DJ BOARDSTEIN GOES EBAY, ABER HALLO!

So, liebe Leute, da wären wir tatsächlich schon wieder, hatte ich nicht gesagt, jetzt in dieser Jahreszeit habe ich wieder mehr Luft und Liebe, um mich um meinen Blog zu kümmern!? Ja, habe ich, deswegen will ich das auch gerne tun, gerade weil ich nun auch wieder Zeit habe, mich um andere Dinge zu kümmern, die schon lange erledigt werden wollen und lange liegengeblieben sind…

Das beinhaltet für mich auch, nach jahrelanger Abstinenz mal wieder ein paar Sachen auf Ebay zu verkloppen, die hier bei mir letztendlich nur rumliegen und bei entsprechenden Liebhabern, um nicht zu sagen Sammlern, wahrscheinlich besser aufgehoben sind (das aber natürlich nur, wenn eben diese Sammler auch einen schönen Preis bei mir dafür bezahlt haben, har har har…). Zudem hab` ich, wie im letzten Eintrag schon angedeutet, durch meine intensive Arbeit in Glücksburg und den ein oder anderen Arbeitsausfall, die diese tolle Pandemie nun mal mit sich brachte, diese Saison nicht allzu viel Geld verdient und könnte daher noch ein bißchen gebrauchen, um über die, wie es gerade so aussieht, wohl doch etwas längere Winterpause zu kommen.

Andererseits muß ich zugeben, habe ich dieses Jahr auch reichlich Geld für Skateboards ausgegeben, und damit meine ich vor allem irgendwelche Reissue Boards von alten Klassikern aus meiner Anfangszeit, den späten `80ern und frühen `90ern, die ja teilweise auch nur noch für satte Preise rausgehen. Aber dafür hängen jetzt auch ziemlich viele schöne Boards in meiner Hütte an den Wänden und an der Decke, es sieht hier tatsächlich inzwischen aus wie damals in der BOARDSTEIN REDAKTION in unserem Keller in der Paderborner Straße 15 Dortmund-Körne, dessen Wände ja auch eine äußerst beachtliche Boardsammlung schmückte, von denen wir dann ja aber die meisten (auf Ebay!) verkaufen mußten, um die letzten Monate zu überleben und unsere letzte Ausgabe rauszubringen. Der ein oder die andere erinnert sich vielleicht noch an unsere gut 800 Ebay-Auktionen, die wir im Winter 2008/09 durchgezogen und die uns letztendlich den Arsch gerettet haben…

Ich denke, meine nächsten zwei, drei Blog-Einträge werden dann auch vornehmlich daraus bestehen, euch meine neusten Board-Errungenschaften mal vorzustellen und dazu ein bißchen was zu schreiben und erklären, warum ein Pleitegeier wie ich bereit ist, zum Teil dreistellige Beträge für auf Skateboard gedruckte Kunst auszugeben. Was Sammeln angeht, übertreib` ich es wie mit vielem ja gerne auch mal ein bißchen (mehr über meine Suchtkrankheit könnt ihr dann irgendwann in meinem Buch lesen, das ich diesen Winter fertig machen werde). Somit dachte ich mir, ist es jetzt wirklich an der Zeit, auch mal wieder ein paar Dinge zu verkaufen, um mit den hoffentlich üppigen Einnahmen meine diesjährigen üppigen Ausgaben auf diesem Sektor ein bißchen auszugleichen (und mir wenn möglich vermutlich zum Jahresende hin noch das ein oder andere Board zu bestellen, ähem…).

Und so habe ich den vorgestrigen Nachmittag und Abend vor allem damit verbracht, ganze fünf Artikel bei Ebay reinzustellen, und ja, das ist halt wirklich Arbeit, vor allem wenn mensch das nicht so oft macht und sich da erstmal wieder reinfrickeln muß, und dann auch noch auf Ebay.com und nicht -.de! Mensch muß jedenfalls Photos machen, Texte schreiben und dann eben das Angebot reinstellen, was gerade mit weltweitem Versand definitiv nicht mehr so unkompliziert ist, wie es einst mal war. Sagen wir so, ich nutze diese Plattform wirklich nur für richtige Sammlerartikel, alles andere verkauf` ich dann lieber artgerecht auf dem Flohmarkt, ist viel einfacher und macht viel mehr Spaß, vor allem wenn man den ganzen Sommer über einen im hauseigenen Carport laufen hat, nämlich den von meinem Vater.

