UND DANN WAR DA DER 21.01.2021…

A friend with weed is a friend indeed….

Aber hallo und so!

Ja, liebe Leute, nach dem letzten Blog-Eintrag bin ich euch eventuell eine Erklärung schuldig, aber eigentlich gibt es da gar nicht so viel zu erklären. Viel mehr kann mensch sagen, jetzt, eine Woche später, sehe ich das Ganze, was mit mir passiert ist, mit noch kristallenerer Klarheit, und ich glaube, ich werde euch dann jetzt einfach mal ein bißchen ausführlicher schildern, was letzte Woche so bei und in mir abgegangen ist…

Abgesehen davon, daß das ganze letzte Jahr (natürlich) etwas schräg abgelaufen ist (für mich persönlich war`s ehrlich gesagt nahezu durchweg positiv, zumindest in Hinsicht auf Erfahrungen), habe ich auch schon länger gemerkt, daß sich in meinem Leben etwas tut und Veränderung bevorsteht. Die einzige Richtung, die ich bei diesen Gefühlen erkennen konnte, war, daß ich kein Bock mehr habe, so viel Zeit (im Ausland) auf Montage zu verbringen und dort halbgare Skateparks zu bauen, sondern lieber mehr Arbeit und Projekte hier in meiner Heimat verwirklichen möchte, das hab` ich ja auch schon öfter hier in diesem Blog durchklingen lassen. Dieses ganze Vorhaben ist dann letzte Woche ein ganz entscheidendes Stückchen näher Richtung Wirklichkeit gerückt.

Hier verbrenne ich den letzten Tabak, für den ich jemals Geld ausgegeben habe, in meinem Ofen.

Ich wußte schon länger, ein gutes Stück mehr Glück in meinem eigentlich vollkommen glücklichen Leben würde ich noch dazu gewinnen können, wenn ich die schlimmste Droge aller Zeiten endlich für immer aus meinem Leben verbannen würde, nämlich Nikotin. Und weil dieses Thema ein sehr wichtiges ist und scheinbar auch ein sehr sehr wichtiger Schlüssel der letzten Wochen, muß ich euch vielleicht jetzt erstmal etwas ausführlicher meine Lebensgeschichte mit Drogen erklären, und ich versuche, mich dabei mal wirklich kurz zu fassen. Aber da gibt es logischerweise eine Menge zu erzählen, denn ich bin inzwischen 45 Jahre alt und konsumiere seit über 30 davon irgendwelche Rauschmittel, fangen wir mal mit Alkohol an, denn damit fing`s bei mir auch an…

Es war ein paar Wochen vor meinem 14. Geburtstag, als ich mir meinen ersten Vollrausch verpaßte, und zwar ganz allein, nachdem ich vorher vielleicht hier und da mal auf irgendeiner Familienfeier oder Ähnlichem an einem Bier genippt hatte und das Ganze überhaupt nicht lecker fand. Ich wohnte damals 5km weiter östlich von wo ich jetzt wohne, in einem noch kleineren Dorf namens Habernis, wir reden hier über 50 plus Einwohner. BOARDSTEIN LESER/INNEN alter Garde kennen diese ganzen Fakten natürlich schon (äh, wer sonst noch liest diesen Blog?), aber ich will für wen auch immer meine tolle Lebenssituation, in und mit der ich halt groß werden durfte, nochmal kurz erklären (hat ja nicht jede(r) die Seite 69 damals im Heft immer gelesen).

Meine Eltern hatten in diesem Dorf einen Campingplatz mit Restaurant und Kiosk, und zwar genau eine Straßenbreite vom Strand entfernt neben einem Landschaftschutzgebiet, das sich Habernisser Moor nennt, glaubt mir, viel besser bzw. traumhafter kann mensch nicht aufwachsen! In unserem Kiosk, in dem ich spätestens mit Zehn regelmäßig hinter der Kasse stand, gab es natürlich auch reichlich Alkohol, denn deutsche Camper als auch Strandtouristen trinken halt gerne auch mal was. Somit gab es selbstredend Bier in allen Formen und Farben und das gleiche galt logischerweise auch für Schnaps, also große Buddeln oder kleine, sogenannte Flachmänner und Taschenflaschen. Tja, und an jenem Abend, es war ein herbstlicher Samstagabend nach der Saison und somit nix los, entschied ich dann wohl einfach irgendwie, mich zu besaufen…

Party konnte ich schon immer ganz gut, hier Silvester `92 mit den Süder Hoschis. Ich bin Mitte…

Ich startete mit einem Flensburger Pilsener und ging dann direkt zum Schnapsregal über, wo ich, glaube ich, mit einem Flachmann Nissen Apfelkorn anfing. Zwischendurch nahm ich dann was auch immer mit zur Bushaltestelle im “Ortskern“, wo wir immer gerne abhingen und bolzten, und ich weiß noch, wie ich dann später irgendwann auf der Terrasse von unserem Restaurant im Kreis tanzte und gesungen hab` ‚Ich bin besoffen, ich bin besoffen, wie geil, wie geil‘ oder so… Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwei Flens und fünf verschiedene Flachmänner weg, darunter auch Jägermeister, nicht schlecht für einen ersten Rausch. Das nächste, was ich dann wieder weiß, ist, daß meine Eltern mich wohl so gegen Mitternacht vollgekotzt neben meinem Bett auf dem Fußboden meines Zimmers fanden und mich dann irgendwie säuberten, versorgten und wieder zu Bett packten.

Der nächste Morgen brachte dann natürlich nicht nur meinen ersten physischen Kater, vor allem war mir das halt extrem peinlich vor meinen Eltern, und so schlich ich mich irgendwie um Elf oder so zum Frühstück am Stammtisch vorne am Lokaleingang, meine Eltern bereiteten gerade das Mittagsgeschäft vor. Und irgendwie war alles gar nicht so schlimm, sie nahmen das beide irgendwie mit Humor (die Angestellten auch), das war halt mein erster Rausch gewesen, kein Ding, und das obwohl mein Vater selbst erst seit ein paar Jahren trocken war (was ich erst Jahre später von meiner Mutter erfahren habe). Der Kleine wurde halt langsam erwachsen und Saufen gehört ja gerade bei uns in Deutschland und vor allem auf dem Land nun mal einfach dazu, gerne auch mit 14. Es ging dann auch ziemlich schnell und ich wurde zum Wochenendalkoholiker, was ich wohl bis heute noch bin, denn in den letzten drei Jahrzehnten gab es tatsächlich nicht allzu viele Wochenenden, an denen ich nicht wenigstens ein bißchen Alkohol getrunken habe, Freitag- und Samstagabend Vollrausch war/ist da schon eher die Regel.

