A GYPSY LIFE FOR REAL AND EVER…

Mein Patenkind Gypsy und mich, Mers les Baines 2014

Moin zusammen endlich mal wieder!

Es ist ja nun schon ganze neun Tage her seit dem letzten Eintrag, das gab`s, glaube ich, seit Start dieses Blogs noch nie, oh weia, werden wir etwa müde!? Nun, ich war hier die letzten Tage nach Feierabend wahrhaftig nicht faul, so hab` ich nämlich vor zwei Tagen den Rest der Daten für das Skatepark Glücksburg Büchlein an Kollege Achim geschickt, der dürfte jetzt schon schön am Layout sitzen. Ein kleines Kapitel fehlt noch meinerseits, aber das werde ich dieses Wochenende fertigmachen, und ihr glaubt gar nicht, wie gut es sich anfühlt, wenn man so ein Projekt, an dem ich nun immerhin seit gut einem Jahr immer mal wieder zwischendurch gearbeitet habe, für sich abschließen kann, um sich dann darauf zu freuen, wenn das fertige Papierprodukt in ein paar Wochen aus der Druckerei kommt. Macht irgendwie süchtig das Ganze…

Und wo wir schon dabei sind, ich habe mich tatsächlich ein bißchen gewundert, daß nach dem Eintrag zu der immerhin BOARDSTEIN SONDERAUSGABE #2 gut drei Wochen lang nicht eine Bestellung dazu bei mir eingegangen ist, dann jedoch vor zwei Tagen innerhalb von einer Stunde gleich zwei, so ganz zufällig (Gruß an dieser Stelle an unsere langjährigen Familienmitglieder Matthias Korte und Stefan Klingler! Letzterer hatte sogar mal ein ‚Du & Ich‘ Checkout bei uns im Heft, Bs Lipslide an einer Opel Kadett Motorhaube, photographiert von niemand Geringerem als Little Swastika, yeah, auch Küßchen an dieser Stelle!). Jaja, FAMILIE BOARDSTEIN lebt und leibt, aber wie gesagt, etwas überrascht bin ich dann doch, daß nicht mehr Bestellungen eingegangen sind. Ich mein`, mir ist das letztendlich egal, für mich bedeutet das nur weniger Arbeit, aber es ist doch immer schön, daß wenn man sowas auf die Beine stellt, es auch mit möglichst vielen Gleichgesinnten teilen kann (doch ich gebe zu, 15,- Euro sind nicht ganz billig (gehen aber in die Glücksburger Betonkasse, wir sind dann wohl doch noch nicht ganz fertig dort vor Ort!)).

Womit wir auch noch eine gute Überleitung zum nächsten Punkt hätten, denn ich hatte Klaas vor ein paar Wochen mal gefragt, ob er mal irgendwelche Zahlen hätte, wie viele Leute diese Scheiße hier denn so regelmäßig anklicken, was ja noch lange nicht heißt, daß sie es auch lesen. Bei den für mich motivierenden Zahlen wurde allerdings ganz klar deutlich, daß die Besuche extrem zurückgegangen waren, seitdem ich aufgehört habe, auf Facebook zu posten, daß ich hier etwas poste. Hab` ich mir doch fast gedacht, und ich mach` denjenigen, die dafür verantwortlich sind, auch keinen Vorwurf, denn in dieser gerade digital so überladenen Welt bleibt ja vieles auf der Strecke, weil die persönlichen Input-Kapazitäten alleine zeitlich schon begrenzt sind und mensch das ein oder andere dabei ganz einfach auch vergißt. Da mir FAMILIE BOARDSTEIN aber am Herzen liegt, ich tatsächlich Spaß an dieser Bloggerei gefunden habe und mir wünschen würde, diese Seite wächst in Zukunft noch nach wohin auch immer, werden wir euch nun wieder zu eurem Glück zwingen. So hat Klaas einen Plug-in installiert, der den Luschen unter euch bei Facebook ab jetzt wieder bescheid gibt, wenn hier auf der Seite was passiert, für sowas ist dieses Medium ja dann doch ganz nützlich und trotzdem muß ich dabei nichts damit zu tun haben, tätä! Und apropos tätä, bei Twitter gibt es wohl tatsächlich ab jetzt auch so einen, wie sagt man, ‚Tweed‘!? Ich wußte bis dato gar nicht, daß BOARDSTEIN twittern kann und daß es das überhaupt noch gibt, dieses Twittern, ist heute nicht alles Instagram!? Ich dachte, es hätte sich schon lange ausgezwitschert, obwohl so lange Donald Duck Präsident ist, geht ja sogar Politik damit…

Soviel mal zum Technischen und Organisatorischen, vielleicht trudeln ja noch ein paar Bestellungen für das Glücksburg Büchlein ein, Fakt ist, sofern Achim das rechtzeitig fertig kriegt – wovon ich überzeugt bin, denn der Mann ist Vollprofi – drucken wir das Ganze noch dieses Jahr und ich würde es dann Anfang Januar verschicken tun. Also haltet euch ran mit etwaigen Bestellungen, das Ding wird wie gesagt sehr limitiert sein! Ich hab` mich dann jetzt direkt – ganz getreu dem Motto ‚Go with the (work)flow‘ – noch ins nächste kleine Projekt gestürzt, welches ich möglichst bald auch abgehakt haben möchte, weil noch ein sehr sehr großes danach darauf wartet, endlich fertiggestellt zu werden, aber dazu dann später mal ausführlicher, wenn`s konkret wird. Der BOARDSTEIN in mir lebt und brodelt auf jeden Fall zum Ende des zehn- bzw. zwanzigjährigen Jubiläums wie lange nicht mehr und wartet nur auf Eruption, jaaa…