Wie auch immer, ich wäre ja jedenfalls schön doof, wenn ich jetzt nicht diesen meinen Blog nutzen würde, um auf diese fünf Auktionen aufmerksam zu machen, gerade weil der ein oder andere Artikel davon doch für BOARDSTEIN FANS wirklich interessant sein könnte, oder was!? Also kommen wir mal zum Wesentlichen:

Ganz klar mein Verkaufsschlager ist wohl folgendes Board, was nach einem Tag auch schon 43 Beobachter hatte und inzwischen bei über 200,- Dollar steht, Tendenz steigend: Ein altes Danny Way Darth Vader Board von Plan B, müßte von Ende `92 oder Anfang `93 sein. Da gab es ja mal von Plan B eine Pro-Serie mit Star Wars Charakteren (Danny Way = Darth Vader, Rick Howard – Han Solo, Mike Carrol – Prinzessin Leia, Sean Sheffey – Chewbacca, Pat Duffy – Boba Fett und – wie sollte es besser passen? – Rodney Mullen – Yoda). Und wie man weiß, waren diese Boards natürlich nicht lizensiert, viel mehr war Skateboarding ja zu diesen Zeiten so klein und underground, daß die Firmen damals ohne Unterlassungsklage mit allem durchkamen, es war ja auch die glorreiche Zeit der Firmen-Rip Offs, wo so ungefähr jedes Mainstream-Logo von irgendeiner Skatecompany modifiziert oder durch den Kakao gezogen wurde.

Jedenfalls gehören diese Star Wars Boards von Plan B wahrscheinlich zu den meistgesuchtesten Skateboards überhaupt, nicht zuletzt weil in jenen Zeiten die Auflagen von Boards nicht besonders hoch waren, gerade weil Pros quasi auch alle zwei Monate eine neue Graphik bekamen und sich zahlreiche kleine Firmen in der Industrie rumtrieben, von denen die meisten höchstens zwei, drei Jahre existierten. Beim Thema Star Wars kommt sammlertechnisch zu den Skatern dann aber noch eine viel größere Nerd-Gemeinschaft mit ins Spiel, nämlich eben die des Star Wars-Universums, und ich würde mal behaupten, was Sammeln angeht, sind das die krankesten Freaks von allen (meine große Sammlung steht ja leider seit gut 15 Jahren gut verpackt in Kartons bei uns auf dem Dachboden, um die mal wieder aufzubauen, brauch` ich definitiv eine größere Hütte, um nicht zu sagen ein Haus, ferne Zukunftsmusik also).

So gesehen, ja, dieses Board wird auf jeden Fall ein paar hundert Dollar bringen, selbst in diesem gebrauchten Zustand, aber bei Slickboards blieben die Graphiken damals halt auch ein bißchen besser erhalten. Ich hab` das Board übrigens vor über zehn Jahren mal für ziemlich schmales Geld Gerri aus Flensburg abgekauft, leider nich` mehr der Kollege, der er mal war (liegt nicht an mir, Alter!). Und ich hab` vor einem halben Jahr mal ein bißchen rumgegoogelt und dabei gesehen, daß vor gut zwei Jahren das selbe Board in einem ähnlichen Zustand für knapp 500,- Dollar den Besitzer gewechselt hat, damit würde ich mich auf jeden Fall zufrieden geben, höhö. Und solche Preise für sowas zeigen wohl ohne Frage, daß es einem Teil der Menschheit noch viel viel zu gut geht, mich ohne Frage eingeschlossen.