Bergfest 2011 in Münster, als ich eigentlich McRad sehen wollte…

Ich bin vor allem schon damals ziemlich schnell zum Schnapskenner geworden, weil ich Bier noch nie so richtig gerne mochte und ich seinerzeit aus unserem Spirituosenkeller (wir hatten ja Kiosk und Restaurant!) regelmäßig Schnapsflaschen für mich und meine Freunde geklaut hab`. Und damit das nicht so auffällt, hab` ich natürlich jedes Mal andere Flaschen genommen und mich so schnell durch alle möglichen Spirituosen gesoffen, um letztendlich Rum (mit Cola) zum Getränk meiner Wahl zu erklären, weil mir das bis heute einfach am besten schmeckt (inzwischen trink` ich ihn allerdings lieber mit Ginger Ale oder pur). Daß Flensburg vor gar nicht allzu langer Zeit tatsächlich noch die Rum-Hauptstadt Europas gewesen ist, hab` ich erst viele Jahre später erfahren, der Rum hatte mich einfach gefunden und ich ihn, und das paßt hier eben ganz gut in die Region.

Soviel zu meiner ersten Liebe in Sachen Rausch, dazu muß ich direkt sagen, daß ich halt nie was mit Zigaretten zu tun hatte, denn da meine Eltern während meiner frühen Kindheit beide geraucht haben, hatte ich vielmehr eine tiefe Abneigung gegenüber Tabak, Nikotin und in erster Linie diesem gräßlichen Qualm. Mit 16 kam dieser dann aber doch in mein Leben, ganz einfach weil ich anfing zu kiffen, und auch hier ging es ziemlich schnell, daß ich jeden Tag kiffte und dann auch ganz bald von morgens bis abends. Wie viele Kiffer meiner Generation waren ich und meine ganzen Droogs allerdings anfangs reine Bongraucher, ganz ganz selten wurde mal ein Joint gebaut oder ein Kawumm geraucht. Somit war Tabak zwar in meinem Leben, aber Zigaretten waren nach wie vor für mich tabu, weil wir einfach auch immer und überall einen Bong dabei hatten (ich bin zum Beispiel während meiner Abi-Klausuren in den Pinkelpausen Bong rauchen gegangen und nicht pinkeln).

Mit Asche und Ingo in einem illegalen Coffeeshop in Venlo (NL) auf dem Weg zum Eindhoven Festival…
Auf meiner Geburtstagsfeier zu Hause 1997
Teichstraße Flensburg Ende des letzten Jahrtausends…

Es ging dann irgendwann eher in die Richtung, daß wenn tatsächlich mal nichts zu kiffen da war, ich/wir uns sogenannte Nikos reingezogen haben, also Tabakköpfe rauchten, super extrem stumpf, aber immer noch besser als Zigaretten und eigentlich war ja auch immer Dope vorhanden. Dann kamen bald Pilze/Psylos dazu, die wir selber auf den Kuhkoppeln in der Nachbarschaft pflückten, mit denen wir es aber auch nicht übertrieben. Silvester `95 hab` ich zum ersten Mal Speed gezogen und irgendwann später verirrten sich auch mal Ecstacy oder dieser eine Trip in meine Rachenregion. Koks fand ich immer scheiße, das hatte für mich diesen arroganten Charakter, und ja, man kannte auch ein paar eher unangenehme Zeitgenossen, die sich ohne Frage zu viel von dem Zeug reinzogen. Wenn ich mich richtig erinnere, hab` ich Koks zum allerersten Mal mit Wulf und den Chemnitzern auf dem With Full Force Festival 2001 gezogen, am Donnerstagabend in deren `80s Pop-Zelt. “Harte Drogen“, wie sie ja nun mal genannt werden, hab` ich eigentlich immer gerne mit genommen, wenn jemand mal was hatte und teilte, aber das kam auch nicht zu oft vor und ich hab` mir nie selbst was besorgt, was vermutlich vor allem daran lag, daß ich nie die richtigen Connections hatte. Aber ich habe sie mir auch nicht gesucht, ich war mit Alk und Kiffe eigentlich immer glücklich und ausreichend bedient.

A need for speed… Area 4 Festival 2008

Vielleicht sollte ich hier kurz einwerfen, daß ich allerdings von so ca. 2001 bis 2004 das hatte, was mensch ein ernsthaftes Alkoholproblem nennen dürfte. Das habe ich dann irgendwann daran gemerkt (reichlich zu spät, denn da hatte ich schon ein paar Freunde deswegen verloren), daß ich nicht nur wie üblich viel zu viel trank, wenn ich trank, sondern auch viel viel zu oft. Viel gravierender war allerdings, daß mich Alkohol zum ersten Mal in meinem Leben nicht lustig, sondern traurig, wütend und aggressiv machte. Nun, ich hatte eine gute Ausrede, diese Jahre sind nicht gerade als die Glanzjahre der BOARDSTEIN ZEITEN bekannt, viel mehr kämpften wir quasi täglich und mit jeder Ausgabe ums nackte Überleben, zudem verlor ich den Anschluß an meine geliebte Heimat, weil ich höchstens drei-, viermal im Jahr zu Hause war und dann starb auch noch meine Mutter mit 55 Jahren viel zu früh an Krebs. Ich weiß gar nicht genau wie, aber ich hab` dann doch irgendwie den Absprung geschafft und bin glücklicherweise wieder zu “normalem“ (meiner ist für die meisten anderen alles andere als normal) Konsum zurückgekommen…

Tja, das alles ging quasi gut 17 1/2 Jahre so, von denen ich 15 1/2 mit der Liebe meines Lebens zusammen war, ihr erinnert euch vielleicht an Teena Erzählt. Als diese Beziehung dann drohte auseinanderzubrechen hörte ich nach einer Ankündigung meinerseits kurz vorher zwei Wochen vor meinem 35. Geburtstag von einem Tag auf den nächsten mit dem Bong rauchen auf, total komplett kalter Entzug also. Eine Woche später trennte Tina sich dann leider trotzdem von mir und ich dachte ‚Dann brauch` ich jetzt auch nicht wieder anzufangen‘, war mir doch seit Jahren klar, daß ich viel zu viel kiffte, halt auch einer der Gründe, warum Tina damit und mit mir nicht mehr klar kam. Ich trank dann während dieser schlimmsten Monate meines Lebens, die folgen sollten, tatsächlich auch ein paar Monate rein gar nix und lebte quasi komplett clean, bis ich dann irgendwiewann mit Zigaretten rauchen anfing, mit 35, Alter, total überbescheuert!

