KURZ MAL ZUM GROBEN UND ALLGEMEINEN…

Moin zusammen!
Also, bevor ich es vergesse, nochmal kurz zu meinem Anti-Surf-Hate-Trip letztes Mal: Wir haben hier auf der Baustelle in den letzten Tagen vornehmlich den lokalen Radiosender ‚Wave Radio‘ im Kofferradio laufen gehabt, der Name ist wohl Programm, aber nicht, wenn`s nach mir ginge. Wenn das die Scheiße ist, die Surfer sich den lieben Tag lang reinpfeifen, dann möchte ich bitte noch weniger mit dem ganzen Verein zu tun haben. Können wir bitte auch mal ein melancholisches Lied hören oder muß es tatsächlich immer happy happy sein und vor allem grooven!? Daß die Jungs und Mädels auf der Welle auch noch nie für zu großes Politikinteresse oder dergleichen bekannt waren, ist ja auch nichts Neues, und zum Glück kann ich kein Französisch. Einziges Plus: Wenig Werbung. Damn, so viel dazu, eigentlich eine passende Einleitung zum heutigen Blogbeitragsthema, Baustellenleben und so. Musik macht alles einfacher, gerade auf der Arbeit, aber ich höre lieber keine Musik als beschissene Musik und ich denke dementsprechend auch, lieber keinen Skatepark bauen als einen beschissenen Skatepark…

Wir bauen hier zum Glück einen sehr geilen Skatepark und waren auf jeden Fall halbwegs fleißig die letzte Woche und werden das wohl auch die nächste noch sein. Seit sieben Tagen fließt der Beton hier fröhlich durch die Pumpe, da könnte ich nochmal kurz was zu unserem Pumpenmann und Shooter Miron erzählen. Der ist vor 20 Jahren mit Frau und Kind aus Litauen nach Spanien ausgewandert und inzwischen für Vulcano Skateparks am Arbeiten, dabei kümmert er sich eben um die Pumpe und schießt den Beton auch rein, Shapen tut er dann nebenbei auch noch ganz gerne. Kerniger Typ, der aussieht wie ein olympischer Kugelstoßer, kein Englisch spricht, und, wenn er Kaugummi kaut, selber ein bißchen wirkt wie eine Betonpumpe. Für mich ist es vor allem eine willkommene Abwechslung, denn seit sieben Jahren habe ich eigentlich bei jedem Projekt, wo ich anwesend war, den Beton geschossen, so gesehen ist es sehr entspannt, das einmal nicht zu tun, und nebenbei so zu tun, als wenn man arbeitet, kicher…

Miron und Mikey mit dem ersten Piece

Miron macht seinen Job super und wir haben schon ein paar schöne – im Fachjargon -anspruchsvolle Pieces betoniert und es gibt keinen Anlaß zu Beschwerden. Im Gegenteil, ich glaube, ich kann sagen, ich habe noch nie mit soperfektem Beton gearbeitet, das Zeug ist der Hammer und macht genau alles, was man von ihm will, bei dedem Arbeitsgang. Damit könnten wir, ohne groß ins Schwitzen zu kommen, eigentlich doppelt so große Pieces betonieren, warum wir das trotz Termindruck nicht machen, weiß ich auch nicht, ist aber auch nicht meine Baustelle und mir demensprechend recht so. Jedenfalls der Beton wirklich Güteklasse A, daß ich sowas noch erleben darf, bis jetzt war der perfekteste Beton immer der auf der Conne Island Baustelle in Leipzig gewesen, das ist schon ewig her und der ist jetzt Platz 2. An alle Unwissenden, Beton ist nicht gleich Beton, und wenn man Pech und im schlimmsten Fall ein komplett inkompetentes Betowerk am Start hat, was öfter der Fall ist, als man denken sollte, kann es passieren, daß man eine ganze Baustelle mit der letzten Scheißplörre zusammenkleben muß, das alles nur am Rande

Und kurz nochmal zu Miron, an dem gibt es nichts auszusetzen, höchstens die Tatsache, daß er kein Skater ist, und ich muß sagen, seit ich diesen Job mache, habe ich allerhöchstens eine Handvoll mal mit Leuten zusammen gearbeitet, die nicht Skateboard fahren oder zumindest mal gefahren sind. Zum Glück ist das seit jeher in dieser Branche, zumindest bei allen namenhaften und ernstzunehmenden Firmen in Europa (ihr merkt schon, ich kann da nicht ganz objektiv sein), irgendwie ungeschriebenes Gesetz und eine Art Ehrenkodex: Skateparks werden im 21. Jahrhundert von Skatern selbst gebaut. Nun, bei Vulcano arbeiten auch ein paar Rumänien, die mit unserem Lebensinhalt nicht das Geringste zu tun haben, außer vielleicht gelegenheitliches Bier trinken (ich hab` sie noch nicht kennengelernt), und ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Ich weiß nur, es werden überall Leute gesucht, denn die Branche boomt wie nichts anderes, aber Skateparkbauer fallen irgendwie nicht von den Bäumen…

Mal Hand aufs Herz, dieser Job ist dreckig, knüppelhart und dazu meist unterbezahlt, und Mann verbringt dabei die meiste Zeit auf Montage und an Orten, die weit fern von der Heimat und den eventuellen Liebsten sind. Für die Anfänger klingt das immer nach dem Paradies, und aus eigener Erfahrung weiß ich, in den ersten Jahren ist es das wahrscheinlich auch. Man kommt viel rum, hängt ständig mit Gleichgesinnten bis Freunden ab, skatet nach Feierabend und an den Wochenenden und baut nebenbei eben selbst Skateparks, voll geilomat alles. Ist es verdammt auch nochmal, aber ich habe nicht umsonst auch schon so einige kommen und gehen sehen, und ich darf mich nach elf Jahren wohl schon länger europaweit zu den absoluten Veteranen in dieser Branche zählen, das macht nicht nur die Tatsache deutlich, daß ich auf den meisten Baustellen inzwischen mit durchschnittlichen 15-Jahren Abstand der Dienstälteste bin, dazu vielleicht später noch…

Wee-Man mit Späßecken in den Backen
Ol` Dirty Mikey mit einem Fs Smith im “alten“ Skatepark von Seignosse
Nanaqui und ein schicker Bs Smith Grind, Indoor Bowl im Outletland in Hossegor
Kjell mit Fs Tailslide im Indoor-Bowl, im Hintergrund der Shop, davor Bauarbeiterabschaum
Seb mit einem laaaangen crooked Grind in Seignosse
Französischer Schwachsinn zwischendurch

Ich weiß, ich werde mich jetzt wieder anhören wie in der Late Zine Philospophy in der BAUSTOP BOARDSTEIN SONDERAUSGABE, aber das ist ja auch schon ein paar Jahre her (trotzdem nach wie vor noch genauso aktuell) und das ham sowieso die wenigsten von euch hier gelesen: Aber der Job ist nun mal nicht für jedermann, und für die meisten Frauen schon gar nicht, körperlich nicht, gesellschaftlich nicht und mental nicht. Wenn du Frau und Kind(er) zu Hause hast, wirst du sehr schnell merken, daß das so keinen Sinn macht, dafür hat mensch sich ja keine Kinder angeschafft. Wenn du seit jeher körperlich nicht der Fitteste warst und auch nicht so motiviert bist, regelmäßig auf extremste Weise an deine Grenzen zu gehen, wirst du auch sehr schnell nach ein paar Projekten die Lust verlieren. Und wenn du mental nicht ganz auf der Reihe bist, wirst du dich zwar herrlich wohlfühlen in unserer Szene und auch ein paar Jahre das Leben genießen können, aber früher oder später mit einem ernsthaften Alkohol- und/oder Drogenproblem aufwarten können, wenn du es nicht schon vorher hattest. Es sei denn, du gehst es halt langlebiger an, und dafür mußt du wahrscheinlich noch bekloppter sein als alle anderen zuammen…

Ich hatte es vor zwei, drei Blog-Einträgen schon mal erwähnt (daß ich sowas mal schreiben würde…), die Skateparkbauer sind in ihrer kleinen Blase innerhalb der Skateszene nochmal eine ganz besondere Spezies von Freaks, absolute Blutsbrüder und, so indivdiuell sie allesamt sind, in den meisten wesentlichen Dingen sehr sehr ähnlich. Aber ja, diese Szene ist eben auch ohne Frage eine Art Auffangbecken für viele Skaterfreaks, die nicht so richtig wissen, was sie mit ihrem Leben machen sollen und hier die perfekte Familie finden, mit der sie viel erleben können und vor allem auf sinnvolle Art und Weise das bißchen Geld verdienen, was man für ein Leben in der Gosse nun mal braucht. Dies alles schließt mich selbst mehr als ein.

Vielleicht sollte ich das tatsächlich kurz nochmal am Anfang erwähnen, ohne näher drauf einzugehen, aber anständig bezahlt werden ist in dieser Branche ausgesprochen schwierig, was vor allem daran liegt, daß die Budgets für Skateparks nach wie vor zu niedrig angesetzt sind, wenn man es mal mit anderen öffentlichen oder Sportanlagen vergleicht. Aber weil diese Firmen eben größtenteils von Skatern geführt werden (die mit Business seit jeher ihre Schwierigkeiten hatten), die Skateparks bauen und im Idealfall eine Schar von Skateboardern mit Jobs versorgen wollen, werden die Aufträge halt trotzdem angenommen, zumeist auf Kosten der Arbeiter, wie in jeder anderen Branche auch. Aber wir machen es ja alle aus Leidenschaft…

Es gibt auch nicht wenige Firmen, die sollten am besten ihre Finger aus unserer Szene lassen, weil es offensichtlich ist, daß sie keine guten Skateparks bauen wollen, sondern mit schlechten schnelles Geld verdienen, das gibt es leider auch 2019 noch viel zu viel, aber dafür sind mir meine Worte zu schade, da jetzt näher drauf einzugehen. Ich bin halt auch einfach Purist – immer gewesen, immer seiend werdend – und sage ‚Skateboarding gehört den Skatern‘, in jeglicher Hinsicht. Ich weiß, daß Skateboarding damit am besten fährt.

Wo war ich eigentlich stehengeblieben? Ah jo, Arbeit und so, Freakshow, damn, ich glaube, ich schreibe mich hier heute Abend fest, aber es gibt im Grunde genommen ja auch so viel zu erzählen. Und ich kann halt überhaupt nicht einschätzen, wer hier alles über meinen Werdegang seit dem Aus vom BOARDSTEIN MAGAZIN richtig Bescheid weiß, deswegen zum besseren Verständnis der nächsten Zeilen (auch in der Zukunft!) hier nochmal kurz eine kurze Kurzfassung davon: Circa zwei Monate nach unserer legendären letzten BOARDSTEIN AUSGABE 47 hab` ich als selbstständige Kraft (schöner Ausdruck eigentlich!) bei Minus-Ramps angeheuert und mit den Brüdern sechs Jahre lang mein Handwerk gelernt und ein paar der abgefahrensten und besten Sachen Europas gebaut, word. Zwischendurch hatte ich beim Schwitzen in Brasilien Dirty Mike von Concrete Flow kennengelernt, und nachdem ich bei Minus aus persönlichen Differenzen so`n bißchen gegangen worden war, war ich die nächsten Jahre hauptsächlich mit Mike und einer Menge geil durchgeknallter Belgier, Franzosen und Leuten von sämtlichen Kontinenten unterwegs, hauptsächlich in Südbelgien und Nordfrankreich, aber es gab auch ein paar exotischere Projekte.

Dirty Mikey mal wieder zum Feierabend

Außerdem hab` ich so`n bißchen Skate Aid und Make Life Skate Life in noch exotischeren Ländern gemacht, ein bißchen was eigenes, D.I.Y. hier, Arschlochfirma da, und somit wahrscheinlich früher oder später unter allen Bedingungen gearbeitet, die man sich in diesem Business vorstellen kann, sämtliche Naturgewalten inbegriffen. Und ich kann wohl stolz behaupten, daß ich jetzt gerade in etwa bei meinem 84 Projekt sein müßte, wenn ich mich nicht täusche, könnte ich die Tage nochmal genau recherieren (hallo Heimaturlaub!). Aber in persönlichen Dingen bin ich dank jahrzehntelangem Tagebuchschreiben überraschenderweise ausgesprochen gut, was Buchhaltung angeht. Das Krasseste daran ist, es macht mir immer noch eine Menge Spaß! Sprich anders ausgedrückt: Ich habe bisher noch keine bessere Möglichkeit gefunden, meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Sprich: Ich habe bis jetzt auch noch keine Lust gehabt, meinen Lebensstandard runterzuschrauben. Heißt das jetzt, ich verdiene genug Geld oder zu viel? Ey, alles was wir in Europa tun, ist meist eh nur Jammern auf viel zu hohem Niveau…

Also ich liebe diesen Job immer noch, aber man geht viele Sachen halt inzwischen anders an, was dann wohl wiederum den Erfahrungen zu verdanken ist, oder zu verschulden, Ansichtssache, wie letztendlich alles im Leben. Und man lernt ja auf jeder Baustelle immer ein bißchen was dazu, zumindest sollte man das, aber irgendwann sind dann auch alle Techniken durch und man weiß, was für einen selbst am besten funktioniert, oder!? Meine Priorität ist dabei schon seit langem, möglichst schnell, effektiv und vor allem mit minimalem Materialaufwand zum Endziel zu kommen, letzteres ist mir dabei sogar besonders wichtig. Denn ich bin Hippie und verschwende eben nicht gerne mehr Material als nötig, wenn ich schon naturbelassene Flächen zubetonieren muß. Das heißt für mich vor allem möglichst wenig Verschalung, auch wenn Holz der einzige Rohstoff in unserer Branche ist, der nachwächst, und dafür möglichst viel Freestyle bauen. Ey, wir sind Künstler und bauen Skateboardskulpturen, das hab` ich im Endeffekt mit Mikey gelernt.

Was das Schnell und Effektiv angeht, so hab` ich mir genau das angewöhnt, weil ich eben weiß, daß die Budgetmaschen oft viel zu eng gestrickt sind und es einfach gilt, eine Baustelle wenigstens im Zeit- und Kostenplan auch zu Ende zu bringen (u.a. damit die Arbeiter nicht wieder unbezahlte Überstunden machen müssen und/oder ein Freund, der diese bezahlt, drauf zahlen muß). Und das alles darf natürlich nicht auf Kosten der Qualität gehen, aber auch da kann man eben auf verschiedenen Wegen zum gleichen Ergebnis kommen und da liegt meine oberste Priorität nach wie vor auf dem Design. Design ist im Endeffekt das Wichtigste, denn es bringt einfach nichts, langweilige und beschissene pseudoperfekte Skateparks zu bauen, deshalb sollte man bei jedem Projekt versuchen, das Design zu verbessern und das Bestmögliche aus dem Projekt rauszuholen, gerade wenn man sich mit einem Haufen Skater vor Ort während des Baus dazu beraten kann. Wenn diese Passion nicht mehr da ist, wäre das für mich ein weiterer Grund, das Handtuch zu werfen, und ich wünschte manchmal, mehr Leute in der Designbranche würden das tun. Wie gesagt, und das meine ich voll ernst, lieber keinen Skatepark als einen beschissenen Skatepark. Es ist nichts Verkehrtes da dran, wenn die Kids die Straßen skaten, weil sie keinen Skatepark haben. Um es mit Yama`s Worten zu sagen : Keep skateboarding illegal. For life and for real…

Wie immer muß ich zurück zum Thema kommen, welches war es doch gleich? Skateparkbau und der alltägliche Wahnsinn!? Jaaa, also dieser Job ist nicht nur anstrengend, weil man sich mit beschissenen Architikten, Baufirmen (in Frankreich ist die Korruption auf diesem Sektor nicht anders als in Deutschland, aber hier verstecken sie die nicht mal), und sonst irgendwelchen Arschlöchern, die meinen, es besser zu wissen, auseinandersetzen muß. Dieser Job ist vor allem auch anstrengend, weil man 24/7 mit seinen Arbeitskollegen/Freunden lebt. Für jemanden, der in der Pampa auf`m Dorf aufgewachsen ist und sich durchaus auch sehr gut alleine zu beschäftigen weiß und das auch seit jeher für die eigene Gesundheit regelmäßig tun muß, nicht immer einfach zu händeln. Und ich rede hier nicht von Privatsphäre zum Wichsen, die ist in den meisten Unterkünften, wo man so unterkommt, nicht im Ansatz vorhanden. Einzelzimmer gibt es nicht und das muß vielleicht auch nicht sein, 24/7 ist eben Einstellungssache.

Für mich ist es nicht nur anstrengend, ständig unter Leuten zu sein, für mich ist vor allem anstrengender, wenn sich dabei die meiste Zeit auf Französisch unterhalten wird, denn ich hasse diese Sprache einfach und habe nicht im Ansatz vor, das Ganze mal ernsthaft zu erlernen. Ist auch nicht schlimm, aber dieses Gebrabbel die ganze Zeit um einen herum, kann einen schon manchmal ans Ende der Fahnstange bringen, dann beißt man ganz unbescholten ins Baguette, das können sie jedenfalls, die Franzosen. Und ja, Käse, Käse können sie auch, vom Vegetarierdasein oder Vegansimus haben sie hier aber noch so rein gar nichts gehört, sieht man dann ganz deutlich in den überteuerten Supermärkten, also Frankreich ist nicht immer nur c`est la vie, Jeanette ganz nett, da kann die Sonne noch so scheinen manchmal. Richtig ernstgenommen wirst du hier eh nur als Franzose.

Die Spanier railen ja am liebsten vertikal ab…

Soll heißen, wenn man nicht das Glück hat, daß die Baustelle in der Nähe ist und man am Wochenende locker flockig nach Haue fahren kann, dann ist man für ein paar Wochen am Stück an der Front, oder in einem so genannten Bootcamp, also 24/7 nochmal für alle. Das heißt, man ist wirklich von morgens bis abends zusammen, weil nach Feierabend chillt man zusamen, unternimmt irgendwie was oder skatet irgendwelche benachbarten Skateparks. Also ich mach` da schon lange nicht mehr immer mit, ich brauch` zuweilen meine Ruhe zum alleine sein, Yoga machen, Bücher lesen oder selber was schreiben. Ich kann nicht mehr 24/7 mit die Boys zusammen sein, und vor allem kann ich nach Feierabend keinen Beton mehr sehen und geh` dann lieber, zur Not und meistens alleine, irgendwelche schäbigen Streetspots skaten. Das ist ja auch noch so`n Ding, die meisten Kollegen in dieser Szene sind ja eher der Transitionfront zuzurechnen, deswegen haben sie ja einst auch angefangen, sich ihre Scheiße selbst zu bauen.

Das hat sich ein bißchen geändert in der Bauszene, weil eben eine neue Generation nachgerückt ist, in der es, jetzt wo ich drüber nachdenke, sogar überwiegend Streetskater gibt, naja vielleicht nicht ganz, Hälfte/Hälfte. Das ist ganz geil, die kommen dann auch gerne mal mit oder motivieren einen im Idealfall selbst und filmen sogar mal, wenn`s sein muß. Trotzdem hat diese junge Generation für mich einen entscheidenen Nachteil, und dazu werde ich mich wohl demnächst nochmal ausführlich auf diesem Kanal auskotzen, aber ich hab` halt mit dieser Smartphone-Generation so meine Probleme, vielleicht bin ich einfach schon zu alt dafür, belassen wir es mal dabei. Und zum Glück sind die meisten Betonskateparkbauer auch nicht so super Smartphone-süchtig wie der Rest dieser verdammten häßlichen Welt.

