten Großstadt im Norden, treffen wollten. Anschließend verabschiedeten wir uns von Jack und seinem jüngeren Bruder, der heute mitgekommen war und besser Englisch als Deutsch sprach. Danach dann noch Sachen packen, damit wir am nächsten Tag vormittags loskamen, und ab in Betti.
Das sollte ich jetzt auch langsam mal machen, denn es ist schon wieder nach Mitternacht und ich will nicht zu lange schlafen morgen und ein bißchen Tageslicht mitnehmen, nachmittags geht`s dann irgendwann nach Flensburg, diverse Sachen erledigen. Also, liebes Tagebuch, ich mach` Schluß für heute und melde mich hoffentlich Anfang der Woche wieder, okay!? Ich befürchte nur jetzt schon, wenn ich in diesem Tempo weitermache, werde ich den Blog-Eintrag wohl doch erst in Indien hochladen können, vor allem mit den vielen Photos. Es soll ja ein toller Reisebericht werden, der Lust auf Senegal macht. Es ist aber hier zu Hause gerade auch zu viel anderer Scheiß zu erledigen, mit dem ich dich allerdings jetzt nicht nerven will.
Deswegen knutsch` dich und bis ganz bald,
dein Arne
Dollerupholz, Mittwoch14. Januar 2026 19.05 Uhr
Liebes Tagebuch!
Ja, von wegen ganz bald, also ich werde ganz sicher nicht vor Indien fertig werden mit diesem Blog, schon wieder sind fünf ereignisreiche Tage vergangen, okay, ich hab` auch viel geschlafen, weil es hier in der Hütte so kalt ist. Sie war noch nicht mal richtig durchgeheizt, da kam Sturmtief Elli mit massiv Ostwind und hat alles zunichte gemacht, da hat es natürlich auch nicht geholfen, daß ich Samstag nicht durchheizen konnte, weil ich ja in Flensburg unterwegs und mal wieder unter Leuten war. Seit gestern taut es und es ist hier endlich angenehm, draußen allerdings immer noch arschkalt, aber der Schnee ist weg. Jedenfalls brauche ich den Winter wirklich nicht zu lange und bin froh, daß es bald wieder in die Sonne geht…
Aber erstmal Senegal zu Ende, da sollte nämlich jetzt der etwas abenteuerlichere Teil unserer Reise beginnen. Oh, Fun Fact, bevor ich es vergesse: Vor ein paar Stunden hat sich Senegal mit 1:0 gegen Ägypten fürs Africa Cup Finale qualifiziert – tätä – ich hab` Jack gleich Glückwünsche gesimst. Aber apropos, nach einem letzten Frühstück und einem herzlichen Abschied in der Lodge machte Samuel uns an der Hauptstraße schnell einen Ride zum richtigen Busbahnhof von Joal klar, wo wir im hektischen Gewusel dann ebenso schnell zwei klapprige Sitze im nächsten Kleinbus Richtung M`bour abchecken konnten, alles wie immer etwas laut und hektisch, aber herzlich und hilfsbereit.

Dann gut zwei Stunden Durschütteln und anschließend mitten im M`bour am Busbahnhof absetzen lassen. Ein kurzer Anruf beim Heiligen Jack und einen weiteren Kurz-Ride zum Rathaus später stand er auch schon vor uns und nahm uns schnell mit in einen kühles Hinterhofrestaurant fern vom städtischen Treiben, wo wir uns bei Bier und Fußball erstmal akklimatisierten, unsere Taschen parkten und einen Happen essen konnten. Fies ist natürlich, wenn eine Live-Fußballübertragung mehrfach durch Stromausfall unterbrochen wird, zumindest für die, die wirklich eifrig das Match verfolgen.
Nach dem Essen wollte der heilige Jack uns dann den örtlichen Fischmarkt zeigen und nahm uns durch die engen mit Menschen, Autos, Mofas und Pferdekarren verstopften Straßen mit zum Strand. Der Fischmarkt ist allerdings eher zum Abgewöhnen, da sämtliche Meeresfrüchte zwar meist im Schatten, aber dann doch eben in der alltäglichen Hitze rumliegen, was einen Gestank fabriziert, dem mensch lieber aus dem Weg gehen möchte. Absolut unverständlich wie die Menschen da den ganzen Tag ausharren, um ihre Waren an dem Mann zu bringen. Und die riesigen Meereschnecken, von deren Häusern wir uns am Strand von Joal schon ein paar als Souvenirs eingepackt hatten, sowie sämtliche Muscheln sehen nun wirklich nicht danach aus, als wolle mensch sowas unbedingt zum Verzehren auf einem Teller serviert bekommen.
Zurück im Restaurant wollte der Heilige Jack dann mit uns – zu diesem Zeitpunkt beide etwas angeschlagen – das Geschäftliche bereden, nachdem wir ihm erklärt hatten, was in etwa wir denn vorhatten. Die Idee war halt, uns an einem Tag mit einem Auto durchs Hinterland von Gambia bis nach Ziguinchor bringen zu lassen, und bei seinem vorgeschlagenen Preis von umgerechnet 690,- Euro fiel uns beiden erstmal ganz kräftig die Kinnlade runter. Beim Gespräch stellte sich dann erst raus, daß Jack gar kein eigenes Auto hat, sondern dafür eins leihen muß, später noch daß er als „Reiseführer“ gar nicht selber fahren würde und wir dementsprechend auch seinen Fahrer inklusive einer Übernachtung für beide bezahlen müßten. Und als er merkte, daß wir immer skeptischer wurden, fing er auf einmal an, uns zu erzählen, wie toll wir es doch in Deutschland mit unserem Sozialversicherungssystem hätten und wie arm dran die Menschen im Senegal denn dran wären, was dem Ganzen ein bißchen die Krone aufsetzte.

Da ich zwischendurch bemerkt hatte, daß ich den Schlüssel für unser Zimmer in der Joal Lodge vergessen hatte abzugeben, beschlossen wir dann, erstmal eine Nacht drüber zu schlafen und am nächsten Tag mit ihm zurück zu fahren, um den Schlüssel abzugeben, und dann weiter ins Landesinnere nach Nguéniène zu einem großen Markt zu fahren. Zusammen fuhren wir dann etwas außerhalb vom Stadtkern zu einer Unterkunft, die er für uns klargemacht hatte, die sich ein bißchen als Enttäuschung rausstellte, da alles recht trostlos und heruntergekommen war, wir wieder die einzigen Gäste darstellten und der Hausherr uns überhaupt keine Beachtung schenkte. Den Rest des Abends verbrachten wir dann damit, Pizza essen zu gehen und rumzurätseln, wie es denn weitergehen sollte, denn daß wir auf Jack`s Angebot nicht eingehen wollten, war uns recht schnell klar geworden.
Beim Essen wurden wir dann zum ersten Mal richtig auf die bettelnden Kinder aufmerksam, die barfuß und in dreckigen Klamotten mit einem Eimer oder einer Dose auf den Straßen um Geld betteln. Diese armen Racker werden aus dem ganzen Land von ihren Eltern auf städtische Koran-Schulen geschickt, von wo aus sie dann wiederum zum Betteln auf die Straßen geschickt werden. Was für eine elende Existenz und welch ein Armutszeugnis dieser religiösen Einrichtungen.
Auf dem Rückweg wurde uns in den inzwischen dunklen und unbelebten Straßen zu unserer Unterkunft das erste Mal ein bißchen mulmig, denn Afrikas Großstädte sind für weiße Touristen nach Einbruch der Dunkelheit immer mit Vorsicht zu genießen, das gilt auch für den als halbwegs sicher geltenden Senegal. Und als an der Unterkunft angekommen dann unser Schlüssel nicht funktionierte und wir mehr durch Zufall durch ein Garagentor wieder unser Zimmer erreichten, war für uns klar, daß wir hier nicht wie geplant drei Nächte verbringen und uns auch etwas anderes für die Weiterreise überlegen würden.

So war der Heilige Jack natürlich etwas überrascht, als er uns wie abgemacht am nächsten Morgen um Neun mit seinem Fahrer abholte und wir wieder unser gesamtes Gepäck dabei hatten, um ihm zu erläutern, daß wir uns seinen Service leider nicht leisten konnten. Trotzdem wollten wir mit ihm den Schlüssel zurück nach Joal bringen und danach den Markt in Nguéniène besuchen, auch wenn mich seit morgens leichte Magenkrämpfe plagten, die im Laufe des Tages immer schlimmer werden sollten.
Der Ausflug stellte sich dann leider eher als Strapaze heraus, denn das Autofahren ist auf den kleinen Landstraßen mit den vielen Schlaglöchern und Speedbumps wahrlich kein Vergnügen. Der Heilige Jack war sichtlich bemüht, seinen Reiseführerpflichten nachzukommen, aber die meisten Dinge, die er uns erzählte oder auf die er hinwies, waren irgendwie auch so ersichtlich, und auch der Markt selbst hielt nicht unbedingt das, was uns versprochen wurde.
So gab es dort weder großartig Kunsthandwerk zu sehen noch die Künste der einheimischen Lebensmittel- oder Medizinherstellung, sondern hauptsächlich den ganzen Plastik- und Textilschrott, der überall sonst auch angeboten wird, dafür aber ein großer Viehmarkt, von dem eingefleischten Tierliebhabern wie uns allerdings eher abzuraten ist. Denn Tierrechte werden in Afrika nun mal nicht unbedingt groß geschrieben und wenn den armen Viechern dann in dem ganzen Gewühle und unter brennender Sonne z.B. die Vorderläufe zusammengebunden werden, damit sie nicht weglaufen können, ist das Ganze schon ein sehr trauriges und schockierendes Szenario. Dafür allerdings alles sehr authentisch und eben das echte Afrika, welches sich Menschen unserer reichen und wohlgenährten Gesellschaft nur schwer vorstellen können.