Nach gut einem Jahr brutalster Depressionen suchte ich dann tatsächlich mal psychologische Hilfe auf und der gute Herr Soundso meinte nach seiner/meiner ersten Sitzung, daß ich wohl ein massives Suchtproblem hätte, und ich sagte, daß würde ich nicht zum ersten Mal hören. Er empfahl mir dann einen Besuch in der Suchtberatung und suchte (hihi) mir wem auch immer sei Dank eine sehr kompetente Einrichtung raus, die viel mit Akkupunktur arbeitet. Und ich – dankbar für jeden Tip Richtung Besserung meines Gemütszustandes – machte mich dann alsbald zu meinem ersten Termin dorthin auf und erwischte eine sehr tolle Betreuerin, die mich dem Phänomen Suchtkrankheit behutsam näher führte und nach gut fünf Sitzungen und wöchentlichen Akkupunktkuren meinte, ich solle doch mal für drei Wochen in eine Entzugsklinik gehen, um mich noch mehr mit meiner Krankheit auseinanderzusetzen, denn da hatte ich meinen Entzug ja schon lange hinter mir gelassen.

Ich meldete mich also bei der Fachklinik Bockholt nicht allzu weit nördlich von Hamburg und wohl eine der Kliniken mit den niedrigsten Rückfallquoten Deutschlands, und bekam dann wenige Wochen später einen Termin, um mich selbst einzuweisen quasi. Tja, und dann war ich also tatsächlich in einer Entzugsklinik, Arne Fiehl war weit gefallen seit BOARDSTEIN, oder doch nicht!? In der Klinik war man dann als erstes auf Seiten des Personals wie auch der Patienten erstaunt, daß ich nach 17 1/2 Jahren täglichen Bongrauchens ganz alleine von einem auf den anderen Tag aufgehört hatte. Ich wiederum war erstaunt, daß es unter den sehr bunt gemischten Patienten ein paar gab, die schon zum achten oder neunten Mal auf Entzug waren, gerne auch in dieser Klinik. Diese Menschen machen das nicht freiwillig, die waren/sind einfach krank, nämlich suchtkrank, und wie ich lernte, ist das ist eine verdammt große Bürde, um damit durchs Leben zu gehen, und ich war und bin einer von ihnen. Ich lernte außerdem, daß in dieser Klinik alle behandelt werden, wie polytox sie auch sei mögen, nur Alkoholiker kommen in Extrakliniken, denn Alkohol ist die härteste Droge von allen und dementsprechend ist auch der Entzug dazu der härteste. Willkommen in der Wirklichkeit!

Dieses Bild war auch schon mal im BOARDSTEIN…

Nach zwei Wochen war ich dann soweit, daß ich genug über meine Krankheit erfahren und gelernt hatte, und fühlte mich bereit, mit diesem Wissen den Rest meines Lebens anzutreten. Mir war allerdings schon damals klar, daß ich auf gar keinen Fall den Rest meines Lebens drogen-, oder sagen wir mal besser, rauschfrei leben würde. Vielmehr wußte ich, daß ich den Rest meines Lebens verdammt nochmal auf mich aufpassen werde müssen, denn ich wollte eben auch noch in meinem Leben feiern und Party machen (ich hatte inzwischen auch schon in Maßen wieder angefangen Alkohol zu trinken), aber ebenso wenig wollte ich jemals wieder in eine Entzugsklinik zurück. Nicht weil das so ein schrecklicher Ort ist – im Gegenteil, ich habe mich da sehr wohl und gut aufgehoben gefühlt und kann diese Klinik wirklich wärmstens allen empfehlen, die Probleme in diese Richtung haben sollten. Nein, ich wollte und will einfach mir selbst beweisen, daß ich anders bin, wie ich auch in der Klinik wieder einmal gemerkt habe, daß ich einfach anders ticke als die meisten Menschen und somit auch wie die meisten Suchtkranken. Seitdem beweise ich mir täglich selbst, daß ich meine Süchte unter Kontrolle habe (ihr mögt jetzt lachen, aber selbstkontrollierter Konsum geht tatsächlich auch als Suchtkranker).

Nach zweieinhalb Jahren ohne Kiff Kiff fand ich dann langsam meinen Weg zum Kraut zurück – ich hatte zwischendurch mit den richtigen Leuten zwei Joints im Dschungel von Costa Rica geraucht und ein Jahr später kiffte ich ein paar Mal mit meinem neuen Freund Mikey auf einer Baustelle in Rio de Janeiro. Und dieses halbe Jahr danach war eine super Zeit, als ich nur ab und zu was gekifft habe und dafür dann halt aber wie in alten Zeiten richtige Lachflashs und geistige Eingebungen hatte. Ich war allerdings wie gesagt zu diesem Zeitpunkt extremer Kettenraucher, was selbstgedrehte Zigaretten angeht, und allmählich gab es dann auch immer öfter mal Pulver oder Pillen in meinem Leben, alles eben immer zum richtigen Anlaß, nur Kippen halt ständig und dauernd.

Ja, und dann ging es vor ziemlich genau sechs Jahren darum, BAUSTOP fertigzumachen, für alle, die das verpaßt haben, das ist das allererste hammerharte Montagemagazin der Welt, quasi eine total wahnsinnige BOARDSTEIN SONDERAUSGABE über meine ersten sechs Jahre im Betonskateparkbaubusiness. Da sagte ich mir dann, ich würde mir einen Bong kaufen und mich wie damals zu BOARDSTEIN ZEITEN, wenn es darum ging, eine Ausgabe fertig zu machen, drei Wochen lang zu Hause einschließen, ordentlich abdichten und dieses Heft fertigmachen, und genau so machte ich es dann auch und genau so genial ist BAUSTOP dann auch geworden. Aus Hanf gedruckt mehr oder weniger…

I like…

Allerdings klar, daß ich danach wieder täglich am Bong hing, obwohl ich inzwischen “lernte“ – man drehte ja auch Zigaretten – daß man Gras und Hasch auch per Joint rauchen kann, in Hamburg sowieso überall und an jeder Straßenecke en vogue und praktiziert. Tja, und im Endeffekt habe ich dann die letzten fünf Jahre gut 15 Joints am Tag geraucht und gar keine Zigaretten mehr, obwohl alle, die in den letzten Jahren mal mit mir gekifft haben, nur zu gut wissen dürften, daß ich eigentlich keine Joints baute, sondern vielmehr dicke Zigaretten mit Flavour, Fiehl`sche Torpedos hab` ich sie immer genannt. Aber nein, pur Tabak rauchen kam eigentlich überhaupt nicht mehr vor, irgendwie war/ist immer was zu kiffen am Start.