Anyhowwww (Szene-Insider), es gab ja auch mal eine BOARDSTEIN SONDERAUSGABE darüber, der alltägliche Baustellenwahnsinn ist bei mir nach wie vor alltäglich, echt jetzt. Es sind tatsächlich ein paar extrem psychische Wracks dabei, von dem ein oder anderen Alkoholiker ganz zu schweigen, da muß man dann nicht selten auch mal Papa oder großer Bruder spielen oder einfach nur immer und immer wieder zuhören, obwohl man das nie wollte. Oder man lernt eben, sich im richtigen Augenblick zurückzuziehen, und das muß man eben erstmal lernen, wenn es sich um echte Freunde handelt. Alles nicht immer so einfach, bin ich ja wahrhaftig auch nicht, im Gegenteil, bin ich als doch eher introvertierter Mensch trotzdem groß darin, mit ein paar Promille mehr im Blut, den Leuten auch mal gehörig meine Meinung zu geigen, wobei das wirklich nicht mehr oft vorkommt bis vorkommen muß. Denn ich verstehe mich tatsächlich in der Regel mit allen meinen Arbeitskollegen hervorragend, wer kann das schon von sich behaupten? Ich mein, das sind halt Blutsbrüder, bestes Beispiel gerade hier in Seignosse, ich häng` hier seit Wochen mit Typen ab, die ich erst zum Anfang dieser Wochen kennengelernt hab`, und wir haben eine verdammt gute Zeit zusammen, tauschen uns aus und lachen viel. Boah, ich liebe meinen Job und ich liebe die Boys, jeden einzelnen auf seine Weise, wirklich…

Mich und the boys: Nanaqui, Miron, Wee-Man, Kjell, Mikey, Seb und Lao

Aber ja, ich merke dann auch bei jedem Projekt, wie man nach drei, vier Wochen ein bißchen ‚Campsick‘ wird, Montagekoller wäre dann der deutsche Begriff dafür und Freundin vermissen hat auch eine Menge damit zu tun. Ist ja auch klar, und wenn man so weit weg von zu Hause ist wie ich meistens (ich wohn` ja auch am schönsten Arsch der Welt), lohnt es halt auch nicht, mal fürs Wochenende nach Hause zu fahren (jetten kommt sowieso nicht in Frage, na gut, manchmal). So gesehen waren meine letzten elf Jahre eigentlich eine einzige Tour, und ich glaube, mir wird das jetzt gerade erst bewußt, wo ich es mal für die Nachwelt niederschreibe. Denn zu Hause bin ich wirklich nicht so oft und viel. Und ich hab` mir Anfang des Jahres gesagt, ich werde das auch höchstes noch fünf Jahre hauptberuflich machen wollen, in zwei Monaten hätte ich dann nur noch vier vor mir. Bis dahin muß ich mir zumindest eine Art zweites Standbein aufgebaut haben, und Ideen und Pläne gibt es genug.

Wahrscheinlich hilft es nichts, sich ein, zweimal pro Woche sein Leid von der Seele zu klagen (ey, soweit sind wir doch noch nicht, oder!?). Ich merke nur gerade in mir, daß ich mehr schreiben muß und sollte, für mich, für euch, für wen auch immer. Es fällt mir nach wie vor nicht schwer, aber es fehlt halt manchmal die Zeit und auch Power nach einem anstrengenden Arbeitstag, und daß wir hier nicht faul sind, sollten die Bilder hoffentlich bestätigen. Wie gesagt, ein geiles Projekt, an dem ich hier teilnehmen darf, leider kann ich nicht bis zum Schluß bleiben, denn es stehen noch sozusagen zweieinhalb andere Skateparks dieses Jahr an, alles etwas nördlicher, aber immer noch sehr französisch. Oh ja, und das brauch` ich auch dringend mal wieder, deswegen wird zwischenzeitlich auch ein kurzer Fronturlaub eingelegt…

Stand der Dinge Freitagfeierabend

Ey, ich könnte über dieses ganze Bauding zwangsläufig Bücher schreiben, und vor allem über meine ganzen krassgeilen Kollegen, und hoffentlich tue ich das auch irgendwann nochmal, wir haben schon so viel geile Scheiße erlebt, Herr der Ringe im Dreieck, ich sag`s dir. Ich hab` mich dann irgenwann letztes Jahr auch tatsächlich das erste Mal dabei erwischt, wie ich mir ernsthaft Notizen für eine zweite BAUSTOP AUSGABE gemacht habe und ich erwische mich in letzter Zeit leider viel zu oft, wie ich extra Photos dafür schieße und so. Damnit, ich würde gerne mal ein paar Sachen abschließen, vornehmlich auf Papier, bevor ich mich in neue kreative Kultur-Abenteuer stürze, vornehmlich auf Papier. Dieser Blog hilft dabei nicht wirklich, dieses Skateparkbauen ehrlich gesagt auch nicht. Oder doch? Irgendwo muß der Stoff ja herkommen, bei mir kommt er aus dem/meinem Leben…

Ich mach` mal lieber Schluß jetzt hier, zu viel auf einmal ist immer ungesund, nicht nur für mich. Das Dumme ist, Mikey reist morgen ab, damit verliere ich meinen todsicheren Hotspot. Es könnte also schwierig werden, diese Scheiße hier am Wochenende hochzuladen, dabei fällt mir ein, es ist 2.00 Uhr morgens, morgen um Acht ist Beton und um 16.00 Uhr hab` ich einen Tattoo-Termin im lokalen Tattoo-Salon, dazu dann vermutlich die Tage mehr. Wie gesagt, Internet wird das Hauptproblem die nächsten Tage für diesen Blog, anonsten gehen mir langsam die Kräuter aus, vielleicht nochmal Elmar anfunken…

Ächz ächz, uff,
Arne (Donnerstagnacht)

P.S.: Alter, ich hatte hier noch so`n Stichwort notiert, das paßt nochmal perfekt zum PSchluß. Was nämlich auch noch so dermaßen am Montageleben abnervt ist, daß die lieben Kollegen oftmals nichts anderes zu tun haben, als sich nach Feierabend über die Arbeit und zum Beispiel die Vorgehensweise am nächsten Tag zu unterhalten. Ohne Scheiß, da muß Papaschlumpf dann wirklich um 23.00 Uhr manchmal laut in den Raum rufen ‚No talk about work, after work‘, und dann ist meistens auch für fünf Minuten Ruhe, weil es sind sich darüber ja eigentlich alle einig. Und dann geht es wieder los, meistens auf Französisch…

P.P.S.: Und was tue ich hier eigentlich? Laber mir die Scheiße über die Arbeit ausm Hirn, und müßte längst im Betti sein, weil morgen geht`s ja wieder dreckig zu Werke… Alles für die Kunst, Leute, alles für die Kunst, an sich…

DJ BOARDSTEIN GOES D`ELMAR ABRISSPARTY

Moiners! Hier mal die neusten Kurznachrichten von der Westfront in Seignosse, und im Westen eigentlich nix Neues. Wir haben Donnerstag angefangen zu betonieren, aber da geh` ich dann im Laufe der Woche nochmal genauer drauf ein. Bemerkenswert ist, daß hier übes Wochenende nochmal kurz die Hölle los war, weil viel Partyvolk aus Spanien angereist ist, die haben da wohl irgendwie gerade Herbstferien oder sowas. Vielleicht waren das auch noch die Nachwehen vom Quiksilver Pro Surf Contest, von dem wir hier allerdings nicht viel mitbekommen haben, weil das Ganze jedes Jahr zwei Strände weiter stattfindet. Nun, man kann schon sagen, daß die Woche über nochml mehr Surfervolk unterwegs war, wir haben von unserer Baustelle ja auch alles im Blick, was sich Richtung Strand bewegt- Wahrscheinlich erfüllen wir da auch regelmäßig die Klischees im Sinne von notgeilen und chronisch untervögelten Montagebauarbeitern, die den heißen Surfer-Chicks auf die Ärsche gucken, naja, was soll`s, man ist ja auch nur Mensch…

Aber was ich jetzt eigentlich erzählen wollte, es hatte sich ja auch schon bei den Kommentaren auf Facebook abgezeichnet, daß niemand Geringeres als Elmar ‚Eumel‘ Schaible hier in der Nähe eine kleine Strandbar namens ‚D`Elmar‘ haben sollte, das war auch so das Letzte, was ich über ihn gehört hatte vor ein paar Jahren bei was für einer Situation auch immer. Wie sich nun herausstellen sollte, liegt genau diese Bar keine 500m von unserer Baustelle entfernt, gleich hinten am Parkplatz hinter den Dünen am Strand eben, wie es sich für eine Strandbar gehört. Unser Architekt Lao war da schon mal abgestiegen und mit Elmar ins Gespräch gekommen, dann fiehl der Name ‚BOARDSTEIN‘ und ein weiterer Kreis schloß sich. Somit war für mich klar, daß dieses Wochenende dort ein Pflichtbesuch anstand, und, wie sollte es anders sein, nachdem ich Donnerstag ein technisches Gespräch mit Lao auf der Baustelle hatte, fragte er mich zum Schluß, was ich denn fürs Wochenende geplant hätte und daß im D`Elmar quasi Abschiedsparty sein sollte, bevor der Schuppen für die Wintersaison geschlossen würde. Damit war mein ohnehin fest vorgenommener Pflichbesuch quasi besiegelt, und, wie sollte es anders sein, keine 20 Minuten nach diesem Gespräch, während ich grad so am Buddeln bin, fährt ein Pick-up an der Baustelle vorbei, hält an, und wer sitzt am Steuer!? Elmar natürlich. Also manchmal fließen diese Zufallsenergien aber auch…

Ich kann nicht wirklich sagen, daß ich Elmar besonders gut kenne, aber man war sich zu BOARDSTEIN ZEITEN, als er eher noch unter dem Namen Eumel bekannt war, zwei-, dreimal über den Weg gelaufen und letztendlich ist da sowas wie Blutsbrüderschaft vorhanden, er war ja nicht umsonst als Kötercobra auch Teil der Cobra Cabana. Vor allem skatete er aber auch für Consolidated (über Link Distribution aus Stuttgart) und war neben Alex Funk eigentlich der einzige aus dieser Stuttgarter Movie Mag-Szene, der mir richtig sympathisch war bzw. umgekehrt eben einfach BOARDSTEIN Sympathisant. Naja, und Elmar`s Skaten war eigentlich auch schon immer eher so Moshen und schnell und so, deswegen hatte er auch schon damals in einer der ersten BOARDSTEIN AUSGABEN ein Interview (müßt ihr mal wieder selbst recherchieren jetzt). Wie gesagt, dann hatte man irgendwie gehört, er sei für Volcom nach Südfrankreich verschwunden und hätte sich dort auch niedergelassen, was sich dann ja auch bestätigt hat.

Ich also gestern Abend passend zum Sonnenuntergang 15 Minuten Fußmarsch mit Mikey zum D`Elmar und das Ganze ist letztendlich wirlich nur eine kleine Bar, wo man an diesem paradiesischen Strand mit dem Nötigsten versorgt wird. Es hieß eigentlich Reste saufen und alles austrinken, allerdings war bis auf Wein gar nicht mehr wirklich was da, aber latte, die Atmosphäre war dafür unschlagbar. Denn Elmar hatte sich nicht lumpen lassen und Schlagzeug, ein bißchen Verstärkerzeug und diverse Instrumente inklusive Musiker an den Start gebracht und so waren wohl schon den ganzen Nachmittag Jam-Sessions am Laufen, wie auch in dem Moment, als wir das Areal erreichten. Und das waren keine Anfänger, allen voran Elmar am Schlagzeug, so gesehen gab es den ganzen Abend lang abwechslungsreiche Top-Beschallung, was kann bitte Samstagabends geiler sein als Live-Musik bei Sonnenuntergang am Strand?

Das Wetter sah zwar noch nach Regen aus, es hielt sich dann aber wacker halbwegs trocken, und das war einfach gutes Karma, denn es waren ausschlißelich nette und interessangte Menschen gekommen. Die Jam-Session lief auch stetig weiter, es gab ein paar schöne Coverversionen von Chris Isaak bis Johnny Cash von einer jungen Frau mit Gitarre und Dolly Parton-ähnlicher Stimme und irgendwann kam auch Dirty Mikey nicht drumherum, sich mal das Mikro zu schnappen und ein bißchen Freestyle-Blues rauszuhauen, das macht er in Brüssel auch regelmäßig mit Kollegen, jammen und rumbluesen. Und er hat auch die Stimme dafür, was genau er singt, also textlich, ist dabei rein improvisiert, ziemlich nebensächlich und das meiste versteht man sowieso nicht, aber darauf kommt es wohl auch nicht an. Er bekam jedenfalls Props von allen Seiten und war mal wieder richtig stolz über sich selbst, und das kann er fast noch besser als Blues singen.

Es war jedenfalls rundum schön, es waren auch reichlich Kinder vor Ort, inklusive die beiden von Elmar, und man sah dem Ganzen an, daß diese beiden, sie fünf, er drei, ziemlich gesund und munter aufwachsen zu scheinen. Sie griff sich auch ab und zu mal das Mikro und summte ein bißchen für alle vor sich hin und der kleine Lennie schnappte sich bei jeder Gelegenheit die Drumsticks und wird diesbezüglich ganz sicher in die Stapfen seines Vaters treten, steht das Schlagzeug doch zu Hause im heimischen Wohnzimmer. Elmar`s Geschichte ist eigentlich auch ganz geil, so ist er für seinen damaligen Sponsor Volcom vor 17 Jahren zum Schlagzeug spielen hier runter gekommen und dann letztendlich wegen seinen Bands hier geblieben. Sein Geld verdient er sich zumeist als Zimmermann, auch jetzt noch in der Wintersaison, und dann hat er ausgerechnet hier seine Frau kennengelernt, ebenfalls aus Stuttgart, und nun ja, so sind sie eine glückliche Familie und Elmar hat jetzt die vierte Saison diese Strandbar am Laufen.

Ich hatte ihn am Donnerstag schon gefragt, ob er noch skaten würde oder nur noch surfen, und mußte erfahren, daß er überhaupt gar nicht surft und sehr wohl noch skatet. Da war ich ziemlich verwundert, denn er wäre ja nicht der erste gewesen, der sich genau in dieser Region der Wellen wegen niedergelassen hat, und daß er überhaupt nicht surft, hat mich ziemich überrascht. Aber er meinte, mit Skaten, Schlagzeug spielen, Motorrad fahren, Bilder malen und Familie sei er hobbymäßig vollkommen ausgelastet, was ich natürlich durchaus verstand. Und dann mußte ich auch nochmal ein bißchen nachdenken über diese ganze Surferei, hatte ich in den letzten vier Wochen hier zwangsläufig natürlich ohnehin schon reichlich. Da kommt man hier ja auch gar nicht drum herum, gerade weil Wee-Man, Nanaqui und Seb regelmäßig nach Feierabend ihr Glück in den Wellen versuchen, wenn sie nicht in irgendeinen benachbarten Skatepark fahren. Die Jungs sind noch jung und haben noch Feuer im Arsch, ich mach` ja zum Feierabend gerne auch mal Feierabend…

Jedenfalls ist dieses ganze Surfgedöns irgendwie nichts für mich, gerade weil es auf mich manchmal so`n bißchen gezwungen wirkt, so von wegen wenn man schon hier ist, muß man auch surfen ausprobieren. Nun, ich gehe hier regelmäßig nach Feierabend baden und alle, die schon mal irgendwie mit mir unterwegs auf Tour waren, werden bestätigen können, daß ich eine absolute Wasserratte bin und immer der erste, der sich in irgendwelche Seen, Flüsse oder Ozeane stürzt, ganz egal, wie kalt die Scheiße ist. Ich bin ja auch am Meer groß geworden und habe als Kind im Sommer wahrscheinlich mehr Zeit im Wasser verbracht als an Land, ich liebe Wasser und Gewässer, vor allem natürlich das Meer, und ich bin mehr als einmal in allen sieben Weltmeeren geschwommen und genieße es jedes Mal wieder. Und na klar bringt schwimmen und plantschen im Meer noch mehr Spaß, wenn es ein paar Wellen gibt, und man Bodysurfen und eben die Naturgewalten spüren kann, aber Surfen muß ich deswegen noch lange nicht.

Ist ja nicht so, daß ich es noch nie ausprobiert hätte, so zum Beispiel in Neuseeland, ihr erinnert euch vielleicht an den ersten Teil meines Reiseberichtes in Ausgabe 46. Da war ich mit Robert in Wellington surfen und hatte auf seinem Longboard das erste Mal einen kuzen Run von ein paar Sekunden, da hab` ich sofort gemerkt, wie süchtig das machen kann, das Gefühl will man unbedingt wieder erleben und ehe man sich versieht, war man dann drei Stunden im Wasser. Und ja, das ist ja ein wesentlicher Aspektd es Ganzen, ich bin ja von Natur aus wohl doch eher ein ungeduldiger Mensch und dieses ständige Warten im Wasser ist irgendwie nichts für mich, vor allem nicht, wenn man je nach Weltmeer dabei sogar von Haien angeknabbert werden kann. Ich hasse auch Klamotten, die eng am Körper anliegen und somit sind Neoprenanzüge einfach eine Pest für mich, ich fühl mich da nicht wohl drinne, ich schwimme am liebsten und meistens nackt. Und ja, irgendwie ist mir dann die ganze Surfszene auch ein bißchen zu klischeebehaftet, ich mein`, man muß ja als Surfer einfach einen Bully fahren und jeden Urlaub im Süden verbringen.

Versteht mich nicht falsch, genau diesen Lifestyle liebe ich ja selbst, und was ich am Surfen am meisten schätze, ist diese Nturverbundenheit und das Leben mit den Elementen. Ich habe auch Megarespekt vor Surfern, als gerade natürlich vor denen, die das richtig gut können und sich letztendlich bei jeder Session in Lebensgefahr begeben, Haie hin oder her. Aber der Ozean ist eben unberechenbar, da kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren und wie es ist, sich in meterhohen Wellen zu tummeln, werden die meisten von uns wohl sicher nie erfahren. Das müssen Kicks sein, die man sich als Skateboarder wahrscheinlich nur schwer vorstellen kann, also wie gesagt, ich ziehe da absolut meinen Hut vor. Allerdings hole ich mir meine Kicks lieber beim Skateboardfahren und gerade weil ich um das Suchtpotential von Surfen weiß, hebe ich mir das vielleicht lieber für später auf. Ich war zum Beispiel nach wie vor auch noch nie Snowboarden, denn ich weiß, daß mir das mega Spaß bringen würde, ich stehe durchaus auch auf Berge und Schnee. Aber dann hätte ich vielleicht noch eine Sucht mehr, die es regelmäßig zu befriedigen gilt, da konzentriere ich mich erstmal weiterhin noch auf Skateboardahren, so lange mir das noch solchen Spaß bringt und ich das Gefühl habe, ich kann noch ein bißchen was reißen auf dem Brett. Daß man mit zunehmenden Alters seine Ansprüche da ein bißchen runterschrauben muß, versteht sich von selbst.

