FÜR TILL UND FERIT

Hallo zusammen!

Ich weiß, ich weiß, ich bin schon wieder überfällig mit Geblogge und es tut mir leid, wenn ich inzwischen jeden Eintrag so anfangen muß, aber als ich das Ganze letztes Jahr gestartet habe, war es Spätsommer und ich auf Montage, hier zu Hause im Frühling und Sommer tu` ich mich halt ein bißchen schwer mit unnötigem(?) vor`m Rechner sitzen. Aber latte das…

Eigentlich wollte/sollte ich ja jetzt auch hier was über den schönen neuen Bowl in Sönkes Garten berichten, den wir vorletzte Woche fertiggestellt und ein bißchen eingeweiht haben, aber die Skatebilder, die ich habe, sind noch bei meinem Kollegen Jonathan vom Confusion Magazine und ich hoffe, es ist was dabei für ihn und seine nächste Ausgabe. Ich steuer` da ja regelmäßig mal ein bißchen Inhalt zu bei, gerade wenn es um solche Projekte geht, für die das Heft ja schließlich genau gemacht ist. Naja, solange ich nicht weiß, ob und was er eventuell benutzen möchte, werde ich das natürlich nicht bloggen, Papier ist schließlich die Macht und hat immer Vorrang vor Internet, was Photos angeht, scheiß auf Aktualität, Skateboarding ist so zeitlos wie nur irgendwas…

Somit werde ich euch das Ganze wohl erst nächste Woche präsentieren können, denn am Wochenende ist auch wieder reichlich Chillung im Garten angedacht. Im Angesicht dieser guten sonnigen Zeiten fällt es mir somit deutlich schwerer als ohnehin schon, das jetzt hier loszuwerden, was ich irgendwie noch kurz loswerden möchte. Denn es sind mal wieder zwei Brüder von uns gegangen, die ich als solche bezeichnen würde, weil ich bei beiden einfach eine gewisse Blutsverwandschaft gefühlt habe, das waren einfach verdammt gute Kollegen, und Menschen sowieso…

So habe ich vor ein paar Wochen mehr durch Zufall erfahren, daß Till Kemner aus Berlin einem Gehirntumor erlegen ist, und das nachdem er in der Vergangenheit schon Leukämie besiegt hatte. Till war Berliner Ur-Legende und in den `90ern ein Dauerkandidat im Monster Magazin oder auch in der Limited. Später dann Radio Teamfahrer der ersten Stunde war er vor allen Dingen für seine eigene kleine Skatehalle namens Bernd`s Wohnzimmer (wenn ich mich richtig erinnere) bekannt, sowie schon immer für, allein schon durch seine Größe bedingt, äußerst stylisches Skateboarden. Till war ein verdammt Guter und ein sehr freundlicher und witziger Kerl, wir waren uns während der BOARDSTEIN ZEITEN auf dem einen Contest oder der anderen Messe öfter mal über den Weg gelaufen, gerne auch mit Bier in der Hand, denn ‚Kneipe kann ich‘ sagte er mir mal.

Richtig kennengelernt habe ich ihn dann aber erst im Frühling 2016, als ich das einzige Mal für Yamato Ramps,und zwar in Göttingen tätig war. Da hatte ich zwei Wochen Luft vor meinem nächsten Auftrag in Frankreich und konnte dort bei den Vorbereitungen aushelfen. Ebenso vor Ort waren außer Hanke aus Schwerin eben auch Till und sein Kollege Christoph, die beide definitiv nicht zum ersten Mal Rampen aus Holz zusammen bauten und mich mit ihrem professionellen, und extrem schnellen Verschalungsbau beeindruckten. Und vor allem hatten sie Spaß auf und bei der Arbeit, wir haben in den zwei Wochen echt viel gelacht und hatten eine sehr gute Zeit zusammen. Ich hab` Till dann später auch noch ein Exemplar vom I-Punkt Buch zugeschickt, das er vor Ort mit einem Brocken Hasch bezahlt hatte, das Paket kam dann zurück, aber da es mir wichtig war, daß Till, der die meisten der Hauptprotagonisten des Buches ja schon seit frühesten Jahren kannte, das Buch bekommt, habe ich ihm hinterher telefoniert, um eine Adresse rauszubekommen, wo das Buch dann hinterher auch erfolgreich hin ging.

Tja, leider habe ich ihn seit der Zeit in Göttingen nicht mehr gesehen und das werde ich jetzt auch nie wieder, deswegen will ich hier wenigstens nochmal zwei der wenigen Bilder zeigen, die ich in diesen zwei Wochen geschossen habe, zur Erinnerung an Till und die guten Energien, die er ausstrahlte. Das war, glaube ich, an einem Donnerstagabend, als wir erst den legendären Rathausplatz in Göttingen geskatet sind, Brutstätte von Jan Kliewer, bei dessen Eltern die Jungs auch übernachteten, während ich in der Sporthalle neben der Baustelle nächtigte, somit ist mir wahrscheinlich einiges an guter Zeit mit Till entgangen. Nach der Session waren wir dann noch ein bißchen um die Häuser gezogen, aber auch nicht zu doll, am nächsten Tag war ja Arbeit. Das sind jedenfalls zwei Photos, die mich immer an eine gute Zeit erinnern werden und an einen guten Menschen. Mach`s also gut, Till, mein Beileid gilt allen deinen Freunden und was immer du an Familie hattest, ich weiß, eine Menge Menschen vermissen und erinnern sich gerne an dich!

