ALOHA UND AHOI IN SEIGNOSSE

So, wie letztes Mal schon kurz angedeutet, heute dann mal kurz was zu meiner aktuellen Situation: Ich bin also jetzt seit über einer Woche in Seignosse in Südfrankreich, alles sehr schön hier, die Landschaft erinnert mich immer wieder irgendwie an die Ostküste Australiens mit den ganzen Pinienbäumen, Dünen und vor allem natürlich den ganzen Surftouristen. Seignosse, Hossegor und Co. gehören diesbezügluch halt mit zu den besten Spots Europas und somit laufen hier irgendwie nur schöne Menschen rum, also so natürlich schön halt, SurferInnen eben… Ich bin hier für Vulcano Skateparks (www.vulcanoskateparks.com) aus Spanien am Schaffen, zusammen mit Mike, meinem Chef und vor allem Freund von Concrete Flow aus Belgien. Die anderen hier vor Ort, zur Hälfte Franzosen, zur anderen Hälfte Spanier, habe ich auch alle erst letzte Woche kennengelernt, bis auf Wee-Man, mit dem ich vor ein paar Wochen schon mal eine Woche in Beringen, Nordbelgien, geschuftet hatte. Der heißt so, weil er ein leichtes Liliputaner-Syndrom hat, er ist also nicht richtig klein, hat aber in etwa die Statur von eben Wee-Man. Alles feine Kerle und echte Skater, und wir bauen einen richtig schicken Skatepark, so eine Art Snakerun-Bowl, auf jeden Fall alles sehr organisch und es gibt auch nur eine Pyra-Hip, sonst ist alles irgendwie rund und wird sich, nicht nur wegen des gelben Betons, den wir für drei Viertel der Flächen verwenden werden, optisch hervorragend an die Dünen direkt nebenan, wo wir immer hin pissen, anpassen. Das Ganze ist direkt am Haupteingang zum Strand, also endlich mal eine Baustelle nicht wie so oft irgendwo versteckt hinter Sportplatz und/oder -halle, sondern wirklich mitten drin im Leben, so wie es sich für Skateparks eigentlich gehören sollte.

Letzte Woche war hier auch noch richtig Betrieb, aber langsam wird das Wetter herbstlicher und dementsprechend bereitet sich hier alles irgendwie auf die Winterpause vor, der lokale Supermarkt hat zum Beispiel auch nur noch zwei Wochen geöffnet. So gesehen ist es hier ausgesprochen chillig und ruhig, gut möglich, daß das in ein paar Wochen auch anfängt zu nerven, aber das sehen wir dann, bis Ende Oktober werde ich wohl auf jeden Fall erstmal hier sein. Und das ist auch gut so, ist es doch deutlich wärmer als zu Hause, und wenn die Wellen grad mal nicht zu verrückt spielen, kann man immer noch wunderbar baden gehen, der Strand ist wirklich einmalig weiß, sauber und schön. So gesehen ausnahmsweise mal alles richtig gut getroffen, dumm nur, daß wie letztes Mal schon erwähnt unser Ferienhaus kein Internet hat, aber geht ja alles irgendwie trotzdem, sonst würdet ihr das ja jetzt hier nicht lesen können, nä!?

Skateparks gibt es hier in der Gegend auch reichlich, und da sind schon ein paar leckere dabei. Sonntag hat Mikey mit mir so `ne kleine Fahrt ins Blaue gemacht, und Biarritz ist schon eine sehr schöne Stadt mit den Klippen und Stränden dazwischen, dieser berühmte Bowl auf dem Dach des örtlichen Aquariums, den mensch vielleicht von Photos kennt, ist allerdings eher ein Reinfall. Von der Bauqualität eh schon mehr als bescheiden liegt er leider auch noch falsch rum, also so, daß es bergauf Richtung Deep-End und eben bergab ins recht flache Shallow-End. Der Spot ist nur wegen der eizigartigen Location alleine eigentlich nicht unbedingt eine Reise wert, aber ich bin ja auch nicht so der Poolfahrer. Supergeil dann auf dem Rückweg nach Seignosse, wir halten noch kurz in benachbarten Capbreton, um uns den Skatepark da anzugucken und ich hör` nur ‚Aaaarneeee‘ und darf erstmal Benjamin Wessler aka Ben Wes aus Hamburg, seinerzeit quasi Stammgast in der BOARDSTEIN, und seinen Freund Lukas begrüßen. Wie geil ist das bitte immer wieder, fährst irgendwo hin und triffst völlig unverhofft gute Leute, die du kennst und vielleicht lange nicht gesehen hast, immer wieder krass einfach. Ich bin ja nicht so der Selfie-Mensch, muß ich für diese Scheiße hier vielleicht noch werden, aber es ärgert mich echt, daß ich diese Begegnung nicht bildlich festgehalten habe, ich war wohl einfach zu baff (kennt jemand dieses Wort noch?)…