Und ich habe durchaus mehr als einen Kollegen, gerade der älteren Generation, die inzwischen vielleicht mehr Surfer als Skater sind, ist klar, das Ganze tut auch nicht ständig und dauerhaft so weh, ist wahrscheinlich wesentlich gesünder und wohl mindestens genauso entspannend. Ben Wes meinte auch letztens bei unserer Begegnung hier, als wir drüber sprachen, es ist auf eine Art langlebiger. Aber ja, das endet dann damit, daß man jeden Urlaub irgendwo in Richtung irgendeines Surfspots tingelt, während mich halt auch andere Naturschönheiten und sogar auch urbanes Leben interessiert, ganz logisch so als Streetskater. Und dann hat man als Surfer ja doch irgendwie immer noch reichlich Gepäck und muß sich und dieses Gepäck erstmal irgendwo hin karren, um surfen zu können, und dann müssen die Wellen dazu noch passen. Das ist mir alles irgendwie zu umständlich, klar, wenn man irgendwo an einem perfekten Beachbreak wohnt, liegt es für sportliche und Frischluft liebende Naturen durchaus nahe, sich mit dem Thema Surfen auseinanderzusetzen. Aber wenn ich jedes Mal erstmal Strecke machen oder gar da hinfliegen muß, ist mir das zu viel Alarm, das ist ja das Schöne am Skaten, das kann man letztendlich nahezu überall machen und dazu braucht mensch nichts weiter als dieses insgesamt doch sehr handliche Rollbrett.

Ich hab` immer so`n bißchen den Eindruck, Surfer haben sonst keine anderen Hobbys, die sind halt Surfer und nichts anderes. Und ich weiß natürlich, daß das so nicht zutrifft und im Gegenteil viele Menschen das wohl zu Recht auch über uns Skater denken und sagen. Aber trotzdem denke ich, ist die Skateszene doch ein bißchen vielfältiger, denn wie eingangs schon erwähnt, man sieht es hier täglich an den ganzen SurferInnen, irgendwie ist sich das alles sehr ähnlich. Und wenn man dann von alteingesessenen Locals hört, wie sehr sich ihre Szene gewandelt und wie Mainstream der ganze Sport geworden ist, sieht man sicher einige Parallelen zu Skateboarding, Surfen und Surfer sein ist halt auch voll hip gerade.

Und hip brauch` ich irgendwie gerade nicht, war ich eigentlich eh schon immer. Und während ich in den nächsten Jahren, solange es noch Schnee auf diesem Planeten gibt, unbedingt nochmal Snowboarden ausprobieren möchte und werde, werde ich mich mit Surfen vorläufig nicht verschärft auseinandersetzen, das kann ich auch mit 50, 60 noch, sollte ich so alt werden dürfen. Bis dahin gehe ich aber lieber weiterhin bei jeder Gelegenheit, die sich mir bietet, ganz entspannt baden, vielleicht morgen wieder direkt nach der Arbeit, mal gucken, wie das Wetter wird, bis jetzt hatten wir echt Glück und einen traumhaften Spätsommer. Jetzt beim Betonieren darf es sogar gerne mal ein bißchen weniger Sonne sein, naja, wir werden sehen, ich halte euch die Woche über diesbezüglich mal auf dem Laufenden…

In diesem Sinne guten Abend, gute Nacht, und Aloha, Alter, Aloha…
Arne

DJ BOARDSTEIN GOES BARCELONA ZUM ERSTEN MAL

Ah jo, hier ist wieder die Front zurück vom Frontkurzurlaub, ich war/wir waren wie gesagt fünf Tage in Barcelona, mal so eben zwischendurch. Besonders an der ganzen Geschichte ist vermutlich nur, daß ich als leidenschaftlicher Streetskater und 44-jähriger Skate-Nerd zum allerersten Mal da war, jaaa! Für den Normalskater jeglichen Alters heutzutage unvorstellbar, aber für mich Realität. Ich hab` inzwsichen die halbe Welt gesehen, aber nach Barcerlona hatte es mich einfach noch nie verschlagen. Deswegen meinte ich auch zu meinem Flensburger Kollegen und Rebel Röcker Christian ‚Vega‘ Neve – bekannt von mindestens zwei BOARDSTEIN Touren und noch reichlich Gnaddel Videos auf Youtube – als wir Anfang des Jahres oder so darüber sprachen, daß er und die Boys dieses Jahr mal wieder für `ne Woche nach Barcelona auf Filmmission fliegen wollten, daß ich mich sehr gerne bis unbedingt da einklinken wollte. A) um einfach mal wieder ein paar Tage nichts als Streetskaten zu machen und b) endlich mal da gewesen zu sein und mitreden zu können, zumindest ein bißchen. Also schnallt euch schon mal an, ich bin nur kurz da gewesen und werde mein Maul auf jeden Fall wie immer ganz weit aufreißen…

Durch die Pyrenäen nach Südspanien…

Ich wollte das also dieses Jahr sprichwörtlich mal abhaken, am besten bzw. gerade weil eben ein paar meiner nordischen Boys auch vor Ort sein würden, um Straße zu skaten und das filmtechnisch festzuhalten, oder Footy zu stacken, wie der Ami so sagt. Für mich war es schon immer ein großer Motivator, Tricks zu filmen und später zu einem Videopart zusammenzufügen, das haben wir schon vor 30 Jahren gemacht, als ich gerade angefangen habe, und das gehört für mich zum Skateboarden einfach dazu. Und heutzutage motiviert es mich umso mehr, immer mal wieder an den unmöglichsten Spots an meine Grenzen zu gehen, um genau da eben einen geilen Trick gefilmt zu haben. Warum also nicht mal dorthin, wo seit gut zwei Jahrzehnten alle aus genau diesem Grund quasi hinpilgern, weil die Spots so toll sind!?

Ich muß dazu sagen, ich als Skate-Nerd allererster Güte bin natürlich auch großer Fan von sogenanntem Spot-Sightseeing. Soll heißen, die meisten weltbekannten Spots sind für mich einfach zu krass, zu hoch, zu weit, zu steil, zu tief. Im Endeffekt ist mein eigenes Skaten wirklich sehr bescheiden und reduziert und wenn ich skatetechnisch mal irgendwie glänzen kann, dann ist garantiert immer eine Bank im Spiel. Umso geiler finde ich es, an Spots zu stehen und zu wissen, der und der hat das und das da runter (oder rauf etc.) gemacht, das gilt für Streetspots genauso wie für Skateparks aller Art. Ich finde sogar, daß das sehr sehr wichtig für Skateboarder ist, sich sowas ab und zu geben, einfach nur, um sich davon zu vergewissern, was alles möglich ist und sich einer Tatsache immer wieder bewußt zu werden: Es gibt immer jemanden, der es besser kann, und an dieser Stelle spare ich mir mal das ‚/die‘.

Es ist immer wieder zu krass, an Spots zu stehen und sich vorzustellen, wie da irgendwelche Tricks (oder einfach nur ein Downill!!!) gemacht wurden, weil mensch weiß, es geht, da es eben schon von jemanden gemacht wurde. Meinen gefühlten Aha-Moment diesbezüglich hatte ich wahrscheinlich, als ich vor gut zehn Jahren am San Diego Sports Arena Doubelset stand und dachte ‚Wie kann man hier bitte runterspringen!?‘, vollkommen bewußt und damals schon gestoked, was Jeremy Wray da 1993 mit 45mm Rollen alles schon runter gemacht hatte. Nun, heute abend stand ich zum ersten Mal am Macba und konnte mir angucken, wo Pfannicobra vor zehn(?) Jahren einen Bs 180° runtergemacht und Chris Joslin Jahre später Big Spin runtergemacht hat, das ist so Amok, ey!? Oder an irgendeinem Bowl zu stehen, wo man beim Reindroppen schon weiche Knie bekommt, im Wissen, daß es Leute gibt, die hier zweieinhalb Meter hohe Airs machen, ohne Pads, ohne Helm und ohne T-Shirt, und zwar zum Frühstück. Echt jetzt, diesen Respekt, den man erst bekommt, wenn man wirklich mal selbst vor Ort gewesen ist, muß man sich als Skateboarder meiner Meinung nach wirklich ab und zu mal gönnen, indem man Spots aufsucht, von denen man weiß, daß man sie sowieso nicht selbst fahren wird, weil sie einfach zu hart für einen und die eigenen Skills eben sehr sehr beschränkt sind.

Von solchen Spots zum Angucken gibt es in Barcelona wahrscheinlich mehr als in den meisten anderen Metropolen dieser Welt, weil dort einfach alles schon geskatet und wahrscheinlich mehr Footage gefilmt wurde, als in jeder anderer Stadt, mit Ausnahme von Los Angeles vielleicht. Aber so gibt es in Barcelona natürlich vor allem auch Spots, die für jedermann zugänglich und skatebar sind, von bis sozusagen, es kommt halt immer drauf an, was mensch draus macht oder machen kann. Ich kann mich nur wiederholen, es wurde höchste Zeit, daß ich auch mal dorthin fahren und das alles (mit)erleben würde, gerade weil wir BOARDSTEINE uns von Natur aus ja eher da rumtreiben, wo alle andere eben gerade nicht sind, am liebsten noch ein Stückchen weiter weg.

Zurück zum Zeichenbrett, Anfang Oktober diesen Jahres stand dann eben Barcelona an, und als ich wußte, daß ich zu der Zeit in Südfrankreich arbeiten würde, mußte ich nicht mal von irgendwoher aus der Kälte dorthin fliegen, sondern konnte noch viel billiger und gewissenhafter mit Flixbus dort hinfahren (die ham auf jeden Fall inzwischen ein europaweites Monopol in dieser Branche, da brauch` ich das wohl gar nicht verlinken jetzt, oder!?). Zwölf Stunden von Bayonne über Toulouse, da hab` ich mir doch für läppische 24,90 Euro schon mal im Voraus ein Hinfahrtticket besorgt, wegen Rückfahrt konnte ich ja nochmal gucken. Plan war jedenfalls Donnerstag früh los und Dienstagabend wieder in Seignosse sein, vier Tage Arbeitsausfall war mir die Sache wert, gerade weil es so ein kostengünstiger Kurztrip werden würde.

Ich erwähnte allerdings vor zwei, drei Blog-Einträgen schon einmal, daß dieses Jahr terminlich und arbeitstechnisch alles irgendwie fast schon zu gut zusammenpaßte, deswegen wunderte ich mich auch nicht, daß an diesem Wochenende Nanaqui und Wee-Man, ebenso wie ihr Arbeitgeber Vulcano Skateparks beide aus Barcelona, nach Hause fahren würden, und zwar in genau diesem Zeitrahmen, so daß ich nicht nur Geld sparen würde, die Rückfahrt sicher hatte, wesentlich weniger Zeit meinen Arsch platt sitzen würde, sondern dazu auch nur zwei statt vier Arbeitstage Ausfall zu vermerken hätte. Wie gesagt, paßte alles besser als hervorragend!

Brian, Nele, Vega, Lauritz, Flower und mich

Ja, und so kam ich dann letzten Donnerstagabend als letzter unserer kleinen Sechsertruppe an, die anderen hatten schon ein bzw. zwei erfolgreiche Skatetage hinter sich. Und die anderen möchte ich euch hier natürlich kurz vorstellen, das war neben Vega noch sein Homie Lauritz Erichsen aus Schleswig, der natürlich schon lange nicht mehr da wohnt, weil man, wenn man wenigstens ein bißchen Gehirn hat, spätestens mit 18 aus Schleswig wegzieht, weil besser is` das. Lauritz kannte ich bis dato nicht wirklich, eher nur aus Vega`s Videos, aber als eher stiller und zurückhaltender Kollege entpuppte er sich schnell als Blutsbruder allererster Güte und beeindruckte mich vom ersten Tag an nicht nur durch extrem technisches Skaten (mit dementsprechend kleinen Rollen und harten Achsen), sondern vor allem mit seiner Ruhe dabei, zig Versuche für einen Trick oder eher eine Kombo zu brauchen, ohne nervös oder ansatzweise aggressiv zu werden. Ich bin ja leider groß da drin, nach so und so viel Versuchen, Bails und Slams auch gerne mal rumzuschreien oder sogar mal mein Board durch die Gegend zu werfen, gerade wenn ich dabei einem Filmer seine wertvolle Lebenszeit stehle. Dabei fällt mir gerade auf, ich hab` Lauritz, glaube ich, in den vier Tagen nicht einmal slammen sehen, dafür hat er allerdings ein paar sehr schöne und harte Dinger gemacht. Sagen wir mal, insgesamt wirkt er sehr sortiert und ist es wohl auch, grundsätzlich könnten er und ich wohl nicht unterschiedlicher sein, aber 1A der Typ, 1A. Jederzeit wieder überall, Bro!

Der dritte Mann, der die ursprüngliche Crew ausmachte, ist Brian Dietrich aus Flensburg, u.a. des Studiums wegen gerade in Kiel ansässig, und wenn auch gut 15 Jahre jünger als ich, schon seit mehr als einem Jahrzehnt 1A-Kollege, auch wenn wir uns leider nicht so oft sehen. Aber der kann auch Skateboard fahren und ich mach` das immer wieder gerne mit ihm zusammen, denn irgendwie macht er immer die Tricks an den Spots, die ich auch machen würde, wenn ich sie denn könnte und/oder die Power dazu hätte. Sein Schwager quasi, Florian ‚Flower‘ Fentzahn, zehn Jahre Flensburg Local, nun wieder in seiner Heimat Schwerin ansässig und angehender Architekt (na gut, ein paar Jahre hat er noch vor sich), ist Pro auf Blackyard Skateboards (yeah!), und das nicht ohne Grund. Flowi ist transitionmäßig deutschlandweit auf jeden Fall ganz vorne mit dabei und würde wenn nicht für Anti-Hero, dann für Consolidated und Co. fahren, wäre er denn in Kalifornien aufgewachsen, und dann würde er wahrscheinlich noch besser Skateboard fahren. Shred-Machine des Todes der Typ und einer der liebenswerten und höflichsten Menschen, die mir Norddeutschland bekannt sind.

Wir fünf sollten also die kleine Crew bilden, die sich ins Barcelona-Skate-Getümmel stürzen würde, ich als einziger, der noch nie da gewesen war. Wie ich dann Donnerstagabend vor Ort erst hautnah erfuhr, war Flower`s zuckersüße Freundin Nele, Brian`s Schwester, noch kurzfristig mit an Board gekommen, die skatet zwar nicht, aber liest dafür gerne Bücher, und alkoholtechnisch steckt die für ihren kleinen Körper ganz schön was weg. Und weil sie kein Bier mag, hatte ich somit auf jeden Fall eine ernstzunehmende Mitstreiterin in Sachen Schnapskonsum, denn daß das Ganze letztendlich nebenbei in einen gediegenen 4-Tages-Rausch ausarten würde, war mir eigentlich schon vorher klar, und das bestätigt ja auch die Tatsache, daß ich jetzt Sonntagabend um 3.15 Uhr angefangen habe, diesen Blog-Eintrag zu schreiben, obwohl es morgen erst nach Hause geht. Pustekuchen, es geht gar nicht nach Hause, sondern zurück auf die Baustelle nach Seignosse… (wenn ihr das hier lest, ist dieser Satz sozusagen schon gelebt worden)

Also, letztendlich waren wir ein eingeschworenes Team, das die Mission hatte, Tricks für Vega`s nächstes Gnaddel Video zu filmen, oder in Neles Fall in fünf Tagen mindestens zwei Bücher zu lesen. Nanaqui und Wee-Man hatten mich Donnerstag gegen Acht an der Metrostation Florida rausgelassen, wo gleich nebenan unser Wohnung sein sollte. Auch geil noch, Vega hatte natürlich standardmäßig eine Airbnb-Showse klargemacht, nur wurde mir, der ja immer mit solchen Dingen Lichtjahre später dran ist als das Normalvolk, spätestens auf der Hinfahrt bewußt, daß ich noch niemals nicht in einer Airbnb-Unterkunft gewohnt/-haust hatte, für junge Leute heutzutage der absolute Standard, gerade für Skatetouristen in Barcelona. Aber ich bin ja weder Standard noch jung, so war damit noch eine weitere Premiere für mich zu verzeichnen, und natürlich waren wie zu sechst zwei Personen mehr als eigentlich gebucht, glaubt mal nicht, daß sich in dieser Hinsicht seit BOARDSTEIN irgendwas geändert hätte. Zumindest ich (Klaas eher nicht mehr so) schlaf` immer noch regelmäßig auf Fußböden und Co.KG… Jedenfalls endete der erste Abend natürlich direkt feuchtfröhlich, denn Angeliter trinken nun mal gerne, zwar nicht immer, aber dafür oft, und dann reichlich. Nein, alles gut, nachdem Flower seinen gewohnten Abgang hingelegt hatte, waren wir gegen Zwei im Bett und freuten uns auf drei Tage skaten skaten skaten…

Flower`s erster Abgang

Und die drei Tage liefen dann tatsächlich ziemlich genau exakt gleich ab: Zehn, halb Elf ausse Federn, gediegen Frühstücken und gegen Eins mit der Bahn zu irgendeinem Spot. Hätte man sicher alles auch noch sportlicher angehen können, aber wir sind nun mal allesamt auch keine 20 mehr. Am Freitag peilten wir den Yachthafen an, das war mir da mit dem ganzen Touristen-Gedöns schon mal alles definitiv zu voll und zu hektisch. Und als Flower dann gerade seinen Bs 5-0 Shove-it to fakie an dieser berühmten kleinen Bank eintüten wollte, entpuppte sich der Qualm in der benachbarten Pizzeria dann doch als ernstzunehmendes Feuer und auf einmal war der ganze Ort voll mit Feuerwehr, dummen Gaffern und vor allem Polizei, die ja seit jeher in Barcelona gut am Representen zu sein scheint, wie es mir auch angekündigt worden war. Naja, die Bullen parkten eins ihrer Mobile dann natürlich direkt in den Weg, und als Flower dann weiter versuchte, tatsächlich nochmal um, um dieser Session ein jähes Ende zu bereiten. Ätzend, A.C.A.B., immer und überall! Es ging weiter zum Paral-lel direkt ums Eck, wohl einem der ältesten und bekanntesten Spots Barcelonas.

Und die Situation und Atmosphäre dort war dann auch genau das, wie man sich Barcelona eben so vorstellt. Skater skaten und filmen bei strahlendem Sonnenschein technisches Curb- und Manual-Zeug, was das Zeug hält, während mindestens genauso viele Skater im Schatten sitzen, chillen und zugucken. Das tat ich dann auch, denn mir war das da einfach zu wuselig, um hier und da mal einen Wheelie, Boardslide oder Kickflip zu machen. Stattdessen wurde ich Zeuge einiger beeindruckender Lines und Tricks, gerade weil man diese Art von Skaten nicht allzu oft live erleben kann, zumindest nicht so intensiv und auf einem so hohen Niveau. Nur als Beispiel, es waren ein paar Brasilianer da, von denen machte einer, der vorher gar nicht groß in Erscheinung getreten war, auf einmal Kickflip Manual an dem niedrigen Dingen und dann direkt Nose Manual Nollie Flip off an dem hohem daneben. Als nächstes filmt sein Kollege ihn, wie er first Try Kickflip Nose Manual, dann eben Nose Manual Nollie Flip off macht, dann ein Curb weiter (und die sind nicht niedrig) Nollie Bs Tailslide Shove-it off, um dann noch einen Heelflip Varial und einen Bs Heelflip zack zack hinterherzukleben. Keine Ahnung, ob der da vor unserem Erscheinen schon stunden- oder tagelang dran gefeilt hatte, aber mein geschultes Auge sagte mir eigentlich, daß das Ganze dann doch sehr spontan war, und da sieht man dann, wo solche Lines in den einschlägigen Videos so herkommen.