Auf Fortbildung in Wien Sommer 2019…

Jedenfalls ist ganz klar, daß ich zeitlebens immer vor allem so viel gekifft habe, weil ich halt wie normale Raucher nikotinsüchtig war, und zwar des Todes. Wenn mensch sich morgens nach`m Frühstück (ganz früher garantiert auch schon davor) direkt den ersten Joint/Bong anmacht, dann will mensch nicht unbedingt wieder sofort stoned sein, dann braucht mensch einfach Nikotin in Form von Tabak. Für mich galt nur meine gesamte Kiffer-/Raucherkarriere lang, solange was zu kiffen da ist, kommt das da mit rein, und weil ich halt gerne kiffe, habe ich quasi seit knapp 30 Jahren halt immer dafür gesorgt, das was zu kiffen auf Tasche ist (Hallo, kommen Sie gerne her und nehmen Sie mich an Ort und Stelle fest, Herr Polizei!)

Blutig gekifft in Belgien…

Somit muß man halt auch sagen, daß ich in diesen letzten zehn Jahren seit der Trennung meines Lebens mindestens sieben oder acht mal versucht habe, mit dem Rauchen aufzuhören, also mit Tabak jetzt. Das geschah dann meistens im Winter und gerne in Kombination mit einer Reise, denn es ist immer leichter, mit etwas aufzuhören, wenn mensch sich zum Beispiel auf einer Reise in einem exotischen Land von dem Suchtproblem ablenken kann. Meine längste Zeit ohne Tabak waren dann auch die ersten dreieinhalb Monate meiner Weltreise, bis ich dann in Costa Rica auf unserer Baustelle in San Isidro den Billigzigaretten für 50,- Cent pro Packung verfiel. Wie gesagt, aufgehört habe ich ein paar Mal, das ist auch gar nicht so schwierig, nicht wieder anfangen ist die wahre Herausforderung, und man kann tatsächlich sagen, daß ich dann in der Regel meistens spätestens im Frühjahr auf der ersten Baustelle wieder rückfällig geworden bin und wieder angefangen habe Joints mit Tabak zu rauchen. Bauarbeiter rauchen nun mal zu 95%, da herrscht schon mal extremer Gruppenzwang und das macht sich halt auch so schön auf`m Bau, einmal pro Stunde fünf Minuten kurz “durchatmen“, ganz ganz schlimm das…

Mit Ali in Costa Rica auf`m Weg zum Strand…
Hier mit Flori am Strand angekommen und ganz offensichtlich am Kette rauchen…

Jedenfalls merkte ich irgendwann vor ein paar Jahren, daß etwas nicht stimmte, weil wieder eine, diese Substanz die Kontrolle über mein Leben übernommen hatte und ich eben nicht – wie einst einmal geschworen – auf mich aufpaßte. Und ich rede hier nicht über Marihuana, ich habe überhaupt gar kein Problem damit, süchtig nach Marihuana zu sein, weil das nämlich Gottes Kraut ist, ich habe ein Problem mit Nikotin in Form von Tabak, das Zeug, das mir den Atem raubt, meine Zähne gelb macht, meinen Körper vergiftet, die Umwelt verdreckt, Lobbyisten reich macht, arme Bauern ausbeutet und so viel Schlimmes mehr. Wirklich alles, woran ich glaube und was mir wichtig ist, spricht gegen Tabak, das Zeug war einfach das letzte große Problem in meinem Leben und die eine Sache, die mich unglücklich machte, weil ich sie nicht los werden konnte. Ich führte ein gutes und gesundes Leben, aber in dieser einen Sache paßte ich nicht mehr auf mich auf, Nikotin hatte mein Leben wieder im Griff und ich betrieb dadurch Mißbrauch an Gottes Kraut.

Das letzte Mal wollte ich übrigens letztes Jahr Tabak aus meinem Leben verbannen, und zwar auf unserem Kolumbien Trip Anfang März, das ging dann genau anderthalb Tage gut, bevor ich mir bei meinem Freund Henrik auf seinem Balkon in Medellin wieder die erste drehte. Und ich denke, viele können bestätigen, wie gefährlich leicht es ist, innerhalb von sozialen Kontakten und gerade unter Einfluß von Alkohol wieder rückfällig zu werden. Aber im Laufe des letzten Jahres und dessen komischen Verlaufes aufgrund von Corona wurde mir klar, daß genau das ist, was ich aus dieser gedownlockten Zeit mitnehmen will, ein Leben ohne Tabak und Nikotin. Der perfekte Zeitpunkt mit den fehlenden sozialen Kontakten und erstmal keiner Baustelle am Horizont. Ich hatte noch einen guten Vaporizer, einen kleinen und großen Bong sowie diverse Purpfeifen und würde mich wohl einfach ans Pur-Rauchen gewöhnen müssen. Aber vor allem wollte ich ja überhaupt auch weniger kiffen…

Irgendwann irgendwo Feierabend auf Montage…

Und vor zwei Wochen sollte es dann soweit sein, mal wieder Entzug also. Vorher sah ich dann zu, daß ich schön alles, was ich noch an “harten‘ Drogen im Haus hatte, vernichtete, in dem ich mir drei Tage auf Wolke Sieben im Kuschelland meiner Freundin in Hamburg gönnte und mir genau mit ihr die Zeit vertrieb, vornehmlich nackt natürlich. Nach einem Tag Pause gab ich mir dann im Flensburger/Angeliter Ghetto nochmal einen knapp drei Tages-Rausch vom Feinsten, und danach ging es mir das komplette Wochenende richtig richtig schlecht, also so schlecht wie lange nicht mehr, und Montag sollte der Entzug dann losgehen. Tja, und seit genau zwei Wochen rauche ich jetzt keinen Tabak mehr, und das war jetzt nur die Vorgeschichte zu meinem “Trip“, den ich dann ein paar Tage später haben sollte, die aber scheinbar wichtig ist für mich, um das zu verstehen. Und dieser Trip, diese Vision fing quasi vorletzten Mittwoch an, nachdem ich gerade mal zwei Tage keinen Tabak mehr konsumiert hatte.

