WAHRE WORTE VON OLIVER KAHN

Also als ich diesen Blog gestartet habe, war mir schon klar, daß ich auch zwischendurch irgendwie ein paar Einträge in der hohlen Hand haben muß, wenn ich mal ganz gar keine Zeit oder Muße für diesen Schabernack habe. Zum Glück pflege ich seit BOARDSTEIN ZEITEN immer noch die Tugend, Textpassagen oder Zitate aus Zeitschriften, Büchern, was auch immer, jedenfalls irgendwas, das mich schriftlich bewegt hat, aufzuschreiben bzw. abzutippen. Das sind die berühmten ‚Wahren Worte‘ aus unserer noch berühmteren ‚Gerücheküche‘, die es 47 Ausgaben lang in jeder BOARDSTEIN AUSGABE gab. Also dachte ich, poste ich mal was zwischendurch, während ich mich hier mit den Boys durch Barca skate, und gucke in mein Archiv von ‚Wahren Worten‘ für ein kleines intellektuelles Intermezzo. Und ich mußte nicht lange suchen, denn direkt das erste Zitat in meiner Word-Datei – von keinem Geringeren als Oliver Kahn, den ich früher immer gehaßt habe – paßt perfekt. Zu mir und zu meinem Leben und meiner jetztigen Situation als Blogger, der versucht eure Aufmerksamtkeit zu erregen und zu stimulieren. Vielleicht bin ich auch einfach schon als Blog geboren und wußte bisher nichts davon. Zitat also aus: Oliver Kahn – ‚Ich. Erfolg kommt von innen.‘ Riva Verlag 2008

„Das Perfekte wirkt kalt, und in der Regel läßt es die Menschen auch kalt. Manchmal sogar wirkt es abstoßend. Die Leidenschaft aber zieht an. Natürlich war es immer mein Ehrgeiz, so gut wie irgend möglich zu sein, das steht außer Frage. Aber der Wunsch, perfekt zu sein, kommt aus der Liebe oder der Leidenschaft für die Sache, und auf diese Weise ist es sogar möglich, daß etwas Perfektes entsteht. Umgekehrt aber wird es schwer, daß etwas Perfektes entsteht, wenn die Leidenschaft für die Sache fehlt…

Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß Talent allein nicht dazu ausreicht, sich konstant an der Spitze zu halten und hohen Anforderungen gerecht zu werden. Im Gegenteil, ich fürchte, es steht dabei sogar eher im Weg. Ich bin fast versucht zu sagen, das Beste an talentierten Leuten ist, daß sie alle anderen, die ‚Untalentierten‘ oder zumindest ‚Untertalentierten‘, dazu anspornen, härter an sich zu arbeiten. Es kann wirklich frustrierend sein, das kennen Sie vielleicht auch, wenn man es mit einem ‚Talent‘ zu tun bekommt. Das Talent kann immer alles besser, ist immer schon da, bevor man selbst ankommt, alles fliegt ihm (scheinbar) mühelos zu, Herzen gelegentlich inklusive. Aber was sagt das schon? Erstens kann man sich ja schlecht in Luft auflösen. Man ist, wer man ist und wie man ist, man kann, was man kann. Zweitens kann man ja immer besser werden. Drittens geht es sowieso darum, das, was man tut, auf die Weise zu tun, wie man es für richtig hält; es geht also mehr darum, über ‚Persönlichkeit‘ als über ‚Genialität‘ zu verfügen. Und viertens sind die Kriterien, die für eine bestimmte Aufgabe qualifizieren, ohnehin tausendmal vielfältiger, als jedes Talent sie ‚Bereitstellen‘ könnte – um im Fußball zu bleiben: Mal ist es der Stabilere, mal der Verläßlichere, mal sogar der Einfachere, der Konstantere oder der ‚Brachialere‘, der seinen Weg auf die Aufstellungsliste findet. Und manchmal ist es nur der Zufall, der über alles Talent hinweg regiert: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort…“

Ich muß sagen, dank meiner Freundin Lucie (Küßchen an dieser Stelle, und zwar auf den Mund bitte) ist mir Oliver Kahn nach der Lektüre dieses Buches um einiges sympathischer geworden (hab` ich das nicht letztens erst über Titus geschrieben? Tja, was Bücher so alles bewirken können, denk(t) mal drüber nach!). Und ich bin der letzte, der mich selbst als Skateboard-Titan beschreiben würde, aber irgendwie passen seine Worte doch auch zu mir. Nie Talent gehabt, aber immer noch dabei, und zwar nicht irgendwo, sondern mittendrinner als die meisten, die schon längst auf der Strecke blieben. Geil fand ich auch an dem Buch, daß Oliver ständig selbst zitiert, somit zum Schluß noch ein schönes Zitat von einem gewissen Paul Smith, der wahrscheinlich Abermillionen von Namensvettern hat (es gab da auch mal einen ziemlich guten Skater aus Las Vegas, der so hieß, ist für G&S (später Maple) und A1-Meats gefahren, fragt mal Chad Muska!).

Paul Smith: „Was Glück ist?… Ein freier Geist und großes Vertrauen in sich selbst…“

Jawoll,
Arne

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