Genauso spontan hab` ich vorgestern erfahren, was wir dieses Wochenende machen werden, nämlich erstmal ins zweieinhalb Stunden entfernte Bilbao zum berühmten La Kantera Skatepark zur alljährlichen Over-50 Session fahren, das paßt doch auch wieder superst. Und ich war erst einmal in Algorta und das ist lange her, und weil ich mit Wee-Man und Nanaki hinfahre, wird das Skaten sicher nicht zu kurz kommen, wir wollen sogar den ein oder Streetspot abhaken, endlich mal Arbeitskollegen, die zu sowas motiviert sind. Ich bin gespannt, wen ich da sonst noch so antreffen werde, ein paar alte Bekannte werden mit Sicherheit da sein und Jonathan vom Confusion kommt auch, den seh` ich auch viel zu selten, wenn man bedenkt, daß wir uns sehr regelmäßig intensiv über Emails austauschen, wir sind halt zwei alte Magazinmacher vom gleichen Schlag. Das wird auf jeden Fall ein super Wochenende und ich freu` mich drauf, ein Erlebnisbericht wird dann wohl der nächste Blogeintrag Anfang näxter Woche werden.

Vom 3. bis zum 8. Oktober fahr` ich dann kurz mal nach Barcelona, tatsächlich zum allerersten Mal, yeah! Ein paar Kollegen aus dem Norden machen das immer mal wieder und ich hab` von Anfang an gesagt, diesmal komme ich wenigstens ein paar Tage mit, Barca muß mensch ja wohl einmal im Leben erlebt und geskatet haben, gerade als absoluter Nerd wie ich. Deswegen nicht wieder vor sich herschieben, sondern einfach durchziehen, scheiß auf die drei Tage Arbeitsausfall, Arbeit und vor allem Geld ist eben nicht alles. Ich wär` auch von wo auch immer hingeflogen, aber jetzt bin ich so nah dran, daß ich mir 12 Stunden Flixbus von Bayonne aus für 25,- Euro gönne, fühlt sich auf jeden Fall auch viel besser an als diese scheiß Kurzstreckenfliegerei. Das wird jedenfalls auch killer, vier Tage Streetskaten mit den Boys, die filmen auch gerade wieder für ein Gnaddel Flensburg-Video, ich denke, ich darf da auch mit einem Part rein, Footy hab` ich auf jeden Fall genug und ich bin weiterhin schwerst motiviert. Ich werd` mich da auch mit Kollege und Ex-BOARDSTEIN Praktikant Mark Frölich treffen, der da bekanntlich schon seit einer halben Ewigkeit wohnt, da muß ich dann ja wohl auch mal ein bißchen was abliefern, ähem…

Das Wochenende darauf ist dann der Quiksilver Surf-Pro-Contest genau hier in Seignosse, als langweilig wird es die nächsten drei Wochen auf jeden Fall nicht und somit gibt es dann scheinbar dazu auch einiges zu erzählen auf diesem Kanal. Also dieses Jahr war ich auf jeden Fall, gerade auch arbeitstechnisch, so viel unterwegs wie in noch keinem Jahr zuvor, und ich mache das ganze jetzt schon elf Jahre lang. Da ich vor ein paar Wochen dummerweise mein jährliches Tagebuch verloren hab` (auch im Flixbus) mußte ich letztens für mich sowieso nochmal 2019 resümieren und halbwegs grob schriftlich festhalten, als da ging wirklich einiges. Über Silvester war ich zwei Wochen mit meiner süßen Olga in Malta, sehr geil, sehr zu empfehlen, dann zwei Wochen zu Hause und den gesamten Februar war ich bekanntlich in Deutschland auf der ’10 Jahre danach‘ BOARDSTEIN Lesungstour unterwegs, was ganz schön an die Substanz ging so körperlich jetzt, war ja im Endeffekt auch einen Monat lang Rausch pur. Wieder zweieinhalb Wochen zu Hause und für fünf Wochen mit Skate-Aid über Beirut nach Syrien für das Skateparkprojekt dort, war natürlich alles insgesamt auch nicht ohne. Kurz zu Hause und für drei Wochen mit Concrete Flow ab nach Deauville in die Normandie, dann war ich `ne Woche in Brüssel und hab` dann mit Mikey und ein paar Boys in Soumange an einem Tag eine krasse Steilkurve auf einem BMX-Race Track gebaut, danach wieder kurze Pause zu Hause.