Denn da machte es ‚Klick‘ bei mir im Kopf, irgendwo da, wo bei normalen Menschen das Gehirn sitzt, ich hörte quasi regelrecht Synapsen klicken und schalten. Es war in meinem Gehirnrest angekommen, daß ich den Rest meines Lebens ohne Tabak und Nikotin leben würde, weil ich das Zeug weder brauchte noch irgendwie überhaupt haben wollte. Ich mein`, wir wissen alle, daß das Material einfach das pure Gift ist und unseren Körper genauso einfach nur zerstört, ohne uns irgendeinen Nutzen zu geben, außer das “gute“ Gefühl zu rauchen, weil der Körper eben gerade nach diesem Gift geifert. Jede andere Droge oder jedes andere Rauschmittel hat wenigstens noch irgendeinen Effekt, Nikotin hat letztendlich gar keinen, außer daß man seinen Körper damit unter permanenten Streß setzt, weil das Zeug eben so hölle ungesund und ekelig ist und wir es uns trotzdem oral in unseren Körper einverleiben, weil wir uns angeblich dabei und damit entspannen können. Also größerer Humbug steht lediglich noch in der Bibel.

An der Flensburger Harniskaispitze letztes Jahr…

Ja, bei mir war angekommen, daß ich genau das nie wieder will und ich mir dafür überhaupt gar keinen abzubrechen brauchte, weil ich ja glücklich bin, es endlich los zu sein. Ganz einfach, ich brauchte nur diesen endgültigen Klick und ich habe lange dran gearbeitet, ihn zu bekommen, bin aber letzte Woche für Geduld, Ehrgeiz und Beharrlichkeit belohnt worden. Wenn dich etwas stört, ändere es, Nikotin ist weg aus meinem Leben, halleluja…. Und dazu ist gleichzeitig etwas da in meinem Leben, denn zeitglich zum Entzugstart habe ich mir geschworen und angewöhnt, jeden Tag Yoga zu machen, und wenn nicht mein komplettes Yoga-Programm dann wenigstens ein bißchen Qi-Gong (hab` ich übrigens in der Entzugsklinik gelernt!) und Medidation. Und ich meine nicht zwei-, dreimal die Woche oder vielleicht auch eine Woche mal gar nicht, nein, konsequent jeden Tag eine Viertel- bis Dreiviertelstunde ganz und gar dem Einklang von Körper und Geist widmen (Yoga hat vor zehn Jahren auch wirklich mein Leben verändert, sollte eures auch, macht (mehr) Yoga, Leute!).

Und das dritte Standbein für meinen neuen “Lebensstil“ war/ist Verbesserung meiner Ernährung. Nicht daß ich mich wie Scheiße ernährt hab`, ganz im Gegenteil, Vegetarier bin ich noch länger als Kiffer (für viele war`s ja andersrum, nä!?), ich krieg` hier bei Herrchen bestes Essen um Sechs auf den Abendbrottisch (erinnert euch, er ist Koch, und ich hab` gerade angefangen, regelmäßig mit ihm zu kochen, um meine spärlichen Kochskills abzupeppen und ein paar seiner Rezepte für mich und die Nachwelt festzuhalten). Ich achte auch schon lange darauf, täglich Obst und Gemüse zu essen, genug zu trinken usw. usf., aber es geht auch immer noch besser, vor allem geht weniger Zucker, aber hallo! Das ist nämlich neben nach Alkohol und Nikotin das dritte große Gift aka Rauschmittel in Mogelpackung. Also weniger Zucker im Leben geht immer und sollte im eigenen Interesse auch praktiziert werden!

Somit achte ich seit zwei Wochen einfach drauf, weniger Zucker und stattdessen noch mehr Früchte und Körner zu mir zu nehmen, den Konsum an Milchprodukten zu reduzieren und dafür noch mehr Wasser und Tee zu trinken, ganz einfach alles und es fühlt sich so an, als hätte ich mich auch daran schon gewöhnt und das genieße ich sehr. Wie gesagt, es bricht für mich in allen Bereichen des Lebens ein neues Kapitel an und das fühlt sich sehr sehr gut an und ich hab` das Gefühl, das wird noch ein Weilchen andauern einfach weil es so gesund ist und sich somit so gut anfühlt. Nicht mehr von morgens bis abends komplett zugeballert zu sein und dementsprechend auch mehr Zeit für Projekte zu haben, die es endlich mal zu erledigen gilt.

Im Ernst, am Anfang meiner Kifferkarriere war es tatsächlich so, daß Marihuana in welcher Form auch immer mich immer eher beschleunigt hat. Jede(r) kennt so jemanden in seinem Freundeskreis, der durchs Kiffen eher aufgedreht und aktiv wird, als ständig abzubleiern und faul zu sein. Das war ich die ersten zehn Jahren, irgendwann fing ich dann jedoch an, mir ein- und schön zu reden ich würde mich mit Dope gewollt ausbremsen, damit ich mich besser nur auf ein Projekt nach dem anderen konzentrieren kann, das waren vermutlich die letzten fünf Jahre meiner ersten 17 1/2-jährigen Kifferkarriere. Komprimiert und in gekürzter Form lief die zweite nach der Pause damals dann ziemlich genauso ab und jetzt bin ich hier und weiß, daß ich Marihuana den Rest meines Lebens ohne unnötigen Zusatz konsumieren und somit umso mehr genießen werde, weil weniger ist eben mehr! Und ja, wenn mensch dann abends das erste Mal zum Pfeifchen greift und merkt, daß mensch den ganzen Tag überhaupt nichts vermißt hat, freut mensch sich, daß es endlich überstanden ist, so fühle ich mich halt jedenfalls seit knapp zwei Wochen, toll, weil ich weiß, daß es so bleiben wird. Nikotin ist tot und endlich besiegt in meinem Körper.

