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SAMUEL BEYER RIP IN PEACE

BOARDSTEIN Ausgabe 26

Liebe Gemeinde!

Wir haben uns heute leider aus einem sehr traurigen Anlaß hier versammelt, denn so ist mal wieder einer unser Brüder von uns gegangen, den es nun heißt, gebührend zu verabschieden. Und besagter Bruder ist sogar aus “freien“ Stücken gegangen, was die ganze Sache ganz sicher nicht einfacher macht, zumindest für mich nicht. So hat sich unser Samuel Beyer aus Aachen Anfang letzter Woche das Leben genommen, und ich bin darüber zutiefst betroffen und betrübt, denn Selbstmord ist schon mal irgendwie eine der unschönsten Sachen überhaupt, wenn ich das jetzt mal so salopp sagen darf. Was geht in einem Menschen vor, wenn er/sie sich entschließt, dieses eine uns gegebene Leben von sich aus vorzeitig zu beenden? Wie verzweifelt muß mensch dafür sein, für diese letzten Schritt?

Samuel war scheinbar verzweifelt genug und ich kann nicht behaupten, ihn wirklich gut gekannt zu haben, aber es war auch kein großes Geheimnis in der Szene von Leuten, die ihn kannten, daß Samuel schon länger ein ernsthaftes Drogenproblem mit sich rumschleppte, ich wurde darüber immer ganz gut von meinem Freund Dem Baum auf dem Laufenden gehalten, der über ein Jahrzehnt in Aachen gewohnt – oder sollte man besser sagen gehaust? – hat (und der sich an dieser Tragödie vielleicht mal ein überdeutliches Beispiel nimmt, wie solche Scheiße oftmals endet).

Aber ja, ich kannte Samuel, und er hat bei unseren Begegnungen immer einen besonderen Eindruck auf mich gemacht. Ende der `90er, kurz bevor es mit dem BOARSTEIN MAGAZIN losging, hatte Samuel schon seine ersten phototechnischen Auftritte in den einschlägigen Magazinen Monster, Limited und Playboard gehabt und war auch schon in der ein oder anderen Contest-Ergebnisliste aufgetaucht, meistens C-Gruppe. maximal B, rein alterstechnisch einfach. Die Rede war immer von so einer Art kleinem schwarzen Wunderkind aus Aachen, der alleine schon für sein Alter extrem stylisch wie auch technisch fuhr (ist er nicht in irgendeiner Postille sogar mal mit Sami Harithi verglichen worden!?).

Ja, und als ein paar Jahre später der BOARDSTEIN dann allmählich ins Rollen gekommen und ein gewisser Ingo Schäder, besser bekannt als Fotoingo, so eine Art Hausphotograph für uns geworden war, der uns regelmäßig mit immer besser werdendem Photomaterial aus`m Pott und Umgebung versorgte, tauchten auch die ersten Bilder von Samuel Beyer bei uns in der Redaktion auf, von denen das ein oder andere auch im Heft landete, grundsätzlich immer bestehend aus Streetskating vom Feinsten.

Irgendwann kam dann von Ingo auch mal die Ansage, er hätte Bock, mal mit Samuel ein ‚Yeah!‘ zu schießen, das waren ja immer unsere vier-, später fünfseitigen, Interviews bzw. Checkouts mit eher unbekannteren Nachwuchsrippern, die gerade anfingen, sich in der Szene ernsthaft einen Namen zu machen. Wir waren natürlich mehr als down damit, das waren wir grundsätzlich immer, wenn Ingo vorschlug, mal mit irgendwelchen Newcomern verstärkt Photos für irgendeinen redaktionellen Beitrag zu machen, nicht nur bei Ingo, eigentlich bei allen Photographen, wie auch sonst hätte ein bürgernahes Magazin wie BOARDSTEIN überhaupt funktionieren können!?

Ingo hatte Samuel zwischendurch auch mal nach einer ihrer Photosessions im Pott mit zu uns in die Redaktion genommen, und Sam schien schwer beeindruckt von unseren Räumlichkeiten und freundete sich natürlich auch gleich mit unserer gerade entstehenden Trainings Facility nebenan an. Auf mich machte er einen überdurchschnittlich freundlichen, gut erzogenen und bescheidenen Eindruck und ich schloß ihn somit gleich ins Herz, denn genau für Leute wie ihn hatten wir unser Magazin überhaupt erst gestartet, nämlich Underdogs, die Fame verdient haben. Somit war ich gespannt und freute mich, was wohl noch so alles an Photos von den beiden in den nächsten Wochen einfliegen würde.

Anfang 2004 in Ausgabe #26 war es dann soweit und Samuel hatte sein kleines großes Yeah! bei uns im Heft, und ich weiß noch, daß Ingo uns während der Endproduktion von Sam ausrichtete, wir mögen doch bitte seinen Nachnamen ‚Beyer‘ so schreiben, wie er eben geschrieben wird, nämlich mit ‚e‘ und nicht mit ‚a‘, wie es halt schon andere Magazine mehrfach verzockt hatten. Da war er bei mir an der richtigen Adresse, denn mir sind Wörter und Buchstaben und somit auch Namen heilig und mit einem Nachnamen wie meinem inklusive meiner Medienvergangenheit konnte ich wohl nachvollziehen, wie scheiße es ist, wenn man denn seinen Namen mal irgendwo in einem Magazin abgedruckt sieht, aber dann falsch geschrieben. Mir war das also durchaus sympathisch, daß Samuel das damals so wichtig zu sein schien. Das Besondere an seinem Yeah! war aber vor allem, daß er dabei sogar das Titelphoto abgestaubt hatte (vielleicht sollte man besser sagen ’sich hart erarbeitet‘), und ich weiß noch genau, wie es dazu gekommen ist:

Und zwar hatten wir bei BOARDSTEIN von Anfang an versucht – natürlich vollends vom Big Brother Magazin inspiriert – immer die etwas anderen Coverphotos an den Start zu bringen. Wenn ihr mal unsere 47 Ausgaben nur ganz vorne kurz durchblättert, solltet ihr feststellen, daß uns das eigentlich immer ganz gut gelungen ist, unsere Coverphotos waren immer irgendwie etwas anders, besonders und untypisch, wie BOARDSTEIN innerhalb der deutschen Medienlandschaft oder Skateboarding an sich insgesamt halt auch. Irgendwie hatten wir dann für Ausgabe #26 nicht wirklich irgendetwas “Mega-Abgefahrenes“ am Start, aber wir hatten einen verdammt schönen Fs Flip von Samuel, der eigentlich für sein Interview gedacht war, wo die Komposition mit dem vertikalen BOARDSTEIN SCHRIFTZUG hervorragend passen würde. Das war vom Bild her allerdings mehr Helge Tscharn-Style und somit eher untypisch für ein BOARDSTEIN COVERPHOTO, aber Samuel war schwarz, und in Deutschland einen schwarzen Skater auf dem Titel zu haben, ist auf jeden Fall etwas Besonderes, könnte sogar sein, daß das alles eine von vielen Premieren war, die wir mit BOARDSTEIN durchgezogen haben. Jedenfalls kann mensch es tatsächlich so sagen, daß Sam`s Hautfarbe ihm in diesem Fall einen entscheidenden Vorteil eingebracht hat, und wer das jetzt rassistisch findet, hat so rein gar nichts verstanden.

Letztendlich alles super gelaufen, alle zufrieden und alles mehr als gut, aber glaubt mal, wie ich als Chefredakteur bis Hausmeister dann gestaunt habe, als ein paar Wochen nach Erscheinen der Ausgabe ein waschechter handgeschriebener Brief von Samuel in der Post lag, in dem er sich herzlichst und aufrichtig bei uns für den Artikel und natürlich das Titelphoto bedankte, und spätestens da wußte ich, daß mich meine Menschenkenntnis nicht getäuscht hatte, nämlich daß Sam ein besonderer Mensch war und vor allem einer von den Guten. Ich mein`, wie geil ist das bitte!? Ein Skater schreibt einem Skateboardmagazin einen Brief und bedankt sich nochmal ausdrücklich für das Interview, das man von ihm veröffentlicht hat!? Da könnten andere erfolgsverwöhnte Sackgesichter Past und Present sich mal ein Dutzend Scheiben von abschneiden tun, würde ich sagen.

Ich kann mich nur wiederholen, Samuel hatte von Anfang an einen Stein im Herzen bei mir, aber mit dieser Aktion hat er sich und mich nochmal richtig bestätigt, und irgendwo in einem von drei oder vier Umzugskartons voll mit Leserpost und -scheiß bei Kollege Klaas in irgendeinem Keller in Hagen ist dieser Brief auch verwahrt. Ehrlich gesagt würde ich jetzt am liebsten – schon aus rein journalistischer Sicht, aber auch als Herzensangelegenheit – dahin fahren, das Ding raussuchen und für euch/uns alle abtippen, Samuel Beyer lebe (hoch)!

Ich war ihm dann immer mal wieder hier und da zwischendurch begegnet, wie das im Skateboarding nun mal so ist, und wir haben immer kurz freundlich Smalltalk gehalten, wenn wir uns gesehen haben. Mit als letztes im Gedächtnis ist mir dann folgende Begegnung geblieben, nämlich auf einer der letzten Bright Tradeshows im ehemaligen Polizeigebäude Downtown-Cräck City, ähh, Frankfurt. Man muß dazu sagen, daß Der Baum zu dieser Zeit schon in Aachen wohnte und sich natürlich lange mit Sam angefreundet hatte, und er sprach immer von Sammy hätte dies, Sammy hätte das gemacht. Tja, und irgendwann auf der Messe kam Sam dann mit (s)einer Freundin bei uns in/an den Stand und ich begrüßte ihn mit ‚Hey Sammy, schön dich zu sehen‘ oder was auch immer (solche Sprüche spult mensch auf einer Messe ja nahezu unheimlich automatisch in sämtliche Himmelsrichtungen ab). Und dann folgte unser üblicher ernsthafter Smalltalk, und ich weiß noch, wie Sam ziemlich früh gleich sagte ‚Arne, nenn` mich bitte nicht Sammy! Sam oder Samuel, aber bitte nicht Sammy, okay!?‘. Das fand ich als gefürchtet direkter und geradeaus raushauender Norddeutscher abermals sehr bemerkenswert von Sam, und ich meinte nur, daß es mir leid täte, aber Der Baum hätte halt in letzter Zeit immer wieder mal von Sammy hier, Sammy da erzählt, und Samuel meinte nur, ja, Der Baum, dem habe er das natürlich auch schon mehrfach gesagt, aber der spiele ja eh in seiner eigenen Liga, was Benimmregeln angeht.