Zurück in M`bour versuchten wir dann noch an verschiedenen Stellen eine Busfahrt mit den Dem Dikk Überlandreisebussen zu organisieren, was leider nicht glücken sollte, so daß wir Jack baten, uns bitte am Busbahnhof rauszulassen, wo sich unsere Wege dann trennen sollten. Da wir zu diesem Zeitpunkt beide recht erschöpft waren und mein Magen inzwischen eindeutig verstimmt, checkten wir direkt gegenüber vom Busbahnhof im etwas teureren Touraco Business Hotel ein und versorgten uns im Auchan Supermarkt nebenan mit ein paar europäischen Lebensmitteln. Dort herrschte gerade mal wieder ein Stromausfall vor und es lief nur die Notbeleuchtung, was uns ein in dieser Form bisher unerlebtes Einkaufserlebnis bescherte, eine recht skurrile Atmosphäre muß man sagen.
Anschließend wollten wir irgendwiewo Tickets für die Weiterfahrt mit Dem Dikk organisieren. Leider konnten wir auf unserem Spaziergang an der belebten Hauptstraße das entsprechende Büro der Busgesellschaft nicht finden, nachdem wir vergeblich versucht hatten, etwaige Tickets über die Dem Dikk Webseite zu buchen, und uns auch der sehr nette und ausgesprochen gut Englisch sprechende Concierge Valentine dabei nicht weiterhelfen konnte. Trotzdem bestens gelaunt spazierten wir dann noch Richtung Strand, wo wir uns in der Freiluftbar eines großen Ferienresorts bei Cuba Libre unter Palmen dem paradiesischen Sonnenuntergang hingaben.
Ach ja, heute war ja Heiligabend, davon merkte mensch auf den geschäftigen Straßen von M’bour auch am Abend allerdings herzlich wenig, und als Olga dann im Hotel mal wieder ein ziemlich überflüssiges Beziehungsdrama veranstaltete, bei dem wir zum zweiten Mal zu dem Entschluß kamen, daß am nächsten Tag wenigstens eine® von uns sich auf die Rückreise nach Hause machen sollte, ging dieser Abend ohne Frage als das traurigste Weihnachtsfest meiner 50-jährigen Karriere in die Geschichtsbücher ein…
Okay, liebes Tagebuch, das soll`s für heute erstmal gewesen sein, ich will morgen gegen Mittag nach Flensburg zu Kolja, um mein Steuerkram mal zu regeln. Hatte ich, glaube ich, gar nicht erzählt, oder!? Letzten Donnerstag, als ich gerade wieder zu Hause war, flatterte zwei Stunden später mit der Post mein Steuerbescheid für 2024 ein, willkommen zu Hause und in der Realität. Ich hatte ja erst in ein paar Wochen damit gerechnet und daß ich gut 27.000,- Euro an Einkommenssteuer zu zahlen haben würde, hatte Kolja ja schon angekündigt. Nun muß ich mir mal überlegen, wie ich das gewuppt kriege, denn ein dicker Batzen Gewerbesteuer wird da demnächst noch dazu kommen, arrg…
Nun denn, ich hoffe, ich kann bald weiter erzählen von unser Senegal Reise, aber wie gesagt, ich hab` hier noch reichlich Kram zu erledigen, was meinen sogenannten Betrieb angeht.
Somit sag` ich erstmal gute Nacht und bis ganz bald,
dein Arne
Dollerupholz, Montag 19. Januar 2026 16.33 Uhr
Liebes Tagebuch!
Ich hab` ein sehr schönes Wochenende hinter mir, denn Sonntag war ich seit langer Zeit mal wieder in Flensburg im Volksbad, weil da tatsächlich die alten Herren von Alias Caylon gespielt haben. Grund dafür war, daß sie 20 Jahre nach ihrem ‚Resorbing Everything‘ Album das Ding in 200er Auflage auf Vinyl rausgebracht haben, voll geil, hab` ich natürlich eine von den flotten Scheiben mitgenommen! Das Konzert war wie immer super, das sind halt auch einfach gute Musikanten, viel geiler war jedoch, daß es sich wie ein Klassentreffen angefühlt hat, so wie die Weihnachtskonzerte da immer einen Tag nach Heiligabend, nur drei Wochen später. So viele alte Bekannte wiedergetroffen, es war definitiv eine Ü-40 Veranstaltung und zum Glück bin ich wohl nicht der Einzige, der älter geworden ist und es ist irgendwie schön, mit so vielen alten Freunden und Bekannten zusammen alt zu werden…
Und supergeil, Senegal ist gestern Abend nach einem 1:0 gegen den Gastgeber Marokko afrikanischer Fußballmeister geworden, da lacht doch das Herz und an dem Abend wäre ich gerne noch im Land gewesen. Witzig auch, daß Jack seinerzeit in Joal genau dieses Endspiel vorausgesagt hatte, als ich ihn bei unserer ersten Begegnung gefragt hatte, wie denn sein Tip lauten würde. Zum Glück hab` ich mir eins von den grünen Original-Trikots als Souvenir mitgenommen, damit kann ich (nicht nur) diesen Sommer ordentlich representen…
Nun denn, dann will ich mal weitererzählen von unserer Reise, wo waren wir denn stehengeblieben? Ach ja, in M`bour im Touraco Hotel am ersten Weihnachtstag nach einem extrem traurigen und frustrierenden Heiligabend, an dem wir nach einem sehr heftigen Streit eigentlich so verblieben waren, daß heute jeder auf eigene Faust versuchen wollte, den nächsten Flug nach Hause klarzumachen. Aber wie der ganze Batzen nun mal so ist, haben wir uns schon vor dem Aufstehen wieder vertragen, denn so ist das wohl, wenn mensch sich tief und innig liebt.
Da mein Magen auch immer noch rebellierte, beschlossen wir auch schnell, noch einen Tag hierzubleiben, mensch soll sich im Urlaub ja bloß nicht hetzen lassen, erst recht nicht wenn mensch angeschlagen ist, was ja auch für Olga galt. Den Tag sind wir dann ganz entspannt angegangen und haben uns nach dem Frühstück auf der Dachterrasse nochmal für ein paar Stunden hingelegt, Schlafen war erstmal das Beste. Gegen Drei sind wir dann aufgestanden und machten nochmal einen ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt zum Strand, wo wir dann in der gleichen Strandbar von gestern nochmal bei Cuba Libre den himmlischen Sonnenuntergang genossen.
Anschließend deckten wir uns im Auchan Supermarkt noch mit ein paar Lebensmitteln ein und aßen dann in einem Truck Stop-ähnlichem Restaurant zu Abend, bevor wir uns wieder ins Hotelzimmer machten, morgen würde wohl ein anstrengender Tag werden. Olga hat dann noch ein bißchen gelesen und ich auf der Thrasher Webseite die neusten Skatevideos geguckt, wobei ich nicht drum herum kam, Olga den neusten Rough Cut von Kevin Baekkel zu zeigen. Der Typ ist wirklich unglaublich, ein echter Skateboard-Wikinger…
Somit sollte es dann morgens nach dem Frühstück endlich weiter in den Süden gehen, meinem Magen-Darm-Trakt ging es auch wieder deutlich besser. Also machten wir uns gegenüber vom Hotel beim Busbahnhof auf die Suche nach einer Verbindung nach Banjul, der Hauptstadt des kleinen Landes Gambia, welches ja wie eine Enklave vom Senegal umrahmt ist. Es war auch schnell ein Taxi gefunden, denn die vielen Menschen an den Busbahnhöfen sind ja immer ausgesprochen hilfsbereit und darauf erpicht, die Karren vollzukriegen, denn erst dann wird losgefahren. Außerdem war ‚Banjul‘ auf einem Schild ausgeschrieben, eine Farce, wie sich noch herausstellen sollte.

Unser Taxi bestand diesmal also aus einem dieser heruntergekommenen Peugeot Kombis mit zwei Sitzbänken hinten, so daß wir inklusive Fahrer zu acht Platz nahmen, wobei auf der hinteren Sitzbank eine Mutter noch zwei Kleinkinder auf dem Schoß hatte, also zehn Personen in einem an sich gewöhnlichen, wenn auch leicht modifizierten Auto. Wir saßen auf der mittleren Sitzbank und Olga in der Mitte hat das Pech, neben einer recht fülligen alten afrikanischen Mama zu sitzen, die sich wohl ziemlich breit machte und die ersten 20 Minuten permanent und lautstark über irgendwas am Schimpfen war, so daß ich irgendwann schon auf Deutsch sagte, sie solle endlich mal die Schnauze halten, was außer Olga, die mich mit bösen, aber verständnisvollem Blick strafte, natürlich keiner verstanden hat.

Die Fahrt sollte dann auch ziemlich anstrengend werden, denn mensch sitzt halt ziemlich eingeklemmt und die Straßen sind ja wie schon erwähnt nun mal nicht so toll. Zum Gucken gab es auch nicht so viel Abwechslungsreiches, trockene Savanne immer wieder unterbrochen von kleinen Ortschaften, die alle ziemlich gleich aussehen und wie schon mal erzählt voller Speedbumps sind, so daß ständig beschleunigt und abgebremst wird.
Nach spätestens zwei Stunden meldeten sich auch schmerzhaft meine durch jahrzehntelanges Skateboarding und harte Betonarbeit zerschundenen Knie und forderten ein bißchen Bewegung und einmal kurz ausstrecken. Das wurde mir aber erst nach drei Stunden vergönnt, als eine Frau von der hinteren Reihe ausstieg und ich schnell mit raussprang, um mir kurz die Beine zu vertreten. Aber bereits eine halbe Zigarettenlänge später wurde ich vom Fahrer zum Weiterfahren gedrängt und ich fragte mich verärgert, warum es gerade Afrikaner in dieser Situation jetzt unbedingt eilig haben müssen und ob überhaupt mal irgendwelche Pausen gemacht werden. Dementsprechend stieg auch mein Respekt vor der jungen Mutter auf der hinteren Bank, die immerhin drei Stunden lang ohne Knurren und Murren ihre beiden Kids auf dem Schoß hatte, was sicherlich auch keinen Spaß gemacht hat. Die konnten aber nun auch auf der Sitzbank sitzen und als Olga den beiden welche von unseren noch aus Deutschland mitgebrachten Bonbons abgegeben hatte, schlug die Stimmung der dicken Mama zu unseren Gunsten um.