Wie die Überschrift schon sagt, ist es ein Gypsy Life, also meines auf jeden Fall immer noch, da hat sich seit BOARDSTEIN nichts dran geändert, im Gegenteil, ich bin immer noch sowas von BOARDSTEIN. Und wer euch da auch noch ein Lied von singen kann, sogar eine Oktave höher, ist Catastrophen Conni und sein Hund Gypsy, die wir letztes Wochenende in Köln besucht haben. Wir sind meine Freundin Olga von Hamburg aus und ich von Charleroi wech, wir ham uns quasi so`n bißchen in der Mitte getroffen, um uns mal wieder zu treffen, und vor allem weil ein Besuch bei Conni seit langem überfällig war. Conni ist kein Geringerer als David Marlo Conrads auch bekannt als D-Bomb, Condor, Comacobra, Catastrophen Conni, und Conni ist nicht nur Blutsbruder, sondern auch ein bißchen sowas wie mein Padawan. Das mag jetzt anmaßend klingen, allerdings waren genau das seinerzeit die Worte seinerselbst, daß er das gerne sein würde, mein Padawan, als er vor ziemlich genau sechs Jahren ein dreiwöchiges Praktikum bei Minus-Ramps machte, während wir uns gerade in der Endbauphase des Skateparks in Bremens Überseestadt befanden. Ich nahm Conni dann später mit zu seinem ersten Concrete Flow Projekt in Mers les Baines, Frankreich, und er und Mikey waren natürlich auch gleich ein Herz und eine Seele (wir sind halt alles Blutsbrüder), und Conni war fortan mit im Team for life und for real.

Conni in Bremen und ein Ollie To Fakie des Todes, ganz so, wie er es gern hat. Ph: Petzi (wo treibst du dich eigentlich grad rum?)

Wir hatten dann so einige Baustellen zusammen und es war nicht immer leicht mit Conni, vor allem für mich nicht, denn Conni ist nun mal ein kleiner wahnsinniger Motherfucker, der sich in neun von zehn Fällen nach drei, vier Bier in ein waschechtes Arschloch verwandeln kann. Aber weil er den Großteil des Lebens so ein herzensguter Mensch, der alles mit einem teilen würde und hilft, wo und wie er kann, eine so ehrliche Haut und eben der wahnsinnige Motherfucker ist, der er ist – eine echte Cobra eben – kann man ihm einfach nicht lange böse sein und liebt ihn einfach für sein Conni-Sein. Nicht zuletzt auch, weil er einer der wenigen deutschen Skateboarder ist, die für Stunts gesorgt haben, die so nicht alltäglich sind. Conni ist einfach ein wahrer Stuntman, mit und ohne Skateboard, und ich habe schon mehrfach live um sein Leben fürchten müssen, wenn er mal wieder irgendwas versucht und in der Regel nach dem ein oder anderen super harten Slam oder andersrum first try dann auch gemacht hat. Conni und ich hatten super Zeiten zusammen, aber auch ein paar sehr düstere, und ich, der Gewalt absolut verabscheut, kam das ein oder andere Mal nicht drumherum, handgreiflich zu werden, um Conni im Rausch zur Raison zu rufen, wenn er mal wieder zu breit war und den Dämon aus sich raus ließ. Highlight war diesbezüglich sicher das Skate-Aid Projekt in Namibia letztes Jahr, wo er schon mal eine Woche später anreisen mußte, weil er spontan aus seiner WG geflogen war und erstmal seinen Kram irgendwiewo unterzubringen hatte, um es dann in Windhoek innerhalb von fünf Wochen zu schaffen, aus drei Hostels nacheinander rauszufliegen. Er hatte sich zu diesem Zeitpunkt die letzten Jahre auch schon bei ein paar anderen Firmen in der Betonbranche rumgehurt (tun wir letztendlich alle) und den Großteil dieser Zeit ohne festen Wohnsitz verbracht, alles eben Gypsy-Style vom Krassesten, und bei dem Lebenstil und seiner Vorgeschichte kann man irgendwann nur endgültig auf Tilt gehen. Conni drehte aber nicht durch, Conni wurde krank, sehr sehr krank…

Ein paar Monate nach Namibia hörte ich von seiner Diagnose, Hodenkrebs, ausgerechnet die Hoden, wo er doch so gerne rammelt (noch etwas, was wir beide gemeinsam haben). Ziemlich schnell stellte sich dann raus, daß der Krebs auch auf die Lunge gestreut hatte, und so ist Conni dann ein Jahr lang durch die Hölle gegangen, mit Chemo-Alarm und fünf Operationen, die nicht nur den Narben nach zu urteilen nicht ganz ohne waren. Als wir uns im Februar auf meiner BOARDSTEIN LESUNG in Köln gesehen haben, habe ich ihn erst gar nicht erkannt, so ohne Haare und so aufgedunsen, wie er von den Medikamenten war. Das Krasse aber ist, so viel Sorgen ich mir um meinen lieben Freund auch die ganze Zeit gemacht habe, ich habe irgendwie keine Sekunde daran gezweifelt, daß Conni das nicht schafft, überlebt und hinter sich bringt, wenn einer, dann er! Conni ist ein Survivor hoch Zehn und ist dem Tod vorher schon das ein oder andere Mal von der Schippe gesprungen. Und er sagte dann auch letztes Wochenende in einem Moment vollen Ernstes zu mir, daß er, wenn er nicht schon so ein hartes Leben gehabt und so viel durchgemacht hätte, das Ganze nicht überlebt hätte. Die Ärzte redeten wohl auch von einem kleinen Wunder, was so ein durchlebter Körper alles wegstecken kann, aber das ist mein/unser Conni, ein wahrer Jedi eben, und die Comacobra, zischel zischel.

Conni ganz der alte in seinem Element am heimischen Herd…

Ja, Conni hat es überstanden und ist auf den Weg der Besserung und guter Dinge, daß er nächste Saison wieder mit uns auf der Baustelle stehen wird (stehen ist gut, kicher), und viele Menschen erfreuen sich dieser Tatsache, denn Conni hat in seinem Leben so einige Herzen be- und gerührt. Und es tat so gut letztes Wochenende, das zu sehen und zu erleben, und vor allem zu wissen, daß es scheinbar in gewissen Punkten auch ‚Klick‘ bei ihm gemacht hat, denn so wie vorher konnte er einfach nicht weitermachen. Und so lebt er nun mit seiner lieben Freundin Frederike, ohne die er das alles laut eigener Aussage nicht überstanden hätte, und zwei der niedlichsten Hunde dieser Welt in guter Nachbarschaft in einer schönen geräumigen Wohnung in Köln-Ehrenfeld und hat seit gefühlten Jahrzehnten das erste Mal in seinem Leben alles beisammen und an Ort und Stelle, vor allem auch seine Platten (die dringend mal sortiert werden müßten, mein junger Padawan!). Ja Mann, Conni, Alter, ich bin so froh und so sehr stolz auf dich und hab` dich verdammt lieb! Laß` uns weiter zusammen durch die Gegend zischeln in diesem einen tollen Leben! Und laß` uns bald wieder zusammen Skateboard fahren, der nächste Frühling kommt bestimmt, ich bin gespannt, welchen Spot du als nächstes mit deinen abgedrehten Skills denunzieren wirst.