Die Pizza ist gut durch…

Sagen wir mal, es ging so einiges, und Lauritz erntete nicht nur unsere Props für seinen Switch Fs 180° Nose Manual Shove-it Off, er hatte ihn zwar eigentlich die ganze Zeit mit Nollie Bigspin off probiert, gab sich dann aber mit der Shove-it off-Version zufrieden. Ey, es benötigt so viel Skills und oftmals vor allem Zeit und Nerven, solche Tricks zu machen, und vor allem auch anständig zu filmen, das können Leute, die einfach nur ein paar Grinds in Bowls machen, sich gar nicht vorstellen, aber trotzdem sind sich allesamt ihres gegenseitigen Respekts sicher, das ist ja das Schöne an Skateboarding, unter uns ist Platz und Respekt für alle da. Mal mehr, mal weniger vielleicht… Am Paral-lel ist Respekt auf jeden Fall gegeben, denn es jubelte jedes Mal der ganze Platz, wenn irgendwer mal wieder irgendwas nach zig Versuchen eingetütet hatte. Man kann halt gar nicht anders, als zu klatschen und sich mitzufreuen, und ich als jemand, der wirklich viel alleine skatet, habe die Atmosphäre am Paral-lel irgendwie sehr genossen, auch wenn ich nie Teil des Ganzen dort sein werde, das ist halt eine Skateboardwelt, die so weit weg von meiner ist, daß ich mich dort als Zuschauer wohl wohler fühle, als als Teilnehmer… Abends haben wir uns dann noch einen Clip von Luan Oliviera reingezogen, wo er einen Bs Flip über das gut 4m lange Gap zwischen zwei der Blöcken macht, und man fragt sich mal wieder, wie sowas geht, und vor allem, wo er dafür den Schwung hergenommen hat, gerade weil man erstmal einen Ollie auf das erste Teil machen muß, um das Gap anzufahren.

Paral-lel

Wir sind dann ans andere Ende der Stadt zur Station Forum gefahren, ebenfalls ein Spotparadies seinesgleichen, uns zog es dort vor allem zu diesen Transition-Banks aus runden gelb/roten Pflastersteinen, die jede(r) schon mal in einem Skatevideo gesehen haben sollte. Ein geradezu gigantischer Spot, der viel viel größer ist, als man ihn aus Videos kennt, dort sieht man meistens immer nur die gleiche Ecke. Aber auch hier sieht man sofort Tricks vorm Auge, die dort schon gemacht wurden, und die man nicht glauben kann, allen voran Jack Fardell`s Carve über einen der Channels. Alles realtiv hart zu fahren auch wegen der großen Lücken und Fugen und ich war mit meinen großen Rollen klar im Vorteil und konnte eine kleine feine Line eintüten, aber jeder von uns nahm mindestens einen Trick mit nach Hause, und somit waren wir hinterher alle glücklich und erschöpft nach einer mehr als gediegenen Session an diesem einzigartigen Spot. Ab nach Hause, was essen, eine Runde kniffeln, Flower bei seinem zweiten Abgang photographieren und wieder spätestens um Zwei zu Bett.

Vega mit einem schicken Bs Flip. Ph: Brian
Flower`s zweiter Abgang…

Am Samstag fuhren wir mit der Bahn satt in den Norden der Stadt zu ebenfalls legendären Banks, die man aus Videos kennt, die aber auch in echt viel gigantischer und vielfältiger sind, als das, was man eben kennt. Und nachdem Brian für seinen Smith Stall Kickflip off an dem gelben Bank to Curb-Dingen hart und lange gekämpft hatte, verschlug es mich für einen Blindside Flip to Fakie an die, wie sollte es auch anders sein, ranzigste Stelle im ganze Areal (ich brauch` es scheinbar immer ein bißchen crusty und dreckig), was dann alle anderen auch noch zu ihren ganz persönlichen Lines dort inspirierte. Und wir konnten jeder wieder ein paar echt coole Sachen filmen, aber letztendlich zog sich das Ganze bis zur Blauen Stunde lang hin und so blieb es dann auch tatsächlich bei diesem einen, wenn auch sehr geilem und beeindruckendem, Spot für diesen Tag.

Flower und ein farblich fast voll abgestimmter Fs Blunt
The Ich – Blindside Flip To Fakie von rechts nach links. Ph: Brian
Lauritz und ein Fs Half Cab Flip als Teil einer Line mit Half Cab Flip weiter oben.
McTwist von Nele…

Zwischendurch kamen auch noch vier andere Dudes, die uns nicht ähnlicher hätten sein können, vorbei, und man kann wahrscheinlich nicht mal ansatzweise schätzen, wie viele solcher kleinen Crews in den letzten zwei Jahrzehnten auf Filmmission in Barcelona unterwegs waren. Naja, wir kamen gar nicht groß in Kontakt, die tauchten auf, nach kurzer Zeit hatte einer von ihnen Kickflip von oben über den Curb in die Bank gemacht und dann nach gut 20 Fs Heelflip-Versuchen abgebrochen, und zack, waren sie wieder verschwunden, nicht ohne einen gediegenen Weed-Flavour in der Luft zu hinterlassen. Barcelona-Skate-Life in Reinkultur, das waren auch definitiv keine Locals gewesen, sondern Skate-Toruristen wie wir. Das war unser Samstag, trotz nur eines Spots voll ausgefüllt irgendwie, Skater können ja nun mal mit sehr wenig sehr glücklich sein. Abends gab`s Pizza und während die anderen dann nochmal kniffelten, bastelte ich mir meine nächste kleine Discogs-Sammelbestellung zusammen, hatte ich doch gerade ein wenig Kohle (übrig?), die es möglichst effektiv in Platten zu investieren galt (im Gegensatz zu hier in Seignosse hatten wir in unser Unterkunft 1A-Internet).

Sonntag wollte Vega moshen, der nimmt das sehr ernst mit seinen Videoparts und bringt entsprechende Skills mit. So landeten wir an einem langen Fünferstufenset, nachdem wir festellen mußten, daß der Spot, wo er eigentlich eine Line mit Sechserstufen am Ende filmen wollte, inzwischen satt geskatestoppt worden war. Auch kein neues Phänomen in Barcelona mehr, nach jahrelangem Mißbrauch werden natürlich mehr und mehr Spots von der Stadt unskatebar gemacht, in manchen Fällen, wie man zugeben muß, sogar ausgesprochen stylisch (z.B. mit ein paar festgeschraubten Sesseln vor einer Bank). Da sind dann leider auch die ganzen Skatespot-Apps nicht immer auf dem neusten Stand, naja, ein paar Blocks weiter gibt es dann meistens einen vielleicht ähnlichen oder wenigstens anderen Spot.

Stylische Skatestopper…

Vega hatte also Bock auf Moshen, war allerdings nach vier Tagen Vollgas-Skateboarding und -Filming körperlich auch schon leicht angeschlagen, es half auch nicht, daß es sehr schwül war und wir an einem der wahrscheinlich dreckigsten Spots der Stadt gelandet waren, wo es nicht nur nach Pisse roch, sondern auch nach Kot, und die Spuren zu beidem waren auch überall mehr als deutlich zu sehen, nervige Fliegen inklusive. Aber der Varial Flip, den er letztendlich das Stufenset runterzauberte, war alle Mühe wert, auch wenn er danach definitiv nicht mehr mit uns Schritt halten konnte, also so lauftechnisch gesehen. Wir zogen dann weiter zum Sants, dem Hauptbahnhof, wahrscheinlich der älteste Vorzeigespot der Stadt, wobei von den ursprünglichen Bänken so gut wie nichts mehr vorhanden ist. Dafür haben sich die Locals dort inzwischen eigene Curbs und kleine Obstacles hinbetoniert, kaum zu glauben eigentlich so mitten in der Stadt, man könnte also sagen, dieser Spot ist seit gut 30 Jahren fest in Skaterhand und daran scheint sich absehbar auch nichts zu ändern.

Vega`s Varial Flip am dreckigsten Spot der Stadt

Recht so, uns war es da zu voll, so checkten wir mal nebenan diese geile Stahldrachen-Kinderrutschen-Skulptur aus und auch hier konnte wieder jeder irgendwie was mit nach Hause nehmen, Brian z.B. einen bilderbuchmäßigen Nollie Heelflip to Fakie und Flower dann ganz spontan noch einen Bs Flip von oben in die Bank rein. Das ist zum einen schon mal haarig, weil man dafür nur 2m sehr engen Anlauf hat, und dann muß man eben switch bzw. eher fakie diesen Drop runter und da wird man dann doch schon ganz schön schnell. Voll der krasse Stunt also mal wieder von einem meiner Homies und er hatte ihn dann auch schon dreimal gemacht, aber immer nicht schön, flüssig oder einfach stylisch genug. Als er dann den vierten ausfuhr, war inzwischen schon eine Crew aus Rußland, die vorher am Sants schon gerippt hatte, angerückt, und wartete dann quasi, bis wir fertig und sie dran waren. Ja, und von denen rührte dann auch keiner irgendeine Miene oder zeigte irgendeine Reaktion, als Flower dann auch noch ein fünftes Mal, und diesmal echt routiniert stylisch, das Manöver ausfuhr, das fand ich dann schon sehr komisch bis scheiße von denen. Ein derartig harter Trick vor den eigenen Augen wurde nicht ansatzweise abgefeiert, also das hätt`s am Paral-lel nicht gegeben. Der eine von denen versuchte sich dann auch an Nollie Hardflip, ein anderer an Wallride Nollie in, aber nur einer von ihnen – mit Vans Longsleeve und Nike SB Mütze (die Kombo bringen wahrscheinlich auch nur Russen, boah, Skater können so geil haten) – brachte einen sprockeligen 360° Shovie-it darein zustande. Doch keiner von ihnen ist da auch nur einmal switch bzw. fakie runtergefahren, da dachte ich nur, hättet ihr unserem Flowi nur ein paar Props gegeben, hätte ich euch definitiv sympathischer in Erinnerung behalten, so wie z.B. die beiden Mütter mit ihren vier kleinen Töchtern, die uns eine Zeit lang angefeuert haben.

Die Sants-Skulptur ist eigentlich ein Kinderspielplatz, wir also voll dabei…

Dann wurde es auch langsam schon wieder dunkel, wir also Richtung nach Hause, und in Florida (ihr erinnert euch, so hieß unsere Bahnstation) angekommen, hieß es dann noch, gleich um die Ecke gibt es ein nicht zu hohes Rail, wo man Tricks drüber in eine lange Bank machen könnte, nochmal eben auschecken. Vega konnte überraschenderweise auf einmal auch wieder ganz gut geradeaus laufen und so holten er und Brian trotz beschissener Anfahrt nochmal ihre letzten Reserven raus. Vega gelang relativ schnell der Ollie, für den Fs 180° reichte es dann aber doch nicht mehr ganz. Dafür überraschte Brian uns und sich selbst mit einem geilen Hippie-Jump, wozu ich mich noch mit einem halbwegs brauchbaren Photo von überraschen konnte, meine kleine Digi-Cam ist halt nicht so dolle, gerade bei solchen Lichtverhältnissen, zudem ist die Hälfte vom Display zerschossen und ich muß immer so`n bißchen abschätzen beim Schießen, was ich aber scheinbar inzwischen ganz gut drauf hab`. Für einen beschissenen Online-Blog dieser Art reicht`s allemal, für alles andere gibt`s dann Mitte nächsten Jahres ein Video aus Richtung Flensburg…

Brian und der letzte Hippie Jump des Tages…

Ja, und das muß ich dann zum Schluß wohl nochmal kurz ausführen, dieses Filmen und so, was bei Streetskatern ja definitiv wesentlich ausgeprägter ist als bei Skatern, die sich eher in Skateparks oder Rampen tummeln. Aber die sehen ja im Endeffekt auch alle gleich aus und sind seit jeher nicht so, wie sagt man inzwischen sogar, videogen. Also die Obstacles jetzt, nicht die Skater. Architektur spielt halt beim Streetskaten die wesentliche Rolle und da ist Barcelona nun mal eine wegweisende und beeindruckende Stadt, die für unsereins, neben optimalem Klima und einem angeblich (ich hab` ja nicht viel bis gar nichts davon mitbekommen) herausragendem Nachtleben, mehr als einiges zu bieten hat, sprich, es zieht nicht umsonst Skater aus aller Welt in Scharen hierher. Und die meisten, wenn nicht fast alle, kommen vor allem zum Footage Filmen nach Barcelona, und das ist auch gar nichts Schlimmes, wenn auch in der Form nicht unbedingt mein Ding.

Aber es war trotzdem sehr schön, in so ausgeprägter Form mal wieder Teil des Ganzen zu sein, selber an seine Grenzen zu gehen, um eben etwas zu filmen, aber vor allem auch Zeuge davon zu werden und mitzufiebern, wie gute Freunde eben ihr Glück versuchen und in den meisten Fällen (also in unseren gemeinsamen drei Tagen mit einer gut 80%-igen Trefferquote) auch bekommen. Des Skaters Glück ist in modernen Zeiten eben oftmals einfach ein guter, entsprechend gut gefilmter Trick. Das ist einfach so und unterscheidet unsere von anderen oft so genannten Sportart eben ganz deutlich. Zwei, drei Stunden (manchmal deutlich weniger, aber oft auch reichlich mehr) Schweiß, Schmerz, Blut, Adrenalin, Frustration, aber vor allem auch Konzentration auf höchsten Niveau für drei Sekunden Videoaufnahme, das ist gerade heutzutage einer der wesentlichsten Aspekte unserer Kultur, also unserer als Skater. Klingt komplett bekloppt, wenn man es selbst noch nicht er- bzw. gelebt hat, und ich hab` mich mehr als einmal gefragt, was Nele wohl so über uns denkt, wenn wir da unser Ding durchziehen und sie einfach nur dabei sitzt und dem Ganzen zuguckt, im Idealfall mit einem Buch und/oder einen Whiskey-Cola in der Hand. Gut, sie kennt das ja schon seit Jahren von ihrem Flower, aber trotzdem muß das für jemand Außenstehenden alles ganz schön skurril sein irgendwie, zuweilen wahrscheinlich auch echt albern. So sitzt man ja auch selber viel rum an so einem Tag, aber es fühlt sich halt einfach alles wie Skaten an, auch wenn man selbst dabei gar nicht skatet, abgefahrene Scheiße ist das immer wieder…

Und was kümmert das uns Skater, wenn es für Außenstehende albern aussehen mag, ein Großteil der Welt himmelt uns an für unsere Coolness, die nämlich eben nicht künstlich ist, sondern einfach nur echt. Und glaubt mir, auch nach 30 Jahren spüre ich noch genau das gleiche Adrenalin, wenn einer von meinen Freunden für einen Trick battelt, wie wir ja nun mal dazu sagen, also wirklich kämpft, weil er genau weiß, daß er ihn machen kann, und es nach unzähligen Versuchen außer Frage steht, das Handtuch zu werfen, weil das eh schon durchgeschwitzt ist. Und man sitzt dann da z.B. mit einer Kamera, um das Ganze zu filmen, oder einfach nur als Homie, der sich vielleicht vorher schon an einem anderen Spot verausgabt hat, und fiebert mit und freut sich dann ungleich genauso wie der eigentliche Akteur, wenn das Manöver dann letztendlich doch noch erfolgreich ausgefahren wird. Naja, nie ganz genauso, denn das Gefühl, eines endlich gestandenen Tricks kann einem bekanntlich keiner nehmen und es ist wohl ein großer, wenn nicht der, Aspekt von dem, warum Skateboarding im Idealfall süchtig machen kann.

Und genau deswegen ist es auch nie gespielt oder gekünstelt, wenn Skater sich nach einem Trick gegenseitig abklatschen, abfeiern und in die Arme fallen, wenn man eben Zeuge davon geworden ist, wie sich ein guter Kollege immer und immer wieder der Gefahr von echten Schmerzen und einer ernsthaften Verletzung (bei manchen Spots heutzutage ja gerne mal auch mit Todespotenzial) ausgesetzt hat, um dann eben doch seinem Selbstvertrauen und seiner Körperbeherrschung gerecht zu werden. Da baut sich bei so einer Session eine Energie auf, die dann eben freudig explodiert, wenn der Spot besiegt wurde und im Idealfall der Filmer angibt ‚Alles im Kasten‘. Und ich kenne dieses Gefühl zum Glück selbst sehr gut und möchte es nicht missen, aktiv wie passiv, im Gegenteil, ich reise dafür letztendlich um die Welt, Skateboarding ist nun mal mein Leben. Und ich bin froh darüber und dankbar dafür, daß es so gekommen ist, das kann ich immer wieder nur betonen und hab` ich zu BOARDSTEIN ZEITEN ja auch schon immer gemacht, im Endeffekt ganz simpel mit dem Rausbringen des Magazins.

Genauso wie mit diesem Blog, das ist eine meiner Arten, Skateboarding etwas zurückzugeben, es einfach abzufeiern und mit anderen zu teilen, weil es so ein tolles Phänomen in unserer immer kaputter werdenden Gesellschaft ist. Und klar ist mir bewußt, daß unsere kleine, aber immer größer werdende Skateboardgesellschaft auch entsprechend immer kaputter wird. Aber solange es noch Kollegen wie z.B. Flower, Vega, Brian und Lauritz gibt, und davon gibt es auf dieser Welt zum Glück noch ganz ganz viele, und ich kenne nur die wenigsten davon, solange mache ich mir um Skateboarding keine Sorgen, weil ich weiß, daß es von Grund auf in guten Händen ist. Denn Skateboarding ist, wie wir es uns machen, und nur das, ganz einfach, und das gilt auch für alle anderen Dinge im Leben.

Boah, ganz schön gut abgeblubbert hier jetzt über diese lausigen viereinhalb Tage Barca Trip. Hatte ich erzählt, daß wir heute, ups, gestern Abend dann nochmal zum Sightseeing zum Macba gefahren, dort Zeuge des allabendlichen Police Busts geworden und dann auf einen bzw. zwei, drei Absacker in der legendären Manolo Bar gelandet sind? Brian und Flower mußten am Macba sogar ein 15.- Euro-Ticket für Trinken in der Öffentlichkeit zahlen, lächerlich das, aber ich würde sagen, ein würdiger, und an unserem Gesamtbierkonsum gemessen, billiger Abschluß für das Ganze. Wir sind dann mit Taxi nach Hause und während die anderen alle erschöpft auf die Matrazen gefallen sind, habe ich durchgemacht und fünf Stunden lang u.a. diesen Blog-Eintrag geschrieben, bis es gegen Neun für die anderen ans nervige Aufstehen ging, Flower und Nele sollte noch mittags wieder nach Hause fliegen, die anderen Drei Dienstag früh. Ich kontaktete Wee-Man und wir verabredeten uns am Spotter D.I.Y., gut eine Dreiviertelstunde mit der Bahn aus der Stadt raus in Barbera del Vallès. Und das ist mal ein richtig geiler D.I.Y. Spot, die Jungs haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Das Ganze ist von der Größe und der Art der Obstacles dem 2er in Hannover sehr ähnlich, außer daß der Boden viel viel geiler ist, weil er aus so glatten Fliesen besteht. Super Spot, an dem ich gerne noch ein bißchen richtig gefahren wäre, aber ich hatte wie gesagt durchgemacht und vier Tage Vollgas in allen Bereichen hinter mir, so guckte ich vom einzigen Schattenplatz aus ein bißchen Wee-Man zu, dem das ganze Teil zusammen mit Nanaqui und Richie, einem anderen Vulcano Kollegen, quasi zu verdanken ist und der da dementsprechend seine Lines im Schlaf kann.