Nun mögt ihr euch fragen, warum ich als Skateboard- und Star Wars-Sammler mich ausgerechnet von diesem Board trenne. Nun, zum einen hab` ich die 500 Dollarzeichen in den Augen und zum anderen bin ich durch und durch einer von den Guten. Ich mein`, ich hab` das Logo der Rebellen Allianz auf meinem rechten Handrücken tätowiert, Leia Organa war meine erste Liebe (das Mike Carrol Board mit ihr im Sklavenkostüm hab` ich übrigens auch und werde es natürlich nie verkaufen) und Yoda war und ist mein Mentor, wenn es darum geht, die Menschheit und das Universum zu verstehen. Wie zur Hölle kann ich mir ein Board mit Darth Vader zu Hause an die Wand hängen!? Ich mein`, Darth is` `ne coole Sau, keine Frage, und ich weiß, daß er eine riesengroße Fangemeinde hat, aber das hab` ich halt auch noch nie verstanden, wie kann mensch Fan vom Imperium sein? Sind das die gleichen Menschen, die jetzt gerade gegen die Corona-Maßnahmen demonstrieren? Das Imperium ist böse und hat nichts mit dem zu tun, woran ich glaube und wofür ich kämpfe, soll Darth doch woanders an der Wand hängen, ich kauf` mir dafür lieber ein Mark Gonzales oder Matt Hensley Board, die mir beide noch für meine Streetskate-Pionier-Ecke am Hüttendach fehlen. Die Macht I like, aber nicht die Dunkle Seite… Soviel dazu, mal sehen, was für einen kleinen Geldsegen Darth mir dann nächste Woche beschert.

Was hab` ich denn noch so anzubieten? Also da wären noch zwei limitierte Carhartt Boards, die definitiv auch ihren Sammlerwert haben sollten. Ich hab`s ja auch bei Ebay kurz in der Produktbeschreibung geschrieben, aber wiederhole mich hier gerne nochmal auf Deutsch für euch. Carhartt WIP hat ja damals Ende der 2000er Boards von einigen ihrer Teamfahrer rausgebracht, drei Jahre hintereinander. Während die ersten acht Boards noch von den ausgewählten Skatern selbst designed wurden, waren die letzten drei Boards eine Kollabo vom Teamfahrer mit einem befreundeten Künstler, und das waren namentlich die schwedische ATV-Maschine Daniel Hakansson aus Malmö mit Stefan Narancic, Mr. Black Arm Scott Bourne, damals der einzige amerikanische Teamfahrer überhaupt, mit dem legendären Jeremy Fish aus San Francisco, mit dem er damals auch für kurze Zeit die Firma Unbelievers gemacht hat. Und außerdem haben wir uns Jan Kliewer aus Göttingen/Berlin, dessen Board von Stefan Marx, berühmt für seine Kunst bei Cleptomanicx und Lusy Livin`, veredelt wurde.

Zu den Boards gab es seinerzeit noch ein sehr stylisches und schickes 48 Seiten starkes Booklet, in dem mensch noch mehr Kunst der besagten Künstler sowie geschriebene Worte dieser als auch der Skater über sich und Freundschaft im Groben und Allgemeinen serviert bekommt, und dieses Büchlein, das in einer 2000er Auflage gedruckt wurde, ist selbst schon ein kleines Liebhaberstück an sich, wenigstens für Nerds und Sammler wie mich halt. Sorry, ich steh` nun mal auf Kunst, vor allem auf Skateboardkunst! Jedenfalls haben wir seinerzeit von den zu uns immer mehr als großzügigen Freunden bei Carhartt WIP jeweils immer drei Exemplare der Boards in die Redaktion geschickt bekommen, und ja, das ein oder andere wurde dann auch tatsächlich mal verlost, aber mindestens eins blieb` natürlich immer in Familienbesitz. Und somit schmücken alle diese äußerst hübschen, stylischen und letztendlich auch seltenen Boards meine Hüttendecke und ich würde sie auch allerhöchstens bei einer drohenden Privatinsolvenz verkaufen, nicht zuletzt weil ich viele der besagten Teamfahrer auch mal kennen- und sehr zu schätzen gelernt habe (die Zusammenarbeit mit Carhartt all die BOARDSTEIN JAHRE war wirklich ein einziger Traum, ein allerherzlichstes Danke nochmal dafür an Lars, Olli und Edwin!).

Nun begab es sich aber im Frühling, als ich bei Sönke in Heiligenhafen den Bowl gebaut habe, daß ich zu ihm meinte, in seinem schicken Haus müssen aber auch noch ein paar schicke Skateboards an die Wand, so daß wir mal bei ihm im Keller guckten, was er da noch so alles rumliegen hatte. Und tja, da stießen wir dann u.a. auf eben zwei dieser seltenen Carhartt Boards, nämlich das Jan Kliewer/Stefan Marx Board und das von Scott Bourne und Jeremy Fish, beide noch komplett eingeschweißt mit Booklet. Sönke meinte, er hätte sie damals irgendwie in der Hamburger I-Punkt Halle abgestaubt, wo er seinerzeit mal gearbeitet hat, und würde sich diese beiden wohl eher nicht zu Hause an die Wand hängen, gerade weil er wie ich kein Freund von quergedruckten Boardgraphiken ist. Da witterte ich eine Chance, doch mal zu checken, was diese Teile denn heutzutage so auf Ebay wert sind, wenn überhaupt irgendwiewas, schließlich dürften die meisten Boardsammler, gerade aus Amiland, überhaupt gar nichts von der Existenz dieser Boards wissen.

