DEVIATES – TIME IS THE DISTANCE

Guten Abend!

Also ich befinde mich hier gerade am Ende der absoluten Endgegnerendspurtwoche in Charleroi, äh, Mordor, aber darauf gehe ich dann nächstes Mal noch ein bißchen genauer ein, denn es ist so einiges passiert (nichts wirklich Besonderes, nur ganz alltäglicher Baustellenwahnsinn). Aber es ist beinahe überstanden, wobei man sich fragt, was noch groß kommen soll, es soll auf jeden Fall morgen wieder heftig regnen. Und schlimmer geht ja immer, aber manchmal sollte man meinen, hat man das Schlimmste auch hinter sich, naja, wir werden sehen, woll!? Ich hab` jedenfalls mein Rückfahrtticket, somit werd` ich morgen nach ein paar Stunden Kleinkram machen um 13.25 Uhr rein in Zug und raus aus der Hölle und Richtung Heimat, aber hallo! Eigentlich wollten wir morgen das Flat betonieren, aber das geht halt immer nur an ganz trockenen Tagen, dann müssen die Boys das Montag ohne mich machen. Ich muß jetzt nach fünf Wochen Front einfach mal wieder nach Hause und werde mir das die letzten zwei Wochen des Jahres extrem gut gehen lassen.

Und da gibt es etwas, daß sich vielleicht zu erzählen lohnt (müßt ihr dann hinterher für euch selbst entscheiden!), und zwar bin ich bekanntlich privat, aber natürlich gerade auch als DJ BOARDSTEIN, leidenschaftlicher Plattensammler, schon immer gewesen so seit der Pubertät. Also hat sich da so einiges angesammelt in den letzten 30 Jahren, und ich frage mich gerade, ob das mit dieser Pubertät jemals aufhören wird, ähem… Nun denn, seit ein paar Jahren bin ich als Kenner der Materie Musik dazu übergangen, auf Discogs.com – wahrscheinlich die Webseite, die ich persönlich am meisten be- und nutze – richtig gezielt Platten zu bestellen, die ich eben unbedingt noch haben muß/möchte/will. Da kriegt mensch ja theoretisch alles, was mensch sucht, wenn mensch denn bereit ist, die zum Teil entsprechenden Preise dafür zu bezahlen. Und ich gebe eine Menge Geld für Platten aus, wahrscheinlich viel zu viel, denn ich bin ja gar nicht so oft zu Hause, um das alles ständig zu hören, rechtfertige mir das aber immer vor mir selbst, daß ich die Scheiben ja zum Auflegen brauche, alles so`n bißchen krankhaft schon. Denn in Flensburg und Umgebung ist das auch sehr beschränkt mit Möglichkeiten zum Auflegen, außerdem herrscht da so eine Art DJ-Monopol vor, auf das ich jetzt lieber nicht eingehen will. Sagen wir mal so, in Hamburg war das alles ein bißchen einfacher und Musik wird dort auch besser wert geschätzt, der Angeliter an sich ist gerne mit wenig zu frieden und hat das nicht so mit Abwechslung.