Spotter D.I.Y. in Barbera des Vallès
Wee-Man und ein voll routinierter Bs Tailslide über das Loveseatchen.
Zurück durch die Pyrenäen nach Südfrankreich…

Gegen Zwei holten wir dann Nanaqui bei seiner Freundin ab und schlugen uns Richtung Norden, sieben Stunden Fahrt lagen vor uns und das wurden dann sogar leider noch ein paar mehr, weil die beiden noch irgend so einen Thermalsee in den Pyräenäen auschecken wollten. Aber als wir gefühlte zwei Stunden über kleinste Landstraßen und dann auch noch auf irgendwelchen Schotterpisten durch die Pampa gefahren waren, ohne auch nur ein Auto zu sehen (lediglich ein paar Jakobswegwanderer), brachen wir die Suche ab und schlugen uns zurück durch zur Autobahn. In Seignosse angekommen war ich dann auch wirklich durch und bin sofort ins Bett, am nächsten Tag, also heute morgen, stand ja wieder Baustelle an, und so wie`s aussieht, fangen wir Donnerstag mit Betonieren an.

Tja, also Fazit von meiner ersten Barcelona-Erfahrung!? Im Endeffekt war es halbwegs so, wie ich es erwartet und mir vorgestellt hatte, und ich hatte eine absolut super Zeit. Allerdings muß ich doch sagen, war ich letztendlich ein kleines bißchen enttäuscht von diesem Skate-Mekka. Denn ich hatte mir vorgestellt, daß man dort easy durch die ganze Stadt von Spot zu Spot cruisen könnte, aber dem ist nicht so, denn dir wirklich guten und interessanten Spots liegen dann doch sehr weit verstreut, und es ist nicht so, daß sie an jeder Ecke auf einen warten. Außerdem sind die Straßen teilweise sehr rauh und die Bürgersteige und alles andere oftmals aus diesen kleinen Fliesen, die man aus spanischen Städten kennt. Was also entspanntes Durch-die-Stadt-Skaten angeht, muß ich sagen, haben mich zum Beispiel Shanghai oder Paris wesentlich mehr beeindruckt, da gibt es auf jeden Fall mindestens genauso viele und gute Spots. Und so einzigartig und schön viele der Barcelona Spots auch sind, sind die meisten doch fern von perfekt und teilweise sogar ganz schön ruppig, zumindest gilt das für die Sachen, die wir geskatet sind. Zudem geht mir in Barcelona diese krasse Polizeipräsenz auf den Sack, und apropos Sack, irgendwie stinkt es in der ganzen Stadt nach Pisse, ist auch kein Wunder, ich hab` nicht einmal irgendwo eine öffentliche Toilette gesehen und dementsprechend auch viel durch die Gegend gepißt. Sagen wir mal so, wenn es mich nicht nochmal zufällig dahin ziehen sollte, kann es gut sein, daß das mein erster und letzter Besuch in Barcelona war, dafür gibt es auf jeden Fall noch genügend andere Städte auch in Europa, wo ich gerne nochmal oder nochmal wieder hin möchte.

Ach so, ja, und was war mit dir los, Mark Frölich!? Beim Email-Wechsel im Vorfeld hatte er einen euphorischen Eindruck gemacht und freute sich, daß ich endlich mal vorbeikommen würde, aber vor Ort habe ich ihn weder telefonisch noch per Email erreicht, so daß ich mir tatsächlich ein bißchen Sorgen gemacht hab`, denn eigentlich habe ich Mark als sehr zuverlässigen Kollegen kennengelernt. Hat sich inzwischen alles geklärt, somit einfach nur schade, ich hätte schwer Bock auf ein Wiedersehen und `ne gemeinsame Session gehabt, dann vielleicht mal wieder woanders irgendwo!? Wie zufällig und beständig sich Skater immer wieder über den Weg laufen, haben die letzten drei Wochen ja auf jeden Fall mal wieder gezeigt…

In diesem Sinne bis bald und danke fürs Lesen, am besten macht ihr jetzt direkt auch so einen Kurztrip mit guten Freunden, wohin ist scheißegal…
Aloha und ahoi soweit,
Arne

WAHRE WORTE VON OLIVER KAHN

Also als ich diesen Blog gestartet habe, war mir schon klar, daß ich auch zwischendurch irgendwie ein paar Einträge in der hohlen Hand haben muß, wenn ich mal ganz gar keine Zeit oder Muße für diesen Schabernack habe. Zum Glück pflege ich seit BOARDSTEIN ZEITEN immer noch die Tugend, Textpassagen oder Zitate aus Zeitschriften, Büchern, was auch immer, jedenfalls irgendwas, das mich schriftlich bewegt hat, aufzuschreiben bzw. abzutippen. Das sind die berühmten ‚Wahren Worte‘ aus unserer noch berühmteren ‚Gerücheküche‘, die es 47 Ausgaben lang in jeder BOARDSTEIN AUSGABE gab. Also dachte ich, poste ich mal was zwischendurch, während ich mich hier mit den Boys durch Barca skate, und gucke in mein Archiv von ‚Wahren Worten‘ für ein kleines intellektuelles Intermezzo. Und ich mußte nicht lange suchen, denn direkt das erste Zitat in meiner Word-Datei – von keinem Geringeren als Oliver Kahn, den ich früher immer gehaßt habe – paßt perfekt. Zu mir und zu meinem Leben und meiner jetztigen Situation als Blogger, der versucht eure Aufmerksamtkeit zu erregen und zu stimulieren. Vielleicht bin ich auch einfach schon als Blog geboren und wußte bisher nichts davon. Zitat also aus: Oliver Kahn – ‚Ich. Erfolg kommt von innen.‘ Riva Verlag 2008

„Das Perfekte wirkt kalt, und in der Regel läßt es die Menschen auch kalt. Manchmal sogar wirkt es abstoßend. Die Leidenschaft aber zieht an. Natürlich war es immer mein Ehrgeiz, so gut wie irgend möglich zu sein, das steht außer Frage. Aber der Wunsch, perfekt zu sein, kommt aus der Liebe oder der Leidenschaft für die Sache, und auf diese Weise ist es sogar möglich, daß etwas Perfektes entsteht. Umgekehrt aber wird es schwer, daß etwas Perfektes entsteht, wenn die Leidenschaft für die Sache fehlt…

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß Talent allein nicht dazu ausreicht, sich konstant an der Spitze zu halten und hohen Anforderungen gerecht zu werden. Im Gegenteil, ich fürchte, es steht dabei sogar eher im Weg. Ich bin fast versucht zu sagen, das Beste an talentierten Leuten ist, daß sie alle anderen, die ‚Untalentierten‘ oder zumindest ‚Untertalentierten‘, dazu anspornen, härter an sich zu arbeiten. Es kann wirklich frustrierend sein, das kennen Sie vielleicht auch, wenn man es mit einem ‚Talent‘ zu tun bekommt. Das Talent kann immer alles besser, ist immer schon da, bevor man selbst ankommt, alles fliegt ihm (scheinbar) mühelos zu, Herzen gelegentlich inklusive. Aber was sagt das schon? Erstens kann man sich ja schlecht in Luft auflösen. Man ist, wer man ist und wie man ist, man kann, was man kann. Zweitens kann man ja immer besser werden. Drittens geht es sowieso darum, das, was man tut, auf die Weise zu tun, wie man es für richtig hält; es geht also mehr darum, über ‚Persönlichkeit‘ als über ‚Genialität‘ zu verfügen. Und viertens sind die Kriterien, die für eine bestimmte Aufgabe qualifizieren, ohnehin tausendmal vielfältiger, als jedes Talent sie ‚Bereitstellen‘ könnte – um im Fußball zu bleiben: Mal ist es der Stabilere, mal der Verläßlichere, mal sogar der Einfachere, der Konstantere oder der ‚Brachialere‘, der seinen Weg auf die Aufstellungsliste findet. Und manchmal ist es nur der Zufall, der über alles Talent hinweg regiert: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort…“

Ich muß sagen, dank meiner Freundin Lucie (Küßchen an dieser Stelle, und zwar auf den Mund bitte) ist mir Oliver Kahn nach der Lektüre dieses Buches um einiges sympathischer geworden (hab` ich das nicht letztens erst über Titus geschrieben? Tja, was Bücher so alles bewirken können, denk(t) mal drüber nach!). Und ich bin der letzte, der mich selbst als Skateboard-Titan beschreiben würde, aber irgendwie passen seine Worte doch auch zu mir. Nie Talent gehabt, aber immer noch dabei, und zwar nicht irgendwo, sondern mittendrinner als die meisten, die schon längst auf der Strecke blieben. Geil fand ich auch an dem Buch, daß Oliver ständig selbst zitiert, somit zum Schluß noch ein schönes Zitat von einem gewissen Paul Smith, der wahrscheinlich Abermillionen von Namensvettern hat (es gab da auch mal einen ziemlich guten Skater aus Las Vegas, der so hieß, ist für G&S (später Maple) und A1-Meats gefahren, fragt mal Chad Muska!).

Paul Smith: „Was Glück ist?… Ein freier Geist und großes Vertrauen in sich selbst…“

Jawoll,
Arne

OVER 50 SESSION IN LA KANTERA

Bonjour mes amis! Oder olá amigos, aber hallo und pronto!

Also wie angekündigt sind wir übers Wochenende nach Bilbao gefahren, genauer gesagt zum legendären La Kantera Skatepark am Arrigunaga Strand, wo wir auch mehr oder weniger das ganze Wochenende verbracht haben. Die beiden luschigen Spanier waren Freitag nach der Arbeit kaputt und wollten lieber Samstagfrüh fahren, naja, mitgehangen mitgefangen. Somit waren wir dann paradoxerweise Freitagsabends noch in einer sehr netten Strandbar hier um die Ecke, was natürlich für die physischen Fähigkeiten am Samstag nicht so von Vorteil war, aber egal. Wir sind hier dann morgens so um halb Elf los und als wir gegen Mittag in Algorta am Park ankamen, war dieser menschenleer, aber auch kein Wunder, es waren knapp 35° Grad, das kann dann zum Skaten schon ein bißchen zu heiß sein. Während die anderen sich dann am Surfen versucht haben, bin ich am Strand direkt zurück ans Glas, hab` mir erstmal eingeschenkt und resümiert…

Ich war vorher erst einmal in La Kantera, und das muß so 2005 gewesen sein, und da konnte ich mir schon von der Besonderheit dieses Skateparks ein klares Bild machen, was nicht nur an der majestätischen Lage liegt da in dieser Bucht oben auf den Klippen mit den Ruinenmauern und so. Der Spot hat eben auch eine lange Geschichte und schon immer eine vorbildliche Szene gehabt, die ein paar große Namen hervorgebracht hat, nicht umsonst gibt es ja auch ein sehr schönes und ausführliches Buch über das ganze Phänomen. Wir waren damals auf einer relativ spontanen Viertagestour, ich glaub`, das war sogar das erste Mal für mich, daß ich in den Gebrauch eines sogenannten Billigfliegers kam, von Düsseldorf nach Bilbao eben. Klaas hatte das alles mehr oder weniger angeleiert, und ich bin letztendlich nur mit eingestiegen sozusagen. Anonsten waren noch dabei der gute alte Wolfgangsta, Fabrice ‚El Gato‘ Correa, Dirk‘ Rock`nRoll Architekt‘ Lücke, Axel Torschmied sowie Blackriver Martin und sein Stuntman-Kumpel Christian Prager, seines Zeichen Coverheld von BOARDSTEIN AUSGABE 35, die Skatepark Sonderausgabe. Eine lustige Truppe und wir hatten zwei Mietwagen und so einige Skateparks im Visier, das waren schöne dreieinhalb Tage, aber ich geh` hier mal nicht zu sehr ins Detail, der Trip war uns schließlich seinerzeit nicht mal einen Artikel in der BOARDSTEIN wert, es war mehr so ein kurzes Privatvergnügen.

Was ich aber erzählen möchte ist, daß Klaas damals natürlich als erstes im Park zufällig einen älteren Skater traf, den er ein Jahr vorher im alten Park von Romford, London, kennengelernt hatte. Der war auch mit ein paar Kollegen für ein paar Tage in die Sonne zum Skaten geflogen, geiler Zufall schon mal (wir haben ihn dann wiederum ein Jahr später auf unseren ‚This is not a Blitzkrieg‘ Tour auf unserem Pflichtstop in Romford wiedergetroffen, hatte er nicht sogar ein kleines Photo in seinem Homebowl in unserem Artikel dazu? Bin wie gesagt weit weg von Zuhause und kann sowas grad nicht recherchieren, aber ich muß mir einen übertriebenen journalistischen Anspruch mit Wahrheit, zu viel Fakten und so für diese Blogscheiße wohl sowieso mal abgewöhnen). Egal, Klaas also diesen Dude wiedergetroffen, und später am Abend spricht mich einer von den Locals auf Deutsch an, ob wir die Typen vom BOARDSTEIN sind, war ich natürlich erstmal baff. Juan, so heißt er, hatte mal ein Photo in einer Abo-Anzeige für uns, der BOARDSTEIN FRIEND-CLUB, ihr erinnert euch!? Da gibt es in einer Ausgabe (jetzt nicht fragen in welcher verdammt! Zu Hause am Schreibtisch würd‘ ich mir jetzt tatsächlich die Mühe machen und das raussuchen) ein Photo, wie er mit irgendwie einer SM-Maske und einer Knute(!?) bei Sonnenuntergang auf der alten Mauer in La Kantera sitzt. Das hatte uns damals Javi Angulo zukommen lassen, auch ein Ureinwohner von dort, der seinerzeit aber in Konstanz wohnte. Der hat uns immer so wahnsinnige Bilder geschickt, ihr erinnert euch vielleicht an das Poster mit der nackten Schönheit im Wald mit einer BOARDSTEIN Ausgabe im Arm, weswegen diverse Leute damals ihr Abo gekündigt hatten, weil ihnen das zu sexistisch war und sie ganz enttäuscht von uns waren, gähn…

Egal, zurück nach La Kantera, wo ich mich lange mit Juan unterhalten hatte, der wie gesagt, weil er länger in Deutschland gelebt hat, wirklich gutes Deutsch spricht. Also noch so ein geiler Zufall, aber es geht noch weiter. Vor ziemlich genau vier Jahren, war ich mit Concrete Flow in Livarot in der Normandie am Bauen, wir sollten da den kleinen Skatepark ein bißchen erweitern und haben einen neuen Atlantik Wall hingezaubert. Jedenfalls hieß es, daß zum ersten Mal auch zwei Spanier zum Arbeiten dabei sein würden, Charlie aus Valencia sowie ein temperamentvoller Juan aus Bilbao, da wußte ich, das kann nur genau dieser Juan sein, und so war es dann natürlich auch… Also ich erkläre das Außenstehenden ja immer so, die Skateboardwelt ist schon so eine kleine Blase für sich in unserer Gesellschaft, halt eine weltweite Gemeinschaft, wo solche Zufälle eben ständig vorkommen, weil Skater einfach viel unterwegs sind und sich oftmals einfach kennen oder wenigstens schon mal getroffen haben, nur um sich an den teilweise merkwürdigsten Spots wiederzutreffen, La Kantera ist diesbezüglich allerdings nicht merkwürdig, sondern prädestiniert. Jetzt stellt euch aber innerhalb dieser Skateboardblase nochmal eine kleine Extrablase vor, wo sich nämlich wie ein Schwarm von aussätzigen Mutanten die ganzen Skateparkbauer tummeln, die in der Regel nochmal ein Stück wahnsinniger sind als durchschnittliche Skateboarder. Was es in dieser kleinen Szene immer wieder für Verbindungen, Verstrickungen und Zufälle gibt, könnte ihr euch nicht vorstellen, aber ich versuch`s euch ja gerade zu erzählen…

Die Over 50 Session letzten Samstag sollte jedenfalls gegen 16.00 Uhr losgehen, ich war gerade auf dem Weg berghoch zu unserem Van, als mir auf der Straße ein Münsteraner Auto auffällt, und wer sitzt prompt am Steuer? Anders ‚Poolpanic‘ Tellen mit seiner Freundin (Adriana, glaub ich, oder!?). Ja, man begrüßte sich freudig, ich hatte ja mit so`n paar Deutschen Recken gerechnet, aber nicht unbedingt mit Anders, schönes Ding, dann würde es auf jeden Fall noch etwas mehr zu sehen geben als nur Frontside Grinds. Aber natürlich gibt`s auch dazu noch wieder `ne Extrageschichte: So hatte ich mir nämlich tatsächlich vor nicht mal einem Monat eins der letzten Anders Pulpanek Re-Issue Boards von Titus Skates bei Titus bestellt, nachdem es mir über spärliche Connections leider nicht gelungen war, eins umsonst zu organisieren. Aber ich wollte das unbedingt haben, ich fand die Graphik 1989 schon geil, als ich gerade angefangen hatte zu skaten, und jetzt hatten sie das Board schön in Silber neu aufeglegt.

Anders – Feeble To Fakie. Ph: Jonathan Hay

Und Anders kenn` ich nun inzwischen aus Dortmunder BOARDSTEIN Zeiten auch schon ein Weilchen und kann ich sehr gut leiden, somit freue ich mich, daß das Board jetzt bei mir zu Hause an der Wand hängt, wie gesagt, gerade mal seit einem Monat oder so. Das hab` ich ihm später natürlich direkt erzählt und wir gerieten dann ziemlich schnell ins übliche Industriegeschwafel, was mit Anders immer sehr gut geht, weil der halt einfach auch schon alles erlebt hat und jeden kennt. So viel dazu, und rippen tut er auch immer noch mit satten 50 Jahren. So fit, wie der ist, macht der auch noch mit 60 seine Madonnas mit gleichem Style (besten Dank an Jonathan für die Skatephotos, Confusion lebe hoch!).

Dietsches, J-Hay und Wolfgangsta

Kurz nach Anders rannte ich dann in Gerd Rieger rein, auch ein alter Bekannter und Mitstreiter in Sachen BOARDSTEIN und dann wieder unten am Park hatte sich das Ganze auch schon ein bißchen gefüllt, ein Grüppchen von 40, 50 Leuten und natürlich auffallend viele graue Bärte und keine Frauen weit und breit. Dietsches war auch da, wie immer ganz ohne Haare, Jonathan vom Confusion, von dem ich erst ein paar Tage vorher erfahren hatte, daß die Session an diesem Wochenende steigen sollte. Wolfgangsta war natürlich am Start, sogar Kongo aus Berlin war gekommen, sowie wahrscheinlich ein paar der ältesten noch aktiven Skater aus Europa. Es waren sogar ein paar Amis eingeflogen, und es ist irgendwie schon geil, so Typen wie Brad Bowman oder Doug ‚Pineapple‘ Saladino nochmal live zu sehen, die nun mal schon in den `70er Jahren Skateboards mit ihrem Namen drauf hatten. Anders erzählte auch, es gäbe von ihm ein Photo von 1980 mit einem Brad Bowman Board, einfach spannend und erfreulich, 40 Jahre später Teil von dem Ganzen zu sein.