Jedenfalls gab Sönke mir die beiden Boards dann nach Abschluß der Baustelle als Extra-Dankeschön mit und ich denke mir, einen Versuch, die ein bißchen zu Geld zu machen, ist es ja wohl allemal wert, und ich bin mir sicher, es gibt auch Liebhaber, die da scharf drauf sein könnten. Gerade das Scott Bourne Deck ist wirklich schick, bezieht sich übrigens auf sein Buch ‚Cheating On The Metronome‘, das damals auch gerade von Carhartt rausgebracht worden war und steht nach zwei Tagen schon bei 82,- Dollar. Das war`s dann aber auch schon mit Boards aus meiner persönlichen Sammlung, von denen ich mich trennen würde, aber zwei Schmankerl hätte ich noch zum Anbieten, nämlich unter anderem ein paar echt seltene Sneakers, Digger!

Ja, diesen Sneaker-Sammel-Fetisch, der ja in der Tat beängstigende Züge in der westlichen Welt angenommen hat, habe ich noch nie ganz verstanden, bzw. der ist mir dann doch echt zu dekadent. Ich mein`, Skateboards sind eigentlich auch zum Skaten hergestellt worden, aber sie haben sich aufgrund der nun mal zeitlosen Kunstwerke, die in der Regel die Unterseite verzieren, im Laufe der Jahre zu echten Sammlerstücken zum an die Wand hängen entwickelt, was ja auch verständlich ist, denn ein bedrucktes Board an die Wand hängen ist nun mal noch um Längen stylischer als ein gerahmtes Bild, oder was!? Aber Sneaker in ein Regal stellen, am besten noch mit Schuhkarton, find` ich dann doch echt ein bißchen abartig, es gibt ja wohl auch nicht wenige Menschen, die ein ganzes Zimmer voll mit Schuhen und Schuhkartons haben, ich mein` wirklich, jedem sein Hobby und seine Leidenschaft, aber bitte, Schuhe!? In verschiedenen Colorways!?

Wobei ich jetzt ein bißchen schmunzeln und eben abschweifenderweise nochmal ein kleines Pantöffelchen auspacken muß, denn ich habe tatsächlich auch ein Paar nagelneue Schuhe im Regal als Deko stehen, wobei diese Schuhe schon über 30 Jahre alt sind und ich wirklich nur durch Zufall in deren Besitz gelangt bin. Und zwar gibt es im Hamburger Karoviertel in der Marktstraße u.a. einen sehr geilen Second Hand-Laden namens Hot Dog, der hauptsächlich so Vintage-Marken-Klamotten aus den `80ern verkauft, und ja, ich hatte während meiner Pubertät eine gut drei Jahre lange Popperphase und für mich ist dieser Laden immer wieder eine Reise in die Vergangenheit, und auf viel von dem Scheiß steh` ich auch heute noch, so Outfit-technisch. Jedenfalls hab` ich mir in dem Laden vor zwei Jahren für (für mich) relativ viel Geld schon mal eine Chicago Bulls Collegejacke gekauft, die ich gerade jetzt in dieser Zeit wieder mit Freude und Stolz trage. Ich hab` früher echt viel Basketball gespielt und war totaler Chicago Bulls Fan, zu den glorreichen Michael Jordan/Scottie Pippen/John Paxson-Zeiten eben.