Nie wieder Joints bauen…

Aber ja, das war wie gesagt letztendlich nur die Vorgeschichte zu der Vision, die ich dann kriegen oder erfahren und zu der ich hier vielleicht langsam mal kommen sollte. Das lief dann nämlich folgendermaßen ab: Nach einem eben sehr euphorischen Mittwoch mit der glorreichen Erkenntnis, daß ich endlich erfolgreich Nikotin aus meinem Leben verbannt hatte, fing` ich dann abends damit an, den zweiten Teil meines längst überfälligen Board-Sammel-Amoks für diesen Blog zu schreiben, der wohl noch länger werden wird als der erste Teil, aber latte, Alter. Irgendwann um zwei Uhr morgens wurde ich dann müde und machte mich in Betti, konnte aber partout nicht einschlafen. Gut drei Stunden später nach unendlichem Hin- und Herrollen mit tausend übersprudelnden Gedanken im Kopf entschied ich mich dann, aufzustehen und eben durchzumachen, wie ich es im letzten Jahr öfter mal in solchen Situationen gemacht habe. Dann doch lieber (zurück) an Schreibtisch und die Gedanken nutzen, um kreativ und/oder produktiv die Zeit zu nutzen. Helfen tut, diese Entscheidung zu treffen, durchzumachen und sich trotzdem in einen arbeitsreichen Tag zu stürzen, wenn mensch noch gutes Speed im Haus hat, und ich hatte tatsächlich trotz meiner Drogenwoche davor noch drei, vier kleine Lines da, von denen ich mir dann vormittags zwei gönnte, während ich durch mein Zimmer und über den Schreibtisch wirbelte und Sachen erledigte wie als Chefredakteur zu besten BOARDSTEIN ZEITEN.

Dixi-Klo Mystic Cup Prag 2001

Gegen Mittag merkte ich dann, daß es tatsächlich sonnig und trocken zu bleiben schien und auch wenn es recht stürmisch war, würde ich den ein oder anderen Spot in der Nachbarschaft, an dem ich mir noch was für meinen Corona Part vorgenommen hab, ansteuern und vielleicht was eintüten können. Das hat auf jeden Fall gerade Vorrang zu jeder Schreibtischtätigkeit, einfach weil mensch zu dieser Jahreszeit dafür trockenes Wetter nutzen muß. Ich wußte auch genau, was ich machen wollte, und zwar hatte ich erst zwei Monate vorher einen Spot gerade mal zwei Kilometer entfernt im Nachbardorf entdeckt, und zwar als ich dort eigentlich einen anderen skaten wollte. Letztendlich eine Schande über mein Haupt, schließlich wohne ich hier schon über ein Vierteljahrhundert, aber egal. Es handelt sich dabei um ein Gap mit Dreiertreppe, alles ziemlich smoof und perfekt eigentlich, und das Geilste ist, es gibt Picknicktische aus Holz, die man zum Beispiel die Treppe runterstellen kann. Top-Spot direkt im Nachbardorf und ich entdecke das Ding erst jetzt! Dafür standen die Chancen gut, daß dort gerade komplett tote Hose ist und ich da in Ruhe skaten kann, Winter gepaart mit Lockdown!? Läuft.

Der Spot der Ausschreitungen…

Das Spot ist nämlich Teil einer größeren Anlage mit mehreren Häusern und einer Reihe von Hütten, wo halt Jugendfreizeiten, Seminare und Ähnliches stattfinden, und auch dazu gibt es hier ein niedliches Anekdötchen, denn als ich damals in der zweiten/ mittleren Gruppe im Kindergarten war, sind wir dort für ein Wochenende quasi “auf Klassenfahrt“ hingefahren und haben in den Sechserhütten gewohnt. Tja, und ich habe tatsächlich damals ganz meiner androgynen Seite treu als einziger Junge mit fünf Mädels in einer Hütte gewohnt und an dem Wochenende das erste Mal sowas wie geknutscht (also ohne Zunge jetzt, ich war Vier!) und Händchen gehalten. Susanne hieß die Braut und sie sollte später in der Grundschule auch in meine Parallelklasse gehen.

In einer dieser Hütten hat`s zum ersten Mal mit Susanne gekracht…

Aber zurück zu mir und meiner Session, denn es sei dazu erwähnt, daß ich damals mit meiner Olga, die mich ja gerne beim Skaten filmt, an dem Spot war, weil ich mich halt ursprünglich an einen anderen Ranmachen wollte (eine Rollstuhlauffahrt mit Table und Zweierstufe dahinter). Da war ich allerdings bei meinem ersten ernsthaften Trickversuch dermaßen hart eingeschlagen (gibt`s wie alles im nächsten Videopart zu sehen), daß die Session unter keinem guten Stern stand. Dann wollte ich mich an einem Bs Five-O am Picknicktich die 3er runter versuchen, aber nach mindestens dreißig mal anfahren und nicht einmal wirklich abspringen, brach ich ab und machte mich an einen Tailbonk auf einem Findling über das Gap daneben. Aber auch da sprang ich nicht einmal wirklich ab und selbst Olga wunderte sich und meinte, das hätte sie so bei mir auch noch nie erlebt.

Mit diesen Erinnerungen im Nacken wollte ich mich also an die Session machen und ich hoffte inständig, wenigstens mit einem von den beiden Tricks nach Hause zurückzukehren, also zog ich zum Aufwärmen mein ausführlichstes Yoga-Programm durch. Und dabei realisierte ich, daß es verdammt lange her war, daß ich vier Tage nacheinander jeden Tag meine Dreiviertelstunde Yoga durchzog und ich merkte, wie ich mich mit jeder Übung und Bewegung regelrecht mit positiver Energie aufpumpte, also psychisch und physisch im gleichen Maße. So fiel es mir zum Beispiel auf einmal wie Schuppen von den Augen, daß ich mich bald mit verschiedenen Leuten wieder versöhnen wolle, über meinen Schatten springen, den ersten Schritt machen und die Hand reichen. Eine Stunde später, gerade am Spot angekommen, renne ich in einen dieser Menschen rein, ein ehemals sehr guter Freund aus dem Nachbardorf, mit dem ich mich leider seit meiner schlimmen Alkoholphase anno dazumal nie wieder zusammenraufen konnte, nicht daß ich es nicht versucht hätte. Egal, ich glaube schon lange nicht mehr an Zufälle dieser Art, daß ich ihn genau da an diesem Tag treffen sollte, ich hab` da ein besseres Wort für, Energien…