Das war wohl ein wichtiger Schlüsselmoment, denn an der Grenze zu Gambia wurde auf einmal unser aller Gepäck vom Dach geschnallt und an uns übergeben, so daß wir etwas ratlos da standen und nicht so recht wußten, wie es nun weitergehen sollte. Aber Mama und ihr Sohn, der auf dem Beifahrersitz gesessen hatte und wohl aus Italien zu Besuch war, nahmen sich unserer an und führten uns erstmal zur Passkontrolle, vorher hab` ich mich noch beim Geld wechseln bei einem der Geldwechsler, die uns umwarben, ordentlich abziehen lassen. Kompletter Anfängerfehler, aber irgendwie war ich von der Situation etwas überfordert und genervt und es war auch so verdammt heiß.
Passkontrolle ging relativ problemlos von statten und natürlich wollte niemand wegen einer Gelbfieberimpfung meinen Impfpass sehen, wegen dem ich ja einen Tag vor Abreise nochmal extra von Hamburg nach Hause gefahren war. Im Reiseführer stand halt, den müsse mensch für die Einreise dabei haben. Nun hatten wir eigentlich erwartet, wieder auf unseren Fahrer zu stoßen, aber wie sich herausstellte, war der wohl schon (wahrscheinlich vollbeladen) wieder auf dem Weg zurück nach M`bour, wo es doch eigentlich geheißen hatte, der führe bis Banjul. Aber Pustekuchen, Mama und Sohn schleiften uns mit zu einem Taxi-Parkplatz und zu viert teilten wir uns dann die Weiterfahrt in einem kleineren Wagen.

Der fuhr allerdings auch nicht bis Banjul, sondern nur gut eine Stunde weiter zu einer Fähre an der nördlichen Mündung des Gambia Flusses. Kurze Zeit später waren wir dann Dank Mama und Sohn stolze Besitzer einer Fahrkarte und nach einer halben Stunde Warten, bei der wir uns mit Limonade bei den beiden bedankten, ging es dann auf eine verrostete alte Fähre, die, wie sich von selbst versteht, gut befüllt war.
Ganz interessant ist die Entstehung des Landes Gambia, das eigentlich The Gambia genannt wird. Die Grenzlinien wurden nämlich von den Franzosen und Engländern nördlich und südlich des Gambia Flusses auf einer Breite von 80km gezogen, weil das die Maximalreichweite einer Kanonenkugel im 19. Jahrhundert war. Ja, das sind die tiefen und willkürlichen Spuren der Kolonisation des weißen Mannes, die bis heute in ganz Afrika deutlich sichtbar sind. Sowieso haben wir uns auf der Reise schon ein paar Mal gefragt, wie pervers es eigentlich im Fall Senegals von den Franzosen ist, jahrhundertelang ein Land auszubeuten, um dann später dorthin in Urlaub zu fliegen und sich von den Einheimischen bewirten zu lassen…
Nach gut einer Stunde Überfahrt liefen wir dann in den kleinen Hafen von Gambias Hauptstadt Banjul ein, die nicht sehr einladend wirkte und laut Reiseführer ausgesprochen unspektakulär sein soll. Sowie Gambia an sich wohl durch viel Flüchtlingsarmut für Touristen auch ein Eckchen gefährlicher ist, so daß wir uns mehr oder weniger schon entschlossen hatten, nicht eine Nacht hier zu bleiben, sondern uns direkt weiter bis nach Zinguinchor im Süden Senegals durchzuschlagen.
Dabei war uns dann ein letztes Mal unsere Mama behilflich, denn in ihrer energischen Art setzte sie uns in dem bunten Treiben der um Touristen buhlenden Fahrer in eins der überfüllten Taxi und machte dem Fahrer klar, daß er gefälligst gut auf uns und unser Gepäck aufpassen und uns schön sicher an unser Endziel bringen solle. Die übersetzte Version erfuhr ich dann ausgerechnet von einer Mitfahrerin, die sehr gut Deutsch sprach und sich wunderte, daß die Frau trotz ihrer guten Absichten so laut und unfreundlich zu dem Fahrer war, und ich erklärte ihr, daß sie schon den ganzen Tag über ein hohes Maß an Temperament an den Tag gelegt hatte, aber Olga und ich ihr für ihre Hilfe sehr dankbar waren.
So ruckelten wir dann in einer weiteren Blechkiste langsam durch Gambia, bis es schon dunkel war und alle anderen Passagiere außer uns ausgestiegen waren, aber der Fahrer hatte uns versichert, daß er uns für 20.000,- Senegal Franc bis Zinguinchor fahren würde, was bei dem Tempo mindestens noch drei bis vier Stunden Fahrt bedeutete. So richtig Lust hatte er da anscheinend aber auch nicht drauf, er müßte den ganzen Weg ja auch wieder zurückfahren, und an einer der wenigen Ampeln quatschte er dann auf einmal den Fahrer im Wagen neben uns an. Zack – war geklärt, daß der die 20.000,- kriegte und uns den Weg nach Zinguinchor mitnehmen sollte, also schnell das Gepäck umgeladen und weiter im Text, T.I.A…
Der kleine etwas rundliche und scheinbar recht wohlhabende Mann in etwa in meinem Alter und sein für seine Verhältnisse etwas überproportionierter nagelneuer 4-Wheel Pick-up sollte dann sowas wie unser Weihnachtsengel sein. Gut eine halbe Stunde später dann nochmal eine nächtliche und äußerst ruhige und menschenleere Grenzkontrolle, bei dem außer uns nur ein älteres deutsches Ehepaar anwesend war, die ganz verdutzt guckten, als ich ihnen eine gute Weiterreise wünschte.
Ungefähr eine Stunde stiller Fahrt durch die Dunkelheit nahmen die Straßenverhältnisse dann rapide ab und unzählige Kilometer lang bestand die Straße teilweise mehr aus Schlaglöchern als aus Asphalt und unserer Hoffnung, möglichst bald mal am Ziel anzukommen, wurde für eine gefühlte Ewigkeit zunichte gemacht. Zum Glück hatten wir einen flotten 4-Wheel Drive unter`m Hintern und einen fähigen Fahrer (selbst Autohändler, wie er uns in einem der wenigen Wortwechsel erklärte), mit der Klapperkiste davor hätte die ganze Fahrt mindestens dreimal so lange gedauert, nicht auszudenken. Der freundliche kleine Wichtel war also unsere Rettung und das Glück definitiv auf unserer Seite, ausgleichende Gerechtigkeit sozusagen nach all den Strapazen des Tages.
Gegen Mitternacht schlugen wir dann auch endlich in Zinguinchor auf und unser neuer Freund brachte uns dann noch in eine Straße mit zwei Hotels, wobei im ersten, das mehr nach einer Bruchbude aussah, wohl auch zum Glück nach längerem Warten keiner an der Rezeption auftauchte, so daß wir dann in dem etwas luxuriöser wirkenden Hotel nebenan, der Auberge Casafrique, ein Zimmer klarmachten. Unser Retter gab uns noch eine Telefonnummer von einem Freund für die Weiterfahrt nach Cap Skirring und wir bedankten uns herzlichst für seine Hilfe und er war ganz überrascht, als ich ihm dann noch 500,- Franc extra zusteckte. Und sein Grinsen, als meine sexy Olga ihn vor lauter Dankbarkeit zum Abschied umarmte, werde ich auch nie vergessen, ich ärgere mich bis heute, daß ich kein Photo von ihm vor seinem großen Auto gemacht habe. Total erschöpft und durchgeschüttelt fielen wir dann nach einem echt anstrengenden Tag, an dem wir für afrikanische Verhältnisse ordentlich Strecke gemacht hatten, in Betti und kuschelten und schmiegten uns in einen wohlverdienten Schlaf.
Am nächsten Morgen sollte sich das Hotel noch mehr als Glücksgriff herausstellen, denn zum ersten Mal gab es ein richtiges Frühstücksbuffet und nicht nur Spiegel- oder Rührei und ein bißchen Marmelade mit Weißbrot, die hatten da sogar Pfannkuchen mit Nutella und verschiedene Säfte zur Auswahl, mmmh… Während wir so schlemmten, lief auf dem Großbildschirm ausnahmsweise mal nicht Fußball, sondern eine Übertragung von irgendeinem Gottesdienst, und ich war mal wieder verstört, daß so ein Scheiß im Jahre 2025 immer noch eine derartige Bedeutung hat. Männer mit albernen Hüten und Gewändern singen veraltete Bibel-Lieder, wie wär`s denn mal mit Ton Steine Scherben oder von mir aus auch ‚Freiheit‘ von Marius Müller-Westernhagen!?
Olga machte noch immer ihre Blasenentzündung zu schaffen, heute wohl wieder mal so richtig. Also machte ich im schönen Hotelgarten erstmal ein bißchen Computer-Gedöns und anschließend machten wir zusammen einen ausgedehnten Spaziergang durch die für afrikanische Verhältnisse recht hübsche Stadt, die größte in der nach dem gleichnamigen Fluß benannten Region Casamance, dem Süden Senegals.
An der Brücke über den Fluß konnten wir dann auch einen kleinen Eindruck gewinnen von der weitläufigen Mangrovenlandschaft, die diesen Teil Senegals ausmacht und es ließ sich schon hier ohne Frage feststellen, was der Reiseführer versprochen hat: Der Süden des Landes ist deutlich grüner und nahezu üppig, was die Flora angeht, weswegen die Einheimischen hier wohl auch von den Menschen im Norden etwas abfällig als ‚Waldmenschen‘ bezeichnet werden. Ich kann nur sagen ‚I like‘, lieber Dschungel als Savanne…


Zurück im Hotel ging es Olga dann so schlecht, daß ich mich zweimal auf die Suche nach einer Apotheke machte, um so Sachen wie Natron und Antibiotika zu besorgen. Weil es Letzteres in der ersten Apotheke nur auf Bestellung gab, mußte ich nochmal weiter in die Stadt, wo mich auf meiner Suche dann ein junger Mann ansprach, was ich denn suchen würde. Als ich ‚Pharmacy‘ antwortete, leuchteten seine Augen, denn er hatte wegen ganz schlimmen Zahnschmerzen schon zwei Nächte nicht richtig schlafen können und bat mich von Herzen, ob ich ihm nicht entsprechende Medizin besorgen könnte. Lange Rede, kurzer Sinn, ich hab` dann umgerechnet 15,- Euro investiert, um auch ihm ein paar entsprechende Tabletten und Antibiotika zu kaufen, und er war hinterher sowas von dankbar, daß ich guten Glaubens, das Richtige getan zu haben, mit einem Abstecher zum Supermarkt zurück zum Hotel gehen konnte. Da war Olga dann auch sehr dankbar für meine Besorgungen und wir dattelten uns mit einem Dinner unten im Restaurant, bei dem mal wieder Fußball lief, und später im Bett vertieft in unsere Lektüre durch den sehr ruhigen Abend.