Deauville
Wolfsberg
Soumagne
Braives
Gumpoldskirchen
Beringen

Dann ging es nach Wolfsberg in Kärnten, südlichstes Österreich. Da hab` ich zum ersten Mal für M-Ramps (www.m-ramps.com) gearbeitet, eine österreichische Firma, die hauptsächlich Holzrampen, Pump- und Dirttracks baut und sich auch mal im Beton versuchen wollte. Gute neue Kollegen kennengelernt und ordentlich ein abmalocht, schließlich haben wir fast jeden Tag betoniert. Zwischendurch hatten wir am Wochenende mit fünf Mann eine Abstecher nach Noca Goricza im benachbarten Slowenien zu einem Skatecontest gemacht, und hab` ich schon gerade eben von der zufälligen Begegnung mit Ben erzählt, trafen wir da auf dem Contest dort prompt Janne aus Kiel, die Welt ist manchmal echt einfach zu klein, gerade mit Skateboard, hab` ich schon tausendmal im BOARDSTEIN geschrieben. Nach Wolfsberg wieder kurz nach Hause und dann in Braives, im belgischen Wallonien mitten während der Hitzewelle mal eben in zwei Wochen einen kleinen 300qm-Park aus dem Boden gestampft und von da aus mehr oder weniger direkt nach Gumpoldskirchen, einem kleinen Städtchen 20 Minuten südlich von Wien, wieder mit M-Ramps. Da haben wir dann, bei ähnlichen Temperaturen wie in Braives, richtig Strecke gemacht und wirklich nur malocht, und das alles ohne Pumpe, also immer schön schaufeln, gerne auch mal mit zwei Betonschichten an einem Tag. Von Wien haben wir somit leider nicht so viel erleben können, wie wir gehofft hatten, denn Wien ist schon auch `ne geile Stadt mit einer echt coolen Skateszene. So traf man wenigstens den ein oder anderen alten Bekannten und lernte natürlich auch noch ein paar gute neue Leute kennen.

Nochmal krasser Zufall, wir so in Gumpoldskirchen und mein belgischer Kollege Pim erfährt über Instagram, das Chris Kraft, ein Kollege von der Blackriver Familie aus San Francisco, auch gerade in der Stadt ist, wie gesagt, diese Saison paßte und paßt irgendwie alles super zusammen, er hatte dann an seinem letzten Tag in der Stadt sogar noch Geburtstag und wir waren schön Ami-Style im Prater bowlen, ewig nicht gemacht, aber immer wieder lustig. Nach Wien war ich dann aber auch erstmal durch und wollte drei Wochen zu Hause im heimischen Garten den Sommer genießen, zur Saisonhalbzeit mehr oder weniger schon sechs Skateparks gebaut zu haben, fühlte sich erstmal satt an. Aber nach einer Woche dort ließ ich mich dann doch von Mikey überreden, für eine Woche in Beringen bei Vulcano einzspringen, weil die sich ein bißchen zu viele Projekte dieses Jahr aufgehalst hatten und nun dringend Leute benötigten. Nun, gutes Geld lockte und nach der Woche konnte ich mich dementsprechend ja auch wieder zu Hause locker machen, aber da es direkt wieder ans Betonieren ging, hat mir mein Körper dann deutlich gezeigt, daß ich wirklich mal ein bißchen Ruhe und Entspannung brauchte. So war die Woche natürlich auch nicht ohne, nicht zuletzt weil ich die ganze Zeit auf einer Isoammte auf`m Fußboden geschlafen hab`, was nach harten Arbeitstagen auch nicht so geil kommt. Am Anfang meiner Baukarriere war ich für so was auch immer offen, aber das ist verdammt lange her und ich werd` nun mal auch nicht jünger, auch wenn ich mich nicht unbedingt so benehme und lebe, als wäre ich irgendwann mal sowas wie erwachsen geworden, aber das eine hat ja auch nichts mit dem anderen zu tun und ist sowieso alles Ansichtssache.