Und ich weiß noch, wie sich Sam`s Begleitung mit leicht verdrehten Augen zu mir wandte und irgendwie entschuldigend meinte, daß sei ihm irgendwie ganz wichtig, aber ich war wiederum einmal mehr nur von Sam`s Ehrlichkeit und Courage entzückt, und ich weiß, daß er zu dieser Zeit noch nicht das Koks-Problem hatte, daß er später einmal haben sollte und das ihn schlußendlich wohl auch ins Grab gebracht hat, um es an dieser Stelle nochmal unschön auf den Punkt zu bringen.

Ich weiß es nicht genau, aber es ist gut möglich, daß es tatsächlich in unserer letzten Ausgabe war, (und nochmal für alle) wenn ich jetzt zu Hause wäre und nicht in Frankreich auf Montage, könnte ich das alles ganz fein recherchieren und nachschlagen. Jedenfalls ist das quasi das letzte Mal, daß ich Sam gesehen habe, nämlich auf einem Photo, das – ich bin mir ziemlich sicher – in einer der letzten, wenn nicht der letzten – BOARDSTEIN AUSGABE in den Photoseiten war (‚Visuelle Skateboardfakten‘ hießen die damals bei uns). Das war auch nicht von Fotoingo geschossen, sondern von irgendeinem Nachwuchsphotographen aus Aachen/Umgebung, dessen Namen ich jetzt gerne parat hätte. Jedenfalls war das Bild von der Qualität her jetzt nicht das beste, aber es zeigte einen stattlichen Fs Tailslide von Sam an einer schmalen und hohen Low-to-High-Ledge in seiner Heimatstadt Aachen, wie sie typischer für Deutschland nicht sein konnte. Wie immer hatte Sam echtes Streetskating vom Feinsten abgeliefert, und ich weiß noch, daß es das Photo bei mir, der zu diesem Zeitpunkt das Magazin inhaltlich sowieso mehr oder weniger alleine gemacht hat, nicht nur deswegen in die Endauswahl geschafft hatte, sondern vor allem, weil ich unbedingt nochmal Sam im Heft haben wollte.

Tja, und damit endet dann auch unsere gemeinsame unbescholtene BOARDSTEIN ZEIT, und wie schon vorher erwähnt, war das, was wenn ich dann mal über Sam hörte, Jahre später nicht gut und wurde nicht besser, irgendwann war man wohl komplett auf Koks, irgendwann wurde wohl nicht mehr geschnieft, sondern geraucht, und ich weiß nicht, was danach noch alles kam, kann es mir aber aus was für Gründen auch sehr gut selbst zusammenreimen. Damn, Leute, ich bin wahrlich selbst kein Kind von Traurigkeit, aber paßt mit den lieben Drogen auf! Und erzählt mir nicht, ihr hättet keinen Ausweg! Alter, Skateboarding ist die beste Droge der Welt und rettet dich vor allem, wenn`s sein muß! Rip In Peace, Sam! Ich und viele andere werden dich vor allem in guten Erinnerungen behalten. Word, Bro!

Amen,
Arne

DJ BOARDSTEIN DIREKT LIVE VON DER FRONT

Huhu!

Ja, hier mal wieder die neusten Nachrichten meinerseits, die wollte ich eigentlich schon am Wochenende rausgehauen haben, aber die letzten Tage war mir nicht so nach schreiben, warum erfahrt ihr dann gleich. Eigentlich gibt`s sowieso nicht wirklich allzu Spektakuläres zu erzählen, wir sind hier halt fröhlich in Laon am Rumrödeln, man könnte auch sagen, wir bauen einen Skatepark, ach nee, war ja ein Inlinepark…

Wie auch immer, wir waren ganz gut fleißig die letzten beiden Wochen und so gesehen läuft auch jeder Tag gleich ab, kurz nach Sieben aufstehen, Müsli essen und gegen Acht auffer Baustelle sein, vorher macht auch nicht wirklich Sinn, da ist es nämlich noch dunkel (wir haben Mitte Februar für alle, die`s vergessen haben). Dann gegen halb Fünf zusammenpacken und vom Acker machen und gucken, daß man sich den Feierabend halbwegs sinnvoll vertreibt, tja, und das geht inzwischen seit einem Monat so. Wir haben auf der Baustelle inzwischen endlich auch schon ein bißchen mit Beton rumgefuchtelt, da gab es so`n bißchen Startschwierigkeiten, die aber nicht weiter erwähnenswert sind. Nach einem kleinen Testpiece am Freitag ging es dann heute zum ersten Mal in die Vollen und wir haben ein bißchen Strecke gemacht, soweit alles herrlich unspektakulär.

Die alte Crew mit Quentin, Olivier und Capo
Die Boys beim Gambeln…

Das Aufregendste bzw. Bewegendste zwischendurch war wahrscheinlich, daß die Besatzung halbwegs gewechselt hat. Quentin und Olivier sind vor zwei Wochen abgereist, um beim ersten Projekt des Jahres von Antidote Skateparks anzuschaffen – wie schon mal erwähnt, Ehrenkodex und so `ne Späßchen wie Projekte zu Ende bauen, die man angefangen hat, gibt es heute nicht mehr, es wird munter rumgehurt und angeschafft eben, aber egal. Seit zwei Wochen haben wir dafür nach einer gut zweijährigen Pause unseren Conni wieder mit dabei, mal so zum Warmwerden, hundert Prozent fit ist er noch nicht wieder, aber er macht sich ganz gut, uns Conni. Und das Beste ist, natürlich hat er seine Handtaschenratte Gypsy mit am Start, deswegen gibt es hier auch wieder niedliche Hundibilder. (Connis erstes Wochenende hier war auch sehr geil, er wohnt halt nebenan im anderen Cabin und weil ich die Nacht zum Tag machte, ganz viel schrieb und tagsüber schlief, hatte er zwei Tage lang französisches Fernsehen geguckt, natürlich ohne Französischkenntnisse, nur um dann am Sonntagabend endlich den Knopf auf der Fernbedienung zu finden, mit dem man wenigstens Arte auf Deutsch gucken kann.)

Gypsy wird geduscht, schön gerecht von hinten…
Gypsy wird trocken gerubbelt und hat das scheinbar ganz gerne…
Gypsy und sein Trenchcoat…

Seit letzter Woche ist dann auch Sam mit dabei, auch ein belgischer Veteran im Betonbusiness, der sich allerdings eigentlich eher ein bißchen aus der Branche zurückziehen wollte und den wir lange nicht bei Concrete Flow begrüßen durften. Aber sehr schön, Sam dabei zu haben, der weiß, was er tut, und ist ein 1A-Kollege mit ausgeprägtem Sozialbewußtsein. Sonntagnacht sind dann noch zwei Männers angekommen, damit wir die nächsten zwei Wochen betonmäßig ordentlich Strecke machen können, denn es ist alles dafür vorbereitet. So ist Charlie aus Valencia mit seinem Van angereist, vielleicht erinnert ihr euch, der war auch letztes Mal in Charleroi mit dabei. Und außerdem dürfen wir Cedric begrüßen, der ist zum allerersten Mal mit bei uns auf einer Betonbaustelle, hat schon reichlich Erfahrungen mit Holzskateparks und würde jetzt gerne seine Betonskills mit uns verfeinern. Kann er haben, ich bin gespannt, wie sich die nächsten zwei Wochen mit diesem Team noch so entwickeln, das Wetter spielt ja auch keine unwesentliche Rolle und Regen gehört um diese Jahreszeit wohl immer wieder mal dazu. Kalte Temperaturen, damit der Beton schön langsam aushärtet und wir noch schönere lange Tage haben, sind ja Voraussetzung bei Winterbaustellen, sonst macht das ja alles auch keinen Spaß…

Früh anfangen macht durchaus Sinn bei diesen Temperaturen.

Das kurz zu den Fakten hier vor Ort und damit kämen wir mal zu Leid und Elend, denn das gab`s hier tatsächlich auch ein bißchen, zumindest bei meinerseits nicht zu wenig. Freitag vor einer Woche wollte ich die letzten Sonnenstrahlen nutzen, gerade weil das ganze Wochenende Regen vorausgesagt war, und direkt neben der Baustelle beim Sportplatz eine kleine Rollstuhlrampe skaten, im Endeffekt der rollstuhlfreundliche Zugang zu den Toiletten, wo wir über Nacht immer unsere Werkzeugkisten lagern. Ja, und wenn man da jeden Tag mit zu tun hat und drauf rumläuft, will man das Teil dann auch mal skaten, also ich zumindest, es ist ja nicht so, daß diese Stadt mit Spots überlaufen wäre, quasi überspottet, da war mir dann auch egal, daß überall noch Erdfetzen vom letzten Rugbyspiel rumlagen (mein Board sieht dementsprechend dreckig aus jetzt). Ja, also ich bin dann auch geskatet, hatte mir Shove-it Manual Bs 180°Out vorgenommen und den eigentlich auch einmal eingetütet, allerdings mit ein bißchen Tail aufsetzen, zählt bei Manual-Tricks halt nicht (also für die Kamera jetzt).

Zwanzig Versuche später war ich dann nochmal so nah dran, daß ich bei einem Versuch derbe mit dem rechten Fuß umknickte, und damit war die Session dann auch ganz schnell vorbei. Ich rief sofort Quentin an, der mit Conni schon zum Campingplatz gefahren war (alle anderen waren übers Wochenende wieder nach Belgien geflohen), ob er mich bitte abholen könne, denn wie geplant zurückskaten oder -laufen kam überhaupt nicht in Frage, mein Fuß war echt im Arsch und Humpeln war schon schwierig. Naja, Quentin is` 100% Kollege und hat mich dann abgeholt, und ich hab` ein nettes stilechtes Intro für meinen nächsten Videopart. Aber zu diesem Zeitpunkt machte ich mir echt Sorgen, ob ich denn nach dem Wochenende, das nun natürlich auch dementsprechend noch ruhiger ablaufen würde als die beiden davor zusammen, die nächste Woche arbeiten würde können, denn auf so einer Baustelle sind zwei gesunde und voll funktionsfähige Füße schon von enormen Vorteil. (Zumindest war damit die Entscheinung gefallen, Samstag doch nicht mit dem Zug nach Brüssel zu fahren, da wär` nämlich abends Konzert gewesen und ich hätte eigentlich einen Tattoo-Termin bei meinem Homie Selim gehabt, der mir ungelogen an dem Samstag die Powell Vato Rat auf genau diesen Fuß stechen wollte)

Man könnte meinen, der rechte Fuß ist etwas dicker…

Ja, und extrem ruhig und unspektakulär lief dann vorletztes Wochenende auch ab, hauptsächlich habe ich geschlafen und mich geschont, wie es in solchen Fällen auch immer das Beste ist, nebenbei schrieb ich dann den letzten Blog-Eintrag über Shang-Shang-Shanghai. Tja, und Montagmorgen hatte ich mich dann entschlossen, lieber noch einen Tag Pause zu machen und meinen Fuß zu schonen, was ohne Frage auch die richtige Entscheidung war. Halbwegs Gesundwerden ist dann manchmal doch wichtiger als Geld verdienen, aber das sind halt immer solche Entscheidungen, die man treffen muß, weil ich bin natürlich in erster Linie zum Arbeiten hier, und noch einen Tag mehr auf`m Campingplatz rumgammeln ist natürlich diesbezüglich sehr unprofitabel, war aber in diesem Fall ohne Frage angebracht und besser so.