Starsky schwerst am Rippen! War jut jewesen, wa!? Jaaaa… Ph: Jonathan Hay
Clive aus Portugal mit einem extrem stylischem Layback Grind. Ph: Jonathan Hay
Kris Markovich was here!?

Äh, ja, und apropos, darum ging es wohl auch in erster Linie, es war jetzt nicht gerade die härteste Session seit Marseille Bowlriders 2000, dabei sein reichte wohl den meisten, aus der Boom-Box liefen alte Klassiker wie Suicidal Tendencies, Agent Orange oder The Clash, und alle waren glücklich. Es war aber auch immer noch gut heiß, am Freitagabend war natürlich ein bißchen gesoffen worden, und man darf nicht vergessen, daß der Bowl einfach echt hart zu fahren ist, ein krasses Loch halt. Überlocal Txus Dominguez, der zu der Session geladen hatte, fährt das Ding natürlich stylisch wie kein anderer, und sein Sohn zerlegt das Ganze dann in zweiter Generation richtig. Ja, es war ein sehr schöner Nachmittag mit viel Palaver, abends zerstreute sich dann leider alles ein bißchen, es war auch keine Afterparty oder dergleichen geplant, ich hätte ja wenigstens noch mit einem U.S. Bombs Konzert oder so gerechnet, kicher… Wir hingen natürlich eher mit ein paar von den jüngeren Locals ab und rauchten nicht nur einen Joint, das ist auch so typisch für La Kantera, da wird gut was gequalmt in der Nachbarschaft. Juan kam dann auch noch, und ich freute mich, daß ich ein I-Punkt Buch mitgenommen hatte, was ich ihm dann geben konnte, weil er mir vor drei Jahren ein La Kantera Buch organisiert hatte. Zwei, drei von den Locals (ich hab` leider nicht wirklich Namen behalten) waren auch immr noch heiß, obwohl sie zum Teil schon stundenlang geskatet waren, aber in La Kantera wird auch nicht nur abgehangen, da wird eben auch geshreddet, und zwar vom Feinsten. So wurde ich dann noch Zeuge eines beachtlichen Downhills von einem von ihnen, den auch die GX1000 Jungs nicht besser hingekriegt hätten, und einiger anderen betrunkener nächtlicher Streetskatespielereien, an Downhills kommt man in Bilbao jedenfalls nicht vorbei. Ausgerechnet der kleine Wee-Man brach dann noch bei einem völlig sinnlosen Boneless sein Board durch und gegen Drei lagen er, Nanaqui und ich dann im Van, und weil Wee-Man ja so klein ist und sich quer legen kann, konnten wir dann auch alle drei schön bequem unseren Rausch ausschlafen.

Hier hab` ich versucht Baquetas` (das heißt ‚Drumsticks‘ auf Spanisch, das kann er nämlich auch) Downill zu knipsen. Hat nicht ganz geklappt, er war einfach zu schnell, trotzdem irgendwie ein saugeiles Photo…
Eine Millisekunde später war Wee-Man`s Board entzwei…

Wir wurden dann auch erst gegen halb Zwölf wach und standen langsam auf, lästige erste Mission wie immer, Spot zum unauffällig Pissen suchen, dann ein bißchen Katerfrühstück in einer der Tapas Bars gleich neben dem Park. Der Skater geht natürlich ins Layback, nicht nur wegen des geilen Namens, sondern weil das von einem der Locals betrieben wird und echt gutes Esen zu bieten hat, vom selbstgemachten Eis mal ganz schweigen. Damn, und dann war es tatsächlich schon wieder zu heiß für irgendwas außer im Schatten oder am Strand sitzen, Baden ging auch wegen Ebbe gerade nicht. Gegen Nachmittag füllte sich der Park dann wieder ein bißchen und wir bewegten noch ein bißchen unserer alten Knochen, bevor auf einmal `ne Autoladung Kölner vor mir stand, Tobi, Stefan, Markus, Jenne, die hatten am Wochenende davor alle zusammen hier im Baskenland den Vierzigsten vom anderen Jenne gefeiert (der, der mit auf der BOARDSTEIN POLTIKUM TOUR war), wo ich nicht hinkommen konnte. Aber ich hatte keine Ahnung, daß die alle noch im Land waren, eine weitere freudige Überraschung also! Sogar Steff, der auf fast allen BOARDSTEIN TOUREN mit dabei war, und den ich gut fünf Jahre nicht gesehen hatte, sollte noch kommen, so wurde dann später noch mehr palavert und noch weniger geskatet und irgenwann mußten wir dann auch mal los. Schließlich sollten wir am Montagmorgen wieder auf der Baustelle sein und hatten noch knapp drei Stunden Fahrt vor uns und ein räudiges Wochenende im Gebein.

Würden Sie diesem Mann ein Gebrauchtskateboard abkaufen?… Frag` Peter!

Tja, so in etwa ist also mein letztes Wochenende abgelaufen, La Kantera hat seinem Namen und Ruf mal wieder alle Ehre gemacht, es ist wirklich ein einmaliger Treffpunkt mit einer ganz besonderen Energie, gerade für die älteren Hasen, die sich ihren Urlaub inzwischen genauso gerne auf dem Surfbrett wie auf dem Skateboard vertreiben. Aber wenn man bedenkt, daß es einer der ältesten Skateparks Spaniens ist, der dann im Laufe der Jahrzehnte D.I.Y.-mäßig bis aufs Letzte von den Locals aufgepeppt wurde, ist ganz klar, daß man als betonliebhabender Skateboarder diesen Spot mindestens einmal im Leben besucht und geskatet haben sollte. Die Locals heißen jeden mit baskischer Gastfreundlichkeit willkommen und die Lage des ganzen Areals ist wie gesagt einfach einmalig. Ich fahr` dann jetzt Donnerstag erstmal für vier Tage nach Barcelona, so gibt es sicherlich auch nächste Woche wieder auf diesem Kanal ein bißchen Klimmbimm aus meinem Leben zu erzählen. Was treibt ihr eigentlich so, wenn ihr zu viel Zeit habt, um euch so einen nichtigen Scheiß hier durchzulesen???

Nur das Beste an alle und bisss spätersss,
Arne

P.S.: Hier unten seht ihr übrigens Wee-Man, der hat`s vorgestern bei Surfversuchen in Hossegor tatsächlich geschafft, sein nagelneues Board zu brechen, das er erst letzte Woche für 200,- Euro gekauft hat. Das soll ihm mal einer nachmachen, Samstagnacht ein Skateboard und Montagnachmittag ein Surfboard gekillt. Ich sag` ja, ich bin hier in bester Gesellschaft, einmal mit Profis…

ALOHA UND AHOI IN SEIGNOSSE

So, wie letztes Mal schon kurz angedeutet, heute dann mal kurz was zu meiner aktuellen Situation: Ich bin also jetzt seit über einer Woche in Seignosse in Südfrankreich, alles sehr schön hier, die Landschaft erinnert mich immer wieder irgendwie an die Ostküste Australiens mit den ganzen Pinienbäumen, Dünen und vor allem natürlich den ganzen Surftouristen. Seignosse, Hossegor und Co. gehören diesbezügluch halt mit zu den besten Spots Europas und somit laufen hier irgendwie nur schöne Menschen rum, also so natürlich schön halt, SurferInnen eben… Ich bin hier für Vulcano Skateparks (www.vulcanoskateparks.com) aus Spanien am Schaffen, zusammen mit Mike, meinem Chef und vor allem Freund von Concrete Flow aus Belgien. Die anderen hier vor Ort, zur Hälfte Franzosen, zur anderen Hälfte Spanier, habe ich auch alle erst letzte Woche kennengelernt, bis auf Wee-Man, mit dem ich vor ein paar Wochen schon mal eine Woche in Beringen, Nordbelgien, geschuftet hatte. Der heißt so, weil er ein leichtes Liliputaner-Syndrom hat, er ist also nicht richtig klein, hat aber in etwa die Statur von eben Wee-Man. Alles feine Kerle und echte Skater, und wir bauen einen richtig schicken Skatepark, so eine Art Snakerun-Bowl, auf jeden Fall alles sehr organisch und es gibt auch nur eine Pyra-Hip, sonst ist alles irgendwie rund und wird sich, nicht nur wegen des gelben Betons, den wir für drei Viertel der Flächen verwenden werden, optisch hervorragend an die Dünen direkt nebenan, wo wir immer hin pissen, anpassen. Das Ganze ist direkt am Haupteingang zum Strand, also endlich mal eine Baustelle nicht wie so oft irgendwo versteckt hinter Sportplatz und/oder -halle, sondern wirklich mitten drin im Leben, so wie es sich für Skateparks eigentlich gehören sollte.

Letzte Woche war hier auch noch richtig Betrieb, aber langsam wird das Wetter herbstlicher und dementsprechend bereitet sich hier alles irgendwie auf die Winterpause vor, der lokale Supermarkt hat zum Beispiel auch nur noch zwei Wochen geöffnet. So gesehen ist es hier ausgesprochen chillig und ruhig, gut möglich, daß das in ein paar Wochen auch anfängt zu nerven, aber das sehen wir dann, bis Ende Oktober werde ich wohl auf jeden Fall erstmal hier sein. Und das ist auch gut so, ist es doch deutlich wärmer als zu Hause, und wenn die Wellen grad mal nicht zu verrückt spielen, kann man immer noch wunderbar baden gehen, der Strand ist wirklich einmalig weiß, sauber und schön. So gesehen ausnahmsweise mal alles richtig gut getroffen, dumm nur, daß wie letztes Mal schon erwähnt unser Ferienhaus kein Internet hat, aber geht ja alles irgendwie trotzdem, sonst würdet ihr das ja jetzt hier nicht lesen können, nä!?

Skateparks gibt es hier in der Gegend auch reichlich, und da sind schon ein paar leckere dabei. Sonntag hat Mikey mit mir so `ne kleine Fahrt ins Blaue gemacht, und Biarritz ist schon eine sehr schöne Stadt mit den Klippen und Stränden dazwischen, dieser berühmte Bowl auf dem Dach des örtlichen Aquariums, den mensch vielleicht von Photos kennt, ist allerdings eher ein Reinfall. Von der Bauqualität eh schon mehr als bescheiden liegt er leider auch noch falsch rum, also so, daß es bergauf Richtung Deep-End und eben bergab ins recht flache Shallow-End. Der Spot ist nur wegen der eizigartigen Location alleine eigentlich nicht unbedingt eine Reise wert, aber ich bin ja auch nicht so der Poolfahrer. Supergeil dann auf dem Rückweg nach Seignosse, wir halten noch kurz in benachbarten Capbreton, um uns den Skatepark da anzugucken und ich hör` nur ‚Aaaarneeee‘ und darf erstmal Benjamin Wessler aka Ben Wes aus Hamburg, seinerzeit quasi Stammgast in der BOARDSTEIN, und seinen Freund Lukas begrüßen. Wie geil ist das bitte immer wieder, fährst irgendwo hin und triffst völlig unverhofft gute Leute, die du kennst und vielleicht lange nicht gesehen hast, immer wieder krass einfach. Ich bin ja nicht so der Selfie-Mensch, muß ich für diese Scheiße hier vielleicht noch werden, aber es ärgert mich echt, daß ich diese Begegnung nicht bildlich festgehalten habe, ich war wohl einfach zu baff (kennt jemand dieses Wort noch?)…

Genauso spontan hab` ich vorgestern erfahren, was wir dieses Wochenende machen werden, nämlich erstmal ins zweieinhalb Stunden entfernte Bilbao zum berühmten La Kantera Skatepark zur alljährlichen Over-50 Session fahren, das paßt doch auch wieder superst. Und ich war erst einmal in Algorta und das ist lange her, und weil ich mit Wee-Man und Nanaki hinfahre, wird das Skaten sicher nicht zu kurz kommen, wir wollen sogar den ein oder Streetspot abhaken, endlich mal Arbeitskollegen, die zu sowas motiviert sind. Ich bin gespannt, wen ich da sonst noch so antreffen werde, ein paar alte Bekannte werden mit Sicherheit da sein und Jonathan vom Confusion kommt auch, den seh` ich auch viel zu selten, wenn man bedenkt, daß wir uns sehr regelmäßig intensiv über Emails austauschen, wir sind halt zwei alte Magazinmacher vom gleichen Schlag. Das wird auf jeden Fall ein super Wochenende und ich freu` mich drauf, ein Erlebnisbericht wird dann wohl der nächste Blogeintrag Anfang näxter Woche werden.

Vom 3. bis zum 8. Oktober fahr` ich dann kurz mal nach Barcelona, tatsächlich zum allerersten Mal, yeah! Ein paar Kollegen aus dem Norden machen das immer mal wieder und ich hab` von Anfang an gesagt, diesmal komme ich wenigstens ein paar Tage mit, Barca muß mensch ja wohl einmal im Leben erlebt und geskatet haben, gerade als absoluter Nerd wie ich. Deswegen nicht wieder vor sich herschieben, sondern einfach durchziehen, scheiß auf die drei Tage Arbeitsausfall, Arbeit und vor allem Geld ist eben nicht alles. Ich wär` auch von wo auch immer hingeflogen, aber jetzt bin ich so nah dran, daß ich mir 12 Stunden Flixbus von Bayonne aus für 25,- Euro gönne, fühlt sich auf jeden Fall auch viel besser an als diese scheiß Kurzstreckenfliegerei. Das wird jedenfalls auch killer, vier Tage Streetskaten mit den Boys, die filmen auch gerade wieder für ein Gnaddel Flensburg-Video, ich denke, ich darf da auch mit einem Part rein, Footy hab` ich auf jeden Fall genug und ich bin weiterhin schwerst motiviert. Ich werd` mich da auch mit Kollege und Ex-BOARDSTEIN Praktikant Mark Frölich treffen, der da bekanntlich schon seit einer halben Ewigkeit wohnt, da muß ich dann ja wohl auch mal ein bißchen was abliefern, ähem…

Das Wochenende darauf ist dann der Quiksilver Surf-Pro-Contest genau hier in Seignosse, als langweilig wird es die nächsten drei Wochen auf jeden Fall nicht und somit gibt es dann scheinbar dazu auch einiges zu erzählen auf diesem Kanal. Also dieses Jahr war ich auf jeden Fall, gerade auch arbeitstechnisch, so viel unterwegs wie in noch keinem Jahr zuvor, und ich mache das ganze jetzt schon elf Jahre lang. Da ich vor ein paar Wochen dummerweise mein jährliches Tagebuch verloren hab` (auch im Flixbus) mußte ich letztens für mich sowieso nochmal 2019 resümieren und halbwegs grob schriftlich festhalten, als da ging wirklich einiges. Über Silvester war ich zwei Wochen mit meiner süßen Olga in Malta, sehr geil, sehr zu empfehlen, dann zwei Wochen zu Hause und den gesamten Februar war ich bekanntlich in Deutschland auf der ’10 Jahre danach‘ BOARDSTEIN Lesungstour unterwegs, was ganz schön an die Substanz ging so körperlich jetzt, war ja im Endeffekt auch einen Monat lang Rausch pur. Wieder zweieinhalb Wochen zu Hause und für fünf Wochen mit Skate-Aid über Beirut nach Syrien für das Skateparkprojekt dort, war natürlich alles insgesamt auch nicht ohne. Kurz zu Hause und für drei Wochen mit Concrete Flow ab nach Deauville in die Normandie, dann war ich `ne Woche in Brüssel und hab` dann mit Mikey und ein paar Boys in Soumange an einem Tag eine krasse Steilkurve auf einem BMX-Race Track gebaut, danach wieder kurze Pause zu Hause.

Deauville
Wolfsberg
Soumagne
Braives
Gumpoldskirchen
Beringen

Dann ging es nach Wolfsberg in Kärnten, südlichstes Österreich. Da hab` ich zum ersten Mal für M-Ramps (www.m-ramps.com) gearbeitet, eine österreichische Firma, die hauptsächlich Holzrampen, Pump- und Dirttracks baut und sich auch mal im Beton versuchen wollte. Gute neue Kollegen kennengelernt und ordentlich ein abmalocht, schließlich haben wir fast jeden Tag betoniert. Zwischendurch hatten wir am Wochenende mit fünf Mann eine Abstecher nach Noca Goricza im benachbarten Slowenien zu einem Skatecontest gemacht, und hab` ich schon gerade eben von der zufälligen Begegnung mit Ben erzählt, trafen wir da auf dem Contest dort prompt Janne aus Kiel, die Welt ist manchmal echt einfach zu klein, gerade mit Skateboard, hab` ich schon tausendmal im BOARDSTEIN geschrieben. Nach Wolfsberg wieder kurz nach Hause und dann in Braives, im belgischen Wallonien mitten während der Hitzewelle mal eben in zwei Wochen einen kleinen 300qm-Park aus dem Boden gestampft und von da aus mehr oder weniger direkt nach Gumpoldskirchen, einem kleinen Städtchen 20 Minuten südlich von Wien, wieder mit M-Ramps. Da haben wir dann, bei ähnlichen Temperaturen wie in Braives, richtig Strecke gemacht und wirklich nur malocht, und das alles ohne Pumpe, also immer schön schaufeln, gerne auch mal mit zwei Betonschichten an einem Tag. Von Wien haben wir somit leider nicht so viel erleben können, wie wir gehofft hatten, denn Wien ist schon auch `ne geile Stadt mit einer echt coolen Skateszene. So traf man wenigstens den ein oder anderen alten Bekannten und lernte natürlich auch noch ein paar gute neue Leute kennen.

Nochmal krasser Zufall, wir so in Gumpoldskirchen und mein belgischer Kollege Pim erfährt über Instagram, das Chris Kraft, ein Kollege von der Blackriver Familie aus San Francisco, auch gerade in der Stadt ist, wie gesagt, diese Saison paßte und paßt irgendwie alles super zusammen, er hatte dann an seinem letzten Tag in der Stadt sogar noch Geburtstag und wir waren schön Ami-Style im Prater bowlen, ewig nicht gemacht, aber immer wieder lustig. Nach Wien war ich dann aber auch erstmal durch und wollte drei Wochen zu Hause im heimischen Garten den Sommer genießen, zur Saisonhalbzeit mehr oder weniger schon sechs Skateparks gebaut zu haben, fühlte sich erstmal satt an. Aber nach einer Woche dort ließ ich mich dann doch von Mikey überreden, für eine Woche in Beringen bei Vulcano einzspringen, weil die sich ein bißchen zu viele Projekte dieses Jahr aufgehalst hatten und nun dringend Leute benötigten. Nun, gutes Geld lockte und nach der Woche konnte ich mich dementsprechend ja auch wieder zu Hause locker machen, aber da es direkt wieder ans Betonieren ging, hat mir mein Körper dann deutlich gezeigt, daß ich wirklich mal ein bißchen Ruhe und Entspannung brauchte. So war die Woche natürlich auch nicht ohne, nicht zuletzt weil ich die ganze Zeit auf einer Isoammte auf`m Fußboden geschlafen hab`, was nach harten Arbeitstagen auch nicht so geil kommt. Am Anfang meiner Baukarriere war ich für so was auch immer offen, aber das ist verdammt lange her und ich werd` nun mal auch nicht jünger, auch wenn ich mich nicht unbedingt so benehme und lebe, als wäre ich irgendwann mal sowas wie erwachsen geworden, aber das eine hat ja auch nichts mit dem anderen zu tun und ist sowieso alles Ansichtssache.