Nun hatte ich noch ein paar alte Vintage-Klamotten, die mir nicht mehr paßten und die perfekt in das Sortiments dieses Ladens passen würden, welche ich dann bei Gelegenheit mal für irgendwas tauschen wollte (der Typ, der den Laden macht ist echt cool, der hat mir damals auch die Jacke für 40,- Euro weniger gekauft, weil er sah, das ich mich da echt reinverliebt hatte). Und als ich dann Anfang des Jahres einmal beim Vorbeigehen im Schaufenster ein paar dieser alten Chigago Bulls Basketballstiefel von Converse entdeckte, war es wohl an der Zeit für mein Tauschgeschäft, würde er die auch in meiner Größe haben? Er hatte, tatsächlich, ich konnte mein Glück nicht fassen, nagelneu, unbenutzt, mit Karton, voll Sneaker-Sammler-Style, Digger Alter, ey! Der Kollege vom Laden war auch ganz begeistert von meinen Klamotten, so daß ich diese in diesem edlen Zustand wahrscheinlich sehr sehr selten Schuhe dann für 50,- Euro mit nach Hause nehmen konnte, nachdem er meinte, er müsse da normal 200,- für nehmen.

Da freute ich mir einen schweren Ast und bis ich damit zu Hause war, dachte ich auch, ich würde die Schuhe auf jeden Fall auch tragen, auch wenn Weiß wirklich alles andere als meiner bevorzugte Farbe für Schuhwerk ist. Aber als ich dann wieder in meiner Hütte ankam, war dieser Gedanke wie weggefegt und seitdem habe ich den einen davon nun als Deko auf meinem CD-Regal stehen, ich bekenne mich vor der Sneakerpolizei also als mitschuldig. Kann ich aber mit leben, denn die machen sich da echt gut und ich erfreue mich jedes Mall an ihrem Anblick, der mich halt einfach an gute alte Zeiten erinnert, genau wie wenn ich meine Chicago Bulls Collegejacke anziehe. Das sind halt Anschaffungen fürs Leben…

Äh, wo war ich stehen geblieben vor diesem kurzen Abschweif in meine intimsten Privatgeheimnisse? Ach ja, bei Sneakern, die ich jetzt auf Ebay zum Verkauf gestellt habe. Das wären nämlich ein Paar Consolidated BS Drunk High-Tops in Größe 9, die wahrscheinlich auf ihre eigene Art einen gewissen Sammlerwert haben, ich kenn` mich da letztendlich zu wenig aus in der Sneakerwelt. Jedenfalls sind auch die nagelneu und unbenutzt inklusive einem etwas mitgenommenen Karton dazu. Die hat mein (Ex-?)Kollege Eyk, wie ich eingefleischter Consolidated Fan, vor gut zehn Jahren mal für mich mitbestellt, als er sich welche bestellt hat, und ich weiß, daß ich ihm damals 50,- Euro dafür gegeben habe. Letztendlich fand ich die Schuhe aber schon damals vor allem wegen der Banane so häßlich, daß ich sie nicht mal als überzeugter ‚Don`t Do It‘ Army-Anhänger getragen oder wenigstens irgendwie ins Regal gestellt hätte, sind halt auch wirklich billigste Produktion die Dinger.

Aber die Aktion an sich war damals schon ganz geil von Consolidated, seinerzeit war die Firma ja auch noch richtig angesagt und hatte ein bißchen Budget, um solche Sachen einfach mal zu machen. Man sollte nicht vergessen, daß es Consolidated Ende der `90er mit ihrer ‚Don`t Do It‘ Kampange tatsächlich gelungen war, die Skate-Community aufzuklären und zu verhindern, daß Nike sich in der Skate-Industrie breit macht. Als diese dann 2001 mit voller SB-Wucht zurückschlugen ging der Kampf erneut los und ein paar Jahre weiter (diese Rip Off-Schuhe sind meines Wissen zusammen mit ein paar anderen Modellen 2007 rausgekommen), aber der Siegeszug von Nike konnte naürlich nicht mehr aufgehalten werden und jetzt seht euch das Heute und Hier mal an! Die Hälfte alle Skater weltweit trägt heutzutage Nike, einfach eine Schande das…

Ahnt rechts den Ebay Collector`s Price!

Egal, wer auch immer Bock hat, ein paar dieser zeitgenössischen Wiederstandsschuhe zu erstehen, darf gerne eifrig mitbieten, bei mir nehmen die Teile nur noch Platz weg. Und damit kommen wir mal zum letzten Artikel, den ich die laufende Woche am Versteigern dran bin, und das Ding ist jetzt wirklich mal ultra ultra rar, aber sowas von! (Was jetzt nicht heißen soll, daß ich dafür einen großen Geldregen erwarte, also wenn das Teil überhaupt für einen zweistelligen Betrag weggeht, bin ich schon froh.) Und zwar handelt es sich um ein Exemplar der BOARDSTEIN NULLNUMMER, das ist jene allererste legendäre Ausgabe 0, die vor unserer ersten Ausgabe rauskam, welche bekanntlich im Mai 2000 das Licht der Welt erblickte.