Vorher hatten wir uns noch bei Booking.com eine Unterkunft in Cap Skirring für zwei Nächte gebucht, zu der uns dann morgens um Zehn der Kollege unseres Freundes von vorgestern, der auch der Rezeption bekannt war, bringen sollte. Ich weiß nicht mehr genau wo und wann, aber irgendwer hatte uns vor ein paar Tagen noch gesagt, als wir ihm erzählt hatten, daß wir spätestens am 29. in Cap Skirring sein wollten, wir würden also ins Paradies fahren, da wollten wir nun auch möglichst schnell hin.
Nach einem einem weiteren leckeren Frühstück ging es dann auch wie eigentlich bisher immer pünktlich los und wir tingelten durch echten afrikanischen Dschungel gut anderthalb Stunden bis zur südlichsten Stadt des Senegal nach Cap Skirring, in der Tat ein kleines Paradies, wie sich herausstellen sollte. Die neue Unterkunft Campamento Chez Campos sollte natürlich direkt am Strand gelegen sein und machte auch direkt einen sehr entspannten Eindruck, auch wenn kaum jemand richtig Englisch sprach, zum Bier bestellen hat`s erstmal gereicht. Hier habe ich auch zum ersten Mal Hunde beobachtet – und was für verschmuste Biester das waren – die sich auf der Dachterrasse extra in die brütend heiße Sonne gelegt haben, um noch besser chillen zu können. Wir fühlten uns auf jeden Fall richtig angekommen…
Das wurde dann bei unserem ersten Bad im erfrischenden Ozean noch besser bestätigt und Olga, die ja gerne ein bißchen frostködelig unterwegs ist, strahlte über beide Backen und plantschte mit mir in den Wellen wie eine Große. Ich muß wirklich sagen, ich durfte in meinem Leben ja schon so einige Paradiesstrände genießen, in Asien, Australien, Neuseeland, Costa Rica oder Rio de Janeiro (oder erst kürzlich in Goa, Indien – aktuelle Anm. d. Autors), aber ich glaube, die Strände von Cap Skirring sind jetzt tatsächlich meine Nummer Eins. Weißer Pulversand ohne jegliche Muscheln, Steine oder Algen bis weit ins türkisfarbene Wasser raus, welches mit 25° Grad und ordentlich Wellen zum Spielen aufwarten kann. Und das Beste, so gut wie keine Menschen weit und breit, höchstens mal ein paar Kühe.
Gut, gegen Nachmittag, wenn es ein bißchen kühler wurde, sollte sich der Strand dann doch ein bißchen mit Touris und Einheimischen, die in der Regel irgendetwas verkaufen wollen, füllen, aber dafür daß eigentlich Hauptsaison sein sollte, war das äußerst bescheiden. Und apropos verkaufen, wir waren noch nicht richtig aus dem Wasser, da offenbarte uns ein Rastamann seine Mappe mit Bildern, die er aus toten Schmetterlingen (natürlich nicht selbst getötet) gemacht hat, ziemlich geile Scheiße! Er zeigte uns dann noch mehr Bilder und Kunst in seinem Atelier hinter der Strandbar direkt am Zugangsweg von unserer Unterkunft und wir kamen nicht drumherum, ordentlich Geld für tolle afrikanische Kunst auszugeben. Ein Narr, wer sich von diesem faszinierenden Kontinent keine hübschen Souvenirs mit nach Hause bringt.

Hihi, da muß ich gerade etwas Schmunzeln, denn spätestens hier in Cap Skirring wurde uns klar, daß es im Senegal auf jeden Fall eine nicht zu unterschätzende Dichte an Sextourismus gibt, allerdings ist solcher in Afrika ja gerne mal rollenvertauscht, also keine häßlichen alten Engländer, die sich irgendwelche jungen Asiatinnen klarmachen. Klar, die gibt`s in der Form im Senegal auch in Kombination mit dunkelhäutigen Schönheiten, aber deutlich auffallend dort ist vor allem die Kombination weiße Frau und schwarzer Mann, wobei das Alter der – darf ich bitte Freierinnen sagen? – von bis geht. Es handelt sich also absolut nicht nur um untervögelte Rentnerinnen, sondern durchaus auch um hübsche und sexy jüngere Frauen, die ganz offensichtlich Geld dafür ausgeben, um ein paar Tage die Gesellschaft (und als Alleinreisende wahrscheinlich damit auch Schutz) eines Black Lovers zu genießen. Ich sag`s mal so, auch auf die Gefahr hin, damit politisch unkorrekt zu sein: Es gibt schlimmere Probleme als das sogenannte älteste Gewerbe der Welt, (die meisten) Menschen ficken nun mal gerne, Sex ist ja auch eins der menschlichen Grundbedürfnisse, wird immer gerne vergessen…
Den Rest des Tages verbrachten wir dann mit Chillen und noch mehr Baden, denn wir waren wirklich im Paradies angekommen. Zum Dinner gab`s dann mal wieder Zebu, allerdings leider nicht so schieres Filet wie in unserer ersten Unterkunft, aber über die zähen Reste und etwaige Knochen freuten sich die sehr zutraulichen Katzen und Hunde des Hauses. Im Bett dann endlich mal ‚Almende und Schrebergarten‘ von meiner neuen Lieblingsautorin Pia Klemp zu Ende gelesen. Dann haben wir beide sehr gut geschlafen, wie ich mich erinnern kann…
Die Morgende, wo es vor dem Frühstück erstmal zum Baden in den Ozean geht, sind mir natürlich am liebsten, also die Situation voll ausgekostet, hier konnte mensch es sich wirklich gut gehen lassen, aber sowas von. An diesem Tag sollte ich dreimal für eine halbe Stunde in den warmen Wogen die Seele baumeln lassen. Nachmittags haben wir dann einen Spaziergang durch das kleine gemütliche Örtchen gemacht, welches schon sehr touristisch geprägt ist, und spätestens bei unserem Gang durch den örtlichen Kunstmarkt wurde klar, daß ich hier noch mehr Geld für Souvenirs ausgeben würde, in Afrika gibt`s einfach so geile handgemachte Kunst zu kaufen. Später bin ich dann nochmal los, Wasser zu besorgen und mich nach einem Restaurant fürs Abendessen umzusehen, denn das Angebot in unserem hauseigenen Restaurant war doch etwas begrenzt, wenn auch die süßen Hauskatzen uns dabei immer Gesellschaft leisteten…
Anschließend sind wir die Nachbarschaft abgeklappert und haben unsere nächste Unterkunft gesucht, das Le Kibalou, welche wir ja schon in Deutschland gebucht hatten. Nachdem wir aber in zwei Resorts nachgefragt hatten, die uns beide nicht weiterhelfen konnten, wurde uns von dem sehr hilfreichen Personal im dritten dann klargemacht, daß das Le Kibalou ein paar Kilometer nördlich außerhalb des Ortes liegt. Warum uns das bei Google in unserer unmittelbaren Nachbarschaft angezeigt worden ist, haben wir bis heute nicht erklärt bekommen, aber latte das.
Wir machten uns also an der Rezeption bei Chez Campos ein Taxi für 11.00 Uhr am nächsten Morgen klar und aßen dann in einem der netten kleinen Restaurants an der Hauptstraße Spaghetti und konnten uns mal wieder ein bißchen wundern über die Angewohnheiten älterer französischer Touris. Satt und zufrieden und nach einem kleinen Bumserchen konnte ich dann wieder mal aus irgendwelchen Gründen ein paar Stunden lang nicht einschlafen. Steht zumindest so in meinem Tagebuch, liebes Tagebuch!
Jaaa, und damit muß ich dann auch für heute mal Schluß machen und es sieht definitiv so aus, als würde ich diesen Blog-Eintrag erst in Indien zu Ende schreiben können, geschweige denn mit Bildern hochladen, denn in der nächsten Woche werde ich da ganz sicher nicht mehr zu kommen, soviel wie vor Abflug noch ansteht. Scheiße, das alles wollte ich eigentlich unbedingt vorher erledigt haben, aber wie du siehst, ist so ein Blog-Eintrag nicht mal eben so geschrieben, es war ja auch eine sehr ereignisreiche und aufregende Reise.
Also sei mir bitte nicht böse, ich hoffe, es wird nicht allzu lange dauern, bis ich dir den Rest von unserer Senegal Reise erzählen kann, denn das Paradies in Cap Skirring ließ sich tatsächlich noch toppen, wir wir am nächsten Tag erfahren sollten. Aber ja, davon berichte ich dann, wenn ich unter der indischen Sonne hoffentlich mal zum Schreiben komme, denn erstmal erwartet uns da reichlich Arbeit.
Nun denn, somit bis hoffentlich ganz bald, hab` dich lieb, liebes Tagebuch,
dein Arne
Lucknow, Donnerstag 12. Februar 2026 20.20 Uhr
Liebes Tagebuch!
Oh Mann, ich habe ja ein ganz schlechtes Gewissen, gerade deinen LesernInnen gegenüber, daß ich mich erst jetzt wieder melde, um dir weiter von unserer Senegal Reise zu erzählen. Es ist immerhin schon knapp einen Monat her, also was habe ich zu meiner Verteidigung zu sagen? Nun, es gibt eine ganz einfache Erklärung, und zwar sind wir, seit ich hier am 27. Januar in Lucknow ganz im Norden Indiens angekommen bin, so hart und viel am Arbeiten, wie ich schon lange nicht mehr malocht habe. So wird eigentlich seit drei Wochen jeden Tag betoniert in durchschnittlich 12 Stunden-Schichten und du kannst dir vielleicht vorstellen, daß es da nach Feierabend ein wenig an Zeit, Kraft und Muße fehlt, um am Rechner Reiseberichte zu schreiben über einen Trip, der sich inzwischen schon viel viel weiter weg anfühlt, als er eigentlich her ist. Heute gab`s tatsächlich mal kein Beton, weil die Jungs mit den Vorbereitungen nicht hinterherkommen, so daß wir tatsächlich mal einen Tag frei hatten.
Deswegen will ich dich hier auch nicht mit weiteren Einzelheiten über Indien nerven, obwohl es da natürlich jetzt auch schon ganz viel zu erzählen gäbe, aber davon berichte ich dann lieber im nächsten oder übernächsten Blog-Eintrag, alles schön der Reihe nach. Und jetzt muß ich wohl erstmal Senegal fertigkriegen und ich hoffe doch sehr, ich schaffe das dann spätestens, wenn ich hier nach der riesigen Baustelle in Lucknow noch ein, zwei Wochen Urlaub im Süden mache…
Und apropos Süden, wir waren ja bekanntlich ganz im überparadiesischen Süden Senegals, in Cap Skirring, angekommen, und nach zwei Tagen bei Chez Campos und einem letzten Frühstück auf der hellen und heißen Dachterrasse sollte es dann morgens um 11.00 Uhr mit einem Taxi für drei Nächte zum Le Kibalou gehen, was nördlich etwas außerhalb des Ortes liegen sollte, wie wir gestern gelernt hatten. Aber das machte auch Sinn, denn als wir die Unterkunft ein paar Wochen vorher in Deutschland gebucht hatten, hatten wir drauf geachtet, daß wir über Silvester schön abseits der Zivilisation irgendwo in der Natur verbringen wollten, und so sollte es dann auch kommen…
Nach knapp 20 Minuten Autofahrt (die fahren dort ja nicht so schnell) bogen wir irgendwann nach links auf eine Sandpiste ab, die uns dann durch Reisfelder und eine Heide-artige Landschaft zu einem abgelegenen kleinen Urlaubsresort inmitten von Sanddünen führte, welches aber noch nicht die Endstation sein sollte. Denn wir waren bei Chez Campos schon vorgewarnt worden, daß das Taxi uns ohne Allradantrieb nicht ganz bis zum Le Kibalou bringen könne und wir die letzten fünfhundert Meter zu Fuß laufen müßten. Nachdem wir uns ausgeladen hatten, wurde uns sogleich versichert, es käme gleich jemand, um uns abzuholen, und eine halbe Zigarettenlänge später kam dann auch ein Pick-up am Strand herangebraust. Ich ließ es mir natürlich nicht nehmen, hinten auf der Ladefläche Platz zu nehmen und die Fahrt dauerte dann doch locker fünf Minuten, das wäre mit unserem Gepäck zu Fuß im Strandsand bei der Hitze eine regelrechte Strapaze geworden.
Tja, und wenn wir gedacht hatten, in Cap Skirring im Paradies angekommen zu sein, so war das wohl nur die Lobby, den absoluten Paradieszustand hatten wir dann erst jetzt. Das großflächig angelegte, aber sehr spartanische Le Kibalou besteht aus einer Handvoll kleinen Hütten mit je zwei Wohneinheiten, so daß hier maximal ein Dutzend Gäste Platz hatten, es sollte also ein sehr ruhiges Silvester werden, ganz so wie wir uns das gewünscht hatten. Unser Gastgeber war ein junger Franzose aus Lyon namens Giullaume, der mit viel Hingabe und Freundlichkeit für ein halbes Jahr dieses kleine Resort für seinen Vater betrieb, der gerade in der Heimat war. Statt Hunde oder Katzen gab es hier ein kleines Ziegenbabywaise als Haustier, das stets für Begeisterung sorgte. Giullaume meinte, sie hatten schon versucht, sie einer Herde anzugliedern, aber das hatte nicht so recht geklappt, sie fühlte sich scheinbar alleine mit den Menschen im Le Kibalou am wohlsten…