Zu Hause…

Jaaa, und dann hatte ich tatsächlich fünf tolle Woche zu Hause im Norden, war fast jeden Tag baden (sind von meiner Hütte ja nur 500m durch`n Wald zum Strand), hab` viel Yoga gemacht und mit Philipp Becker nicht nur einen hervorragenden Osteopathen, sondern auch wundervollen Menschen kennengelernt. Ich wollte in der Zeit zu Hause eigentlich noch ein bißchen mehr geschafft und mehr von den ewigen To-do-Listen abgehakt haben, aber ich hab` halt auch einfach viel gechillt und das Leben genossen, wie es sich am besten genießen läßt, z.B. auch mit einfach nackt im Garten liegen (oder mit Wolldecke am Lagerfeuer), geile Musik hören und abtrippen. Und ich muß sagen, ich hab` mich bestens erholt, bin wieder in Topform und hatte dann auch richtig Bock, wieder an die Westfront zu ziehen und mich auf die letzten drei Monate Saisonendspurt zu stürzen. Und somit bin ich jetzt hier in Seignosse und so, wie es aussieht, stehen auch bei Concrete Flow noch Projekte an, so daß ich wohl bis Anfang/Mitte Dezember noch voll ausgelastet sein werde. Hab` ich aber auch gar kein Problem mit, im Gegenteil, kann ich mich im Winter auch wieder locker machen und meinen kreativen Projekten widmen und Ende Februar, wenn Dunkelheit und Kälte spätestens echt anfangen zu nerven, nochmal ein paar Wochen in die Sonne verschwinden. Insgesamt für mich keine außergewöhnlichen, aber trotzdem zu diesem Zeitpunkt sehr sehr gute Aussichten ingesamt.

Ach so, und wo ich gerade schon kreative Projekte erwähnte, an denen ich gerade dran bin, interessiert ja vielleicht tatsächlich den einen oder die andere. Derzeit versuche ich gerade ein 100-seitiges Heftchen über das Glücksburger Skatepark-Projekt fertigzustellen, das eigentlich bis Ende des Jahres (so lange ist das beileibe nicht mehr hin) fertig sein und vor allem an die Gemeinden in meiner Region verschickt sein soll, denn ich will schließlich noch mehr Skateparks bei mir in Angeln bauen, aber hallo! Ebenfalls bis Ende des Jahres sollte dann auch die Hörspiel-CD (mit Tourtagebuch) zur ’10 Jahre danach‘ Lesungstour erhältlich sein, für alle Die-Hard BOARDSTEIN Fans oder die, die das Spektakel verpaßt haben. Jedenfalls wurde ein Tourstop aufgezeichnet und es sieht so aus, als ließe sich das Ganze tatsächlich irgendwie als Hörbuchperformance verwerten, wir werden sehen, soll aber auch kommen das. Und im Winter wollte ich dann tatsächlich endlich mal mein Buch fertigstellen, also mein erstes richtiges, das Buch eben, da sollen eigentlich wirklich spätestens im Frühling Manuskripte zu Verlagen geschickt werden, ohne Scheiß jetzt! Ich kann und will nicht ewig Skateparks bauen und irgendwann muß ich aus dieser Schreiberei wenigstens mal ein bißchen was machen, es scheint ja eh so, als müßte ich alle paar Jahre mal etwas auf Papier drucken lassen. Übrigens auch kein Witz, aber ich hab` tatsächlich zwischendurch angefangen, mir Notizen für eine etwaige zweite BAUSTOP Ausgabe zu machen, läßt sich irgendwie gar nicht verhindern, wenn man ständig baut…

Nun denn, alles zu seiner Zeit, es müssen Prioritäten gesetzt werden und somit eins nach dem anderen. Es fühlt sich jedenfalls gut an, immer wieder Sachen zu (er)schaffen und Vollgas am Leben teilzunehmen, zumindest für mich, kennt ihr ja, sonst würdet ihr diesen Scheiß hier ja gar nicht erst lesen. Was ich immer noch faszinierend finde, also vielen Dank auch nochmal für das ganze gute Feedback und Lob, ich mein`, wenn das alles keine(r) lesen würde, könnte ich es ja auch lassen, oder!? Man weiß es nicht, mal Gott fragen…

Wir hören und sehen nächste Woche wieder, genießt euer Wochenende, so wie ich meins genießen werde!
Aloha und ahoi,
Arne

1 Gedanke zu „ALOHA UND AHOI IN SEIGNOSSE

  1. Geil Seignosse! Da sind wir 2000 mit der HZW Truppe hin, der erste Tour für uns. Und vor Ort, sogar auf dem gleichen Campingplatz, Timmi Bombdrop kennengelernt.
    Das wurde also auch der Grundstein für die Boardstein-Saarland Freundschaft gelegt.

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