Diese 24-seitige Nullnummer haben wir damals im Frühjahr in aller Eile zusammengeschustert und in einer 250er Auflage gedruckt, um uns damit bei der (Skate-)Industrie vorzustellen und dann hoffentlich ein paar Werbeverträge abzuschließen, sprich Anzeigen fürs Magazin zu generieren. Die Nullnummer machte ihrem Namen aber in der Tat alle Ehre, denn wie mensch weiß, hatten wir gerade in der Anfangszeit extrem mit Anzeigenmangel zu kämpfen, ich weiß bis heute nicht, wie wir das alles überlebt haben, ohne Carhartt hätten wir das auch nicht. Egal, wenn man sich diese Nullnummer mal genau anguckt (und diese Möglichkeit eröffnet sich hiermit zum allerersten Mal füs allgemeine Volk!), versteht man auch, warum damals niemand Anzeigen im BOARDSTEIN SKATEBOARDMAGAZIN schalten wollte. Das gleiche Gefühl habe ich übrigens auch, wenn ich mir heute unsere allerersten Ausgaben so angucke, da würde man 20 Jahre danach doch so einiges anders machen, aber lassen wir das…

So gesehen ist der Inhalt dieser Nullnummer wenn nicht durchweg belanglos, dann vielleicht sogar ein bißchen peinlich, ein bißchen davon schaffte es dann trotzdem auch in unsere erste Ausgabe. Jedenfalls ist das gute Stück nicht nur wegen seiner geringen Auflage, von der wahrscheinlich nur noch ein Dutzend Exemplare überhaupt existieren, sondern eben auch wegen seiner Gesamtskurrilität, ein echtes Sammlerstück für alle, die sich für deutsche Skateboardgeschichte und deren Journalismus interessieren. Vielleicht bist ja auch gerade du so BOARDSTEIN, daß du dieses Teil nach all den Jahren unbedingt dein eigen nennen mußt!? Jetzt wäre die Chance dazu…

Der Typ auf dem Cover ist übrigens niemand Geringeres als mir selbst, und das Cover ist auch das Gelungenste an dem Ganzem, wir wollten mit unserem ersten Cover na klar einen echten Kracher abliefern, und einen brennenden BOARDSTEIN zu skaten erschien uns da äußerst passend. Das war aber alles gar nicht so einfach, denn es war mitten im Winter und wir brauchten eben einen trockenen überdachten Bordstein, an dem man ungeschoren ein bißchen mit entzündetem Benzin rumwerkeln konnte. Zusammen mit Klaas und Mhueller ging es dann eines Abends zum Wicked Woods in Wuppertal (das war die alte legendäre Skatehalle da, wo ich nicht wenige Feierabende jener Zeit verbrachte). Dort gab es nämlich so halboffene Hallen auf dem Vor-/Parkplatz, schön lecker mit echten deutschen Bordsteinen. Und da gingen wir dann zu Werke, und jeder, der schon mal Flammen geskatet ist, weiß, daß das gar nicht so einfach ist, letztendlich handelt es sich bei dem Trick auch nur um einen Ollie To Fs Pivot, aber recht stylisch ist es ja geworden.

Genial und herrlich unstylisch ist auch die Drum Tabakwerbung auf der Rückseite der Ausgabe, wir waren tatsächlich von Anfang an moralisch flexibel und hatten ja in den ersten drei Ausgaben zum Beispiel auch Camel Zigarettenwerbung auf dem Rückumschlag, ohne Frage eine weitere Einzigartigkeit in der Geschichte von Skateboardmagazinen, wir waren dann ja letztendlich die nächsten Jahre lang voll von sowas. Aber ja, Camel waren damals die einzigen, die wenigstens Werbung geschaltet und dafür anständig bezahlt haben, und wir waren halt jung und brauchten das Geld, und zwar beides nicht zu knapp.