Ich überlegte dann während des letzten Wochenendes (zugegebenermaßen tu` ich das inzwischen schon halbwegs automatisch), was ich denn wohl in meinem nächsten Blog-Eintrag schreiben würde. Und da das alles hier ja sowieso eigentlich mehr nur ein erweitertes Tagebuch meinerseits ist, war klar, daß ich irgendwas über Conni und unser Wochenende schreiben mußte. Und wie gesagt, wir vier plus Hundis hatten eine super Zeit zusammen, gute Gespräche, gutes Essen und ein bißchen gut Party am Samstag, schließlich hatte ich nachmittags knapp 300,- Euro bei Underdog Records gelassen, dem meiner Meinung nach bestsortiertestem Plattenladen Deutschlands, was Underground und Alternative angeht. Conni war mit sportlichen 90,- Euro dabei gewesen und das mußte abends natürlich gefeiert und somit bis morgens Musik gehört werden, nachdem wir vorher ein wenig durchs Ehrenfelder Nachtleben gestolpert sind (Grußkuß an dieser Stelle an meine Boys Steffen und Jürgen, mit denen ich damals im Februar nach meiner Lesung schon Em Drügge Pitter gestrandet bin, fiel mir dann aber erst auf, als ich drin war). Sehr schön war dann noch, daß, nachdem wir nachmittags kurz im Pivot Skateshop nach Magazinen und/oder Büchern geguckt hatten, beim folgenden obligatorischen Punsch mit Schuß auf`m Weihnachtsmarkt in einen der beiden Sleibnir/Robotron Martins reingelaufen sind, und zwar den Dockenfuß. Also ich kenn` jetzt nicht allzu viele Menschen in Kölle, aber dann so zufällig in einen von ihnen aus BOARDSTEIN ZEITEN reinzulaufen, war mal wieder eine von diesen unzähligen kleinen herzerwärmenden Begegnungen, die ein Gypsy Life nun mal so mit sich bringt und so richtig lebenswürdig macht.

Wie gesagt, ein kuscheliges Köln-Wochenende an allen Fronten und ich muß sagen, ein ganz großes Highlight für mich war auch das Wiedersehen mit Connis Hund Gypsy am Freitagabend. Wir hatten uns nämlich gut anderthalb Jahre nicht gesehen, Gypsy und ich, und die kleine Ratte hat sich so gefreut, gequietscht und rumgehüpft, daß ich wirklich zutiefst gerührt war, denn Gypsy ist mein Freund genauso wie Conni. Dazu gibt es eine lange Vorgeschichte, zu der ich gleich kommen werde, aber ich war halt einfach mal wieder berührt von dem Hundedasein an sich, denn Hunde sind meiner Meinung nach wirklich die einzigen Tiere, mit denen man tatsächlich so etwas wie eine echte Freundschaft mit gegenseitigem Austausch (er)leben kann. Da brauch` mir jetzt auch keine(r) mit Katzen, Pferden, Delphinen oder so kommen, ihr wißt, was ich meine, Hund, der beste Freund des Menschen, bedingungslose Liebe auf vier Pfoten…

Und ja, Gypsy, Conni und ich haben eine lange, gemeinsame Vergangenheit, und vor allem das wollte ich euch dann heute eigentlich mal erzählen (die Vorgeschichte dazu hat sich wie immer bei mir wohl ein bißchen bis gerade eben hingezogen), nämlich wie wir Gypsy damals gefunden haben bzw. wie er zu uns gekommen ist. Das war nämlich auf der bereits oben erwähnten Baustelle in Mers les Baines, etwas nördlich der Normandie, Connis erster Baustelle mit Concrete Flow im Spätsommer 2014. Wir hatten ein Partywochenende im benachbarten Amiens mit Camille verbracht und kamen Sonntagabend wieder auf unserem fast menschenleeren Campingplatz an, und dann war da dieser Hund, damals viel mehr noch ein Hündchen, oder noch besser ausgedrückt, ein kleines Häufchen Elend. Der kläffte und quiekte dort in einer Tour rum und wußte weder, wo er war, noch wie ihm geschah, der Campingplatz liegt nämlich etwas außerhalb des Ortes mitten im Nirgendwo. Zudem war der Hundi wenn nicht offensichtlich ausgesetzt, um nicht zu sagen bei voller Fahrt aus dem Auto geworfen, dann auf jeden Fall deutlich mißhandelt worden. Er humpelte schwer, das Schwänzchen war gestutzt, er war kahl geschoren, hatte ein paar echt respekteinflößende Narben an sich und die Bastarde hatten ihm sogar die Schnurrhaare abgeschnitten, und man fragte sich mal wieder, wie Menschen Tieren, in diesem Fall einem zuckersüßen Welpen, so etwas antun können.

Slouri, Conni und das Hundi, das Gypsy genannt werden sollte

Der verlassene Welpe folgte uns dann natürlich auch auf Schritt und Tritt in unser bescheidenes Bungalöwchen und verbrachte, durchgegehend zitternd, den Abend und die Nacht bei uns, letzteres in Connis Obhut mit Flauschedecke auf der Bank in der Küche. Tja, und als wir dann am Montagmorgen beim Müsli zusammensaßen, war das kleine Würmchen immer noch da und hatte offensichtlich auch starken Hunger. Ich guckte Conni nur tief in die Augen – es war einer dieser intensiven Momente, die ich nie vergessen werde – und sagte: „Wenn du ihm jetzt was zu Fressen gibst, bist du sein neues Herrchen.“. Und Conni meinte nur: „Ich weiß, und ich glaub`, ich mach` das.“ Ich war so erleichtert, denn sonst hätte ich das nämlich gemacht/machen müssen, und wir sprachen zwar nochmal kurz darüber, zur Polizei zu fahren und wenigstens zu melden, daß wir einen Hund gefunden hätten, aber das war nur rein profilaktisch für die Akten und wurde auch nur einmal und nie wieder angesprochen. In die Hände der Vorbesitzer sollte dieses Hündchen ohne Frage besser sowieso nie wieder kommen, und wer hat schon Bock auf Polizei und so`n Scheiß!? Cobras und Jedis nicht.