Zurück zu Discogs, denn ich muß dazu sagen, daß ich der letzte bin, der Platten quasi sammelt, vielmehr sammeln die sich bei mir halt so an, weil ich einfach viel verschiedene Musik liebe und immer offen für Neues bin. Übrigens ein sehr großer Vorteil, wenn mensch ständig unterwegs ist und neue Leute kennenlernt, da lernt man auch ständig neue Musik kennen und ich mache mir auch immer ganz brav Notizen und oftmals habe ich dann ratz fatz eine Platte, die ich erst ein paar Wochen vorher kennengelernt habe, ich weiß inzwischen ziemlich gut, was ich mag und was nicht. Und so drei-, viermal im Jahr, wenn ich lange auf Montage war, kloppe ich so in etwa ein Tagesgehalt mit irgendwelchen Bestellungen – oder am besten einer ganz großen, um Porto zu sparen – auf den Kopf, was manchmal zwei, drei Feierabende lang dauert, bis man das so zusammenklabüstert hat, was Angebot und meine Nachfrage angeht. Aber wenn man dann nach Hause kommt, stehen dort in der Regel die lecker quadratischen Pakete mit dem Schwarzen Gold drinne. Abgesehen davon, daß ich – wie in einem der letzten Einträge schon mal geschrieben – oftmals erstmal zwei Tage gar keine Musik höre, um in aller Stille (ohne flamäisches und französisches Background-Geplapper) runterzukommen, hört man dann die nächsten Tage oder Wochen das ganze neue Zeug (nicht selten auch Platten, die ich schon auf CD hatte, aber eben halt auf Vinyl brauchte), und kommt gar nicht dazu, sich mit seinen alten Scheiben zu beschäftigen. Schon abgefahren irgendwie, und ganz schön doof. Aber Platten sind einfach meine ganz große Leidenschaft und meine Sammlung zu Hause ist auch ganz ganz großes Kino, das kann wohl jede(r) bestätigen, der/die schon mal bei mir zu Hause war oder ein DJ-Set von mir erleben durfte (Fan von sich selbst sei).

Egal, als ich letztens die fünf Wochen in Seignosse war, gab es mal wieder so einen Discogs-Rausch meinerseits und ich hatte drei gute und satte Bestellungen zusammen, als ich beim Durchchecken meiner ‚Wantlist‘ ganz durch Zufall entdeckte, daß eine Platte, die ich schon immer haben wollte, seit ich die CD dazu kennenlernte, tatsächlich von einem Verkäufer angeboten wurde, was nur alle paar Jahre mal vorkommt. Und es hatte sie mir noch keine(r) weggeschnappt, obwohl sie bei gut 200 Mitgliedern auch auf der Wantlist steht, wie man da bei Discogs so schön sehen kann. Da kann man auch sehen, wer diese Platte besitzt, und ich hatte tatsächlich Anfang des Jahres das erste und einzige Mal, seit ich Discogs nutze, gut 20 Leute angeschrieben, ob sie sich nicht für einen stattlichen dreistelligen Betrag von ihrem Exemplar trennen würden, weil diese Platte halt so toll ist und mir so viel bedeutet blablabla. Bei den sechs oder sieben Leuten, die mir dann geantwortet haben, war der Tonfall durchweg gleich, man könne mich sehr gut verstehen, weil man sich vielleicht einst auch genauso gefühlt hat, ich wäre auch nicht der erste, der nachfragt, aber genau von dieser Platte würde man sich auf gar keinen Fall trennen weil wegen blablabla. Einer meinte so nebenbei, er verstehe auch nicht, warum Epitaph Records die nicht einfach re-releasen würde, wenn die so gesucht ist, was mich auf die Idee brachte, einfach mal über die Webseite Epitaph anzuschreiben, um wenigstens mein Anliegen zu äußern und mal ein bißchen Druck zu machen. Da bekam ich zwar nie eine Antwort, aber eine Auflösung gab es später trotzdem…

Wenn mich eine(r) also vor ein paar Wochen noch gefragt hätte, welche Platte ich unbedingt nochmal haben möchte, eben ganz ganz oben auf der Liste, hätte ich geantwortet ‚Time Is The Distance‘ von den Deviates. Die ist wahrscheinlich 2001, als das Album erschien, nicht in einer besonders hohen Auflage gepreßt worden, weil die Band trotz des namenhaften Labels zu ihrer kurzen Lebenszeit ziemlich unbekannt war und dies auch bleiben sollte, weil sie sich kurz nach dem Album wohl auflöste, jedenfalls hat man nie mehr was von den Jungs gehört. Selbst auf Discogs, das sich eben auch ganz hervorragend als Musikarchiv nutzen läßt – weil nichts anderes ist es letztendlich, außer daß mensch halt auch alles kaufen kann, was einem beliebt – erfährt man rein gar nichts über die Band, außer daß sie drei Jahre vorher noch ein Album namens ‚My Life‘ auf Theologian Records rausgebracht haben (ausschließlich auf CD), welches zwar ähnlich klingt, aber nicht annähernd an den Nachfolger rankommt. Insgesamt eine sehr mysteriöse Band, gerade weil ‚Time Is The Distance‘ halt so ein Hammeralbum ist und von so vielen so geliebt zu werden scheint.