Und dann der Strand, ey, wahrscheinlich wirklich insgesamt der Schönste, an dem ich je gewesen bin, kleine Dünen mit Pinienhängen und dann 20m feinster Pulversand ins türkisfarbene kuschelig warme Wasser mit Wellengang in genau der Höhe, die es zum lustigen Plantschen und geplantscht werden so braucht. Eigentlich alles so wie in Cap Skirring nur mit dem sehr feinen Unterschied, daß hier am Strand bis zum Horizont keine Menschenseele zu sehen war. Mensch hatte diese biblische Natur quasi ganz für sich alleine, denn wie sich beim Abendessen herausstellen sollte, waren außer uns nur ein jüngeres französisches sowie ein älteres baskisches Pärchen anwesend, die sich sehr freuten, daß ich den La Kantera Skatepark kannte und dort schon am Strand geschlafen hatte. Also wirklich der absolute Hammer diese Unterkunft!


Zum Abendessen sollte es auch immer nur ein einziges Gericht geben und heute gab es Fisch, da kam ich also nicht drumherum seit 37 Jahren das erste Mal wieder Fisch zu essen. Obwohl stimmt nicht ganz, als ich noch im Portugiesenviertel gewohnt habe, hab` ich mal stockbesoffen nach einer durchzechten Nacht auf`m Hamburger Fischmarkt aus Neugier ein Fischbrötchen gekauft, das ich mal gerade halb runtergekriegt habe. Obwohl ich am Meer groß geworden bin, habe ich nie gerne Fisch gegessen und eine absolute Abneigung gegen Seefrüchte aller Art. Aber an diesem Silvesterabend gab`s nun mal nur Fisch oder sonst gar nichts, und das Ganze war in der Tat gut zubereitet und hat mich entfernt an Dorsch erinnert, war also nicht so schlimm. Wir haben dann aber Guillaume klargemacht, daß wir morgen Abend bitte gerne irgendwas Vegetarisches hätten.
Damit muß ich dich dann auch schon wieder entlassen, liebes Tagebuch, denn es ist schon kurz nach Mitternacht und ich muß morgen schon wieder gegen Mittag auf der Baustelle sein und vorher auf jeden Fall noch ein paar gesunde Stunden schlafen. Das geht hier alles echt ganz schön an die Substanz und ich bin gespannt, wann ich das nächste Mal Zeit und Energie haben werde, um weiter zu berichten. Jetzt muß ich erstmal in der Horizontalen die Beine ausstrecken (bin gespannt, wie lange meine alten Knie das alles noch mitmachen) und Energie tanken für morgen und die noch anstehenden Tage.
Bis ganz bald,
Arne
Palolem Beach, Montag 2. März 2026 18.44 Uhr
Liebes Tagebuch!
Ich habe inzwischen die fast fertige Baustelle in Lucknow hinter mir gelassen und mich Samstag schweren Herzens von den übriggebliebenen Jungs vor Ort verabschiedet, mannomann, das war mal ein sehr intensiver Monat, geht auf jeden Fall in die Geschichte ein, und zwar nicht nur in meine. Jetzt bin ich seit Samstagabend in Palolem Beach in Süd-Goa, ein für Goa-Verhältnisse recht ruhiges Örtchen mit dazugehörigem Paradiesstrand. Ich hab` mich hier für eine Woche in einer Hütte im Taste Of Nature einquartiert und laß` seitdem die Seele baumeln und gerne auch mal die müden Gliedmaßen im brühwarmen Wasser. Aber ich will jetzt noch nicht zu viel erzählen und mal lieber zusehen, daß ich diesen Blog-Eintrag in meinen letzten zwei Wochen hier in Indien fertigeschrieben und hochgeladen bekomme. Also, wo waren wir stehengeblieben?
Ach ja, an einem anderen, dem absoluten Paradiesstrand beim Le Kibalou und nach einer schönen ersten Nacht war die Stimmung am Silvestermorgen irgendwie mal wieder nicht so gut, ich weiß gar nicht mehr wieso. Jedenfalls steigerten Olga und ich uns mal wieder so rein, daß ich schon dachte, wie typisch schräg es für mein ebensolches Leben wäre, hier im Paradies an Silvester die zweite Beziehung meines Lebens zu beenden. Aber wenn die Kleene und ich auf dieser Reise eins bewiesen haben, dann daß wir uns nach einem, leider zumeist recht anstrengenden längeren Gespräch, wieder vertragen können, weil wir ja beide das gleiche wollen, uns, den ganzen Batzen, und eine gemeinsame Zukunft.
Nachmittags machten wir dann einen ausgiebigen Strandspaziergang, bei dem wir die Begegnungen mit anderen Menschen an einer Hand abzählen konnten. Noch nicht lange unterwegs hab` ich dann einen wahren Schatz gefunden, und zwar einen Schädel, der sich hervorragend in unserem Garten machen würde, sofern ich ihn denn mit nach Deutschland kriegen würde. Ein einsamer Fischer, der kein Englisch sprach, aber Flugbewegungen macht, bestätigte unsere Vermutung, daß es sich um einen riesigen Vogel gehandelt hat, aber die Wahrheit werde ich erst Wochen später erfahren, als ich per Photo tatsächlich die verhaßte Künstliche Intelligenz befragt hab`. (hab` ich bis jetzt immer noch nicht abchecken können, weil ich gar nicht wirklich weiß, wie das geht – Anm d. Autors) Aber ja, ich habe ihn unbemerkt durch den Zoll gekriegt und er macht sich sehr gut vor meiner Hütte in unserem Garten. Ich wollte das Glück dann auch nicht überstrapazieren und hab` dafür schweren Herzens den schönen Ziegenschädel, den ich in Joal am Strand gefunden und seitdem im Gepäck hatte, im Garten des Le Kibalou gelassen.
Tagsüber waren noch drei Französinnen angereist, eine ältere mit zwei jüngeren, eine davon so hübsch, daß sich selbst Olga eine Bemerkung nicht verkneifen konnte. Zudem war diesmal noch ein drittes Pärchen mit dabei, und als er Olga auf ihr NOFX T-Shirt (von der ‚Ribbed‘ Tour 1991, ey, hab` ich ihr geschenkt, weil ich nicht mehr reinpasse) ansprach, stellte sich heraus, daß er Österreicher und sie Schweizerin ist, und da die beiden auch recht alternativ zu sein schienen, hatten wir nach dem Essen noch ein nettes, recht typisches Backpacker-Gespräch, unser erstes eigentlich seit zwei Wochen und ausnahmsweise auf Deutsch. Trotzdem ging es dann noch vor Mitternacht ins Bett und nach meinem Silvester 2011/12, das ich auf einem 2000er in Tasmanien verbracht hatte, ging dieser Jahreswechsel als der zweitruhigste in die Geschichte meines fünfzigjährigen Lebens ein. Für ein Bumserchen vor`m Schlafen hat`s aber noch gereicht, mmh…
Neujahrsmorgen mußten wir nach dem Frühstück dann packen, denn das hatte ich ja noch gar nicht erzählt: Wir hatten uns wegen der strapaziösen Reise in den Süden vor zwei Tagen dann doch entschieden, zurück in den Norden zu fliegen, um Kraft, Energie und vor allem auch Zeit zu sparen, wir waren schließlich im Urlaub, da muß mensch auch mal Fünfe gerade sein lassen. Allerdings waren die Flüge von Cap Skirring natürlich so kurzfristig fast schon ausgebucht gewesen und die letzte Möglichkeit war eben, einen Tag vorher zu fliegen, als wir das eigentlich geplant hatten. Und wir hätten wirklich gerne noch einen weiteren Tag dort im abgelegenen Paradies verbracht.
Nun denn, so ging es also nach einem letzten Bad an meinem neuen Lieblingsstrand um Zwölf mit einem Taxi nach Cap Skirring, wo ich nochmal auf dem Kunstmarkt ein paar Schätze besorgen wollte, während Olga am Flughafen auf mich warten würde. Und als ich dann mit einem der Verkäufer ins Gespräch kam, während er meine gerade erstandene Ebenholz-Schnitzerei verpackte, stellte sich heraus, daß er aus M`bour kam und – jetzt schnallt euch an – natürlich den Heiligen Jack kannte, mit dem wir dort ja zu tun hatten. Jaja, so klein ist die Welt selbst in Afrika…
Mit Beute reich beladen machte ich mich dann zum äußerst bescheidenen Flughäfchen von Cap Skirring, ich glaube, der kleinste und gemütlichste Flughafen, mit dem ich bisher zu tun hatte, da liefen sogar Katzen rum. Leider wehte da hin und wieder der üble Gestank vom Fischmarkt gleich um die Ecke rüber und außerdem würde unser Flieger, der aus Dakar kam und gleich wieder zurückfliegen sollte, eine Stunde Verspätung haben. Komischerweise wollte hinter der Bar, wo es Snacks und Getränke geben sollte, trotzdem irgendwie keiner Geld verdienen, so daß wir gefühlt eine Ewigkeit rumlungerten, bis es dann irgendwann zu Fuß an Bord gehen sollte.