Ich will/kann jetzt auch nicht allzu sehr ins Detail gehen, wie dieser Tag insgesamt ablief, das sprengt auch mengenmäßig den Rahmen hier. Meine Session verlief auf jeden Fall ziemlich erfolgreich, vor allem in Hinsicht auf Footage. Ich machte mich als erstes an den Tailbonk ran, weil das eigentlich kein Thema sein sollte und nach genau 29 Versuchen konnte ich dann auch erfolgreich ausfahren. Ungefähr beim 15. Versuch hatte ich mir allerdings einen kleinen Kieselstein in den rechten Handballen unten am Daumen gehauen und das hörte die ganze Zeit nicht auf zu bluten, weswegen ich das ganze Areal vollsplatterte, wie das spektakuläre Photo im letzten Blog verdeutlicht hat (ich hatte übrigens Cola-Whiskey als Skate-Fuel am Start und Alkohol verdünnt ja das Blut). Jedenfalls hatte ich mit einem schönen Trick auf Kamera nun nichts mehr zu verlieren und wollte den Picknicktisch nun auch noch entjungfern, denn daß diese Tische noch nie geskatet worden waren, war unschwer zu sehen (auch immer geil, Spots entjungfern…)

Naja, was soll ich sagen, ich bin alles andere als ein guter Curb- oder Ledge-Skater, weil ich mir in der Regel dabei schon immer irgendwie weh tue, weswegen solche Kanten nicht zu meinen Lieblings-Skate-Obstacles gehören und mein Repertoire dementsprechend auch beschränkt ist, gerade weil das im Alter auch mit dem Pop nachläßt. Lange Rede, kurzer Sinn, Holzpicknicktische sind für mich persönlich ungefähr das Ekligste zu skaten, E.P.D. würde ich sagen = endless possibilities of danger (wäre übrigens ein geiler Bandname). Aber ja, für einen guten Videopart muß man halt über seinen Schatten springen und an die Grenzen gehen, erst recht mit einem jungfräulichen Spot vor der Kamera. Aber ich traute mich dann wieder nicht, den Bs Five-O von hinten anzuspringen und die ganze Sitzbank durchzugrinden, weil ich, obwohl schon gut ein Teelicht Wachs draufgegangen war, Angst hatte, beim Grinden auf dem in die Jahre gekommenen Holz stecken zu bleiben und vorne über zu fliegen (ja, ich weiß, man sollte vor Ort nicht zu viel drüber nachdenken, nennt es bitte nicht Feigheit, sondern Vorsicht!).

Endless possibilities of danger…

Na gut, dann rückte ich den Tisch ein bißchen um und machte ein paar ungefährlichere Noseslides, wahrlich der billigste Trick, den man an diesem Spot machen kann, aber immerhin etwas, ich hab` auch ewig keinen Noseslide in einem Videopart gehabt. In der neuen Position merkte ich dann aber, daß ich die Bank nun auch seitlich mit Bs Five-O anspringen könnte, dann wäre es zwar auch mehr nur ein Truck-Bonk als Grind, aber gucken wir mal. Tja, und nach ein paar Slams konnte ich das dann auch noch eintüten und war wirklich stolz auf mich, wie professionell ich mich mal wieder mit ein bißchen Selbstdisziplin selbst überrascht hatte. Vor allem hatte ich cooles Footy am Start und die ganze Mission war letztendlich rundum erfolgreich gelaufen. Schlimm war allerdings, wie ich mich während der Session damit selbst aus der Ruhe brachte, in dem in meinem Kopf nach und nach genau dieser Blog-Eintrag wuchs und gedieh. Ich hatte diese Photos von all dem Blut, ich hatte mal wieder eine abgefahrene Story und ich hatte Tricks zu stehen, das könnte `ne Story werden und das ist der Gonzo-Journalist in mir, ist halt nur nicht wirklich hilfreich beim Skaten.

Glaubt mir einfach, dieser Donnerstag war einer der intensivsten Tage meines Lebens, denn als ich wieder zu Hause in meiner Hütte war, hörte es einfach nicht auf mit guten Ideen, die es zu notieren galt, vielmehr hagelten sie ununterbrochen auf mich runter. Das Besondere an diesem Tag war allerdings, daß es sich alles wie ein großes Puzzle anfühlte, denn bei jeder guten Idee hatte ich spätestens fünf Minuten später den Gedanken, mit wem ich das Ganze angehen könnte, also quasi immer gleich die Lösung dazu. Ja, und das ging dann auch den ganzen Freitag und Samstag so weiter, ich schlief nachts maximal vier, fünf Stunden und erledigte tagsüber eine Sache nach der anderen, während ich zwischendurch immer Ideen und Gedanken aufschreibte… -schrieb, -schruppte… Es liefen dann auch ein paar Telefongespräche mit Olga, die mir bestätigten, daß bei ihr auch gerade irgendetwas ganz Komisches ablief und wohl tatsächlich gerade ein Komet, Asteroid oder was auch immer an der Erde vorbeiflog, wie sie recherchiert hatte, vielleicht hatten wir (und andere?) ja tatsächlich etwas Sternenstaub abbekommen. Energien…

 

Nebenbei bin ich übrigens mit Herrchen und Nachbar Wolfgang im Holz…
Das richtige Werkzeug ist die halbe Miete…
Ziemlich genau in der Mitte könnt ihr vielleicht unser Haus erkennen…
Der übernächste Winter ist gerettet, kommt alles aus dem Wald im Hintergrund und bleibt somit quasi in der Familie…

Die Nacht von Samstag auf Sonntag konnte ich dann wieder nicht einschlafen, da gab`s dann die allerletzten beiden kleinen Näschen Speed zum Frühstück, dementsprechend dann mein letzter Blog-Eintrag als Wort zum letzten Sonntag, der sich für euch ja gelesen haben muß, als hätte ich sie nicht mehr alle beisammen (fühlte sich auch so an, wie Chrystal Meth immer beschrieben wird). Ich würde aber eher sagen, vielmehr habe ich sie oder es endlich beisammen, denn nachdem ich auch an diesem Tag ohne geschlafen zu haben und müde zu werden noch zwei schöne Tricks filmen und viele tolle Gedanken und Momente sammeln konnte, merkte ich des Abends nach einem weiteren genialen Geistesblitz, daß genau dieser wohl das letzte Puzzleteil war, das ich noch brauchte. Meine Vision war tatsächlich fertig und damit realisierbar und ich wußte nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Lachen weil sie so genial wie schön ist, und Weinen weil ich wohl damit mein Leben lang nicht zur Ruhe kommen werde, da es wohl von nun an gilt zu versuchen, eben diese Vision zu realisieren. Aber mit meinem neuen Lebensstil ist sie tatsächlich auch zu realisieren, natürlich nicht von heute auf morgen, aber vielleicht nach und nach, Jahr für Jahr und Stück für Stück. Alles weil sich gerade scheinbar von ganz alleine alle Weichen dafür in die richtige Richtung stellen, trotzdem werde ich in Zukunft hart arbeiten müssen, aber hier in meiner Heimat tue ich das auch gerne.