Eine ähnliche Situation hatte ich übrigens schon mal auf meiner allerersten Baustelle mit Mikey und Concrete Flow 2013 in Ville la Grand an der französisch/schweizerischen Grenze. Da waren wir Samstags in Genf skaten gewesen, und zwar in diesem ziemlich beschissenen übergroßen Skatepark mitten in der Stadt, und ich hatte mir bei einem Blindside Ollie über einen Channel ganz fies den Fuß zerhackt. Samstag ging dann gar nichts mit Laufen oder überhaupt Humpeln, José hat mich sogar einmal huckepack zum Toilettenhaus getragen, damals haben wir auch in Cabins auf einem Campingplatz gewohnt. Sonntags war ich dann mit Mikey in ein kleines Krankenhaus und fünf Stunden, von denen vier gar nichts passiert ist, später ohne Diagnose, aber dafür mit Gips wieder raus da. Dann hab` ich zwei Tage mit Gips gechillt und fühlte mich deutlich besser, und da ich damals nach einem zweieinhalbmonatigen Südamerika-Aufenthalt, bei dem ich Mike in Brasilien erst kennengelernt hatte, noch dringender Geld brauchte als jetzt gerade, hatte ich den Gips Dienstagabends wieder abgemacht und Mittwoch ging es dann schon wieder halbwegs mit dem Arbeiten, und zwei Wochen später war ich auch das erste Mal skaten.

Mich im Frühling 2013 in Ville la Grand an der schweizerischen Grenze, alles schon mal gehabt sozusagen…

Man kennt seinen Körper halt nach 30 Jahren Skateboardfahren einfach sehr gut, gerade alles von den Knien abwärts, und was nützt mir da Röntgen und irgendwelche Schienen und was weiß ich nicht für Chemie? Zwei, drei Tage Ruhe, ein bißchen Arnika und Kühlen vielleicht und einfach möglichst viel schlafen, so regenerieren sich Tiere auch. Aber ich hab` dann auch schon immer die Erfahrung gemacht, daß es tatsächlich gut ist, den Körper möglichst bald wieder halbwegs normal zu belasten, auch wenn das bei uns auf der Arbeit durchaus einiges bedeutet. Vielleicht bin ich auch genauso hart im Nehmen, wie ich ein stumpfer Ochse bin, aber ja, wenn ich irgendwo auf Montage rumlunger, seh` ich halt zu, daß ich möglichst bald wieder das tue, weswegen ich hier bin, nämlich arbeiten und Geld verdienen, da bin ich durchaus Vollblutproletarier, schon immer gewesen.

Tja, und vorletzten Dienstag stand ich dann auch wieder halbwegs sicher auf den Beinen und konnte die anfallenden Arbeiten ohne allzu heftige Schmerzen zufriendenstellend erledigen, so daß ich mir Ende der Woche sogar Gedanken machte, ob ich es am Wochenende nicht wieder mit Skaten versuchen solle. Den ein oder anderen Spot hier hab` ich schon noch ins Auge gefaßt, wie schon mal erwähnt steht bald wieder ein Videopart an, aber ich film` ja eigentlich immer was, wenn ich alleine Street skaten gehe, ist halt ein super Motivator an beschissenen Spots, die sowieso keiner mit mir skaten würde, erst recht nicht nach Feierabend. Und wegen der jahreszeitlich bedingten Dunkelheit geht das halt hier nur am Wochenende, und wenn man verletzt ist schon mal gar nicht. Jedenfalls sollte ich das vierte Wochenende in Folge hier auf`m Campingplatz in Laon verbringen, und die Wetteraussichten waren nicht berauschend. Also mal wieder Zeit totschlagen (ist was anderes als langweilen!) und versuchen, vielleicht nebenbei noch ein bißchen kreativ bis produktiv zu sein.

Der wahnsinnige Roland blieb dann spontan das Wochenende auch hier und ich dachte mir schon, das war`s dann mit Ruhe und Entspannung, aber am Freitag war er direkt nach der Arbeit in eine Bar gegangen, um sich da mit irgendeinem von der anderen Firma, die am Skatepark mitbaut, zu treffen. Und er tauchte dann auch erst des Nachts, als ich schon lange im Bett lag, wieder auf. Nachdem ich mir dann mit Cola, Rum und reichlich THC den Samstag umme Ohren geschlagen hatte, war Roland abends schwer motiviert, wieder in die Bar zu gehen und dann um Neun, wenn sie zumacht, in eine andere oben in der Altstadt zu wechseln. Weil ich schon gut angeheitert war und das mein letztes Wochenende in Laon sein würde, entschloß ich mich mit der Aussicht auf ein bißchen Abwechslung und mal unter andere Leute kommen, mitzugehen, auch wenn sie kein Englisch reden werden, aber es war ja schließlich Samstagabend.

Die Kathedrale von Laon Samstagnacht, geiles Photo mit dem Schild, nä!?

Und weil wir so gut drauf waren und natürlich noch reichlich Mugge gehört haben, sind wir auch erst gegen Acht losgekommen und somit direkt nach oben in die Altstadt gestiefelt – immerhin `ne Stunde Fußmarsch – wo wir dann im Lanterne Bleu gelandet sind, wo`s eigentlich recht gemütlich war. Bis dann gegen Elf auf Schwarzlicht umgestellt wurde, ein Trance-DJ sein Programm ablieferte und alle neuen Gäste mit Leuchtarmbändern und gerne auch -schminke eingedeckt wurden. Zum Glück hatte ich was Extacy dabei, machte kurzen Prozeß und somit blieb das Ganze auch für mich erträglich.

War ja jetzt auch nicht so das Rave-Publikum, viel eher sah es so als, als wenn es genau das gleiche Publikum ist wie jedes Wochenende, nur diesmal bei Trance-Musik. Wir haben sogar den Hausmeister vom Sportgelände, wo wir bauen, getroffen sowie Cedric, den einzigen Skater, den wir hier bis jetzt wirklich kennengelernt haben. Irgendwie war das alles ein bißchen Dorfdisco, aber man freute sich, uns zu sehen, und dementsprechend wurden wir auch gerne eingeladen, also ich hatte meinen Spaß. Leider machte der Laden schon um Zwei zu, da war ich allerdings auch schön ganz schön zu, ja und dann standen wir da mit ein paar Leuten draußen rum und überlegten, wo es noch hingehen sollte (in Laon gibt es nicht zu viele Möglichkeiten für potentielle Afterhours). Dann wollte ich um die Ecke, um zu pissen, und in der Nebenstraße kommt mir Roland entgegengelaufen von irgendwelchen Typen verfolgt, und ab jetzt ging alles ganz schnell und ich weiß nur Bruchteile davon…

Roland meinte wohl noch zu mir, wir müßten schnell weg, die wollten ihn aufs Maul hauen, aber ich war scheinbar schwer von Begriff und/oder wollte mich dem entgegenstellen und vielleicht das Schlimmste verhindern, aber das Schlimme trat dann sehr schnell von alleine ein. Also ich erinnere mich an eine Handvoll Leute, die mich ein bißchen rumschupsten, bevor mich einer von hinten niederriss und, als ich dann schön am Boden lag, alle Mann auf mich eintraten, bis ich erstmal bedient war. Roland hat das zum Teil alles mitgekriegt, während er versucht hat, ein Auto anzuhalten und irgendwie die Bullen zu rufen (was ein Anfänger, als wenn die jetzt gerade helfen könnten). Irgendwie ist mir dann wohl einer noch voll auf meine Knöchel gesprungen, jedenfalls fühlt sich mein linker jetzt schlimmer an als der rechte noch vorletztes Wochenende und der rechte hat dazu jetzt noch so `ne neue Macke, Schmerzen zu verursachen. Ruckartige Bewegungen in irgendwelche Richtungen gehen jedenfalls gar nicht, also schön wieder von vorne angefangen, nachdem ich schon wieder halbwegs fit war.

Jedenfalls hab` ich ganz gut was abgekriegt, habe aber wohl ein paar Gedächtnislücken, denn ich weiß zum Beispiel nicht mehr, daß ich mich hinterher mit Bullen unterhalten haben soll, die ich aber nach Hause geschickt habe, wie ich es eigentlich in solchen Situationen immer mache. Dafür weiß ich sehr wohl, daß die Assis mir mein Portmonnaie geklaut haben, Tabak mit Gras natürlich auch, und ebenso mein Handy weggeworfen haben, weil ihnen das wohl zu billig war, jedenfalls ward es nie wieder gesehen. Zum Glück hab` ich die meisten Nummern zu Hause notiert, muß mir aber jetzt erstmal `ne neue Karte bestellen und mir den nächsten passenden Noki-Oldtimer besorgen (an alle Freunde und so, ich bin also momentan telefonisch nicht erreichbar!). Und Portmonnaie ist natürlich auch immer ätzend, nicht nur weil da mindestens noch hundert Euro drin waren, sondern natürlich auch die paar wenigen wichtigen Karten, die ich besitze, muß halt alles neu angeschafft werden, zum Teil für teuer Geld. Insgesamt nicht unerheblicher Materialschaden, ich bin dann irgendwie zurück zum Campingplatz gehumpelt, wo Roland so unter Schock stand, daß er bei Conni nebenan in der Küche geschlafen und wohl sowieso die ganze Zeit eigentlich nur rumgeheult hat, und ich schaffte es irgendwie noch, mit Conni`s Handy meine Karten sperren zu lassen, bevor ich völlig fertig ins Bett fiel und, nur ab und zu von Roland geweckt und wegen irgendwas ausgefragt, bis abends durchschlief. Kurz ein bißchen Chili Sin Carne von Conni und wieder zu Bett, so sah mein Sonntag aus.