Tja, und seitdem sind die beiden ein Team, Conni und Gypsy, der Padawan hatte nun einen eigenen, eigentlich ja komplett gegen die Regeln des Jedi-Ordens, aber Gypsy hatte noch eine Menge zu lernen und brauchte einfach jemanden, kein Wunder bei dem, was er in seinem kurzen Leben durchgemacht haben mußte. Wir sprachen dann kurz noch über einen Namen für den kleinen Fellbatzen, ich plädierte ja für Muffin, weil sich das einfach so niedlich anhört, Gypsy wie ein kleiner Muffin aussieht und ich mit meiner lieben Ex immer einen Hund namens Muffin haben wollte (und einen Kater namens Snorre). Super geil war dann auf meiner Weltreise 2012, als ich drei Wochen in San Diego abhing, u.a. mit einem liebenswerten Dude namens Christopher Slatky aus Portland, und wir warum auch immer – also wahrscheinlich genau wegen dem, was jetzt kommt – auf das Thema Hundenamen zu sprechen kamen. Als ich von meinem Lieblingshundename erzählte, meinte er, daß seine Familie mal einen Hund namens Muffin hatte, tja, Blutsbrüder weltweit, wenn ihr Skateboard fahrt, kennt ihr das ja auch…

Zurück in Mers les Baines hatte sich Conni aber schon zu dem Namen Gypsy entschieden, der auch wirklich perfekt paßt, weil die beiden von nun an zusammen ein Gypsy-Team sein würden. Wir legten alle zusammen und Gypsy bekam ein billiges Hundehalsband mit bunten Knochen drauf und jede Menge Futter auf Vorrat und wich Conni von nun an nicht mehr von der Seite, was sich auf einer Baustelle durchaus als nachteilig herausstellen kann, vor allem wenn man so kleine Beine hat wie diese Bilderbuch-Promenadenmischung im handlichen Handtaschenformat. Und wenn man ihn dann mal irgendwo angebunden hatte, um wenigstens einen Moment seine Ruhe zu haben, kläffte er solange, bis man mal wieder kurz zu ihm ging und ein paar Streicheleinheiten verteilte. Zuweilen war es wirklich etwas anstrengend, denn sobald Conni mal außer Sichtweite geriet, wurden die Kläff-Frequenzen noch höher!

Wie Hundis nun mal aber so sind, war Gypsy natürlich nach ein paar Tagen trotzdem ganz Chef auf dem Platz und ließ das jeden Eindringling auch auf seine Art und Weise wissen. Er bekam von uns aber auch dermaßen viel Aufmerksamkeit und Liebe, daß auch für ihn gar kein Zweifel daran bestehen konnte, daß er ein neues Zuhause gefunden hatte, wohl das erste richtige seit Geburt. Von den Kids und Locals um den Skatepark wurde er auch ganz schnell ‚Le Guardian‘ gekauft, ja, er war halt unser Baustellenwachhund und gab jedes Mal Alarm, wenn sich jemand näherte, stapfte aber selbst auf der Suche nach Conni ganz Architekten-Style immer wieder fröhlich in jeden neuen frischen Beton rein, den wir gerade verabeiteten, und dann hieß es mal wieder Pfötchen waschen und ab an die Leine. Und dann ging das Gekläffe wieder los…

Am krassesten war es, wenn wir nach Feierabend Sessions im Skatepark abhalten wollten, schließlich erweiterten wir damals einen bereits bestehenden Skatepark. Gypsy drehte völlig durch und wenn er nicht angebunden war, fetzte er mit seinen kleinen Beinchen Conni auf zehn Zentimeter Abstand hinterher und man hatte ständig Angst, daß er unter die Rollen kommen würde. Also ja, ohne Frage gehörte Gypsy jetzt zur Familie und war von da an überall und immer mit dabei, denn nicht daran zu denken, ihn mal alleine im Auto oder so zu lassen. Er war schon einmal verlassen worden in seinem Leben und würde dann an seinem eigenen Gekläffe ersticken! (Es gab damals zu dieser Baustelle übrigens auch eine Berichterstattung meinerseits auf der Webseite vom geliebten Confusion Magazin, da könnt ihr euch, wenn ihr wollt, auch heute nochmal ein besseres Bild von der Lage vor Ort damals machen. Es ist ja nicht so, daß ich in der Vergangenheit nicht auch schon mal hier und da was gebloggt hätte, vornehmlich natürlich bei meinem Buddy Jonathan Haywire…)

Conni und Gypsy am Morgen nach meinem 40. Geburtstag in meiner Hütte zu Hause im Garten
Im Mädchentreff in Glücksburg beim ersten Bauabschnitt

Tja, und seitdem haben Conni, Gypsy, ich und die anderen so einige Baustellen zusammen erlebt und ich denke mir immer wieder, was für ein geiles Hundeleben es sein muß, mit seinem Herrchen und dessen Freunden mit auf Baustelle zu sein. Hund ist den ganzen Tag draußen und kann rumschnüffeln, bis Hund blöd ist, und wird zwischendurch immer wieder von jedermann durchgeknuddelt, und glaubt mir, das ist so gut für die Psyche und fürs allgemeine Wohlbefinden für alle. Wenn man sich zwischen der schweren Arbeit mal kurz hinsetzen kann, die Handschuhe ausziehen und ein liebesbedüftiges Fellbündel springt einem auf den Schoß und will gestreichelt und gewärmt werden, jaja, da lacht das Herz auf beiden Seiten! WinWin-Situation auf ganzer Front, ein zwei Hundis auf der Baustelle dabei zu haben, ist gut fürs Betriebsklima und wirklich das Beste, was dem Bauarbeiter passieren kann, sollte also vor allem in jedem nicht vorhandenen Arbeitsvertrag stehen! Schlabberkuschelkussis an dieser Stelle auch an Manusch und Capu, wuff wuff, hechel hechel, schleck schleck…

Gypsy mit Janno bei Baum im Aachen nachts vor der Abreise nach Livarot 2016
Mit Baum bei Baum am gleichen Abend
Mit Herrchen in Livarot beim Bau des neuen Atlantik Walls
Lecker, besser, schmackofatz…