Ich selbst hab` natürlich noch ein Exemplar von dieser Nullnummer im Archiv und letztes Jahr während meiner BOARDSTEIN LESUNGSTOUR, hat Klaas mir dann auch das eingerahmte und von allen damaligen Gesellschaftern unterschriebene Exemplar überlassen, das im BOARDSTEIN KELLER neun Jahre lang über seinem Schreibtisch hing und jetzt hinter meinem hängt. So isser, der Klaas, überhaupt nicht Sammler, geschweige denn Nostalgiker oder Romantiker! Wir waren ja schon immer extremst verschieden und haben uns genau deshalb immer so perfekt ergänzt, und diesen Blog gibt es letztendlich auch nur Dank seiner Hilfe, Klaas, der sich immer so schön im Hintergrund hält, danke nochmal für alles, Mann! Und ich mein` alles…

Das Exemplar, das es jetzt hier zu ersteigern gibt, ist das von meinen Eltern, mein Herrchen hat mir letztes Jahr, als ich nach der Lesungstour mein Hausarchiv mit reichlich Heften aus Hagen aufgestockt hatte, auch mal alle seine Magazine gegeben, die meine Eltern damals natürlich jedes Mal per Freiverteiler zugeschickt bekommen haben (hätten sie mir nicht einen ordentlichen Batzen Geld geliehen, hätte ich nie Gesellschafter bei diesem neuen Skateboardmagazin werden können). Herrchen meinte, er würde da sowieso nie wieder reingucken (er kann auch nicht mehr so gut gucken und die Schrift im BOARDSTEIN ist ja inzwischen selbst für mich fast zu klein), aber ich glaube, Frauchen hätte diese BOARDSTEIN SAMMLUNG bis zu ihrem Tod bei sich behalten, sie war da ganz anders, nämlich so wie ich (wobei ich mehr wie sie war), nur leider ist sie bekanntlich leider viel zu früh gestorben. Und wenn ich sage, Frauchen war die Beste, dann weiß ich, daß alle, die sie gekannt haben, das bestätigen können. Ich vermiß` dich, Frauchen, du warst der einzige Mensch, von dem ich mir was habe sagen lassen (aber das habe ich dir ja in den letzten 17 Jahren schon hundertmal gesagt)…

Äh ja, man könnte schlußendlich also sagen, es handelt sich bei der Nullnummer um unveröffentlichtes BOARDSTEIN Material, und während unseres besagten Ebay-Redaktionsausverkauf seinerzeit, bei dem wir wirklich aus jeder Scheiße Geld machen konnten, hätte uns diese Nullnummer wahrscheinlich ein Häufchen Kohle eingebracht, ich bin wirklich gespannt, was sie denn zehn Jahre später noch bringt. Ist ja jetzt nicht so, daß ich sozial voll toll vernetzt wäre und der ganzen Welt mitteilen könnte, daß ein letztes Exemplar zur Auktion freisteht. Könntet ihr das bitte für mich übernehmen!? Danke…

Schlußendlich muß ich sagen, jetzt wo die Artikel im Netz sind, macht das Ganze auch direkt wieder Spaß, das ist für mich Ebay. Natürlich hatte ich gerade zu dem Plan B Board schon reichlich Anfragen, ob ich es nicht direkt verkaufen würde und was ich denn dafür haben wolle. Aber ich finde, gerade diese Auktionen machen den Reiz der ganzen Sache aus, dann kriegt es am Ende ja in der Regel auch immer jemand, dem der Artikel wirklich wichtig war, oder!? Mein Leben drehte sich noch nie um Gewinnmaximierung, sieht man ganz deutlich nicht nur an meinem Lebenslauf, sondern auch am Status Quo. Andererseits weiß ich als Sammler halt auch, daß gewisse Dinge einfach ihren Wert haben und daß man bereit sein muß, den Preis dafür zu bezahlen, wenn einem solche Dinge halt irgendwie wichtig sind. Und glaubt mir, ich wäre lieber ein Mensch ohne derart ausgeprägte Sammelleidenschaften, aber auch das habe ich von meinen Eltern geerbt, ihr solltet mal Herrchens Haus sehen, das sieht noch schlimmer aus als meine Hütte, und das ganz ohne Frauchen…

In diesem Sinne, keep it Ebay und happy bidding! Wie gesagt, nächstes Mal werde ich euch dann mal meine diesjährigen Boarderrungenschaften vorstellen, stellt euch also auf noch mehr Skatenerdscheiße ein! BOARDSTEIN – Irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn…

Sonne scheint und is` trocken, raus auf die Straße, jetzt!
Vollgas gebend,
Arne

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