Beule oder wie man einen Tresor knackt…

Mein persönlicher Schaden am eigenen Leib war nämlich wesentlich schlimmer als der materielle Verlust, ich mein`, Sonntag war mein Auge den ganzen Tag so zugeschwollen, daß ich rechts gar nicht sehen konnte, wenn ich es nicht mit den Fingern aufhielt. Und wie gesagt humpelte ich genauso in Zeitlupe durch unser Kabinchen wie noch ein Wochenende davor, diesmal allerdings beidfüßig. Irgendwann entdeckte ich dann, daß ich wohl auch im Ohr geblutet haben mußte, weil es innen voller Kruste war, und tja, und so`n leichter permanenter Kopfschmerz gehörte die ersten zwei Tage auch dazu, aber insgesamt waren die Köperfunktionen zwar angeschlagen, aber normal, na gut, ich krieg` meinen Mund beim Essen immer noch nicht so weit auf, wie ich das gewohnt bin. Roland hat natürlich zwei Tage lang Alarm geschlagen, ich solle unbedingt ins Krankenhaus zum Durchchecken und Blabla, aber da hab` ich schon Schlimmeres durchgemacht und kenne meinen Körper wohl besser als dieser wahnsinnige Spinner, der sich seit meinem ersten Blog-Eintrag über Laon extrem Mühe gibt, mir möglichst nicht auf die Nerven zu gehen, was natürlich eher selten funktioniert.

Ich mein`, ich bin ihm zu Dank verpflichtet, immerhin hat er am Sonntag mit Cyril, dem Skater, und dessen Bruder die ganze Oberstadt auf den Kopf gestellt, um vielleicht irgendwas von meinem Kram zu finden, gefunden haben sie tatsächlich was, nämlich meinen Handy-Akku, tätä. Insgesamt hat die ganze Sache aber Roland scheinbar schwerer mitgenommen als mich, liegt vielleicht daran, daß ich zwanzig Jahre älter bin. Aber solche Scheiße passiert nun leider manchmal im Leben, Leute, die auf Streß aus sind und sich kloppen wollen, gibt es überall, ich bin nun mal leider hier in Laon in so ein Pack reingelaufen, das ganze Ausrauben war definitiv nur Bonus für die. Aber ey, sowas laß` ich ganz schnell hinter mir und gucke nach vorne, das Leben ist schön, Punkt, aus, fertig…

Logischerweise bin ich Montag dann aber nochmal zu Hause bzw. auf`m Campingplatz geblieben und habe nicht gearbeitet, Dienstag dann mehr schlecht als recht den Ball flach gehalten und inzwischen geht es schon wieder halbwegs. Zumindest kann ich wieder halbwegs normal gucken und somit auch tippen, sonst würdet ihr das hier ja jetzt nicht lesen können. Mir fiel dann zum Glück zwischendurch noch ein, daß ich ja doch nochmal bei den Bullen vorsprechen würde müssen, denn Freitag fliege ich übers Wochenende wegen eines Familientreffens mal kurz nach Hause, lange Geschichte, über die ich vielleicht nächste Woche berichten werde. Aber ja, ohne irgendeine Art von Ausweis zu fliegen, läuft nicht so richtig, so hab` ich mir mit Mikey`s Hilfe gestern bei den Bullen einen fünzehnseitigen Schrieb (der Überfall mußte dann ja wohl doch noch zu Protokoll genommen werden) abgeholt, der mir Freitagnachmittag hoffentlich keine Probleme bereitet. Tja, Samstag muß ich dann wohl kurz nochmal bei uns zu Hause beim Amt vorsprechen, weil Sonntag flieg` ich dann nochmal für meine Endspurt-Woche hierher zurück, bevor es im Anfang März für einen Monat nach Kolumbien und Ecuador geht, yeah!

Ja, das waren jetzt aber reichlich Informationen zum Schluß, aber ich hör` auch besser mal auf, wenn das heute Abend noch gepostet werden Ein bißchen Schlaf kann nicht schaden, bevor wir morgen um Sieben wieder im Beton stehen, gerade mit meinem Körper zur Zeit…

Nächste Woche geht`s hier richtig ab…

Okay, so viel von mir im wahrsten Sinne live von der Front, ich melde mich dann Anfang/Mitte nächster Woche wieder, vielleicht mit etwas Familientreffen!? Man wird es sehen, erstmal guten Abend, gute Nacht und schönes Wochenende schon mal!

Wuff wuff,
Arne

P.S.: Weil das jetzt hier so ein wenig unterhaltsamer Blog-Eintrag war und ich weiß, daß alle BOARDSTEINE voll auf Zitate abfahren, hier noch ein paar von Professor Fu, besser bekannt als Roland, die er in den letzten Wochen so losgelassen hat. Viel Vergnügen und herzliches Beileid…

Woecher: „I wonder why you don`t get diabetes eating all that sugar.“
Roland: „You know why I don`t get it? I don`t eat it all at once…“

Roland: „I`d like to have the same color, but green…“

Arne: „Don`t tell me you take gloves with you!?“
Roland: „Gloves!? Yes, if a girl asks me I can give it to her…“

Arne: „It feels kinda stupid looking stupid.“
Roland: „What do you tell me? I know a lot about that…“

Arne: „Roland, you gotta put it higher!“
Roland: „High is up?“

Roland: „I may be dumb but I can drive a damper…“

Ja, das macht wirklich Freude hier mit den Boys zusammen, gerade auch bei den zum Teil hervorragenden Englischkenntnisen, die meine Kollegen so mit sich bringen. Zum Schluß dazu noch ein Klopfer von uns Conni…

Roland: „I bought this for my girlfriend…“
Conni: „Make the price off!“

Roland: „Arne, did you take a picture of my shampoo?“
Arne: „Why would I do that?“
Roland: „Because it`s called ‚Anti-Hangover‘!“

DIE ‚WO IST EIGENTLICH TIMBO?‘ TOUR 2014

Shang-Shang-Shanghai

Aber hallo mal wieder!

Ja, wie letztes Mal angekündigt gibt es heute hier mal etwas ganz Spezielles zu lesen, und zwar so `ne Art Tourartikel mit ganz viele Bilders, und das von einer Tour, die schon fast sechs Jahre zurückliegt! Braucht kein Mensch und sowas Sinnloses gibt`s natürlich nur bei BOARDSTEIN.COM, genau dafür sind wir hier, ups, eigentlich bin ich ja (noch?) ganz alleine auf diesem Kanal, aber latte, der Spirit ist, was zählt. Letztendlich handelt es sich bei besagter Tour auch nicht wirklich um eine BOARDSTEIN TOUR, aber irgendwie hatte das Ganze dann doch auch sehr ähnlichen Charakter wie unsere legendären Touren durch Europa damals. Allerdings sind wir diesmal mit dem Flugzeug geflogen, und zwar ganz weit weg, nämlich nach China, genauer gesagt Shnag-Shang-Shanghai und wie es dazu kam, erzähle ich am besten Mal ganz von Anfang an.

Irgendwann Ende 2013/Anfang 2014 kam in meiner Hamburger Crew, den Flora Bowl Locals (damals lebte ich noch in dieser tollen Stadt), das Thema auf, daß die Kaltenkirchener Fraktion, also Klaus, Manu und Erik, einen alten Skaterkollegen aus Neumünster kannte, der schon seit einiger Zeit in Hamburgs Partnerstadt Shanghai lebt und sämtliche Homies zu Hause natürlich schon dorthin eingeladen hatte, denn erstens ist Shanghai spätestens seit dem nicht mehr ganz so neuen Jahrtausend als Streetskate-Paradies bekannt, und zweitens würde er sich im chinesischen Exil natürlich mal sehr über norddeutschen Besuch freuen. Besagter Kollege ist ein sogenannter Lucas Löhnert, und nachdem mir erklärt worden war, wer das ist, wußte ich auch, mit wem ich es zu tun habe. Da gibt es nämlich eine meiner berühmten Vorgeschichten zu, also raus damit:

Und zwar muß es so 1997 gewesen sein, als ich noch relativ frisch mit der Liebe meines Lebens zusammen war und regelmäßig mit dem Zug nach Hamburg gefahren bin, alleine über diese Fahrten gäbe es jetzt genug Material, um ein ganzes Büchlein zu füllen, fuhr ich doch regelmäßig schwarz, aber ich verschone euch ausnahmsweise mal heute mit weiteren Einzelheiten. Jedenfalls mußte man damals noch in Neumünster umsteigen, und weil ich natürlich immer mein Skateboard dabei hatte, sprach mich mal irgendwann so`n Typ an, der gerade bei der dortigen Bahnhofsmission seinen Zivildienst leistete und dabei eine ziemlich ruhige Kugel zu schieben schien. Das war besagter Lucas, auch Skater, und wir plauderten dann jedes Mal, wenn wir uns sahen, ein paar Minuten auf dem Bahnsteig rum, und als mein damaliges Videoprojekt fertig war, verkaufte ich ihm natürlich auch eine Kopie für 10,- DM(!), die ich allerdings nie von ihm gekriegt habe, weil irgendwie haben wir uns danach nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Zu dem Video mit dem verheißungsvollen Titel ‚Ausgerechnet Angeln II – Rural Excess‘ ist vielleicht zu sagen, daß es sich dabei nicht um ein Standard-Homie-Video handelt, nun eigentlich schon, allerdings geht unserer Streifen knapp sechs Stunden und ist quasi ein lebendiges Photoalbum der Jahre 1995 und ’96 bei uns in Angeln auf`m Land, und ich habe nicht umsonst ‚1995‘ auf dem Oberarm tätowiert, weil es nämlich das beste Jahr meines Lebens war und vermutlich ungeschlagen auch immer bleiben wird. Somit gibt es auf diesem Video nicht nur reichlich Skate-Action von uns an zumeist sehr bescheidenen Spots oder Rampen, sondern vor allem auch Partyexzesse und ganze Parts, wo nichts anderes gemacht wird als Bong rauchen und dazugehörigen Schabernack treiben, wirklich ein zeitgenössisches Dokument, das seines Gleichen sucht. Ich hatte davon insgesamt gut 60 Kopien auf jeweils zwei 180er VHS-Cassetten gemacht und dazu entsprechende Cover (mit einem echten eingeklebten Hanfblatt!) angefertig, und ja, Lucas hatte also eine davon bekommen und die halt nie bezahlt.