Ich bekam die CD damals zu BOARDSTEIN ZEITEN von Eike Starkult persönlich in die Hand gedrückt, als ich auf Einladung von Starkult mit ein paar Musikjournalisten im hauseigenen Kleinbus saß und wir auf dem Weg ins Epitaph Headquarter in Amsterdam waren, um dort ein ein Interview mit den holländischen Punkrockern De Heideroosjes zu machen und danach noch ein bißchen das Amsterdamer Nachtleben aufzumischen. Das muß irgendwann so im Frühling 2001 gewesen sein, entsprechendes Interview plus Plattenrezension gibt es also da irgendwo in einer BOARDSTEIN AUSGABE, ich bin mal wieder weit weg zu Hause und kann nicht im Archiv recherchieren in welcher (würde mich gerade selbst interessieren, was ich dann damals zu ‚Time Is The Distance‘ geschrieben habe). Geil war jedenfalls, daß ich kurz nach diesem Wochenendtrip, nachdem ich die Scheibe schon beim ersten Mal hören ins Herz geschlossen hatte, nochmal ein Exemplar von Starkult aus der normalern Bemusterung im BOARDSTEIN BRIEFKASTEN vorfand. Das bekam dann beim nächsten Heimaturlaub mein Kollege Eyk zugesteckt und somit war die Angeliter Skate- und Punkszene auch ganz schnell angefixt von den Deviates.

Sie spielten dann sogar ein paar Monate später auf einer Tour mit ein paar anderen Bands im AZ Neumünster, wo wir seinerzeit das ein oder andere geile Konzert erleben durften. Ich weiß die anderen Bands nicht mehr genau (könnte ich jetzt zu Hause in meinem 2001 Tagebuch nachschlagen), doch die genialen Snuff waren auf jeden Fall Headliner an diesem Abend. Deviates spielten, glaube ich, als dritte von fünf Bands, und der Auftritt ist auf jeden Fall in Erinnerung geblieben, denn der Gitarrist hatte so`n Oldschool-Iro, also so richtig 50cm hoch, und der Sänger Spiegelglatze und kam ziemlich aggressiv rüber und schubste uns vorne im Mosh-Pit ständig nach hinten. Das war aber irgendwie nicht assig gemeint, vielmehr hatte ich das Gefühl, der Typ lebte genau das, was er sang, und konnte es selbst nicht ganz glauben, daß er mit seinen Boys jetzt hier irgendwo in Nordeutschland in einem Jugendzentrum seinen Punkgospel spielen durfte, so kulturschockmäßig jetzt. Wie gesagt, gerade jetzt im Nachhinein paßt das umso mehr zu dem nicht vorhandenen Image, was die Band eben hat/te. Was waren das für vier Typen, die zusammen diese geile Platte auf diesem renommierten Label aufgenommen haben und danach nie wieder was von sich hören haben lassen? Man weiß nichts irgendwie, außer daß sie sich 1994 in noch sehr jungen Jahren in der Bay Area gegründet haben und quasi beim Proben erst ihre Instrumente gelernt haben, Sänger Brian hatte keins, deswegen mußte er singen (was ein Glück, denn das kann er ziemlich gut). So steht es jedenfalls auf der Epitaph Webseite.