Apropos schleck schleck, das finde ich halt auch so toll an Hunden, denn mit welchen Lebewesen außerhalb der Menschheit kann mensch sonst noch so toll Küßchen geben!? Ich weiß aus eigener Erfahrung, ein paar Papageien und Wellensittiche können das auch, und der ein oder andere eingesperrte Delphin oder Killerwal wahrscheinlich ebenso. Aber Hundis sind die Macht, die können nicht nur knuddeln bis zum Umfallen, sondern sogar knutschen, manchmal auch feuchter, als einem lieb ist, Gypsy ist da auch ganz groß drin. Und so haben wir mit diesem kleinen Racker wirklich einiges erlebt, und er mit uns natürlich auch. Ich mein`, auf der Baustelle in Nanterre bei Paris hat der Kleine mitten im Winter gut drei Monate lang in Decken eingehüllt im Auto auf uns warten müssen, bis Feierabend war. Das ist grundsätzlich manchmal ein Problem mit ihm, weil in den Unterkünften oder auf den Campingplätzen, wo wir wohnen, oftmals keine Hunde erlaubt sind, und auf Großbaustellen schon mal gar nicht. Aber Gypsy läßt sich gut schmuggeln, und wenn es dann doch wie immer natürlich irgendwann rauskommt, isses auch egal irgendwie, mit Gypsy hat mensch halt immer irgendwie ein Nachsehen, weil der einfach so niedlich und harmlos ist. Das ist genau wie mit Conni, dem ollen Herrchen. ..

Die Boys auf Hausparty in Paris im Winter 2017
Gypsy muß auch mal ran und zerpflückt unseren Wohnwagen in Paris auf`m Campingplatz
Küßchen von Thierrible zwischendurch und ständig

Völlig heftig war, als wir Gypsy während der Baustelle in Rochefort mal auf`m Rastplatz vergessen haben, oh mannomann… Wir waren Samstags bei unserem Freund und Arbeitskollegen Jo Dezecot (super Typ und Shredder vor dem Herrn) und seiner Familie auf`m Land irgendwo bei Tours gewesen und hatten dann Sonntags seinem einzigartigen DIY-Spot ‚La Cave‘ in einem unterirdischen Weinkellergewölbedingens einen Besuch abgestattet. Abends dann wieder einmal eine Autofahrt völlig übermüdet zurück zum Campingplatz, um uns in eine weitere arbeitsreiche Woche zu stürzen. Es waren Ratman, Conni und ich, und wir machten dann zwischendurch mal irgendwo in der Pampa auf der Autobahn (ach Quatsch, sowas haben ja nur wir Deutschen und nach Frankreich fahren wir nur in Panzern) an einem Rastplatz eine kurze Pinkelpause und ließen uns hinterher wieder erschöpft in die Sitze fallen, so daß Ratman uns baldigst die letzte Stunde Fahrt auch noch sicher nach Hause bringen konnte. Ich saß auf`m Beifahrersitz und Conni hatte bis dahin hinten mit Gypsy gekuschelt. Dann kamen wir schlußendlich am Campingplatz an und es heißt nur ‚Wo ist Gypsy?‘ und Conni fängt lauthals an, nach ihm zu rufen, als wenn das irgendwiewas geholfen hätte. Gypsy hatte zwar bis dahin ein bißchen dazugelernt und war ein wenig älter geworden, aber er wich Conni zu diesem Zeitpunkt nach wie vor immer noch nur höchstens 20 Meter von der Seite, und mir war sofort klar, wir hatten die Töle auf dem Rastplatz vergessen bzw. er war einfach kurz ausgebüchst und keiner hatte es mitbekommen. Klar, wenn wir pissen, will/muß der Hundi natürlich auch pissen, und so war er wohl aus dem Auto gehüpft und hatte es dann nicht mehr rechtzeitig wieder rein geschafft, bevor drei ignorante verkaterte Herren mit Aussicht auf ein baldiges Bett losgefahren sind.

In Ault 2017, 20km nördlich, von wo wir ihn drei Jahre vorher adoptiert hatten.

Letztendlich muß man uns allen dreien einen Vorwurf machen, nicht nur Conni, aber ja, was für ein Drama! Ratman hatte natürlich richtig Bock, nochmal eine Stunde zurück und dann eben nochmal zurück zu fahren, um irgendwo im Nirgendwo einen verlassenen Hund in der Größe eines Schuhkartons Größe 36 aufzuspüren, zumal es inzwischen dunkel geworden war, aber klar, es führte kein Weg daran vorbei. Zum Glück war Clement aus Amiens inzwischen auch angekommen und konnte sich am Telefon als Franzose mit der französischen Highway-Polizei in Verbindung setzen. Wir hatten alle nur Panik in den Augen, Gypsy mit seiner Vorgeschichte alleine auf einem einsamen dunklen Highway-Rastplatz!… Nicht auszudenken, was hätte passieren können, aber wirklich so passiert. Conni rief dann zwischendurch an und heulte wie ein Schloßhund, daß er es nicht wert sei zu leben und dieses ebenso auch beenden könne, wenn wir Gypsy nicht wiederfinden würden, und mir blieb nur, über Handy moralischen Beistand zu leisten. Irgendwann kam dann tatsächlich die erlösende Nachricht von irgendwoher, daß eine Frau Gypsy auf dem Rastplatz gefunden hatte, als er gerade dabei war, den Autos auf der Autobahn hinterher zu kläffen, er sich jetzt aber bei ihr in guten Händen befand. Es konnte dann alsbald die Übergabe an den natürlich überglücklichen Besitzer stattfinden, sofern mensch Hunde denn besitzen kann…