Vorgespult Anfang 2014 nach Hamburg, wo ein paar Leute – angespornt vermutlich vor allem von mir, der unbedingt diese Gelegenheit nutzen und Street skaten in China wollte – ernsthaft anfingen, für den Sommer einen dreiwöchigen Trip nach Shanghai zu planen. Anfangs waren natürlich viele davon begeistert, allen voran Klaus, Manu und Erik, desweiteren hatten Rasmus, Andi, Böller und Timbo Interesse bekundet, bis sich dann irgendwann eine Crew herauskristallisierte, die aus Erik, Rasmus, Andi, Timbo und mir bestehen würde, und geplant war, irgendwie in den Sommerferien zu fliegen – eigentlich nicht so meine Lieblingsreisezeit, weil ich da entweder Geld verdiene oder sofern möglich auch liebend gerne zu Hause rumchille – aber was soll`s!? Für manche von uns paßte es nur so und gerade Lucas sollte vor Ort natürlich möglichst frei und Zeit für uns haben. Irgendwann waren dann Flüge gebucht und Visa rangeschafft und am 5. August früh morgens sollte es dann für drei Wochen eben nach Shang-Shang-Shanghai gehen, wobei Andi von seinem arschigen Chef nur zwei Wochen Urlaub genehmigt bekommen hatte (wenn man halt schon mal nach China fliegt) und deswegen leider eine Woche vorher würde abreisen müssen.

Mich und die Boys in Shang-Shang-Shanghai…

Tja, fünf Tage vor Abflug schaffte Timbo es dann glorreich, sich beim Skaten ein Bein zu brechen, und mußte somit ausscheiden, als hätte es so sein sollen, war er allerdings der einzige mit einer Reiserücktrittsversicherung und bekam dann wenigstens den Großteil seines Geldes wieder, aber extrem doof war das Ganze natürlich trotzdem, vor allem für ihn. Somit erklärt sich also auch der Tourname dieser Reise, denn ‚Wo ist eigentlich Timbo?‘ wurde natürlich die drei Wochen lang in China immer mal wieder in Raum geschmissen, meistens natürlich wenn es gerade irgendwie besonder geil oder spektakulär war, und es uns einfach leid tat, daß unserer daheimgebliebener Freund daran nicht teil haben konnte.

Rasmus, der alte Filmemacher, hat dann nach der Tour einen sehr geilen 35-minütigen Clip aus unserem gesammelten Footage gemacht, und der kann sich echt sehen lassen, weniger wegen unseres Skatens, aber mensch kann sich wirklich einen hervorragenden Eindruck von unserem kurzen Aufenthalt im Reich der Mitte machen, weil Rasmus sowas nämlich auch beruflich macht, der kann das also einfach, Video-Edit und so`n Scheiß. Dieser Clip wurde bis jetzt aber niemals online gestellt oder so, es gab lediglich eine einmalige Uraufführung auf meiner Ich-zieh`-weg-aus-Hamburg-Abschiedsparty im Jolly Roger ein halbes Jahr nach der Reise und jeweils eine gebrannte Kopie für alle Beteiligten, das war`s. Naja, und letztens kam mir halt irgendwann mal die Idee, daß das Ganze doch einen prima Blog-Eintrag abgeben würde, also haute ich Rasmus an, ob er den Clip nach all den Jahren nicht einfach mal online stellen und auf die Menschheit loslassen wollen würde, und er meinte, darüber hätte er in der Tat inzwischen auch schon mal nachgedacht. Nachdem dann alle ihr Einverständnis gesimst hatten, war der Clip somit ratz fatz online, den Link dazu gibt es von mir hier aber erst am Ende, erstmal schön lesen, nä!?

An diesem berühmten Spot wollte ich unbedingt ein Photo haben, und die Securitys (im Hintergrund) ließen uns dann auch gewähren. Ph: Rasmus

Tja, und so flogen Rasmus, Andi und ich dann von Hamburg über Dubai nach Shanghai und das Besondere dabei war, daß unser Andi im zarten Alter von 32 zum allerersten Mal in einem Flugzeug saß und das zweite Mal überhaupt erst die deutschen Landesgrenzen hinter sich ließ, und dann direkt nach Shang-Shang-Shanghai, kurzum: Andi war mehr als gestoked. Erik hatte sich irgendwie selbst einen Flug besorgt und war schon einen Tag vorher geflogen, und vielleicht sollte ich hier erstmal kurz noch erklären, um welchen Erik genau es sich überhaupt handelt, nämlich um Kisdorf`s Finest, the one and only Erik Möller! Erik hatte in den `90er Jahren viel Zeit in der alten I-Punkt Halle und mit den damaligen legendären Hamburger Locals verbracht und war seinerzeit einer der ganz wenigen deutschen Pros, die nicht nur Street rippen konnten, sondern auch Transition, und eigentlich waren Miniramps, Bowls und Halfpipes auch immer das Terrain, wo Erik sich am wohlsten fühlte und wofür sein Skaten auch bekannt und sehr geachtet war. Ich mein`, als ich ihm zum ersten Mal begegnete, machte er gerade hüfthohe Kickflip Indy Grabs über die Hip im I-Punkt Bowl, das muß so 1995 gewesen sein. Sagen wir mal so, wenn man über deutsche Skateboardlegenden spricht, werden Leute wie Erik Möller gerne mal vergessen, einfach weil sie sich nie in den Vordergrund gespielt und eher ihr Skaten als Worte haben sprechen lassen, aber letztendlich ist/war Erik Möller ganz objektiv betrachtet ohne Frage einer der besten Skateboarder, die Deutschland je hervor gebracht hat, und dazu ist er einer der bodenständigsten, sympathischsten und witzigsten Typen überhaupt. Ein waschechter BOARDSTEIN sozusagen und es war mir eine verdammte Ehre, nach all den Jahren mal mit ihm zusammen auf Tour zu gehen, vor allem weil wir dann wenigstens einen dabei hatten, der auch wirklich mit seinem Board umzugehen weiß. Kein Wunder, daß er auch MVP der Tour für sich beanspruchen kann, ansonsten kann ich nur sagen: We`re not good enough for perfect spots…

Ahnsu das Schild, Aller!

Dubai Flughafen ist immer wieder ein Highlight, irgendwann muß ich so einen Zwischenstop nochmal auf drei Tage ausdehnen und mir diese wahnsinnig protzige Stadt angucken, ist allerdings ein echt teures Pflaster. Geil ist dann, wenn mensch für 18,- Euro einen halben Liter Wasser aus dem Automaten ziehen kann, der dann wiederum neben einem öffentlichen Wasserspender steht. Schnell weg und nochmal neun Stunden nach Shanghai, zum Glück haben die bei Dubai Airlines ein gutes elektronisches Unterhaltungsprogramm an Bord, anständiges Essen übrigens auch. Lucas nahm dann ein zweites Mal den weiten Weg auf sich, um auch uns vom Flughafen in Shanghai abzuholen, und ungefähr das erste, was er zu mir meinte, war, daß er mir noch 10,- DM schulden würde, die er mir zu Hause erstmal in Gras wiedergeben würde, was für ein geiles Wiedersehen nach 20 Jahren. Außerdem begrüßte er uns natürlich stilecht mit einer Tüte voll kalter Bierdosen, was sehr gut war, denn in Shanghai war es nicht nur schweineheiß, sondern auch extrem schwül. Wir waren tatsächlich im heißesten Monat des Jahres in diesen Moloch gereist, eine Tatsache, die uns noch das ein oder andere Mal körperlich an unsere Grenzen bringen sollte. Die Luftfeuchtigkeit kombiniert mit einem des weltweit größten Smog-Aufkommens brachte einen sofort zum Schwitzen, wenn man morgens aus der Tür trat, die täglichen Schweißausscheidungen waren echt enorm, gerade weil wir uns ja die meiste Zeit auf den Boards bewegten und ich dann auch noch von Natur aus viel und reichlich schwitze.

Für mich hatte die Hitze außerdem einen ganz entscheidenden Nachteil beim Skaten, denn ich fahre ziemlich weiche Lenkung in Kombination mit 60mm Rollen, tja, und wenn es derartig heiß ist, fühlt sich das manchmal an, als skatet man auf Brei, da hilft bei butterweichen Lenkgummis auch kein Achsen anziehen, und versucht mal, in China härtere Lenkgummis zu kaufen, viel Glück! Soll heißen, ich habe ständig Wheelbites gekriegt, die mich unerwartet zu Boden geworfen haben, an einigen Stellen im Video sieht man das ganz gut. Diese Slams waren allerdings nicht besonders gut für meinen eh schon sehr ausgeprägten Swellbow am linken Arm, der wirklich Ping Pong Ball-ähnliche Ausmaße annahm, kombiniert mit Schweiß und Blut ein gruseliger Anblick. Ja, und wenn dann jemand in den überfüllten U-Bahnen aus Versehen gegen meinen Ellenbogen stieß und ich zischelnd zusammenzuckte, nahmen diese Personen auch ganz schnell mit großen Augen Abstand von mir, wenn ich nur den Arm hochhielt.

Flensbufg represent! Sehr schön zu erkennen unten rechts mein lecker Swellbow…

Wir wohnten also irgendwo hoch oben in einem der unzähligen Wolkenkratzer ein paar Bahnstationen vom Stadtzentrum entfernt bei Lucas in seiner geräumigen Wohnung zusammen mit seiner Freundin Alex (sie sind inzwischen verheiratet und haben sogar Nachwuchs), einer flotten und äußerst liebenswerten Französin, die zudem Chinesisch spricht, was natürlich bei einigen organisatorischen Dingen von immensen Vorteil ist. Die beiden haben sich in Shanghai kennengelernt, weil mensch sich dort als Western People einfach früher oder später über den Weg läuft, Lucas arbeitet dort übrigens an einer deutschen Grundschule. Is` klar, in einer Metropole mit 22 Millionen Einwohnern (plus einer offiziell hoch geschätzten Dunkelziffer) und u.a. dem größten Hafen der Welt, gibt es natürlich auch reichlich ausländische Einwohner, die da arbeiten und sich zum Teil dumm und dämlich verdienen.

 

Schön gepflegt auf Halde…
Andi verarbeitet über Nacht seine Eindrücke….