Ich kann euch heute auch nicht sagen, warum ich mir damals an dem Abend in Neumünster keinen Interviewtermin mit ihnen klargemacht hab`, hatte ich doch beste Beziehungen zu Starkult, der Promo-Agentur. Ich kann mich aber sehr gut erinnern, daß ich seinerzeit bei meinen wenigen Besuchen in der Heimat meistens oftmals nur eine gute Zeit mit meinen Freunden haben wollte, von denen ich mich alleine durch die Wohn- bzw. Arbeitssituation langsam aber sicher immer mehr entfernte. Wie auch immer, ich bereue das seitdem eigentlich immer, wenn ich ‚Time Is The Distance‘ mal wieder höre, die Typen hätte ich gerne mal kennengelernt, alleine schon weil ich beim Hören der Platte nicht drumherum komme mitzusingen. Ich kann gut zwei Drittel der Lieder auswendig mitsingen, was nur bei wenigen Platten von mir der Fall ist. Und das liegt nicht nur an den tollen Melodien, die der Sänger raushaut, sondern vor allem auch an seinen Texten. Ich weiß auf jeden Fall, daß ich damals in meiner Plattenrezension in der BOARDSTEIN eine Zeile aus dem ersten Lied des Albums, ‚Come and die with me‘, zitiert habe, die mich sofort begeistert hat, so wie das Lied an sich natürlich auch. Wer danach die Platte nicht zu Ende hören will, hat irgendwas falsch gemacht. In dem Lied geht es jedenfalls um eine Beziehung, aber nicht so Pop-Punk-mäßig, sondern mehr wie Sid und Nancy, und die erwähnte Zeile lautet: „Those who have suffered will understand that pain is welcome when it`s all you have left…“ Ja, mit Liebeskummer kenne ich mich aus, ihr glaubt gar nicht, wie mich dieses Thema in meinen jungen Jahren als skateboardender Außenseiter fertig gemacht hat, ich schreibe quasi gerade ein Buch drüber, also nicht hier jetzt.

Den Titel des Liedes ‚Come and die with me‘ hab` ich sogar auf mein Brustbein tätowiert, (unter dem Spruch ‚I`ll be normal when I`m dead‘, den ich zum ersten Mal aus dem sympathischen Großmaul von Chet Childress gehört habe). Das ist aber nicht mal mein Lieblingslied von der Scheibe, das wäre nämlich der Titel ‚Grounded‘, das elfte Lied von vierzehn, die allesamt geil sind und in ihrer Reihenfolge und mit den Übergängen dermaßen gut zusammenpassen, daß sie sich wie eins anhören. Apropos, vielleicht sollte ich dann auch nochmal kurz was zur Musikrichtung an sich sagen, wenn sich das beim Namen Epitaph nicht von selbst erübrigt (zumindest damals). Natürlich handelt es sich um schnellen melodischen Punkrock, seinerzeit auch ‚Melodicore‘ genannt, wobei ich mich irgendwie nie so richtig mit dem Begriff anfreunden konnte, jedenfalls liegen die Deviates irgendwo zwischen Pennywise und Good Riddance (Pennywise Gitarrist Fletcher Dragge hat auch ihr erstes Album produziert). Nicht mehr und nicht weniger, 14 Songs an der Drei-Minuten-Grenze, die einfach nur nach vorne gehen und eben zum Mitsingen mitreißen, zumindest für mich, der in seinem Leben scheinbar auch schon so verzweifelte Zeiten durchgemacht hat wie Sänger Brian. Würde mich nicht wundern, wenn der inzwischen an Selbstmord oder einer Überdosis oder ähnlich Tragischem gestorben ist. Auf jeden Fall mußte er auf der Platte was loswerden, vielleicht deswegen die adrenalinmäßige Aggro-Show auf dem Konzert damals.