Zu Hause…

Jaaa, und dann hatte ich tatsächlich fünf tolle Woche zu Hause im Norden, war fast jeden Tag baden (sind von meiner Hütte ja nur 500m durch`n Wald zum Strand), hab` viel Yoga gemacht und mit Philipp Becker nicht nur einen hervorragenden Osteopathen, sondern auch wundervollen Menschen kennengelernt. Ich wollte in der Zeit zu Hause eigentlich noch ein bißchen mehr geschafft und mehr von den ewigen To-do-Listen abgehakt haben, aber ich hab` halt auch einfach viel gechillt und das Leben genossen, wie es sich am besten genießen läßt, z.B. auch mit einfach nackt im Garten liegen (oder mit Wolldecke am Lagerfeuer), geile Musik hören und abtrippen. Und ich muß sagen, ich hab` mich bestens erholt, bin wieder in Topform und hatte dann auch richtig Bock, wieder an die Westfront zu ziehen und mich auf die letzten drei Monate Saisonendspurt zu stürzen. Und somit bin ich jetzt hier in Seignosse und so, wie es aussieht, stehen auch bei Concrete Flow noch Projekte an, so daß ich wohl bis Anfang/Mitte Dezember noch voll ausgelastet sein werde. Hab` ich aber auch gar kein Problem mit, im Gegenteil, kann ich mich im Winter auch wieder locker machen und meinen kreativen Projekten widmen und Ende Februar, wenn Dunkelheit und Kälte spätestens echt anfangen zu nerven, nochmal ein paar Wochen in die Sonne verschwinden. Insgesamt für mich keine außergewöhnlichen, aber trotzdem zu diesem Zeitpunkt sehr sehr gute Aussichten ingesamt.

Ach so, und wo ich gerade schon kreative Projekte erwähnte, an denen ich gerade dran bin, interessiert ja vielleicht tatsächlich den einen oder die andere. Derzeit versuche ich gerade ein 100-seitiges Heftchen über das Glücksburger Skatepark-Projekt fertigzustellen, das eigentlich bis Ende des Jahres (so lange ist das beileibe nicht mehr hin) fertig sein und vor allem an die Gemeinden in meiner Region verschickt sein soll, denn ich will schließlich noch mehr Skateparks bei mir in Angeln bauen, aber hallo! Ebenfalls bis Ende des Jahres sollte dann auch die Hörspiel-CD (mit Tourtagebuch) zur ’10 Jahre danach‘ Lesungstour erhältlich sein, für alle Die-Hard BOARDSTEIN Fans oder die, die das Spektakel verpaßt haben. Jedenfalls wurde ein Tourstop aufgezeichnet und es sieht so aus, als ließe sich das Ganze tatsächlich irgendwie als Hörbuchperformance verwerten, wir werden sehen, soll aber auch kommen das. Und im Winter wollte ich dann tatsächlich endlich mal mein Buch fertigstellen, also mein erstes richtiges, das Buch eben, da sollen eigentlich wirklich spätestens im Frühling Manuskripte zu Verlagen geschickt werden, ohne Scheiß jetzt! Ich kann und will nicht ewig Skateparks bauen und irgendwann muß ich aus dieser Schreiberei wenigstens mal ein bißchen was machen, es scheint ja eh so, als müßte ich alle paar Jahre mal etwas auf Papier drucken lassen. Übrigens auch kein Witz, aber ich hab` tatsächlich zwischendurch angefangen, mir Notizen für eine etwaige zweite BAUSTOP Ausgabe zu machen, läßt sich irgendwie gar nicht verhindern, wenn man ständig baut…

Nun denn, alles zu seiner Zeit, es müssen Prioritäten gesetzt werden und somit eins nach dem anderen. Es fühlt sich jedenfalls gut an, immer wieder Sachen zu (er)schaffen und Vollgas am Leben teilzunehmen, zumindest für mich, kennt ihr ja, sonst würdet ihr diesen Scheiß hier ja gar nicht erst lesen. Was ich immer noch faszinierend finde, also vielen Dank auch nochmal für das ganze gute Feedback und Lob, ich mein`, wenn das alles keine(r) lesen würde, könnte ich es ja auch lassen, oder!? Man weiß es nicht, mal Gott fragen…

Wir hören und sehen nächste Woche wieder, genießt euer Wochenende, so wie ich meins genießen werde!
Aloha und ahoi,
Arne

HISTORY-BOX TATTOO-SCHEISSE

Huhu und so! Jaa, hatte ich letzte Woche irgendwowie was von nicht immer Internet haben oder so erzählt – wenn nicht geradezu vorgewarnt!? So von wegen manchmal auf Montage is` nich immer so dolle mit Internet!? Also willkommen in der Wirklichkeit, ich kann ja damit Leben, aber ihr auch? Im Gegensatz zu den meisten bin ich jedenfalls Donnerstag in Seignosse angekommen (alle Surfer so ‚Ahhh‘), das ist in Südfrankreich, 20 Minuten nördlich von Hossegor und Biarritz und dem ganzen Scheiß und einer der wenigen Surf-Hotspots Europas. Nun ich kann mich ziemlich glücklich schätzen, hier direkt am Haupteingangsweg rechts neben den Dünen einen ziemlich geilen Flow-Bowl-Snakerun mitbauen zu dürfen, mehr dazu dann näxtes Mal, nä!?

Wir wohnen hier also gerade in einem der Condos, wo andere Urlaub machen, und skaten morgens zur Arbeit quasi, manchmal kann man es auch nicht besser treffen. Heute waren 31° Grad, ist dann auf Baustelle so ganz ohne Schatten fast schon ein bißchen viel, aber lassen wir das, dafür hat das Wasser noch 20°. Und bevor ich wieder ins Schwärmen komme, so wie`s aussieht, werde ich hier noch ein paar Wochen malochen und wie eingangs schon erwähnt, Internet ist hier nicht im Condo. Muß ich improvisieren, also erwartet nicht zuuu viel von mir, denn Genießen und so ist mir irgendwie wichtiger als Bloggen… (Arbeiten zum Geld verdienen zum über den Winter kommen übrigens auch)

Kommen wir somit zu meinem nächsten, dem heiligen dritten, Blog-Eintrag: Bevor ich mich auf meinen mehr oder weniger zweitätigen Trip down south mit Bus und Bahn und Mikey begab, machte ich einen kurzen Zwischenstop in Hamburg, um wieder etwas Farbe in mein Leben zu bringen, ich liebe meine Ex-Wahlheimat immer noch sehr und werde das immer tun. Aber es ging auch mal wieder und nochmal zu meiner alten Freundin Carmen, seit ein paar Jahren die Tätowiererin meiner Wahl im Studio/Atelier Hafenfarben (www.hafenfarben.de). Die hatte in letzter Zeit schon ein bißchen im Oberschenkelbereich rumgewerkelt (ich mach` ja immer nur so kleine Sachen), und irgendwie fehlte noch mehr Farbe da (ich bin ja mehr so der Schwarz/Simpel-Typ) und so lag ich dann wieder da nieder und bereit für Schmerz.

Das Photo erklärt meine Situation, meine Knie sind nicht mehr die besten und das verdanke ich Skateboarding (wie alles andere auch), und ich steh` auf gute Logos, vor allem auf solche, mit denen ich die mitunter besten Zeiten meines Lebens verbinde. Somit fangen wir mal unten rechts an (von euch aus gesehen!), denn damit ging es an den Knien los, und ich muß dazu sagen, daß die Knie logischerweise nicht die angenehmste Stelle zum tätowiert werden sind, denn das komplizierteste Gelenk unseres Körpers hat natürlich auch reichlich Nerven vorzuweisen. Dann wiederum ist die Haut auf den Knien eine der dicksten auf unserem schäbigen Affenabbild und dementsprechend muß da so`n bißchen gehackt und zweimal zugestochen werden, egal…

Also rechts unten, A1-Meats, kennen die wenigsten wahrscheinlich. Das ist eine alte Wheel-Company aus dem Hause Tracker Trucks – deren Video ‚Dancing In The Dirt‘ mich nicht nur zu NOFX`s Album ‚Ribbed‘ gebracht hat, bis heute eine meine All Time Favourite Scheiben, wie der Ami sagen würde – sondern welches auch Pros in sich hatte, die zu den angesagtesten ihrer Zeit gehörten (und Ams, die danach ganz schnell ganz ganz groß wurden, youtubed euch bitte einen!). Über alles gab es mal eine ‚History Box‘ in irgendeiner BOARDSTEIN AUSGABE, würde ich jetzt zu Hause am Schreibtisch sitzen und nicht nackt auf irgendeiner Terasse in Seignosse, Südfrankreich, könnte ich sogar für euch recherchieren in welcher.

Das A1-Meats Tattoo ist von Rebel Röcker Xandi Fromm aus Konstanz gestochen, und es war sein erstes (er hing gerade mal ein Jahr oder so an der Nadel), daß er Guerillia-Style außerhalb eines Studios durchzog, und zwar in meinem Schlafzimmer im legendären BOARDSTEIN KELLER. Ich erinnere mich, Waldemar, der auch gerade in die Branche eingestiegen war, kam sogar vorbei, um ein bißchen zu zugucken (Gruß auch an dieser Stelle!). Das ist alles lange her, da war sowas noch nicht so normal, also alles super crazy und super duper. Und Xandi, der nicht nur Profi in allem ist, was er anfaßt, sondern zudem auch noch talentiert, lieferte einen super Job ab und ich kann sagen, das ist bis heute wahrscheinlich das beste Tattoo, das ich habe, er hat dann nicht allzu später auch Karriere beim Konstanzer Nadelwerk gemacht.

Da gibt`s eigentlich kurz auch noch `ne geile Story zu, denn als ich Jahre später nach BOARDSTEIN mal in Hamburg-Wilhelmsburg bei Minus-Matt`s Frau Ulli auf einen Termin wartete, blätterte ich so ein paar Magazine durch und fand in einem ein Portrait übers Nadelwerk, wo ich Xandi wieder vorfand (Xandi, ließt du eigentlich Blogs? This Absatz`s for you!). Ja, die Welt ist schon klein und Magazine immer noch geil… Anyhow, Xandi meinte schon damals, daß es Sinn machen würde, die beiden Hackebeile vom A1-Meats Logo ein bißchen größer zu ziehen, weil das besser zum Knie passen würde, womit er mal locker 110% Recht hatte, so gesehen ist es nicht ganz das Original-Logo, aber dafür umso kniegeschmeidiger, weil Xandi eben the Män ist. Dazu hatte ich mir dann von ihm noch schnell ‚Gimme Danger‘ auf die Kniescheibe (da, wo`s richtig weh tut) dazu stechen lassen, eine Hommage an einen meinen All Time Favourite Lieblingsskater Alan Petersen, der hat das groß auf seinem Rücken stehen. Und gimme danger, weil wie mein Gesamtkörper an sich ist mein linkes Knie genauso im Arsch wie mein rechtes, beide gehen komsicherweise aber noch.

Apropos rechtes Knie: Ich als Spät-`80er weiß natürlich noch, was für eine geniale Firma Skull Skates aus Vancouver, Kanada, damals war und heute noch ist, einfach nur Punkrock from the finest for life and for real und das Logo war schon immer Kult in unserer Branche. Ich bin damals in den frühen `90er, als Boards mehr Streichhölzer waren und bei jedem zweiten Fliptrick durchbrachen, sogar mal zwei Skull Skates Boards gefahren, weil die bei Spot Sport in Flensburg für 60,- DM(!!!) über den Tisch gingen, anstatt 120,- für den neusten Scheiß, und ich einfach nur was zum Skaten brauchte. Das eine war ein Logo-Board und das danach das wahrscheinlich einzige Pro-Model, welches ein Pro namens Ray Hoover jemals sein eigen nennen konnte. Die hatten beide ein Concave, das hieß Tub-Tech, und war einer Badewanne tatsächlich sehr ähnlich, komplett mit Square Tail, das dann bei beiden auch schnell abbrach, aber ich hab` 360° Flips auf den Dingern gemacht, Pressure Flips konnte ich leider nie…

Skull Skates also kultiger als Kult und somit rauf auf die Haxen! Gemacht hat das meine liebe Freundin Elena anno dazumal in ihrer Tattoo-Kajüte (www.tattoo-kajuete.de) in Flensburg, sie hat`s bei einer späteren Gelegenheit sogar nochmal nachgestochen. Der Schädel ist trotzdem immer noch ein bißchen blaß, aber meine Knie haben auch Elefantenhaut, ich bin da nicht nur oft raufgefallen, sondern war eh immer eher schon auf der proletarischen Seite des Lebens anzusiedeln, soll heißen am Knechten, gerade im Betonskateparkbau. Das ist also quasi bewegliche Hornhaut und der Schädel könnte natürlich mal wieder nachgestochen werden, das würde aber hinterher keinen großen Unterschied machen außer vorher Aua. Das Überbein, weswegen der Schädel diesen geilen 3D-Effekt hat, kam eigentlich erst später, ich weiß gar nicht genau wovon oder woher, aber auf einmal wurde ich ständig drauf angesprochen, wie geil das denn aussehen würde, und ich so ‚Stimmt, da ist jetzt ein Überbein‘:..

Der Spruch ‚Don`t stop me now‘ da drunter paßte irgendwie herzallerliebst damals. Nach ein paar Jahren des Selbstzweifels war ich mir sicher, daß ich doch nicht ganz so scheiße bin, und ich fand das Lied von Queen schon immer super, und hab` hinterher überlegt, ob ich mir den Rest vom Refrain nicht nochmal da drunter stechen lassen sollte: ‚Don`t stop me know, I`m having such a good time, I`m having a ball. Don`t stop me now, if you wanna have a good time, gimme a call’… Naja, hab` ich bis jetzt noch nicht gemacht, aber so viel zum rechten Knie, da geht theoretisch noch einiges…

Nun begab es sich aber, daß ich anfing, den Sex-Appeal von Oberschenkel-Tattoos für mich wahrzunehmen und ich dachte, ich fang` da mal klein an. Eigentlich hab` ich die Idee, mir da jeweils Ken und Ray aus ‚Fist Of The North Star‘ voll groß rauf machen zu lassen, meine Schenkel sind halt nur was für echte Männer (obwohl rechts oder links an die Seite würde auch gut das berühmte Bild passen, wo Prinzessin Leia (fast) nackt auf einem Stormtrooper-Helm sitzt). Und ebenfalls Richtung Knie kommen noch das Thunder Trucks Logo (das auch den `80ern mit den Herzen), sowie das &-Zeichen von AND Skateboards, dem kurzem Aufbäumen von Gordon & Smith vor dem Untergang (Mark Heintzman History-Box in BOARDSTEIN AUSGABE Mr.43). Schweif` ich schon wieder ab???

Echte Nerd-Scheiße eben, somit war mein nächstes Skate-Motiv das BMC Logo. BMC steht für Beautiful Men`s Club und das war(/ist?) in den `90ern eine Crew aus San Jose um einen meiner All Time Favourite Lieblingsskater Tim Brauch (R.I.P.) sowie Jason Adams, Salman Agah und Co. Der Name kommt daher, daß Salman wohl mal bei einem Film mit Sean Connery gesagt hat ‚Sean Connery is a beautiful man’… Das hätte von mir kommen können und ich war damals großer Fan von allem, was aus San Jose und Santa Cruz kam, echtes Skateboarding nämlich und keine posige Hip Hop-Scheiße. Das waren jedenfalls immer so Jungs, wo ich dachte, wären wir in der gleichen Hood aufgewachsen, wären wir auf jeden Fall Bros for life, und mir wurde das dann auch bei persönlichen Begegnungen mit z.B. Jason Adams oder Chet Childress bestätigt, das sind einfach Menschen, die ticken genauso wahnsinnig wie ich, im Falle von Chet sogar noch deutlich wahnsinniger.

Egal, BMC Tattoo mußte alleine schon für Tim an Start, also rauf auf den Schenkel, das war, glaub` ich, kurz bevor ich diesen März nach Syrien geflogen bin. Damals nur ganz schlicht mit Pink und der grünen Olive, und ich dachte schon `ne Woche danach, das ist jetzt aber ein bißchen blaß. Nächster Termin – kommt ihr noch mit? – dann vor ein paar Wochen und Carmen konnte das Liberty Skates Logo auf dem linken Schenkel aus Zeitdruck nicht mehr mit Farbe füllen (das kam dann eben letzten Dienstag, einen Monat später). Dieses Logo wollte ich eigentlich immer aufs Schienbein unter dem Skull Skates haben, hab` mich dann aber spontan und schlauerweise umentschieden, das eben auf den linken Oberschenkel zu machen, weil es vom Motiv und den Farben irgendwie gut zu rechts paßt (je höher es von da aus geht, desto gayer wird es bei mir).

Die Vorlage ist ein Original-Sticker aus der glorreichen Zeit der frühen `90er, in genau den Farben, wir mußten ihn auch nur 10% größer machen, paßte quasi perfekt wie so oft mit solchen Vorlagen. Die grünen Schattierungen waren Carmens Idee, denn die Schrift ist im Original silber, aber die Farbe gibt es im Tattoo-Bereich leider noch nicht so richtig. Carmen ist übrigens auch Künstlerin und weiß, was sie tut, sieht top aus, danke! Dazu dann ein bißchen Blue Curaco rechts ins BMC Glas und schön Lila in der Schrift und näxter Termin durch. Ein paar Tage später weiß ich heute, daß da jetzt auch noch ein bißchen Olivegrün in den Hintergrund um die Buchstaben muß, um das beiderschenkelige Gesamtspektrum vollständig zu machen, also näxtes Mal dann (eigentlich laß` ich nicht so viel an meinen Tattoos rumdoktoren, scheiß Farben auch!).

Liberty Skates war übrigens recht einzigartig, das war Mike Smith` (ja, Erfinder des Smith Grinds) Firma, die er unter Steve Rocco`s World Imperium ins Leben gerufen hatte. Das Ganze lebte allerdings nur zwei, drei Jahre und neben Mike gab es nur noch den anderen Pro Todd Congelliere (Sänger von F.Y.P. u.a.), also alles in allem hauptsächlich geile Graphics und Ads und super geiler `90s Nerd-Trash. Und, ey, Liberty, Alter, was für ein schönes Wort. Freedom kann jede(r), aber Liberty!?…

Ach so, und fast vergessen, im gleichen Abwasch hat Carmen mir auch noch das H-Street Logo gestochen, über dem Skull Skates, eigentlich fing die Session damit sogar an, aber das sind technische Fragen, die Carmen euch beantworten muß, ich lag still und hab` mein Buch gelesen (Carrie Fisher – ‚Delusions Of Grandma‘). Also H-Street, auch noch `ne verdammte kurze Story dazu, damnit… Ich hatte ein paar Wochen vorher in einem Hamburger Hauseingang ein durchaus kompetentes Buch über Symbole aufgegrabscht (eine von vielen guten Sitten in Hamburg, solche Sachen schmeißt mensch nicht weg, sondern stellt/legt sie vor die Tür, weil sie dann drei Stunden später nicht mehr da liegen und vielleicht jemanden glücklich gemacht haben). Da fand ich dann beim Rumblättern das berühmte H-Street Kreuz/Logo (welches als Logo natürlich “geklaut“ war, fragt mal Independent Trucks!). Für die ganz Blöden, um nicht zu sagen Jungen, unter euch, H-Street war Ende der `80er der heißeste Scheiß im Skateboarding, Matt Hensley, aus, basta…

Ich hatte früher irgendwann auch mal gehört, ungarische Faschisten hätten dieses Kreuz im Zweiten Weltkrieg für sich mißbraucht, aber scheiß` drauf, das Hakenkreuz wurde auch nicht von Hitler erfunden, sondern nur umgedreht. In meinem tollen neuen Symbolbuch nämlich stand dann, daß dieses Kreuz für ‚Reise‘ steht, bei dem kompaßähnlichen Design macht das auch durchaus Sinn, und gereist bin ich schon viel und werde ich noch werden. Kompaß-Tattoo hab` ich allerdings schon (lange vor euch fuckin` Hipstern!), und zwar auf der linken Hand, zu sehen im Neuseeland Tourbericht in der allerletzten BOARDSTEIN AUSGABE Nr.47. Da gibt es auch ein Photo davon mit meiner Ballon-ähnlich angeschwollenen Hand nach einem Slam. Und ja, mein rechtes Knie schwillt auch regelmäßig an, der Schleimbeutel ist halt im Arsch und da blubbert`ne Menge uringelber dickflüssiger Schleim rum. Ich hab` mir das auch schon mal absaugen lassen und der Arzt meinte, es könne gut sein, daß es in zwei Wochen wieder so aussieht, was es dann nach einer Woche auch tat. Schleimbeutel also im Eimer, aber so lange ich keine Schmerzen habe und damit nicht eingeschränkt bin, werde ich einen Teufel tun und irgendjemand an meinem Knie rumoperieren lassen, warum auch? Ich mein`, ich arbeite viel auf den Knie und manchmal ist es etwas eckelig, wenn man auf seinem Knie so hin- und herwabert, aber ansonsten sieht es nur scheiße aus, funktioniert jedoch komischerweise immer noch ganz gut.