Eule, Christop, Till, Hanke und mich am legendären Rathausplatz in Göttingen…

Und das gilt auf jeden Fall auch für Ferit Batir, der sich vor einiger Zeit das Leben genommen hat, wie ich auf der Baustelle in Heiligenhafen von Comacobra Conni erfahren mußte. Damn, schon wieder ein Selbstmord von einem Homie, der mir zu BOARDSTEIN ZEITEN wirklich sehr nahe stand, denn Ferit war ein BOARDSTEIN, wie er im Buche steht, war er doch Teil der Blutsbrüderschaft der Yama Crüe, mit denen wir auf Contests und Messen immer sehr viel Zeit verbrachten und dabei mehr als reichlich Alkohol und Marihuana vernichteten. So ließ Ferit es sich zum Beispiel auch nicht nehmen, bei unserem BOARDSTEIN ABSCHIEDS-JAM(MER) in Schwarzenbach aufzutauchen und den Bowl kaputt zu rippen, wie er eigentlich alles immer kaputt gerippt hat mit seinem Brachial-Style. Ferit war ein echter Stuntman auf dem Skateboard, bei dem die göttliche Formel ‚Velocity equals balance‘ wirklich Gestalt annahm.

Im völligen Gegensatz dazu war er einer der liebsten und gutmütigsten Menschen, der keiner Fliege etwas zu leide tun konnte, außer sich selbst. Die wenigsten dürften wissen, daß ich nach BOARDSTEIN ein paar Ausgaben lang bis zum Ende eine Kolumne in dem österreichischen Magazin Last Try, für das Altmeister Gernot Kinast zuständig war, hatte. Als sich dann im September 2010 mein Schnuffknuff Teena von mir trennte und eine, meine Welt für mich zusammenbrach, schrieb ich dann für eine Ausgabe all meinen Frust und meine Trauer nieder, weil ich zu der Zeit auch gar nichts anderes hätte schreiben können. Ein paar Wochen später bekam ich dann per Post völlig aus dem Nichts einen Brief von Ferit, der irgendwie meine Adresse ausfindig gemacht hatte, um mir sein Beileid aus- und mir Mut zuzusprechen. Ich sei ein Dinosaurier, der nicht totzukriegen ist, schrieb er damals, und während ich das hier so tippe, rollen mir doch ein paar echt salzige Tränen über die Wangen. Ich habe diesen Brief natürlich noch irgendwo, aber ich weiß echt nicht, wo ich anfangen sollte zu suchen, sonst würde ich ihn jetzt Ferit zu Ehren einmal für euch abtippen, aber ich hoffe, ich kann Ferit auch so ehren, denn so ein Mensch war er, er war wenn nicht lebendige, dann zumindest gelebte Empathie. Und irgendwie erschaudert es mir bei dem Gedanken, daß sich im letzten halben Jahr zwei Homies das Leben genommen haben, die mir zu Lebzeiten beide völlig aus dem Nichts einen Brief geschrieben haben, Samuel damals ja auch.

Ferit ist dann leider irgendwann auch geistig und mental irgendwie gekippt und durchgedreht und hier und da hörte man immer wieder sehr sehr komische bzw. traurige Geschichten von ihm, die deutlich machten, daß er irgendwie von einem oder mehreren Dämonen besessen gewesen zu sein scheint. Ich war dann letzten Sommer auf zwei Baustellen in der Nähe von Wien und da kam es zu einer Reunion mit meinem alten Freund Elias Assmuth und seinen Freunden, und sie erzählten ein paar sehr gruselige Geschichten, zum Beispiel daß Ferit ein Dreivierteljahr – und zwar den Winter über! – am Spoff Spot in Sankt Marx gehaust hatte, schon lange nicht mehr wirklich geskatet ist und nur noch wirres Zeug erzählt hat, untermalt von noch wirreren Aktionen. Das hörte sich alles ziemlich nach Endstadium an und nun schreibe ich heute hier diese Zeilen und kann es mal wieder nicht glauben, warum nur die Besten immer jung sterben, verdammte Scheiße… Ferit, ich bin bei dir, wo immer deine Seele nun rumschwirren mag, zischel zischel, Bruder!

Nächstes Mal geht es dann wieder erfreulicher zu bei der Geburt von Sönkes Bowl, aber was wir jetzt brauchen sind ein paar satte Schweigeminuten für Till und Ferit!
Danke,
Arne

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