Inflagranti in Rochefort
Master Conni beim Ejakulieren in der Bretagne

Damn, was ein Alarm, wie gesagt, wir haben schon viel durch wir alle und dieses Hundchen, einmal ist er uns fast abgesoffen. Und zwar sind wir auf der Baustelle in Tournai 2017 in einem heißen Sommer nach der Arbeit auf dem Weg zur Unterkunft gerne mal in den benachbarten Kanal gesprungen zum Abkühlen, was auch sonst tun als Gypsy-Bauarbeiter!? Naja, und einmal plantschten Conni und ich da so rum und Gypsy war wohl auch sehr heiß, so daß er dann von seinem eigenen Gekläffe die Schauze voll hatte, schlußendlich zu uns ins Wasser sprang und mehr recht als schlecht zu uns rüber krauelte, Hundepaddeln vom Armseligsten kann ich nur sagen. Er war nach den paar Metern dann auch ganz schön aus der Puste und wollte ziemlich schnell doch lieber wieder an Land zurück. Natürlich ging es da weiter mit kläffen und so sprang er ein zweites Mal rein und kam mit letzten Kräften bei uns an, so daß wir erstmal einen Moment Rettungsinsel für ihn spielen mußten und er auf unseren Köpfen rumkrabbelte, möglichst weit vom tödlichen Wasser entfernt. Irgendwie alberten und quatschten wir dann aber so weiter und auf einmal fehlte dann etwas und ich dreh` mich nur so um, und seh` anderthalb Meter neben mir Gypsys Schauze wie ein torpediertes U-Boot ganz langsam, aber doch ziemlich schnell, untergehen, ich werde auch diesen Anblick nie vergessen. Ich natürlich sofort hin da und der Kleine hat Rotz und Wasser gespuckt und, ich glaube, danach seine Lust auf Baden fürs Erste verloren, dabei war es immer so niedlich, wenn er sich hinterher an einem trocken gerubbelt hat.

Beim Saisonendgegner 2014 in Gmunden, Österreich, kam es beinahe mal zu einer Kneipenschlägerei wegen Gypsy, das war sowieso eine der schlimmsten Baustellen, die ich jemals miterleben mußte. Ende November angefangen, notdürftig in einem ehemaligen Kloster untergebracht, wo es abends drinnen kälter war als draußen, und nur von hinterwäldlerischen Dorfdeppen umgeben, die vor lauter Alkoholkonsum nicht wissen, hinter welchem Berg sie eigentlich leben, und vor allem nicht, was sich dahinter verbirgt (alles ein bißchen wie hier in Charleroi gerade, Saisonendgegner eben). Naja, eines Abends – wir hatten auf der Spätschicht auf der unterkühlten Baustelle ausnahmsweise selbst schon mit Grog u.Ä. ganz gut vorgeglüht – landeten wir dann in einer der drei erträglichen Kneipen vor Ort, Conni war aber sicherheitshalber mit Gypsy schon nach Hause, ins Kloster (wo er ein paar Nächte zuvor fast die ganze Bude abgefackelt hatte, weil er irgendwelche Chicken Wings im Backofen vergaß). Irgendwann guck` ich nur aus dem Fenster der Kneipe und seh`, wie Conni – mit Gypsy auf`m Arm! – quer über die beschauliche Gmundener Hauptverkehrskreuzung auf uns zutorkelt, und denke nur ‚Warum hat er nicht wenigstens den Hund zu Hause gelassen!?‘ (der dort ja eigentlich nicht mal erlaubt war und von Bernie, dem gutmütigen, aber von uns deutlich überforderten Oberpfaffen stillschweigend geduldet wurde).

Wem will man hier als erstes die Fresse wegen Ungehorsamkeit polieren?

Naja, wir haben dann so vor uns hin gefeierabend, als es plötzlich aus der anderen Ecke der Bar kreischte, wem denn dieser völlig vernachlässigte und umherirrende Hund gehören würde, und irgend so eine dumme Bitch hatte Gypsy auf dem Arm und beanspruchte nun ihrereseits Schutz und Schirm für diesen. Nun, ich weiß, daß Gypsy zu diesem Zeitpunkt einiges gewohnt war und sich hundertprozentig sicher gefühlt haben muß, eben weil er mit uns allen da war, alleine zu Hause hätte er sich zu Tode gefürchtet. Ich erzählte der blöden Ollen, daß Gypsy mit seinen Arbeitskollegen Feierabend machen würde und nicht nur ein Herrchen hätte, sondern viele, und daß sie sich besser mal überhaupt keine Sorgen zu machen brauche. Aber sie wollte unbedingt wissen, wem dieser Hund gehöre und sie würde den Besitzer wegen Tierquälerei usw. anzeigen, also rief ich in die andere Ecke der Kneipe, wo Conni mit dem Rücken zur Bar saß und sich gerade einen Joint drehte: „Conni, es gibt hier ein Problem mit deinem Hund!“. Und ich werde abermals nie vergessen, wie Conni sich in Zeitlupe zu uns umdrehte und dabei die Balance über seinen Barhocker verlor und rücklings mit diesem hinter der Theke verschwand. Jetzt war das Geschrei natürlich noch größer, die Braut krallte Gypsy – dem das alles scheinbar völlig am Arsch vorbeiging, schließlich wurde er ja gerade lieb gehabt – noch fester an sich und ich mußte zugeben, daß Conni jetzt nicht gerade einen vertrauenswürdigen Eindruck hinterlassen hatte.

Gypsy liebt Karotten und knabbert die wie ein Kaninchen

Und dann ging alles ganz schnell, wie immer in solchen Situationen. Der oder ein Freund von der blöden Ollen kam dazu und fing an, besserwisserisch auf mich einzureden, bis Mikey von der Situation Wind bekam, der Tuse Gypsy aus dem Arm riß und sie aufs Übelste beschimpfte, sie solle sich aus unseren Angelegenheiten raushalten. Typ von Tuse nähert sich Mikey zu nahe, wird von dem zurückgeschubst und fällt glatt um, ich schnappe mir Mikey mit Gypsy von hinten, um sie aus der Kneipe raus zu zerren, ein anderer Typ kommt Mikey zu nahe und kassiert `ne satte Schelle und ich kriege Mikey endlich auf die Straße und möglichst weit weg von der Kneipe gezogen. Mikey reißt und zerrt an mir und beschimpft Miss Tierretterin weiterhin aufs Brutalste als Hexe und was nicht noch und die Leute kommen nach und nach aus der Kneipe, um sich das Spektakel anzugucken. Lichter in den benachbarten Häusern gehen an, und ich versuche Mikey, den ich jetzt ganz sicher gar nicht mehr loslassen werde, klarzumachen, daß es an der Zeit ist, ins Kloster abzurücken, bevor die beschissene Polizei auftaucht, die auf besoffene Belgier und zwei deutsche Wracks, welche in ihrem erhabenen Revier Unruhe stiften, ganz sicher gar kein Bock hat. Ich könnte jetzt hier noch seitenweise mehr über diese krasse Baustelle erzählen und vor allem über österreichische Bergbewohner abhaten, denen die Sonne aus den Knackärschen scheint und denen der Rest der Welt sowas von an diesen vorbei geht, aber wir sparen uns das hier heute mal, das würde wirklich den Rahmen sprengen (die Rückfahrt nach Hause war dann aber eigentlich noch geiler als die ganze Baustelle zusammen, gell, Janno!? Ich sag` nur FFF = Fuck Fake Friends…)