Und es tut mir nun an dieser Stelle nach diesen vielen großen Worten wirklich ausgesprochen leid, aber ich kann und will euch jetzt nicht im Detail erklären, worum es im einzelnen geht. Sagen wir einfach mal zusammenfassend, ich habe mir zum Lebensziel gesetzt, das erste Skate-Dorf der Welt ins Leben zu rufen und ich hätte dafür auch den richtigen Ort und die richtigen Leute, und das Zentrum dazu soll und wird genau das Grundstück sein, auf dem mein Vater und ich gerade wohnen und leben. Hohe Ansprüche, ich weiß, aber mit Kleinkram hab` ich mich eigentlich auch noch nie zufrieden- und abgegeben, das ist der Suchtkranke in mir, entweder ganz oder gar nicht, auf gut Deutsch: Was wir machen, übertreiben wir!

Zum Glück kann ich wahrlich behaupten zu sagen, ich kann inzwischen mit Rauschmitteln und Drogen genauso umgehen, wie es vernünftig für mich ist, aber das genau auszuführen, sprengt dann wirklich den Rahmen und kann ja ein anderes Mal ausdiskutiert werden. Sagen wir einfach mal so, ich habe mich seit langer Zeit, vielleicht sogar noch nie zuvor in meinem Leben, so gesund gefühlt wie jetzt zur Zeit gerade, und damit meine ich tatsächlich die letzten Jahre meiner Entwicklung, dieser Trip vorletzte Woche war nur der Höhepunkt davon. Nun heißt es an die Arbeit, es gibt wirklich so viel zu tun, viel zu viel eigentlich, aber packen wir es trotzdem mal an, ich auf jeden Fall, ich war schon immer so`n kleiner Weltverbesserer, möchte gern…

Ich sag` ja, ich war fleißig, meine T.F. ist auch endlich fertig…

Deswegen gebe ich mich auch nicht damit zufrieden, das erste Skate-Dorf der Welt aufzubauen, ich will hier die erste Skate-Region des Planeten erschaffen, ein kleines Paradies, in dem Skateboards Vorfahrt haben, und wer jetzt meint, ich hab` sie tatsächlich nicht mehr alle, hat nur solange recht, bis ich fertig bin. Und wenn sich eines wie ein roter Pfaden durch mein Leben zieht, dann daß ich eigentlich alles, was ich mal irgendwie ernsthaft angefangen habe, auch irgendwann beendet habe, und zwar so, daß ich damit zufrieden sein konnte. Also ich hab` genau vor zwei Wochen damit angefangen, mein Leben noch fester in die richtige Hand zu nehmen und ihm eine noch genauere Richtung zu geben, die letztendlich nur das verfestigt, was seit nun mehr 33 Jahren mein Leben definiert, nämlich Skateboarding. Und Skateboarding steht für mich gleichbedeutend mit Liebe, und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie dankbar ich dafür bin. Deswegen werde ich, solange ich kann, zurückgeben, zurückgeben, zurückgeben, noch mehr als ohnehin schon die letzten Jahrzehnte, Skateboarding und Liebe, beides ist eins…

Hippiescheiße…

So, und jetzt mach` ich mal Schluß, es gilt, Dinge zu erledigen, ich hab` viel vor dieses Jahr und alles will gut vorbereitet und halbwegs organisiert sein, denn ein Jahr hat nur 365 Tage und ein Tag nur 24 Stunden. Aber das ist doch wohl besser als nix und hoffen wir, daß wir noch viele Jahre haben, ich bin jedenfalls sowas von dankbar für jede einzelne Sekunde, und dieses Glück zu teilen ist, das ist das wahre Glück…

Ihr lest, seht und hört wieder von mir, geht gar nicht anders, alles muß raus (irgendwann),
Arne

P.S.: Witzig war, wie ich Olga am zweiten Tag meines Entzuges simste (ja, ich schreibe noch SMS), daß ich überlegte, vielleicht auf diesem Blog ein Tagebuch des Entzugs eben zu bloggen, wovon sie mir aber eher abriet. Letztendlich hätte ich da dann auch eh gar keine Zeit mehr für gehabt, aber heute Abend hab` ich sie mir genommen und letztendlich ist dieser Blog-Eintrag ja sowas wie mein Tagebuch des Entzugs geworden…

P.P.S.: Stichwort Energien… Am Morgen jenes 21.01.2021 piepte gerade, als ich mich entschloß, aufzustehen und quasi durchzumachen, mein Handy mit einer SMS von Mor, dem ich des Nachts auf diesem Kanal eine Frage gestellt hatte. Wir reden über meinen einstigen Mentor Moritz, ja, der aus den BOARDSTEIN ANFANGSZEITEN, mit dem ich erfreulicherweise in den letzten Jahren wieder mehr Kontakt habe, letztes Jahr fast schon richtig viel. Stellte sich raus, Mor konnte in letzter Zeit auch nicht so gut schlafen, Olga halt auch nicht, Stichwort Energien…

P.P.P.S.: Positiv vom Hier und Jetzt in die Zukunft schauen, ist das, was wir alle gerade am meisten brauchen. Und Träume zu verfolgen lenkt ab von der Realität, deswegen macht euch die Welt, wie sie euch gefällt…

Kicher…

Ein Gedanke zu „UND DANN WAR DA DER 21.01.2021…

  1. Stark, hört sich nach ner abgefahrenen Lebensphase an. Ich drücke die Daumen, dass du die Welle noch lange reiten kannst!
    Werd auch mal versuchen hier regelmäßiger reinzuschauen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.