So gesehen ist Shanghai durch seine schlichte Größe und einer übertriebenen Üppigkeit an allem einfach nur beeindruckend. Schon vor sechs Jahren gab es dort mehr als tausend Wolkenkratzer mit mehr als hundert Stockwerken, es dürften inzwischen nochmal deutlich mehr sein. Und ja, wer Wolkenkratzer gucken will, wird in Shanghai wirklich bestens bedient, dort gibt es ein paar der höchsten und eindrucksvollsten auf der ganzen Welt…

Die Stadt ist ja erst in den nicht mal letzten drei Jahrzehnten derartig gewachsen, so daß alles hochmodern ist mit zuweilen einzigartiger und wie auf Skater zugeschnittener Architektur, einfach ein schier unausschöpfliches Spotparadies mit Curbs und Ledges an jeder Ecke. Dazu kommt, daß die Straßen und Gehwege in der Regel äußerst großzügig gebaut sind und man so trotz der vielen Menschen super easy von Spot zu Spot skaten kann, wobei man die Größe der Stadt natürlich immer vor Augen hat, deswegen war es immer sehr geil, wenn Lucas uns alle mit seinem Elektroroller von Spot zu Spot gezogen hat. Und zumeist perfekte Spots sind einfach überall zu finden und der Bust-Faktor ist low, um es mal im Ghetto-Slang zu formulieren. Außerdem ist alles schön sauber, denn wie es scheint, geht in China jeder Mensch irgendeiner Art von Arbeit nach, und sei es nur als StraßenfegerIn, wo es nichts zu fegen gibt. Die Chinesen sind in der Tat alle irgendwie immer emsig beschäftigt…

Autoachterbahn…
VIel Spaß beim Ausladen…
Sicherheit wird auf chinesischen Baustellen, ganz besonders groß geschrieben…
Unterhosen statt Gardinen…
Eindeutiges Falschparken…
In Schildern können die Chinesen auch echt gut…

Für uns hätte es auf jeden Fall nicht besser laufen können, wir hatten die besten Tourguides und brauchten uns um nichts Sorgen machen, außer es uns gut gehen zu lassen und möglichst viel zu skaten. Dabei half Alkohol auf jeden Fall, um sich nicht komplett von der Hitze lähmen zu lassen, Gras, eigentlich gefährlich illegal in China, hatten wir eigentlich auch immer am Start, es gab da so `ne Connecke, wo man das per Post nach Hause bestellen konnte, yeah! (Da gab es auch ein paar Szenen in unserem Clip zu, aber die hat Rasmus tatsächlich noch rausgeschnitten vor`m Hochladen, voll nich` real, ey!) Und letztendlich ist alles in China verglichen mit Europa ziemlich billig, gut, Alkohol kostet in etwa dasselbe wie in Deutschland und ausländische Produkte wie z.B. anständiger Käse sind natürlich auch etwas teurer und nicht überall zu haben. Dafür kriegt mensch in China nahrungstechnisch natürlich auch einige Sachen, die mensch vielleicht lieber nicht haben möchte, die berühmten getrockneten Hühnerkrallen als Zwischendurchkausnack vorne an der Supermarktkasse, wo bei uns die Last-Minute-Schokoriegel stehen, sind da nur das I-Tüpfelchen. Erik als überzeugter Fleischesser hat sich da kulinarisch durch einige Ersterfahrungen gewagt…

Die 2nd World War Edition von Pabst Blue Ribbon, für einfach mal zwischendurch…
Belgisches Bier mitten in China, da lacht der Landsmann…

Und wo wir schon dabei sind, also wenn mich jemand fragt, was mir in China am besten gefallen hat, dann sage ich immer wieder, außer den Spots ganz klar das Essen, einfach das Street-Food an den unzähligen Ständen und kleinen oft sehr improvisierten Restaurants. Mit dem ganzen verschiedenen Tofu-Kram, so wie ihn nur Chinesen machen können, ist es für Vegetarier und Veganer ein reines Paradies. Am besten ist es, wenn man sich mit ein paar Leuten einen eigenen Grill auf den Tisch stellen läßt, so wie wir es meistens gemacht haben, und sich dann in kleinen Schüsselchen das Gemüse, Tofu oder auch fertige Spieße seiner Wahl bestellt und selbst grillt. Boah, diese Mahlzeiten waren wirklich unglaublich und, das Beste daran, auch saubillig, wir waren ja meistens zu sechst los, und alle pappensatt gefuttert plus jeweils drei, vier Bier macht 20,- Euro, einfach unschlagbar.

Jeden Abend Festmahl vom Feinsten…

Wir sind dann in der ersten Woche auch für vier Tage mit dem Zug nach Peking gefahren, wo wir dann in einem Hostel in der authentischen Altstadt gewohnt haben. Peking ist nicht ganz so modern wie Shanghai und natürlich historisch mit einigen Touristenattraktionen versehen, so daß wir uns dort eher auf Sightseeing als aufs Skaten konzentrierten. Alex besorgten wir einen Roller, damit sie mit uns durch die Stadt cruisen konnte, und auch sonst machten wir so einige Souvenirschnäppchen. Ein Besuch bei der Chinesischen Mauer durfte natürlich auch nicht fehlen und wir buchten extra eine Tour an eine etwas entlegenere Stelle, die nicht so touristenüberladen sein sollte, was sich als absolut richtige Entscheidung entpuppte. Und ich sag` mal so, die Chinesische Mauer ist etwas, daß mensch ruhig mal gesehen und erlebt haben darf, einfach nur beeindruckend diese mächtige Mauer endlose tausend Kilometer durch den chinesischen Busch, eine wahrhaft unglaubliche Bauleistung. Ich bin froh, in meinem Leben schon an manch einem solcher ikonischen historischen Orte gewesen zu sein, das beweist einem immer, wie unbedeutend ein einzelnes Menschenleben eigentlich ist, aber wie viel viele Menschen bewegen können, wenn sie an einer gemeinsamen Sache arbeiten. Also wenn mensch in China ist, gehört die Mauer ohne Frage zu den Hauptattraktionen, die mensch besuchen sollte, die faßt den chinesischen Ehrgeiz und zuweilen Wahnwitz ganz gut zusammen.

Mauer…
Noch mehr Mauer…
Hier wohnt Regierung…
Bordsteine dieser Welt, irgendwo in Peking…
Sightseeing per Tretboot…

Zurück in Shanghai ging es munter weiter mit Skateboardfahren, viel was anderes haben wir zumindest in den ersten beiden Wochen nicht wirklich gemacht. Wir lernten dann auch Juhani kennen, Lucas Homie vor Ort, ein finnischer Skater, der in Shanghai für eine Windenergie-Firma arbeitet. Juhani ist klein und kompakt gebaut und eine wahre Skatemaschine, er erzählte mir dann auch, daß er Mitte der `90er ein paar Mal den Mastership in Münster mitgefahren ist und gar nicht so schlecht abgeschnitten hat, und ich lüge nicht, wenn ich sage, daß ich mich als damaliger Zuschauer tatsächlich an ihn und sein konsistentes technisches Skaten erinnern konnte. Witzig, sich dann 20 Jahre später in Shanghai kennenzulernen, hach ja, die liebe Skateboardwelt… Juhani ist jedenfalls ein super Typ und ich werde nie vergessen, wie wir den einen Abend bei Lucas zusammen gefeiert und die alten Hits von NOFX, Millencolin und No Fun At All mitgesungen haben.

Ein feiner Kerl aus Finnland – Juhani…

Natürlich waren wir auch einmal im größten Skatepark der Welt, dem SMP Park am Stadtrand, wo man gut eine Stunde mit der Bahn hinfahren muß. Aber nicht nur deswegen waren wir nur einmal da, denn ich kann für mich sagen, daß das eine der schlimmsten Sessions meines Lebens war, einfach durch dieses maßlose Überangebot an skatebarem Beton, das überhaupt nicht genutzt zu werden scheint. Ich bin nun eh kein Freund von allzu großen Skateparks, weil sich darin immer alles so verliert, und ich finde eher, dann sollte man lieber mehrere kleine bauen. Aber der SMP Park ist wirklich lächerlich, was das angeht, gefühlte zwei Fußballfelder nichts als Beton, riesige Street-Geschichten und acht verschiedene Bowls, einer verrückter als der andere. Designed wurde der Park von den Australiern von Convic Skateparks, die in ihrem Heimatland für die hochwertigsten und kreativsten Parks bekannt sind, und ja, man sieht richtig, wie die Jungs im Sinne von ‚Geld und Platz spielt keine Rolle‘ sich all das ausgedacht haben, was man schon immer mal bauen wollte, wenn denn das Budget keine Rolle spielt, ein Bowl mit zwei Cradles oder auch zwei Oververt-Extensions gegenüber, eine gigantische Fullpipe, die mit einer kleinen Fullpipe mit dem größten der Bowls verbunden ist… Ich denke, Bilder sagen mehr als Worte, seht euch einfach mal die Photos an!

Tja, und als wir da am Park ankamen, meinte der Typ am Eintritt noch, daß es heute voll sei, dabei waren außer uns dann nur noch drei chinesische Kids am Start, die sich bald vom Acker machten, so daß wir den ganzen Park für uns alleine hatten, bis so ein englischer Vertfahrer auftauchte und einsam seine Bahnen in der gut hundert Meter breiten -Metall-Halfpipe zog. Er erzählte uns, daß er jedes Jahr mindestens einmal nach Shanghai kommt, wo er dann in der Wohnung eines Freundes wohnen kann, nur um diese Halfpipe zu fahren, wenn er Glück hat, kommt auch mal einer seiner Kollegen mit, so daß er nicht immer alleine fahren muß. So versuchte er sich dann weiterhin eisern an Fs Heelflip Fs Grab über den riesigen Channel, und nicht mal Erik, der ausgerechnet an diesem Tag auch nicht so gut drauf war, hat sich an die Halfpipe rangetraut, aber es gab eben auch zu viel anderes zum Ausprobieren.

Und ja, genau das ist das Problem dieses Skateparks, es gibt einfach zu viel und das meiste davon ist rein größentechnisches absolutes Pro-Niveau. Das gilt allerdings nicht für die eigentliche Qualität der Anlage, denn glaubt mal nicht, der Park wurde über fünf Jahre hinweg von einem Dutzend fleißiger Australier gebaut. Nein, hier waren hunderte von Chinesen am Werk und haben das Ding aus dem Boden gestampft und dementsprechend ist der Park auch ‚Made in China‘ und an guten Materialien wurde sichtlich gespart. Ich mein`, als wir dort waren, war der Park gerade mal sieben Jahre alt, sah aber an vielen Stellen aus wie dreimal so alt. Überall Risse und abgeplatzter Beton, das Coping von der Halfpipe war zur Hälfte komplett durchgerostet, also insgesamt wirklich eine trostlose Atmosphäre im größten Skatepark der Welt, zu krass ist halt einfach zu krass, um es mit einem beliebten Tourspruch zu beschreiben.