Boah, ja, hab` ich mich jetzt gerade mal wieder in Rage geschrieben, aber im Ernst, die letzten Jahre waren halt sehr intensiv, gerade auch wenn Conni und Gypsy mit an Bo(a)rd waren. Aber wir alle leben noch und haben uns mehr oder weniger auch noch lieb, mit manchen lebt mensch sich halt einfach auch auseinander (so sehr ich diesen Begriff auch hasse), doch mit Conni und Gypsy ganz bestimmt nicht, nicht in diesem Leben. Für Gypsy werde ich immer Onkel Arne sein und für Conni immer da, wenn er mich braucht… Kommen wir mal zum Ende mit dem ganzen Scheiß hier und Conni ist ganz sicher gerade in bester Gesellschaft, denn der hat nicht nur Frederike und Gypsy zum Flauscheln und Mauscheln, sondern auch noch den kleinen Ede, ein Gypsy-ähnliches Wesen in jungen Jahren, dafür aber circa anderthalbmal so groß. Auch ein verspieltes Kuschelpuschelmuschelvieh vor dem Herrn, das mensch einfach lieb haben muß, und es war irgendwie rührend, als mir Conni beim Spaziergang durch seine Hood erzählte, wie Gypsy in der Anfangszeit dem Ede hunde- und männermäßiges Pinkeln beigebracht hat, nämlich nicht alles auf einmal verschießen, sondern hier und da und am besten überall markieren, man ist schließlich Chef in seinem Revier.

Alles im Griff in Cabourg, Endgegner 2017
Pause mit Mick aus Südkorea, Baumi aus Hannover und Manusch aus Flauschhausen im Sommer 2017 in Tournai. Südbelgien
Gypsy und Ede, Flauschpotenzial hoch Zwei

Jaja, von einem Padawan zum nächsten und zum übernächsten, bis irgendwann Darth Vader dabei rauskommt, aber der ist ja letztendlich auch ein Guter. Gypsy ist auf jeden Fall erwachsen geworden, sein liebes Herrchen auch ein Stück weiser, ich hoffe, die beiden werden mich noch lange in meinem Leben begleiten, und Frederike und Ede auch, und meine liebe Olga. Und die lieben Menschen hier in unser wahnsinnigen Künstler-Airbnb in Charleroi, dem Mordor Belgiens, die ich wohl in einer Woche nach getaner Arbeit verlassen werde müssen (oder muß man dürfen sagen?). Hatte ich erwähnt? Hier gibt`s auch ein Hundi, Kroge (ausgesprochen Krotje), was so viel heißt wie ‚Little piece of shit‘, wie mir erklärt wurde, von seinem Herrchen, unserem liebenswürdigen Herbergsvater Serge, selbst Künstler des Todes und gerade auf der Couch im Wohnzimmer neben mir schlafend, weil es im oberen Stockwerk, wo er sein Zelt stehen hat, noch kälter ist als bei uns hier unten (er hat aber übrigens letzte Woche für uns und das allgemeine Wohlbefinden 400,- Euro in neue Heizlüfter invesitiert, die den Feierabend und die Nächte hier dann doch ein stückweit erträglicher machen).

Kroge auf der Gammelcouch in bester Gesellschaft

Einer der Mitbewohner, Franco der Italiener, hat übrigens auch noch so einen kleinen Hund in Gypsy-Größe, den kriegt man allerdings fast nie zu Gesicht, ist vielleicht auch besser so, denn wenn man an Franco`s Zimmer vorbeigeht, hört es sich immer so an, als wenn hinter der Tür ein Tasmanischer Teufel wüten würde, und sobald das Vieh mal rauskommt, pißt es sofort in den Flur. Wie gesagt, ich bin in bester Gesellschaft und umgeben von Freaks hier, oder Gypsys, egal, schmeckt ja alles gleich. Gremlins, Critters, Fraggles, Muppets, ich liebe sie alle, Hauptsache nicht zu normal, normale Menschen langweilen mich irgendwie, und nett ist die kleine Schwester von scheiße, oder nicht!?

Einer unser neuen Heizlüfter

Es ist Freitagabend, der 7.12., kurz nach Nikolausi und kurz vor Mitternacht. Wir konnten heute nicht betonieren, weil der Parkplatz, neben dem wir unseren Skatepark bauen, asphaltiert wurde. Ich habe meinen freien Tag alleine hier mit Schlafen, Yoga, und Schreiben genutzt (okay, ein bißchen Porno und Masturbation war endlich auch mal wieder dabei). Eigentlich hätte das alles ganz gut gepaßt mit heute frei haben, denn wir wollten ursprünglich gestern zum Damien Saez Konzert in Brüssel, einem sehr genialen französischen Politrocker, den meine französischen und belgischen Homies fast alle hassen, weil er so ehrlich ist und auch in deinen Wunden rumstochern kann. Der gute Mann begleitet mich, seit ich Mikey kennengelernt habe, welcher mir auch mal den ein oder anderen Text von ihm übersetzt hat, weil ich ja eben kein Französisch kann. Aber man hört den Liedern und dem Gesang einfach an, daß Damien vor Hass und Verachtung fürs allgemeine Volk nur so übersprudelt, hier mal meine beiden Anspieltips vom Album ‚J`accuse‘, welches bis dato leider nur auf CD und selbst als das sehr schwer erhältlich ist. (zum Glück gibbet dem Internet): ‚J`accuse‘ und ‚Des P`tit Sous‘ (Bietet sich an, das jetzt zu hören, während ihr das hier lest und gleich am Ende angekommen seid, haha! Und bitte die Songs nicht für irgendeinen Videopart benutzen, ich habe noch reichlich Belgien Footy von mir und den Boys auf Mini-DV Tape, mit dem ich dazu nochmal was schneiden möchte, dummerweise muß ich es vorher erst nochmal digitalisieren…)