Es sind jedenfalls großartig tragische, aber dennoch auch positive Texte, irgendwie jugendlich und weise zugleich. Deswegen und aus guter BOARDSTEIN TRADITION hier dann mal wieder ein Songtext des Monats, und zwar ‚Grounded‘, der Song, den ich auch nochmal mit meiner Band Message Time covern werde, sobald es diese Band denn endlich mal gibt. Checkt die Lyrics, die könnten mir aus dem Gehirn geschnitten sein, wenn ich gute Songtexte schreiben könnte, und hätten inhaltlich auch die BOARDSTEIN HYMNE werden können, wenn wir nicht schon ‚Highwayman‘ von Highwayman hätten. Das Lied läßt sich aber durchaus auch vorne im Schwarzen Block bei der nächsten Demo Gegen Alles laut hören und mitsingen… (Geil, ich seh` gerade, der Song hat auf Youtube nur 53 Aufrufe! Das macht die Sache nur besser, haut aber trotzdem mal ein paar Likes an die Jungs raus, okay!?)

SONGTEXT DES MONATS
Deviates – ‚Grounded‘
Time Is The Distance
Epitaph Records

A common goal and a plan of action
A way of life where anything can happen
Now try hard and state your position
Strong as a whole but hold on to the vision
By trying we all can be grounded and focused
The opposition is dying and we can see
To keep the faith is not just a choice
But fate and they’ve made their choice
Now it’s up to you and me, how it has to be
I’ll take this road till it ends
One voice, one gal, no end

Trusting is not innate in me
Holding on to others used to bring me suffering
Changing sparks a fear in me
But I found faith in these three
And I know that we’re finding everything we seek
Working as one we’ve got the world to face
But we’re fine and we’ve agreed to be grounded
And focused holding on to our vision
They’ve made their choice
Now it’s up to you and me, how it has to be
Separate all things that persuade our judgement or cloud our vision

They’ve made their choice
Now it’s up to you and me, how it has to be
I’ll take this road till it ends
One voice, one goal, no end

Ja, wie gesagt, eine wahre Hymne aus meinem kleinen unbedeutenden Punkrock-Hippie-Leben, die ich heute und hier gerne mit euch teilen wollte. Die Geschichte, die oben ja bei Discogs anfing, ist aber hier noch nicht ganz zu Ende. So war ich wie gesagt, wirklich nur durch Zufall, darauf gestoßen, daß so`n Verkäufer aus Amiland die Scheibe für 95,- Dollar angeboten hat, und zwar originalverpackt, ich konnte es nicht glauben und bestellte sofort, 20,- Dollar Porto waren auch noch sehr human aus den Staaten, aber die Platte an sich das absolute Oberüberschnäppchen. Geilomato, endlich hatte diese lange Suche ein Ende und das würde eine der Platten sein, die ich wirklich jedesmal zum Auflegen mitnehmen würde, es sei denn, es soll ein Kuschelrockschmusimusiabend werden (kann DJ BOARDSTEIN auch extrem gut!).

So freute ich mich extrem, als ich von Seignosse nach Hause kam, aber dort angekommen waren zwar zwei Bestellungen da, aber die eine aus Amiland eben noch nicht, obwohl es schon gut drei Wochen her war und mehr als genug Zeit gewesen, soll heißen, die Scheibe hätte schon längs da sein sollen, war sie aber nicht. Als sie dann nach einer weiteren Woche zu Hause noch nicht eingetroffen war, kontaktierte ich dann auch mal den sehr vertrauenswürdigen Verkäufern, ob er denn vielleicht irgendwiewas wußte, und er konnte mir nur mitteilen, daß laut Tracking-Nummer das Paket in Frankfurt am Flughafen beim Zoll liegt, und Zoll hasse ich grundsätzlich noch mehr als Bullen. Was ich mit den Spinnern im Flensburger Zollamt schon erlebt habe, wenn ich mal irgendwelche Sendungen aus Übersee bei denen abholen mußte, möchte ich wirklich nicht im Detail erzählen, also machte ich mir große Sorgen um meine Schallplatte, is` klar! Sind doch schon mal drei Monster Magnet Scheiben aus Amiland einfach so verschollen und nie bei mir oder wieder beim Verkäufer aufgetaucht. Sowas passiert echt selten, aber kommt tatsächlich vor, aber doch bitte nicht ausgerechnet bei dieser Bestellung! Und ich denke, 99% der Verkäufer bei Discogs sind absolut koscher und genauso Plattenfreaks wie ich, und ich mein`, wenn mensch mal überlegt, was so täglich an Post- und Paketsendungen durch die Welt fliegt, ist es schon erstaunlich, daß tatsächlich zu 99% alles immer ankommt. Aber Institutionen wie Zoll können stören und tun das in der Regel schon einfach durch ihre bloße Existenz.