H-Street Kreuz also auch abgehakt, Diskussion wäre jetzt noch schwarz ausfüllen oder nicht!? Die zu erwartenden Schmerzen sprechen auf jeden Fall dagegen und ich find`s eigentlich auch geiler so, wie`s ist (noch). Ich kann euch ja in ein paar Wochen, wenn wir hier ordentlich betoniert haben, mal ein Photo schicken, also das kann schon Tennisball-groß werden und noch lustiger aussehen, so wie mich insgesamt. Und wo wir schon dabei sind, kann ich euch auch noch das letzte Pantöffelchen erzählen, rechtes Knie ganz rechts. Ich bin nämlich letztes Jahr in Namibia das erste Mal mit dem Spruch ‚If it`s nice, do it twice‘ konfrontiert worden und eigentlich wollte mir das mein mitreisender Genosse Peter, der dem Tätowieren auch nicht ganz fremd ist, aktiv wie passiv, nochmal stechen, wir waren beide nahezu hin und weg von diesem Lebensmotto. Peter ist der Typ aus Kärnten, Österreich, den ich verdammt lieb aber seitdem auch nicht mehr gesehen hab`, welcher auf die Frage von mir, warum er einen Waschbär auf der Hand tätowiert hat, antwortete: „Weil ich mal einen überfahren hab’…

Naja, Peter eben zu lange nicht gesehen, so begab es sich letzten Sommer beim dritten Bauabschnitt und Builder`s Jam bei uns oben in Glücksburg, daß mal wieder die Tattoomaschinen um sich flogen (ich bin an dem Abend Zeuge geworden, wie sich zwei Menschen gegenseitig die Innenlippe tätowiert haben ohne zu wissen was)… Wir waren alle nicht mehr nüchtern und ein bißchen koksig und blutsbrüderig unterwegs und irgendwie war ich dann auch dran und mir fiel grad nichts Besseres ein als dieser Spruch über die Meerjungrauf auf meiner rechten Wade, mit der ich es jederzeit nochmal versuchen würde, wenn ich müßte (ganz ganz großer Insider). Elliot Auffray aus Grenoble, einer der geilsten Typen und besten Skater, die ich jemals als Freund bezeichnen durfte, saß an der Nadel und legte los und es endete leider halbwegs unlesbar, zumindest auf den ersten Blick, und sowas bin ich nicht gewohnt. Als er fertig war, meinte ich nur ‚I guess, you gotta do it a second time‘ und er nickte nur und machte weiter, nämlich das obere, noch unlesbarer… Zum Glück macht Kokain schmerzunempfindlich und doof, je mehr desto weniger…

Ich bin nicht unbedingt Freund von diesen betrunkenen Wahnsinns-Tattoos, die bei gewissen jungen Leuten heutzutage irgendwie Standard geworden sind, dazu habe selbst ich ein paar zu gute, aber ich bin scheinbar auch für jeden Scheiß zu haben. Quasi ein Typ, mit dem man glatt Pferde stehlen könnte, aber wer macht sowas heutzutage noch? Nächstes Mal laß` ich mir jedenfalls ein paar chinesische Schriftzeichen stechen, weil das so en vogue ist und ich auch schon mal drei Wochen in Shanghai war, kennt ihr das Video dazu eigentlich? (Rasmus setz`mal online den Scheiß, ich bin voll auf Good Vibes grad!)

Also zu sagen, mein Leben wäre zu irgendeinem Zeitpunkt mal langweilig gewesen, wäre glatt gelogen. Und wie sagt man manchmal, jedes Tattoo hat eine Geschichte!? Könnte ich euch glatt welche erzählen…
Bis die Tage,
Arne (20.9.2019, nachts irgendwann)

Während ich diesen Blog schrieb, war Dirty Mikey schon ins Bett gegangen…

NEW MODEL ARMY IN TAARSTEDT 2019

 

In Taarstedt bei Schleswig, das ist bei uns in Angeln, ganz ganz oben in Deutschland, gibt es die Weltbrauerei (www.weltbrauerei.de), eine kleine Privatbrauerei, die sich gutem Bier verschrieben hat und das schon seit einigen Jahren mit einem kleinen, stetig wachsenden Festival auf dem hofeigenen Hof abfeiert, immer so im Spätsommer. Letztes Jahr hatte ich da schon die – zumindest bei uns – legendäre Sheep`s E. Band, The Movement und Extrabreit sehen dürfen, somit war ich sehr gespannt, wer dieses Jahr dort spielen würde. Als dann tatsächlich bekannt wurde, daß am 7. September diesmal wieder ein paar echte Helden meiner Jugend, nämlich New Model Army, zu Gast sein sollten, war für mich klar, daß ich unbedingt irgendwie einen Heimaturlaub von wo auch immer einlegen mußte, um das Spektakel nicht zu verpassen. Fuckin` New Model Army in meiner Hood, nicht ohne mich!

Die anderen Bands interessierten dann auch nicht mehr, von denen kannte ich außer Rantanplan auch keine, trotzdem sicherheitshalber vorher eine Karte bestellt, denn New Model Army werden wirklich angebetet in meiner Generation, zumindest bei uns in der Landbevölkerung. Mein alter Kumpel Patman aus Flensburg hat mich dann auch als Bauer beschimpft, als ich ihm erzählte, daß ich dafür EA80 im ausverkauften Flensburger Volksbad sausen lassen würde, für die hatte ich auch schon lange eine Karte, das sollte dann leider beides am gleichen Tag stattfinden (wenn bei uns schon mal was los ist…). Aber New Model Army unter freiem Himmel mitten im Dorf und mitten unter Leuten, mit denen ich zum Teil zur Grundschule gegangen bin, im Gegensatz zu einem ausverkauft verschwitzten Laden, der seinem Namen nicht gerecht wird!? Für mich eine einfache Entscheidung…

Kurz mal für alle unter euch, denen der Name New Model Army überhaupt gar nichts sagt: Die englische Band wurde 1980 gegründet und bestach schon immer durch den Sänger und Songwriter Justin Sullivan und seine markante und eindringliche Stimme, gekrönt von äußerst intelligenten gesellschaftskritischen bis spirituellen Texten. Er hat insgesamt irgendwie was von einem Priester, allerdings verflucht er Religion. Musikalisch hat die Band ihre Wurzeln im Punk, dürfte aber im Plattenladen eher in der Sparte ‚Alternative‘ vorzufinden sein. Denn für simplen Punk waren die Musiker eigentlich schon immer zu gut, und Bands, die auch auf Keyboards zurückgreifen, sind sowieso meistens schon mal mindestens überdurchschnittlich wenn nicht super duper. So finden sich auch reichlich Einflüsse aus Folk und Gothic in der Musik, was den Songs und dem Sound insgesamt etwas Düsteres gibt, weshalb die Band auch bei Gothics schon immer sehr beliebt war, und bei allem, was sich früher noch ‚Zecken‘ schimpfte.

Manche werden jetzt vielleicht schreien, aber alles im allem, finde ich, kann man New Model Army ganz gut mit Sisters Of Mercy (wem auch die nichts sagen, ebenfalls auschecken!) vergleichen, da gibt es viele Parallelen, gleiche Zeit, ähnlicher Flair, ähnlicher Kultstatus, ist so`n bißchen wie AC/DC vs. Motörhead. Ist aber auch latte und nur pseudomusikjournalistisches Geschwätz, ich bin jedenfalls mit diesen Bands groß geworden und höre sie heute fast noch lieber als damals. New Model Army gibt es jedenfalls immer noch und sie haben schon immer großartige Songs geschrieben und konnten die auch schon immer live perfekt rüberbringen, zurückhaltend, aber eindrucksvoll, echte Profis eben. Auch wenn Justin Sullivan meines Wissens als letztes Originalmitglied übrig ist, er war aber eben auch schon immer Kopf der Band.

Ich würde lügen, würde ich behaupten, ich kenne alle Alben der Band, denn sie bringen immer noch regelmäßig neue Platten raus, und wie bei so vielen Bands – um nicht zu sagen fast allen – liegen mir natürlich vor allem die alten Scheiben am Herzen, allen voran mein Lieblingsalbum ‚Thunder And Consolation‘ von 1989. Heutzutage ist es ja so pervers einfach, in neue (oder eben alte) Platten reinzuhören, aber wer New Model Army nicht kennt, sollte sich vielleicht als erstes Mal mit diesem Album beschäftigen, da gibt es so einige Hits sowie den – wohl nicht nur meiner Meinung nach – besten Song der Band überhaupt, nämlich ‚I love the world‘, der Titel sagt doch irgendwie schon alles, oder!? Um also einer weiteren BOARDSTEIN Tradition zu frönen, gibt es hier jetzt dazu den ‚Songtext des Monats‘, denn der ist in seiner atheistischen, fortschrittverachtenden und apokalyptischen Art einfach nur genial und heute leider noch aktueller als vor 30 Jahren. Hört euch dieses Lied einfach mal an und lest dabei den Text, am besten ein paar Mal nacheinander, damit die Message auch wirklich ankommt, Mitsingen macht eh am meisten Spaß. Die Texte von Justin Sullivan waren halt auch schon immer lyrisch sehr anspruchsvoll und britisch, zuweilen mit einem Hauch Antike. (Zweiter Anspieltip der Platte wäre übrigens ‚Vagabonds‘, wenn man diese beiden Songs gehört hat, will man dieses Album einfach nur noch haben.)

SONGTEXT DES MONATS
New Model Army – I love the world
‚Thunder And Consolation‘ (EMI – Electrola)

The roll of distant thunder breaks
The afternoon of silence wakes
They hurry through from Petergate
As if they know this dance
In fury blind, I drive at night
Across the moors, the open roads
Beneath the freezing starry skies
Racing in some trance
These cities are illusions of
Some triumph over nature`s laws
We`ve seen the iron carcass rust
And buildings topple into dust
And as the waters rise, it seems
We cling to all the rootless things
The Christian lies, technology,
While spirits scream and sing
Oh God, I love the world…

Well I never said I was a clever man
But I know enough to understand
That the endless leaps and forward plans
Will someday have to cease
You blind yourselves with comfort lies
Like lightning never strikes you twice
And we laugh at your amazed surprise
As the Ark begins to sink
This temple that is built so well
To separate us from ourselves
Is a power grown beyond control,
A will without a face
And watching from outside I wish
That I could wash my hands of this
But we are locked together here,
This bittersweet embrace
Oh God, I love the world

And if one day the final fire
Explodes across the whitened sky
I know you’ve said you’d rather die
And make it over fast
With courage from your bravest friends,
Waiting outside for the end
With no bitterness but an innocence
That I can’t seem to grasp
I know somehow I will survive
This fury just to stay alive
So drunk with sickness, weak with pain,
I can walk the hills one last time
Scarred and smiling, dying slow,
I’ll scream to no one left at all
I told you so, I told you so, I told you so . .
Oh God, I love the world

So wie`s hier steht, hätte dieser Text auch das Vorwort der ersten BOARDSTEIN Ausgabe sein können. Ihr erinnert euch!? Resignierende Gesellschaftskritik stand bei uns auch schon immer hoch im Kurs…

New Model Army machen einfach perfekte Festivalmusik für mittelgroße Bühnen, weil die Mugge halt ein breites Spektrum an Zuhörern begeistert. Wenn sie gewollt hätten, hätte die Band garantiert an einem Punkt ihrer Karriere Mainstream werden können, aber dazu waren sie schon immer zu echt, zu gut und zu alternativ. Ich hatte die Jungs auch schon mindestens zweimal auf Festivals gesehen und mich von ihren Live-Qualitäten und dem irgendwie besonderem Publikum überzeugen können, zuletzt vor ein paar Jahren auf`m Ruhrpott Rodeo (Küßchen an Steffen und die Boys!). Deswegen war mir klar, der Nachmittag plus Abend in Taarstedt konnte nur ein Gewinn werden, gerade weil ich eben auch viele alte Freunde in der Gegend hab`.

Da dann von den Flensburger Luschen irgendwie keine(r) hingefahren ist, hab` ich mich dann alleine auf den Weg gemacht, und das ist bei uns auf`m Land gar nicht immer so einfach. Für mich hieß es von Flensburg (wo ich schon die Freitagnacht ganz gut einen drauf gemacht hatte) mit Zug nach Schleswig, da vom Bahnhof zum ZOB laufen (ist nicht ganz ohne), mit dem Bus nach Tolk fahren und dann nochmal ein paar Kilometer zu Fuß nach Taarstedt. Sowas war früher kein Problem, warum sollte es mit 43 eins sein? Der einsame Wolf wieder auf Oldschool-Mission, aber es hat sich wirklich gelohnt und mir hat alles rundum Spaß gemacht, gut, ich war auch explizit gedoped… Am Gelände angekommen wurde auch schnell deutlich, daß sich die Besucherzahl zum letzten Jahr beinahe verdoppelt hatte, es waren auf jeden Fall einige nur für New Model Army gekommen, so viel stand fest.

So war der Nachmittag wie letztes Jahr wieder sehr sehr nett und gediegen, was nicht nur an dem Rausch lag. Vor New Model Army spielten z.B. noch Thunder Mother, denen ich meine Aufmerksamkeit gönnte, vier heiße Mädels aus Schweden, die sich Rock`n`Roll und Heavy Metal verschrieben haben und beides sehr ordentlich miteinander kombinieren können, also durchaus auch ein Tip, sollten die mal bei euch in der Gegend sein. Und genau, als es dann dunkel wurde, lieferten New Model Army ihr Set ab und das ließ einfach keine Wünsche offen, denn sie spielten mindestens zwei Drittel ältere Songs und dabei die meisten ihrer Klassiker. Man merkte ihnen auch an, daß sie richtig Bock auf diese Veranstaltung hatten, nicht zuletzt wahrscheinlich weil das Durchschnittsalter so bei 40 gelegen haben muß, deswegen waren sie uns das mit den alten Songs auch irgendwie schuldig. Na ja, und als sie dann nach wohl anderthalb Stunden oder so die Bühne verließen, fehlte eigentlich nur noch ein Lied, das Lied, und das ließen sie dann zugabemäßig auch noch aus sich rauskitzeln. ‚I love the world‘ zum Schluß mit reichlich Mitgesinge aus unzähligen, glückseligen, heiseren Kehlen, könnte es einen perfekteren Abschluß geben? Für mich nicht…

Danach spielte noch eine The Cure Coverband, die auch ihr Handwerk verstanden und was sehr gut paßte, und es war eigentlich ganz geil, daß New Model Army nicht als letztes spielten. Ich hätte mich dann nicht ungern von einer der unzähligen heißen Milfs vor Ort abschleppen lassen, aber als meine Kollegen/innen dann irgendwann alle verschwunden waren und ich so`n bißchen alleine da stand, dachte ich mir, soll Mann nicht aufhören, wenn`s am schönsten ist!? So entschied ich mich, weil ich ja auch schon eine halbwegs durchzechte Nacht hinter mir hatte, nach Mitternacht vernünftigerweise dafür, nicht weiterzusaufen und irgendwie durchzumachen, sondern mich noch irgendwie nach Flensburg auf irgendeine Couch durchzuschlagen, was mir dann sogar auch halbwegs anständig gelang. Na gut, in Flensburg wurde ich im Zug auf den Abstellgleisen(!) von den Reinigungskräften geweckt, die meinten, sie müßten jetzt die Bahnpolizei ranordern, damit die mich sicher zu Fuß zum Bahnhof bringt. Ich nichts wie raus aus`m Zug und ab in die Wicken geschlagen, nur um zehn Minuten später festzustellen, daß ich in kompletter Dunkelheit und halber Wildnis keine Ahnung hatte, welche Richtung ich einschlagen sollte. Also zurück zum Zeichenbrett, den Jungs klargemacht, daß ich Bullen nicht gebrauchen kann und den Weg auch alleine zurückfinde und niemanden verpetzen werde, und dann zu Fuß Richtung Bahnhof, Innenstadt, Couch… So war der Rückweg fast noch actionreicher als der Hinweg, ach, ich liebe solche Wochenenden, frei sein, breit sein, Terror muß dabei sein. Arne Fiehl nicht umsonst vom BOARDSTEIN…

Nächstes Jahr also gerne wieder, wenn es heißt Angeliter Open Air in Taarstedt. Mal gucken, wer dann spielt. Leute, habt ihr nicht mal Bock auf Status Quo!?…

Gruß an alle Süderhoschis und die Angeliter Befreiungsfront, bunt ist das Dasein und granatenstark. Und volle Kanne, Hoschi!!!
Arne

LERNEN MUSS NICHT SCHEISSE SEIN

Moin Moin!

Für alle, die Facebook verpaßt haben, hier eine Kurzversion. DJ BOARDSTEIN aka mich wird an dieser Stelle auf BOARDSTEIN.COM ab jetzt regelmäßig ein paar kleine Beiträge posten, bloggen, nennt es wie ihr wollt. Wenn ihr Anmerkungen und Kommentare dazu habt, scheut euch nicht, diese zu teilen, vielleicht kommt dann mal wieder etwas Leben in diese Bude. Denn eins hat mir dieses Jahr unseres 10-jährigen Nicht-mehr-Bestehens eindrucksvoll bewiesen, FAMILIE BOARDSTEIN leibt und lebt wie eh und je, wir sind halt alle nur ein bißchen älter geworden. Wie auch immer soll der quasi erste Blog-Eintrag meiner Geschichte (okay, es gab hier ein paar, kurz nachdem wir damals das Magazin eingestellt hatten) etwas Passendes und Besonderes sein, besonders passend eben. Was bietet sich da in dieser virtuellen Welt mehr an als unser gutes altes Literaturcafé? Ein Buchtipp also, denn Bücher lese ich nach wie vor, so viel ich kann, Magazine gibt es ja nicht mehr so viele…

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