Nach dem Start flogen wir dann quasi direkt über das Le Kibalou und Dank Fensterplatz sah das Ganze aus der Höhe noch gemütlicher aus und nach einer Stunde landeten wir dann auch schon wieder in Dakar. Also ich bin echt Gegner von Inlandsflügen, aber das war doch deutlich angenehmer als irgendeine Bus- oder Taxiprozedur und mit etwas über hundert Euro auch nicht wirklich teuer und somit gut angelegtes Geld.

Am Flughafen dann ein Taxi klargemacht, das uns durch die abendliche Dämmerung und junge Nacht ca. eine halbe Stunde südlich nach Popenguine bringen sollte. Aber irgendwie zog sich die Fahrt dann schwer in die Länge, und als wir im besagten Ort dann auf dem Navi nicht unser Hotel finden konnten, stellte sich heraus, das unsere gebuchte Unterkunft gar nicht in Popenguine war, sondern nochmal eine Dreiviertelstunde Fahrt weiter in Ngaparou sein würde. Ja, irgendwie war das mit der Orientierung beim Buchen schon komisch gewesen, bis ich dann irgendwann völlig genervt auf ‚Buchen‘ gedrückt hatte, so mußten wir dann dem Fahrer nochmal einen Tausender mehr abdrücken, als wir schließlich nach knapp zwei Stunden Fahrt schon recht spät unsere Unterkunft, das Le Jardin de Adja fanden.
Wir wurden aber von unserem äußerst freundlichem Gastgeber in Empfang genommen und kamen in einem Zimmer im Nebenhaus unter, wo wir mal wieder die einzigen Gäste waren. Olga brauchte noch Bier und so ist unser Gastgeber nochmal mit uns losgezogen, um zu dieser späten Stunde noch was für uns aufzutreiben, was uns aber halbwegs problemlos in einer Schuppen-artigen Kneipe gelang. Tja, und dann war es scheinbar mal wieder Zeit für Streit, was damit endete, das Olga die Nacht auf der Couch im großen Gemeinschaftsraum verbrachte. Ich weiß auch nicht, irgendwie hat unsere Beziehung viele Höhen, aber auch immer wieder leidliche Tiefen…
Morgens zog ich dann auch erstmal völlig genervt alleine los in den Ort, um eine Bank zu suchen, bei der ich genug Geld abheben konnte, damit ich die letzten sechs Tage alleine weiterziehen konnte, weil so hatte ich echt kein Bock mehr und beim anschließenden Chillen mit kaltem Kakao an dem unerwartet schönen Strand bekräftige sich mein Entschluß auch noch. Als ich wieder in der Unterkunft ankam, war Olga auch nicht untätig gewesen und hatte schon gepackt, weil sie sich für die letzten Nächte eine Unterkunft in Toubab Dialao gebucht hatte, wohin sie sich dann nachmittags auf den Weg machen wollte.
Nach einem abermaligen langen Gespräch – diese wurden bei unserem inzwischen fünften heftigen Streit auf dieser Reise natürlich immer intensiver – beschlossen wir wie immer, daß das nicht das Ende sein sollte, und noch eine Nacht zusammen hier zu bleiben und dann morgen zusammen in das kleine Künstlerörtchen Toubab zu fahren. Unser Gastgeber (inklusive dessen am Telefon sehr gut Englisch sprechender Chef) hatte dann deutliches Verständnis dafür, daß wir somit früher abreisen würden als geplant und gebucht, schließlich hatte er uns ja den ganzen Nachmittag auf der schattigen Terrasse im Garten diskutieren sehen…
So, liebes Tagebuch, hier muß ich dann wohl mal wieder Schluß machen, kann gut sein, daß es mal wieder ein paar Tage dauert, bis ich von den letzten Tagen im Senegal berichten kann, denn morgen kommen Max, Vitti und Babz nach Palolem, die sich ja schon vor drei Wochen aus Lucknow verabschieden mußten, weil sie mit Darius zur nächsten Baustelle in Huti geflogen sind. Wir waren dann so verblieben, daß wir uns in Goa nochmal für ein paar Tage treffen wollten, bevor es für jeden einzelnen wieder nach Hause geht, so gesehen werde ich in den nächsten Tagen vermutlich nicht dazu kommen, weiter- und zu Ende zu schreiben. Aber ich habe meinen Rückflug inzwischen für den 17. März gebucht und mir zumindest fest vorgenommen, diesen Blog-Eintrag unbedingt noch in Indien fertig zu kriegen. Weil ich dann zu Hause sowieso erstmal nicht dazu kommen werde, da ich ja auch diesen Trip dann erstmal verarbeiten muß, abgesehen davon daß es in der Realität daheim natürlich einiges zu erledigen geben wird. Soll mal jemand sagen, so einen Blog zu unterhalten, sei nicht mit Arbeit verbunden…
Also, ich werde mein Bestes geben und mich hoffentlich alsbald wieder melden!
Küßchen,
dein Arne
Mandrem Beach, Donnerstag 12. März 2026 16.34 Uhr
Liebes Tagebuch!
Ja, da bin ich wieder und muß sagen, ich hatte ein paar schöne Tage mit den Boyz, wo wir nochmal ein bißchen Natur-Action gemacht haben und einen krass geilen alten Bowl im Dschungel geskatet sind, aber jetzt will ich wirklich schnell erstmal den Senegal-Bericht zu Ende kriegen, sonst wird das nie was. Allerdings wird das noch echt stressig mit den Photos hochladen, denn nachdem ich hier in Indien in jeder Unterkunft super Internet hatte, ist das hier in meiner letzten ziemlich dürftig und zudem von kurzen, aber regelmäßigen Stromausfällen geplagt…
Wo war ich denn stehengeblieben? Ach ja, in unser Unterkunft in Ngaparou, nachdem Olga und ich uns mal wieder heftig gestritten und anschließend vertragen hatten, es gibt halt Tage, da hat einfach jemand in die Konfettikanone geschissen. Mann, ey, das fühlt sich inzwischen alles schon so weit weg an, obwohl es mal gerade zehn Wochen her ist…
Wir sind dann also gegen späten Nachmittag als ganzer Batzen nochmal zusammen an die Stelle am Strand, wo ich mittags schon gechillt hatte, und jetzt bei Hi-Tide ließ sich da ganz hervorragend baden und es ist immer so schön, wenn meine Kleine denn auch mal mitplantscht. Dann gab`s ein sattes Dinner in Form von Pizza in einem der vielen Restaurants im Ortskern bzw. draußen davor, bei dem mensch wunderbar das bunte Treiben auf der Straße beobachten konnte, das doch so anders ist als bei uns in Europa. Danach satt und zufrieden in die Unterkunft und zusammen in Betti gekuschelt…
Am nächsten Tag ging es gegen Mittag aus den Federn und nach kurzem Packen und einem herzlichen Abschied vom Hausmeister etwas über eine Stunde nach Toubab Dialao, wo Olga ja für ihre letzten vier Nächte ein nicht ganz billiges Zimmer im La Mimosa gebucht hatte, welches wir dann zum Glück zusammen bezogen. Das sehr zentral gelegene Mimosa wurde dem Ruf des Ortes, der wie gesagt ein bißchen als Hippie-Künstler-Stätte gilt, mehr als gerecht. Alles ist bunt und aufwendig mit tausenden von einbetonierten Muscheln verziert, teilweise sehr gute Inspiration für zukünftige Projekte, die ich noch vorhabe. Und auch in den Straßen und am Strand gab es allerlei Kunsthandwerk, ich würde mir auf jeden Fall noch mindestens einen von diesen Flamingos aus Blech für den heimischen Garten besorgen, die ich schon anderswo gesehen hatte.
Nach unserem ersten Wellenwaschgang und einem ausgedehnten Strandspaziergang nach Norden, wo es ein paar der wenigen eindrucksvollen Steilküsten im Senegal zu bestaunen gab, trafen wir in der Sonne liegend erstmal prompt das schweiz-österreichische Pärchen, mit denen wir schon Silvester „gefeiert“ hatten, immer wieder witzig, wie klein die Welt selbst in Afrika sein kann.