Als ich dann aber rausfand, daß ein Ticket für Saez in Brüssel ganze 46,- Euro kosten sollte, war die Sache irgendwie ganz schnell für mich und alle anderen gestorben, denn knapp so viel hatte ich das erste und einzige Mal vor vier Jahren für den, wie sich herausstellen sollte, letzten Motörhead Tourstop in Hamburg bezahlt. Fünfzig Euro ist so meine maximale Überobergrenze für ein Konzertticket und jemand, der über die Gesellschaft und das System abhated (wie schreibt man das jetzt, ‚abhatet‘ oder abhated‘?), darf nicht dieserlei viel Geld für ein Konzert verlangen, es sei denn, er ist vielleicht tatsächlich dermaßen arrogant wie Damien Saez immer vorgeworfen wird. Zu BOARDSTEIN ZEITEN wäre dieser wiederum auf jeden Fall ein Pflichtkandidat für ein Interview gewesen (zur Not mit ÜbersetzerIn), aber nur für einen Blog und nicht für Papier ist mir das die Mühe nicht wert und das Geld zu knapp.

Außerdem habe ich mich mal wieder etwas mit Mikey erzürnt, weil der nun mal leider Alkoholiker ist und hin und wieder einfach nur egozentrische und selbstbemitleidende Scheiße redet, wie Mittwochabend mal wieder, als wir von einer Session aus der örtlichen Skatehalle kamen, die genauso Ghetto ist, wie es von Chareleroi zu erwarten war. Also wirklich mit dem letzten Resten zusammengezimmert vom Feinsten, und das auf zwei Etagen, oben mehr BMX-Style und unten garagig Skate-Trash (google dir West Station Skatepark!). Unbedingt einen Besuch wert, wenn ihr mal was richtig Abgewichstes skaten wollt (das gilt ja für die gesamte Stadt, also Platz in Form von leerstehenden Fabrikhallen haben die hier wie andere Sand am Meer), und so schnell wird euch da nicht langweilig, weil man den ganzen Schrott legomäßig irgendwie hin- und herschieben kann, sofern er nicht auseinanderfällt (na gut, jetzt übertreibe ich ein bißchen). Kjell, Alex und Woacher vergnügten sich allerdings die meiste Zeit mit dem Foam-Pit, weil is` klar, wo kann mensch schon mal ein waschechtes Foam-Pit skaten, wenn nicht in Charleroi!? GANZ GROSSES KINO war dann noch, daß Woacher dabei offensichtlich sein Smartphone verlor. Er wühlte sich dann gut zehn Minuten durch Schaumstoffbatzen und Matrazen, bis er mehrfach auf Mäusenester und -toiletten größeren Ausmaßes gestoßen war und die Suche mit ‚It`s just a phone‘ abbrach, belgische Gelassenheit einfach, den scheint nämlich auch gerne mal die Sonne aus dem Arsch, den Belgiern, gerade den Flandern. Ich bin mir ja nach wie vor sicher, in dieser Stadt gibt es mindestens hundert Dutzend Menschen mit Metalldetektoren zum Ausleihen, dann wiederum, wahrscheinlich wohl doch nicht, ich weiß immer noch nicht genau, was es in Charleroi wirklich gibt und nicht gibt, meistens ist es hier laut und grau und eintönig, Baustelle halt, die ganze Stadt ist eine.

Woacher- Varial Tailgrab to Foam Pit
Anschließend vergeblich Handy in Mäusepisse suchen…
Sorry für die schlechten Photos, meine Kamera gibt nicht immer alles her, was sie müßte.
Das untere Stockwerk von der Halle.

Ähh, wo war ich stehengeblieben? Ach ja, Streß mit Mikey mal wieder, ach nichts Schlimmes, ich habe mich halt nur entschlossen, nicht mit ihm übers Wochenende nach Brüssel zu fahren, weil ich hier in der Künstler-WG, wo jeder sein Ding durchzieht und für sich und doch miteinander lebt, produktiver sein und die freien Tage besser nutzen kann, als bei Mikey zu Hause auf Halde, wo ich in meiner freien Zeit Therapeut für einen guten Freund aber auch Hardcore-Alkoholiker und Depressionisten spielen muß. Kann ich bis zu einem gewissen Maße, bzw. habe ich im Laufe der Jahre gelernt mit zu leben, aber nach vier Wochen kommt man dann langsam auch an seine Grenzen und will nur die letzte Betonwoche möglichst schnell und vor allem trocken hinter sich bringen und freut sich dann auf eine entspannte Erholsamkeit zu Hause bei Ofenfeuer in seiner lauschigen Hütte. Alleine, keine Menschen, kein Französisch, Englisch oder Flämisch, nur ich und mein Herrchen, meine Platten, mein Schreibtisch, ick freu` mir drauf…

Nächstes Mal, erzähle ich dann wahrscheinlich, wie es uns hier beim Endspurt in Charleroi ergangen ist, schließlich sind wir konkret im Flow mit Concrete Flow. Das Wetter soll scheiße werden, die Deadline rückt näher, juhu, das wird eine tolle Woche im Dreck. In diesem Sinne ein schönes Wochenende an alle(s), wenn Sie bis hierher gelesen haben, sind Sie selbst schuld…
Küßchen,
das Arne

P.S.: Ich hab`im Laufe dieses Artikels festgestellt, daß Gypsy mindestens genauso photogen ist wie sein Herrchen, oder mich… Das fiel mir ganz zum Schluß noch ein, das Mistvieh hat sogar den Opener und Ender in meinem letzten Videopart abgekriegt, immer an vorderster Front, der Gypsy, checksu hier!

P.P.S.: Und wo wir schon mit Videoparts dabei sind, es gibt da einen, wie ich finde, sehr gelungenen von unserem Namibia Trip letztes Jahr, den der ein oder die andere vielleicht noch nicht gesehen hat. Der ist vor allem interessant, weil es da endlich mal wieder wahnsinniges Footage von unserem Conni gibt, von dem ja irgendwie schon immer viel zu wenig gefilmt worden ist, weil er eben so eine Underground-Cobra ist. Naja, in Namibia haben wir das jedenfalls alle ordentlich gemacht, checksu hier!

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