Gleich bei Lucas vor der Haustür gab es auch noch den Top Toys Skatepark, in den wir uns zwei-, dreimal kurz verirrten, eine üppige Ansammlung an Stahlrampen, die ebenfalls X-Games-mäßige Ausmaße hatten. Dort begegneten wir dann auch tatsächlich mal einheimischen Skatern, aber letztendlich ist die Skateszene in China noch verschwindend klein, aber ich bin mir sicher, das wird sich bald schlagartig ändern, denn wenn die Chinesen einmal was für sich entdeckt haben, gibt`s kein Halten mehr, in keinem anderen Land ist mir das jemals so bewußt geworden, und genau dafür sind sie ja auch bekannt, die Chinesen. Also ahnt meine Voraussagen, da wird es bald Skatemaschinen im Yuto Horigome-Style geben, und zwar Milliarden von denen!

Erik mit einem routinierten Fs Tucknee Transfer im Top Toys Skatepark. Ph: Rasmus

Daher ja auch diese gigantische Stadt mit ihren zig Superlativen, ist aber auch alles nur made in China, und da die Stadt im Mündungsgebiet des Jangtsekiang liegt und angeblich pro Jahr einen Zentimeter absackt, würde es mich nicht wundern, wenn das alles irgendwann mal wie ein Haufen Bauklötze in sich zusammenfällt. Einmal, als wir gerade mal auf einer der unzähligen Ledges Pause machten, stieß ich mit meiner Hacke aus Versehen leicht gegen eben diese Ledge und prompt fiel mir beinahe eine ganze Granitplatte auf die Füße, die war also quasi nur drangeklebt. Und in der Ledge drin alles hohl, maximal drei Zentimeter Beton Wandstärke, also Leichtbauweise genau wie auch alles aus Plastik, wofür China bekannt ist. Solltet ihr mal da sein, braucht ihr euch auch gar nicht von den superbilligen Sneaker- und Skateschuh-Replikaten in Versuchung bringen lassen. Sieht alles aus wie echt, ist aber qualitätsmäßig einfach unter aller Sau und definitiv nicht gut für die Füße, gerade wenn man den ganzen Tag auf diesen verbringt. Das einzige, was wirklich taugt und durch unübertreffliches Preis-/Leistungsverhältnis als absolutes Mitbringsel zu empfehlen ist, sind original chinesische Winkekatzen, natürlich solarbetrieben und wahlweise in Weiß oder Gold, die kommen auch im Dutzend billiger, so daß Rasmus und ich uns gut eingedeckten. Und meine Winkekatze zu Hause in meiner Hütte, ebenso wie die von meinem Vater im Wohnzimmerfenster, winkt und winkt und winkt, sobald das Tageslicht zum Vorschein kommt. Wußtet ihr, daß die Katzen symbolisch für ‚Bring` Geld herein!‘ stehen und genau deswegen auch in jedem chinesischen Geschäft oder Dienstleistungsbetrieb gut sichtbar platziert sind!? Na klar steht dann so eine auch bei mir zu Hause an der Eingangstür, immer her mit mehr!

Im Gros billiger…

Lucas hatte auch erzählt, daß er schon Läden gesehen hatte, wo man detailgetreue Actionfiguren vom Führer, Göhring oder Goebbels kaufen könne, und bei aller Liebe zum Antifaschismus (ich bin so weit von rechts, wie man nur sein kann), darauf war ich ganz besonders scharf. Vielleicht sollte es so sein, daß ich keinem Laden begegnete, wo ich mich mit diesen Abartigkeiten hätte eindecken können, dann entdeckten wir selbstredend am allerletzten Abend des Nachts ein solches Schaufenster, doch der dazugehörige Laden war natürlich geschlossen. Lucas hat es irgendwie nie hingekriegt, da nochmal hinzugehen und mir wenigsten zwei, drei Figürchen zu kaufen, eigentlich bist du mir auch noch einen ‚I love SH‘ Pulli schuldig, gell, Bruder!?

Exquisite Sammlerstücke made in China…

Rasmus hatte sich derweil mit allerlei technischem Krams eingedeckt, u.a. mit einem kleinen ferngesteuerten Hubschrauber für umgerechnet 12,- Euro oder so, der nach Feierabend für einiges Vergnügen in der Wohnung sorgte. Rasmus war sowieso gut drauf und lebendig, wie ich ihn seitdem nicht mehr erlebt habe, er war ja auch gerade Single. Wir zwei Hübschen haben dann tatsächlich auch einmal eine Nacht durchgefeiert, was in Shang-Shang-Shanghai gar nicht so einfach ist, denn so viele Menschen, wie dort auch wohnen, so bescheiden ist doch das Nachtleben. So waren wir einmal in einem Club, wo zur Hälfte, ich sag` mal, weiße BesucherInnen waren, der machte allerdings schon um Zwei zu, und während die anderen mit Taxi nach Hause fuhren, landeten Rasmus und ich noch auf einer mysteriösen Party irgendwo in einem fünfzigsten oder höheren Stockwerk, wo man aus dem Fahrstuhl direkt in eine Art Penthouse ging. Das war natürlich eher was für gehobenere Leute und es ist bis heute komisch, warum wir zwei rotzbesoffenen Skater Teil davon waren, aber ja, als Weißer kommst du in Shanghai scheinbar mit allem durch.

Dream bigger, love deeper, live harder… Word.
Rasmus hat sich mit gefakten Rolex eingedeckt…

Als Andi dann abreisen mußte, wurde es auch deutlich ruhiger bei uns, wir waren alle gut geschlaucht nach zwei Wochen mehr oder weniger durchskaten. Da paßte es dann auch ganz gut, daß es mal drei Tage durchregnete, so nutzen wir die Zeit für das ein oder andere Museum – gerade Erik war da kulturell sehr interessiert und zog auch mal alleine los – und um unsere Knochen für den Endspurt zu regenerieren. Zum Glück hatten wir Internet, denn das ist in China auch nicht so selbstverständlich, so sind für die Einheimischen tatsächlich viele Seiten wie Youtube gesperrt, keine Ahnung, ob das heute immer noch so ist, aber wie man aus Hong Kong so mitkriegt sind ja wahrlich zu Recht nicht alle Chinesen zufrieden mit ihrer Regierung. Erik hatte jedenfalls ein unerschöpfliches Repertoire an lustigen Clips und Stand-up Comedians parat, so daß wir uns von einem Lachanfall in den nächsten stürzten, das Ganze ungefähr drei Tage lang. Erinnert mich im Nachhinein immer wieder an den einen verregneten Mystic Cup in Prag zu BOARDSTEIN ZEITEN, wo wir zwei Tage lang auch hauptsächlich uns kaputtlachend im Hostel abhingen, und zwar mit der gesammten HZW Mischpoke!

Jaja, wir hatten wie gesagt rundum eine gute Zeit, was gibt es denn sonst noch Erwähnenswertes zu erzählen? Also was mich auch immer wieder beeindruckt und zuweilen auch gerührt hat, waren die Chinesen an sich. Da die ja größtenteils in winzig kleinen Wohnungen wohnen, spielt sich halt viel von dem alltäglichen Leben, gerade nach Feierabend, draußen ab. So sieht man abends immer wieder auf irgendwelchen großen Plätzen Dutzende von Pärchen tanzen, ganz banal auch ohne irgendeinen Anlaß an einem Mittwochabend. Irgendjemand stellt dann eine Boom-Box auf und läßt den Walzer erklingen und die Nachbarschaft trifft sich zum Tanzen, das ist wirklich rührend und so herrlich unverkrampft, wie in Europa unvorstellbar. Morgens trifft mensch sich dann zu Hunderten in den Parks oder auch einfach nur am Straßenrand zum gemeinsamen Schattenboxen, Tai Chi oder Qi Gong, was mich als Yoga-Mensch natürlich besonders fasziniert hat. Wie gesagt, die Chinesen sind sehr ehrgeizig und diszipliniert, und sie haben einfach einen eigenen Style in allem, und wenn ich Saxophon oder Karaoke üben will und das zu Hause nicht kann, stell` ich mich halt einfach auf die Straße.

Feierabend in Shang-Shang-Shanghai
Street-Art auf Chinesisch…
Pimmelmütze und Geometriebrille, Style made in China…
Ohne Worte…

Sowieso haben die Chinesen modisch einen ganz eigenen Style und supergeil sind auch die ganzen englischen T-Shirt-Sprüche, die einem auf der Straße so begegnen und bei denen man sich denkt ‚Ey, du kannst gar nicht wissen, was auf deinem Shirt steht, das ergibt nämlich gar keinen Sinn‘. Zusammen mit Andis gebrochenem und eingedeutschtem Englisch („I must learn Ollie“) kam ich auf jeden Fall beim Notizen machen gar nicht hinterher und Rasmus hat unsere und die genannten T-Shirt-Sprüche auch sehr pfiffig in den Clip, dessen Link ich euch jetzt endlich verraten werde, mit eingebaut. Wie gesagt, ich finde diesen Clip wirklich sehr gelungen, gerade jetzt wo ihr auch die Geschichte dazu kennt. Nehmt euch `ne halbe Stunde Zeit, lehnt euch zurück und macht es euch gemütlich, am besten mit `ner kalten Flasche Tsingtao (der göttliche Soundtrack im Video stammt übrigens von DJ BOARDSTEIN!):

https://vimeo.com/385848705

Und ey, wo wir schon dabei sind, Rasmus und ich haben seit über drei Jahren an einer Dokumentation über die Flora Bowl Locals gearbeitet, mehr als 30 Interviews gemacht und alte Bilder und Aufnahmen über die Entstehungsgeschichte des Flora Bowls zusammengesammelt. Diese Doku soll jetzt eigentlich spätestens bis zum Sommer fertig sein, da Rasmus die auch bei einem Hamburger Dokumentarfilm-Festival einreichen will. Somit werdet ihr die leider frühstens im Spätsommer zu sehen bekommen, weil man da nur Sachen einreichen darf, die noch nicht öffentlich gezeigt wurden, aber auch dazu gibt es schon einen Trailer auf Vimeo, und zwar genau hier!. Das wird auf jeden Fall eine interessante Sache, gerade für alle, die wie ich ein paar Jahre ihres Lebens am Flora Bowl verbracht haben. Fakt ist jedenfalls wie schon öfters erwähnt, daß mir Langweile fremd ist, dafür gibt es viel zu viele Projekte und Ideen, die ich noch verwirklichen, viel zu viele Wünsche, die ich mir noch erfüllen, und viel zu viele Länder, die ich noch gerne bereisen will. Das Leben ist bunt und vielfältig, umarmt es in all seinen Facetten! Volle Kanne, Hoschi!