Sie erzählten uns dann auch von einem abends anstehendem Reggae-Konzert in der kleinen Strandbar Le Meleon gleich nebenan. Bei einem ersten Cuba Libre dort stellten wir dann sehr schnell fest, daß die beiden einheimischen Frauen und ihre beiden Begleiter am Tisch nebenan aus Deutschland zu Besuch in ihrer Heimat waren und sehr gut Deutsch sprachen. Und als die eine, sehr temperamentvolle, von ihnen dann zu dem einem Mann meinte ‚Nun hol` uns doch nochmal ein Bier‘ und anschließend ihre ‚Kuscheldecke‘ forderte (es war recht windig), war Olga ganz hin und weg und wir kamen mit ihnen ins Gespräch. Bier und Kuscheldecke kann meine Kleine nämlich auch beides sehr gut, das sind quasi Spezialdisziplinen von ihr…
Ansonsten waren wir erstaunt über die Beharrlichkeit eines der Strandverkäufer, der mindestens eine halbe Stunde vor der Bar stand und uns immer wieder eine potthäßliche Jacke zeigte, die er wohl unbedingt loswerden mußte. Aber ey, wir waren in Afrika und brauchten keine Jacke, erst recht nicht diese. Also nochmal zum Mimosa für ein zünftiges Abendessen, bei dem wir mal wieder die einzigen waren, und anschließend zurück an Strand, wo die Band gerade am Soundchecken war, Publikum genug war auf jeden Fall anwesend. Sie spielten dann so eine Art Soul-Reggae mit leicht poppigen Ansätzen, konnten aber das tanzende Volk wie auch uns begeistern, und ja, es ist ein Klischee, aber der Mann am Bass war wie immer der Gechillteste von allen (er bedankte sich nach dem Konzert sogar noch bei uns für unser Interesse!).
Ein paar der Locals hatten dann wohl auch schon recht tief ins Glas geguckt, allen voran ein leicht verschrammelter Rastamann, der sich nach der Show zu uns gesellte und sich quasi selbst adoptierte, in dem er mich ‚Daddy‘ und Olga ‚Mama‘ nannte und meinte, er wäre ab jetzt unser Sohn. Er wollte uns dann auch unbedingt noch seine Trommelwerkstatt zeigen und auch ein paar andere der Gäste wurden ein bißchen aufdringlicher (einer meinte wohl zu Olga „You want a baby? I make it good.“) suchten wir dann nach einem lustigen Abend irgendwann das Weite, bevor wir noch mehr Bier ausgeben mußten.
Der nächste Tag verlief dann recht unspektakulär, weil ich auch endlich mal einige überfällige Arbeit am Rechner erledigen wollte und Olga etwas schlapp war. Ich wollte mich in einem der Kunsthandwerkwellblechschuppen um die Ecke auf jeden Fall mit ein, zwei Blechflamingos eindecken, die wir dann zu Hause rosa bemalen wollten. Der Verkäufer hatte mich schon gestern auf mein Radio Birdman T-Shirt angesprochen – nicht weil er die Band kannte, aber weil er wußte, wie ein Band-T-Shirt aussieht – und gemeint, er hätte auch Schallplatten zum Verkauf, schließlich stand ja auch handgemalt an der Wand ‚Record Store‘.
Aber als er mir dann einen Stapel völlig zerfetzter und von einem Wasserschaden beschädigten Stapel Platten präsentierte, den er wahrscheinlich irgendwo abgestaubt hatte und den jeder noch so akribischer Flohmarkthändler hierzulande guten Gewissens in die Tonne gedrückt hätte, war meine Euphorie natürlich sofort verflogen. Da nützte auch sein völlig hanebüchenes ‚Good quality‘ nichts, und die einzigen beiden Scheiben, die mich interessiert hätten, eine Emmylou Harris und eine Elvis Best-of, hatte ich tatsächlich beide schon.
Nachmittags machten wir dann noch einen kleinen Spaziergang an der Hauptstraße entlang, ich immer auf der Suche nach gut erhaltenen Reissäcken aus Thailand, Müll liegt ja genug überall rum. Und diese Säcke mit importierten Reis sind teilweise mit einem Weißkopfseeadler-Logo versehen und dermaßen hübsch, daß sie sich eingerahmt gut an der Wand machen würden, mal wieder so eine verrückte Souvenir-Idee von mir.

Auf dem Rückweg kurz vor`m Mimosa stolperten wir dann in den Rastamann von gestern rein, der Daddy und Mama jetzt hoch erfreut doch endlich seine Trommelwerkstatt zeigen wollte, und zwar so energisch, daß ich nicht umher kam, mit ihm zu gehen. Wie eine® dieser StrandverkäuferInnen, denen mensch dann doch was abkauft, was mensch nicht unbedingt braucht, damit sie endlich Ruhe geben. Olga schon leicht genervt von der Aufdringlichkeit der Locals lehnte dankend ab, also folgte ich „meinem Sohn“ bergauf und über Trampelpfade, die mit Sicherheit nur Einheimische kennen, in eine etwas heruntergekommene Wohngegend am Ortsrand, wo wir in einem großen Haus landeten, welches er wohl als Hausmeister betreute.
Bevor er mir dann überhaupt seine Werkstatt zeigen konnte, gesellte sich sein befreundeter Trommelmeister dazu, im Anhang einen Österreicher in etwa meinem Alter (mit eigener Trommel), dem er jetzt eine Stunde Unterricht geben sollte. Und ey, so Hippie ich auch bin, bin ich für so Trommelkreisgeschichten echt nicht zu haben, aber nur so daneben zu sitzen war mir dann auch irgendwann zu doof, so daß ich mich schließlich dabei wiederfand, schön im Rhythmus mit den anderen drei rumzutrommeln. Ich will jetzt nicht sagen, daß mir das Ganze unbedingt Spaß gemacht hat, aber ich konnte vielleicht ein bißchen mehr Verständnis dafür gewinnen, wie sich Afrikaner im Busch stundenlang in Ekstase trommeln, vor allem wenn dazu von den anderen Stammesmitgliedern wild getanzt wird. Und ich ärger` mich bis heute, daß ich es irgendwie verpeilt habe, das alles auf einem Photo festzuhalten, deswegen ist das jetzt meine ganz eigene kleine private Senegal-Erfahrung. Als Meister Trommel dann zum Abschied meinte, die Stunde heute wäre für mich umsonst gewesen, aber morgen müsse ich dann 500,- zahlen, verschwieg ich ihm, daß das mit Sicherheit meine erste und einzige Trommelstunde in diesem Leben gewesen war.

Die ganze Aktion hatte sich wohl etwas hingezogen, jedenfalls machte Olga sich den SMS nach zu urteilen schon ein bißchen Sorgen. Wir trafen uns dann am Strand wieder, wo sie sich biertrinkenderweise schon mit einem anderen Freak, der gestern auf dem Konzert abgefeiert hatte, angefreundet hatte. Der wußte dann natürlich auch, wo es zu später Stunde das billigste Bier gab und so folgten wir ihm durch ein paar dunkle verwinkelte und leicht angsteinflößende Seitengassen zu einem Shop an der Hauptstraße und als er meinte ‚With me you`re safe as money in the bank‘ kam ich nicht drumherum, an die Lehmann-Pleite 2008 zu denken, welche die letzte große Weltwirtschaftskrise auslöste. Als der Kollege zurück am Strand dann vollbreit als Erstes das von uns spendierte Bier zersplittern ließ, nur um sich in den Scherben den Fuß aufzuschneiden, wußten wir, daß es Zeit war, diesen dann doch noch recht ereignisreichen Abend zu beenden, und verabschiedeten uns zum Dinner ins Mimosa, wo wir danach im Bett zum Ausklang noch ein bißchen Extra3 und Heute Show guckten. Mensch muß ja auf dem Laufenden bleiben, was in Deutschland so passiert, und ohne Humor ist das in der Regel ja nicht zu ertragen…

Für unseren letzten Tag im schönen Senegal hatten wir uns dann etwas ganz Besonderes vorgenommen, wofür wir allerdings früh um 8.00 Uhr los mußten, denn in der Mittagshitze legen sich die Tiere, die wir sehen wollten, zum Dösen in den Schatten. Und zwar gibt es eine Dreiviertelstunde Autofahrt ins Landesinnere das Bandia Reservat ein Vorzeigeprojekt von „Ökotourismus“. Hier haben sich einheimische Frauen vor Jahren zusammengetan, um auf eingezäunten 3500 Hektar ein Reservat aufzubauen, in dem sich Flora und Fauna in ihren ursprünglichen Zustand regenerieren konnten und – wenn auch in „Gefangenschaft“ – ein paar der einst einheimischen Tiere wieder ansiedeln, die heute höchstens noch im wilden Osten des Landes anzutreffen sind. Eine Mini-Safari also, und ich hab` im meinem Leben ja schon so einiges gemacht und erlebt, aber etwas Safari-ähnliches gehörte bis dahin nicht dazu.
Tja, und so konnten wir uns dann in einer eigenen Tour ohne andere blöde Touristen halbwegs ein Bild machen, wie Afrika hier aussehen würde, wenn sich der Mensch nicht überall breit machen und die Natur zerstören würde, und konnten so einige für Afrika typische Tiere aus dem Auto nahezu hautnah erleben. Dank des Guides, der jede Tour begleitet, konnten wir dazu auch noch ein bißchen was lernen. Das war eine wirklich tolle Erfahrung, wie die vielen Photos vielleicht beweisen dürften…