Ich war dann ja Anfang November schon wieder an die Front nach Achères und danach Charleroi und das gute Stück war immer noch nicht eingetrudelt, bis bei meinem ersten Anruf zu Hause Herrchen Entwarnung geben konnte, daß ein Paket aus den Staaten eingetroffen war, für das er eben nochmal 22,- Euro Zollgebühren hatte zahlen müssen, was er natürlich spontan in gutem Wissen gemacht hat, weil er ja zwangsläufig mitkriegt, daß ich im Jahr zu viel Geld für Plattenbestellungen ausgebe. Ich habe also bis heute dieses Paket noch nicht ausgepackt und konnte mich nicht wirklich von meinem eigenen noch eingeschweißten Exemplar von Deviates` ‚Time Is The Distance‘ überzeugen, aber ich weiß einfach, daß sie zu Hause auf mich wartet und sich am kommenden Wochenende drehen wird. Wahrscheinlich hat sie sich schon mit den Vibes in meiner Hütte aklimatisiert, obwohl es da jetzt gerade seit Wochen ungeheizt ziemlich unkuschelig sein dürfte.

Das härteste Pantöffelchen muß ich aber jetzt ganz am Schluß dazu erzählen, und zwar hatte ich in meiner Verzweiflung zu Hause beim vergeblichen Warten auf die Platte so nebenbei erfahren müssen, daß die Scheibe tatsächlich – tata – inzwischen re-released worden war und noch von ganzen vier Verkäufern angeboten wurde, allerdings auch nicht unter 40,- Euro plus Shipping. Man muß dazu sagen, daß ich überhaupt gar keinen Wert darauf lege, eine Platte in der Originalpressung zu besitzen! Ich habe viele davon, weil ich früh mit dem Kaufen, Bestellen und Ansammeln angefangen habe, aber wenn eine Nachpressung 20,- Euro kostet statt 40,- 70,- aufwärts als gesuchtes Original, ist mir das mehr als recht, kauf` ich doch die! Ich will einfach nur gewisse Alben auf Vinyl haben, weil ich gerne in meinem Leben noch sehr viel gute Songs auflegen möchte, ganz simple Sache. Und wo wir schon dabei sind mit Re-Releases und Platten und limitiert und sowieso. Liebe Bands, im Namen aller DJs, Vinyl bitte am liebsten in schwarz! Alles andere sieht zwar meistens schön aus, ist aber beim Auflegen und dunklen Lichtverhältnissen extrem unpraktisch, vor allem wenn es sich um durchsichtiges Vinyl handelt. Am schlimmsten ist rotes, gelb und clear, da ist es quasi unmöglich die richtigen Rillen zu treffen. Und ich hasse Kopfhörer, das sieht immer so wichtig aus. Und spart euch diese 180 Gramm Vinylscheiße! Überlegt mal, fünf Platten in der Kiste und du bist schon bei einem Kilo! Wie soll man da eine anständige Auswahl an Platten mit der Schubkarre in die Kneipe karren, ohne ins Stolpern zu kommen?…

Ja, soviel von DJ BOARDSTEIN für heute, ich kann nur sagen, hört euch dieses Album mal an und liebt es so wie ich, eine reine Bereicherung fürs auf- und abartige Leben! (Ich hab` jetzt übrigens die CD zu verkaufen, ach nee, die kriegt die Kleene, die mag die garantiert auch). Ick meld mir dann wieder so Anfang nächster Woche und erzähl` den letzten Scheiß vom Saisonendgegner in Mordor, okay!?
Nur das Beste soweit,
Arne

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