Auf dann irgendwann,
Arne

Shang-Shang-Shanghai abgehakt…

P.S.: Ehrlich gesagt hätte ich tatsächlich Bock, nochmal nach China zu fliegen, solange das mit dem Streetskaten bei mir noch ganz gut klappt. Es gibt da ja noch wesentlich mehr gigantische Städte wie Shanghai und zudem noch ein paar solcher Geisterstädte, die mal gebaut, aber nie bewohnt worden sind, das muß `ne abgefahrene Atmosphäre sein, dort zu skaten…

WAHRE WORTE ÜBER SKATEBOARDING

Hallo und so!

Also ich bin hier in der Tat gerade fleißig nach Feierabend am Blog tippen, denn der nächste Eintrag wird mal wieder etwas ausführlicher. Deswegen dachte ich mir, ich schieb` schnell mal was dazwischen, weil ich nicht wieder so lange pausieren will, schließlich hab` ich irgendwie genug Zeug auf der Festplatte, mit dem ich ein bißchen improvisieren kann. Also klickte ich mich mal wieder ins Archiv zu meinen ‚Wahren Worten‘, also Textpassagen aus Magazinen und Büchern, die ich im Laufe der Jahre abgetippt habe, weil sie mir so gut gefielen, wahre Worte eben, kennt ihr ja noch aus unserer Gerücheküche im Heft damals, woll!?

Nun bin ich zur Zeit mal wieder voll und ganz Skater, schließlich bin ich hier auf Monatge mit ein paar anderen Skatern, um einen Skatepark zu bauen, nach Feierabend plane ich meinen Frühling und Sommer, wo ich weitere Skateparks und Spots bauen (und skaten!) werde und am Sonntag war ich wieder alleine hier in Laon Street skaten, weil`s mir unheimlich Spaß macht und ich außerdem demnächst einen neuen Videopart raushauen will. Ja, Mann, ich bin Skateboarder, und weniger stolz drauf als einfach dankbar, daß ich diesen roten Faden in meinem Leben habe, der mir dieses aufregende Leben überhaupt erst möglich gemacht hat. Skateboarding ist mein Lebenselexier und hält mich am Laufen, kreuz und quer und vor allen Dingen immer nach vorne und nie nach hinten, und ich will gar nicht wissen, was ohne Skateboarding aus mir geworden wäre.
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MEIN EIGENES HUREN-MANIFEST

„Come and build skateparks“, they said. „It`s fun“, they said…

Ja ja, jede neue Bausaison bringt – wie jede Skateboardtour auch – Sprüche unter den Beteiligten hervor, die im schlimmsten Fall nicht nur eine ganze Saison lang anhalten und ständig auf der Baustelle in den Raum geworfen werden, sondern sich irgendwann in den allgemeinen Alltags-Slang festsetzen und einen eventuell ein Leben lang begleiten (BAUSTOP, die BOARDSTEIN SONDERAUSGABE #1, die jede(r) von euch kennen sollte, war letztendlich nur ein Auswurfprodukt von jahrelangem Sprücheklopfen auf`m Bau). Den Einleitungsspruch oben habe ich das erste Mal letzten Sommer irgendwo in Belgien gehört, und inzwischen glaube ich, diese Aussage, die sich gerade im Ausland bei jeder Gelegenheit gut mal in überdurchschnittlicher Lautstärke über den Platz brüllen läßt, wenn es mal vielleicht gerade mal nicht so rund läuft und/oder generell alles kacka ist, wird mich und uns noch eine ganze Weile lang begleiten. Gerade weil es ja jetzt keine Winterpause in unserer Branche mehr zu geben scheint und somit ohne Unterbrechung durchgebuckelt wird, stehen die Chancen gut, daß sich solche Sprüche länger halten, früher hat man sich teilweise drei, vier Monate nicht gesehen und mußte im Frühling erstmal wieder zusammen leiden und mental wie physisch an seine Grenzen kommen, um neue Sprüche zu produzieren.
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MEIN HUREN-MANIFEST

Aber hallo zusammen!

Tja, abermals muß ich mich “entschuldigen“, daß es jetzt wieder so lange gedauert hat mit meinem Rumgeblogge, ich war wie gesagt den letzten Monat über nicht nur halbwegs uninspiriert, sondern auch ausgesprochen faul, und konnte mich somit nicht so richtig motivieren, öffentlich belangslose Scheiße zu verzapfen. Zudem hatte ich dann doch auch ein paar Sachen, die schreibtischtechnisch einfach gemacht werden mußten, anderer Papierkram, Steuern und vor allem Versand bzw. Verteilung der frisch aus der Druckerei eingetroffenen BOARDSTEIN SONDERAUSGABE #2, aber dazu dann zum Schluß kurz nochmal. Seit letzten Donnerstag bin ich inzwischen schon wieder mit Concrete Flow auf Montage, und zwar in Laon, einem kleinen geographisch durchaus sehenswertem Städtchen eine gute Stunde nordöstlich von Paris. Ich kann mich nur wiederholen, aber das waren noch Zeiten, als es in meiner Branche sowas wie Winterpause gab, dafür hatten wir an meinem ersten Tag direkt mal 12° Grad.
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DJ BOARDSTEIN GOES RESTJAHR BANAL

Moiners zusammen!

Boah, nu` war er aber mal faul die letzten drei Wochen mit der Bloggerei, so wird das natürlich nichts mit Weltherrschaft und so. Naja, ich sag` mal, abgesehen davon daß die letzten fünf Wochen Montage in Mordor in allen Belangen ein bißchen an die Substanz gingen und ich danach erstmal ein bißchen lang gar nichts gemacht habe, hatte ich auch nicht wirklich das Gefühl, daß ich hier etwas Spannendes hätte erzählen können (Kenner der Materie sprechen da auch von Muße). Das Gefühl hab` ich jetzt diesen Moment grad ehrlich gesagt auch nicht, aber ich muß ja mal wieder ein Lebenszeichen von mir geben, wenn man diesen Blog denn irgendwie ernst nehmen soll. Nicht daß ich mich jetzt verpflichtet fühle, mir war von Anfang an klar, daß, wenn ich keine Lust hierzu habe, ich es ganz einfach bleiben lassen werde. Jedoch habe ich noch Lust zum Bloggen, bin wohl gerade nur etwas ausgelaugt bis uninspiriert, was damit zusammenhängen könnte, daß ich seit meiner Heimreise zwei Wochen lang vor allem eben ganz viel Nichts gemacht habe, außer Chillen von der allerfeinsten Sorte…
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DEVIATES – TIME IS THE DISTANCE

Guten Abend!

Also ich befinde mich hier gerade am Ende der absoluten Endgegnerendspurtwoche in Charleroi, äh, Mordor, aber darauf gehe ich dann nächstes Mal noch ein bißchen genauer ein, denn es ist so einiges passiert (nichts wirklich Besonderes, nur ganz alltäglicher Baustellenwahnsinn). Aber es ist beinahe überstanden, wobei man sich fragt, was noch groß kommen soll, es soll auf jeden Fall morgen wieder heftig regnen. Und schlimmer geht ja immer, aber manchmal sollte man meinen, hat man das Schlimmste auch hinter sich, naja, wir werden sehen, woll!? Ich hab` jedenfalls mein Rückfahrtticket, somit werd` ich morgen nach ein paar Stunden Kleinkram machen um 13.25 Uhr rein in Zug und raus aus der Hölle und Richtung Heimat, aber hallo! Eigentlich wollten wir morgen das Flat betonieren, aber das geht halt immer nur an ganz trockenen Tagen, dann müssen die Boys das Montag ohne mich machen. Ich muß jetzt nach fünf Wochen Front einfach mal wieder nach Hause und werde mir das die letzten zwei Wochen des Jahres extrem gut gehen lassen.
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A GYPSY LIFE FOR REAL AND EVER…

Mein Patenkind Gypsy und mich, Mers les Baines 2014

Moin zusammen endlich mal wieder!

Es ist ja nun schon ganze neun Tage her seit dem letzten Eintrag, das gab`s, glaube ich, seit Start dieses Blogs noch nie, oh weia, werden wir etwa müde!? Nun, ich war hier die letzten Tage nach Feierabend wahrhaftig nicht faul, so hab` ich nämlich vor zwei Tagen den Rest der Daten für das Skatepark Glücksburg Büchlein an Kollege Achim geschickt, der dürfte jetzt schon schön am Layout sitzen. Ein kleines Kapitel fehlt noch meinerseits, aber das werde ich dieses Wochenende fertigmachen, und ihr glaubt gar nicht, wie gut es sich anfühlt, wenn man so ein Projekt, an dem ich nun immerhin seit gut einem Jahr immer mal wieder zwischendurch gearbeitet habe, für sich abschließen kann, um sich dann darauf zu freuen, wenn das fertige Papierprodukt in ein paar Wochen aus der Druckerei kommt. Macht irgendwie süchtig das Ganze…
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DJ BOARDSTEIN IM INTERVIEW

Hallihallo, liebe Leute!

Hier wieder der BOARDSTEIN direkt von der Front, aber im Westen eigentlich nichts Neues. Ich hab` meine Erkältung halbwegs überstanden (die zwei, drei Tage Keuchhusten danach sind ja eigentlich immer am nervigsten, oder!?) und auf der Baustelle kommen wir inzwischen auch voran, ich erspare euch mal langweilige Arbeitsdetails, ist grad so schön Feierabend. Übers Wochenende werde ich nach Köln fahren, mich mit der süßesten Olga von der ganzen Welt treffen und meinen Padawan Conni Conrads aka Comacobra besuchen, ich werde vermutlich nächste Woche dann berichten. Freu` mich auf jeden Fall auf ein Stück Heimat in Form von guten Freunden für drei Tage, Montag früh geht`s dann wieder auf die Baustelle in Charleroi, die letztes Mal erwähnte Deadline steht noch immer und sollte im eigenen Interesse eingehalten werden, ich würde auch gerne möglichst bald in die Weihnachstferien…
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