Am Nachmittag mußte ich dann natürlich noch ein letztes Mal im herrlichen Atlantik baden und bekam dabei den totalen Respekt der Locals zu spüren, weil es ja eigentlich Winter war und total kalt und stürmisch… Alter, ich komm` von der Ostsee und erzähl` dir was von kalt und stürmisch! Danach begab ich mich dann nochmal auf Sackmission, denn ich wollte jetzt wirklich noch ein, zwei von diesen schönen Reissäcken haben, am liebsten in Rosa und Hellgrün. Und wenn die Einheimischen dann einen weißen Spinner wie mich in irgendwelchen Müllhaufen rumwühlen sehen – sie benutzen diese Säcke z.B. gerne als Müllsäcke – sind an diesem Nachmittag wahrscheinlich der ein oder die andere vom Glauben abgefallen. Ich bin dann zum Abschied nochmal Baden gegangen an dem, was mensch wohl den Hauptstrand nennen könnte, schließlich muß mensch sich immer gebührend verabschieden, wenn mensch so gute Bekanntschaft mit einem Weltmeer gemacht hat und es dann auf einmal hinter sich lassen muß…
Tja, und als ich dann zurück zum Hotel kam, brach zwischen Olga und mir der Super-GAU aus, und zwar aus Gründen, die ich euch wegen der Persönlichkeitsrechte der Hauptakteurin lieber verschweige. Jedenfalls endete das sehr schnell damit, daß ich von dannen zog, um mir Schnaps und Cola zu besorgen, um dann an einem sehr schönen ruhigen „Aussichtspunkt“ über den Ort, wo ich mich gestern bei unserem Spaziergang erleichtert hatte, den Schädel vollzuhämmern und ein paar Stunden über mein Leben und die dazugehörige Beziehung nachzudenken.
Ich bin dann auch erst nach Mitternacht durch die ausgestorbenen Straßen zurück zum Hotel, wo die Pforten leider schon geschlossen waren. Und als ich mich gerade damit abfand, mir ein provisorisches Schlafgemach vor dem Eingang fertig zu machen, kam dann zum Glück noch der nette Kellner, der uns jeden Tag zum Frühstück und Abendessen bediente, vorbei und ließ mich rein, so daß ich die Nacht wenigstens mit einer Decke auf einer der Strandliegen im Garten beim Pool verbringen konnte, wo mir allerdings die Mücken das Schlafen halbwegs unmöglich machten.
Nach nur fünf Stunden nicht wirklichen Schlafens klingelte dann auch schon der Wecker, da um 9.00 Uhr unser Flug aus Dakar heimwärts gehen würde, wohin uns wie gestern schon zum Reservat der Besitzer des Mimosa höchstpersönlich bringen wollte. Dann ging es darum, Olga gegenüber zu treten und meine Sachen aus dem Zimmer zu holen, was in eine Auseinandersetzung ausartete, die ich dem ganzen Batzen so nicht zugetraut hätte. Beim Beladen des Autos keifte sie dann noch rum, sie, die diese Fahrt gestern klargemacht hatte, wolle nicht, daß ich mit ins Auto steige, und ich solle doch zusehen, wie ich zum Flughafen komme, aber ich hab` sie einfach ignoriert und mich ebenso traurig wie wütend – und das alles ziemlich verkatert – einfach auf den Beifahrersitz gesetzt, so daß die Dreiviertelstunde Fahrt komplett schweigend verlief.
Als Olga am Flughafen dann mit ihrem Gepäck schnaubend abgezogen war, bat mich unser Gastgeber – eigentlich voll gläubiger Moslem – noch um eine Zigarette, die er mit Sicherheit immer nur raucht, wenn seine Frau nicht in der Nähe ist, ich entschuldigte mich für die schlechte Stimmung und wir sprachen noch kurz über das Geschehene. Und sein Spruch zum Abschied ‚Men need women, and women need men‘ wird mir immer in Erinnerung bleiben, so wahr und doch so scheiße…
Im Terminal versuchte ich dann noch, mein letztes Geld auszugeben – ich hatte mich ja vor ein paar Tagen eingedeckt, um unabhängig sein zu können – was mir letztendlich nicht gelang, da es einfach keinen geilen Souvenirkram gab, den ich mit Freude gekauft hätte, so daß ich mich damit abfand, 80,- Euro in Senegal Franc mit nach Hause zu nehmen. Die wollte ich dann Jack nach Hannover schicken.
Beim zweistündigen Warten am Gate gingen wir uns dann komplett aus dem Weg und die Stimmung war auf dem Tiefpunkt wie vielleicht noch nie in unserer Beziehung. Da war es dann auch eine äußerst willkommene Nachricht, daß unser Flug nach Istanbul wegen des Winterchaos in Europa satte drei Stunden Verspätung haben würde, na toll, damit war unser Anschlußflug scheinbar auch dahin. Da der Mensch sich in der Not ja gerne zusammenrauft, saßen wir dann kurz vor`m Bording doch auf einmal nebeneinander und warteten und als die olle Olga, mein sexy Süßbatz und 100% Bordinglinerin, dann aus Erschöpfung und Verzweiflung ihren Kopf auf meine Schulter legte, wußte ich es: Wir hatten diese Reiseprüfung, von der wir beide wußten, daß sie die Generalprobe unserer elfjährigen Beziehung sein würde, bestanden, wenn auch zuweilen heftig holperig. Aber wir brauchen, wollen und lieben uns und wissen, daß wir jede® für sich an uns arbeiten müssen, wenn wir denn zusammen alt werden wollen, und ich weiß genauso gut wie Olga, daß wir uns beide nichts anderes wünschen. Das Leben an sich, gerade wenn es um das Thema Beziehung geht, kann sehr heftig sein, aber von einfach war auch nie die Rede, erst recht eben nicht, wenn es sich um so kranke Freaks wie uns handelt.
Wir erfuhren dann noch rechtzeitig per Breitbandscanner, daß sich unser Anschlußflug auch verspäten würde, so würden wir uns in Istanbul zwar ziemlich beeilen müssen, aber zumindest bestand die Chance, heute noch nach Hause zu kommen. Tja, und beeilen wir uns dann in der Tat mußten, ich glaube, wir hatten grad mal eine Stunde Zeit zum Umsteigen, was auf einem der größten Flughäfen weltweit durchaus eine Herausforderung ist. Vor allem wenn die Kleene beim Gepäck scannen nochmal eben ihren Reisepass in eine Spalte fallen läßt, ohne es zu merken, grrr…
Nun denn, nach nochmal dreieinhalb Stunden Flug und einer insgesamt 20-stündigen Tortur kamen wir dann kurz vor Mitternacht als letzte Landung in Hamburg an (da darf von 0.00 bis 6.00 Uhr ja nicht geflogen werden). Toll natürlich, wenn dann nach einer Stunde warten der eigene Rucksack nicht auf dem Gepäckband auftaucht und noch toller, wenn es heutzutage dafür keine AnsprechpartnerInnen mehr gibt, sondern nur noch Computerterminals, in die mensch seine Verlustmeldung aufgeben kann. Und als sich dann eine Oma vordrängelte und von den Mädels betreut wurde, die vor uns dran gewesen waren und auf die wir gefühlt eine halbe Stunde gewartet hatten, fühlte ich mich berechtigt, laut zu werden und meinen Frust in die leere Halle zu brüllen. Olga spendierte uns dann ein Taxi ins Kuschelland im Schanzenviertel, denn auf S-Bahn hatten wir beide nach diesem Tag nicht mehr so richtig Bock.
Krass war dann natürlich der klimatische Unterschied, denn (nicht nur) Deutschland lag seit über einer Woche (und gefühlt zwei Jahrzehnten) unter einer Schneedecke, was ja der Grund für die ganzen Flugverspätungen gewesen war, wir sind so gesehen von einem Extrem ins nächste geflogen. Und nach drei Wochen Kiffpause, die uns beiden wohl mal ganz gut getan hat (vielleicht ja auch gerade nicht), mußten wir dann natürlich erstmal durchatmen, bevor wir uns erschöpft und ziemlich stoned ins Kuschelbetti schmiegten, und zwar so eng und kuschelig, wie wir es schon lange nicht mehr hatten.
Tja, und damit ist er dann auch endlich fertig und zu Ende, mein toller Senegal Reisebericht, und es tut mir selbst am meisten leid, daß sich das jetzt durch die so nicht ganz vorhersehbaren Umstände so extrem lange hingezogen hat. Toll wäre es jetzt natürlich, wenn sich der ein oder die andere tatsächlich hiervon inspirieren läßt, selbst mal (Abenteuer-)Urlaub im Senegal zu machen, ich kann das wirklich nur nochmal wärmstens empfehlen. Denn trotz des zwischenmenschlichen Ärgers, den unsere Beziehung zuweilen ausgeteilt hat, war es ein toller Trip mit ganz viel Entspannung und eben Urlaub auch, so daß ich stolz auf uns sein kann, wie wir das alles gemeistert haben.
Wir haben tolle Menschen kennenlernen und noch tollere Orte und Natur erleben dürfen und mehr kann mensch von solch einer Reise eigentlich auch nicht erwarten. Also macht auch ihr euch auf nach Westafrika, wenn`s möglich ist, denn in Afrika gibt es viel zu sehen, erleben und lernen, das uns so zu Hause nicht so mit auf den Weg gegeben wird. Und ich glaube außer den offensichtlichen Dingen sind das vor allem Gastfreundschaft, Geduld und Genügsamkeit seitens der Einheimischen, wovon wir uns alle mal ein paar Scheiben abschneiden sollten. Weniger ist vermutlich doch mehr, wenn auch sicher das nicht für Reiseerfahrungen gilt. Denn Reisen ist bekanntlich die beste Form von Bildung, die ein Mensch sich antun kann, und zumindest ich kann davon nicht genug kriegen, hab` ich alles schon tausendmal geschrieben…
Also, liebes Tagebuch und liebe Leser und Leserinnen, ich hoffe, ich konnte euch ein bißchen unterhalten und hoffe umso mehr, der entsprechende Blog-Eintrag zu meiner anschließenden Reise nach Indien (Arbeitstitel ‚Arne in Good Lucknow‘) wird nicht so lange auf sich warten lassen. Aber ich kann nichts versprechen, zu viele Dinge warten zu Hause erstmal auf mich, einige davon toll, viele andere eher nervig, die Realität eben, aber ich darf mich eigentlich nicht erdreisten, mich über die meine zu beschweren. Vielleicht ist es auch einfach nur persönliche Einstellungssache, aber ich finde, das Leben ist verdammt schön, von einfach war wie gesagt nie die Rede. Auch da kann ich mich nur wiederholen…
Danke an alle, die es bis hier her geschafft haben, ohne nur die Bilder anzugucken! Lesen ist die Macht, genauso wie Schreiben.
In diesem Sinne bis baldigst auf diesem Kanal, ich empfehle mich, denn ich habe nachgemessen: Ich bin großartig (hihi)…
Arne
P.S.: Ab sofort bin ich dann öfter wieder seltener hier. Nicht so selten wie früher, aber dafür öfter…































































































Wann gibt’s mal wieder merch