KOLLEGE BRETT HAT ÜBERLEBT

Oder: Jahrhundertflut tut nicht gut….

Aber hallo, zusammen!

Ja, jetzt isses wohl wieder so weit, spätestens nach der Zeitumstellung kann mensch wohl behaupten, der Winter ist da, obwohl es ja offiziell gerade mal Herbst geworden ist. Gut, einigen wir uns auf ‚Die dunkle Jahreszeit‘, denn die ist auf jeden Fall jetzt angebrochen, gerade hier in der tiefsten nordischen Pampa, wo es dann auch wirklich einfach mal dunkel ist, sobald die Sonne untergegangen ist. Ich mag` diese Jahreszeit eigentlich auch echt gerne (wir Deutschen sind ja auch Jahreszeiten-Menschen), denn nach einem langen und aufregenden Sommer ist es immer wieder schön, wenn mensch dann im Herbst aufgrund schlechten Wetters und eben dieser Dunkelheit dazu gezwungen ist, mehr Zeit drinnen zu verbringen (nicht daß es hierzulande nicht auch im Sommer schlechtes Wetter gäbe…). Jedenfalls kann mensch sich dann immer schön um Sachen kümmern, die zum Beispiel lange liegengeblieben sind. Das hab` ich in den letzten zwei Wochen auch gemerkt, als ich meine Hütte für den Winter aufgeräumt und angefangen hab`, lange To-do-Listen so nach und nach abzuhaken. Ähh, was genau hab` ich dabei gemerkt? Ach ja, natürlich daß ich mir immer viel zu viel vornehme und vielleicht dann und wann auch mal die falschen Prioritäten setze. Aber wer tut das nicht? Also ich bin bekanntlich genauso weit von ‚perfekt‘ entfernt wie jede(r) einzelne von euch auch…

Und ich habe mir auf jeden Fall mal wieder viel vorgenommen für die nächsten zwei, drei Monate, und das hat hauptsächlich mit Schreibtisch und Bildschirm zu tun, soll heißen, ich will/muß ordentlich in die Tasten hacken, denn so langsam bin ich selbst von mir genervt, gewisse Dinge (wie zum Beispiel ein gewisses Buch oder einen gewissen Apokalypse-Blog-Eintrag) vor mir herzuschieben. Das Ding mit dem Schreiben ist eben nur, da hab` ich halt nicht immer Bock drauf, einerseits wegen der Tätigkeit an sich, die nämlich in der Regel im Sitzen stattfindet, und ich bin eher ein sehr bewegunsgbetonter Mensch. Ja, und außerdem braucht mensch zum Schreiben Muße, also ich auf jeden Fall, und ich frage mich gerade in den letzten Wochen wieder mal vermehrt, ob ich denn wirklich so viel mehr schreiben würde, wenn ich nicht so viel meiner Zeit für diese ganze Skateparkbau-Geschichten investieren müßte (Stichwort Geld verdienen, nä!?). Ich weiß es wirklich nicht, Fakt ist, ich muß mir jetzt wirklich öfter mal in den Arsch treten und zumindest zwei Dinge bis zum Frühling abgeschlossen haben, denn dann will ich wieder raus und ganz sicher nicht mehr in meiner Hütte und/oder vorm Bildschirm abhängen. Im Frühling doch nicht, ey, da häng` ich höchstens davor ab, im Garten, haha…

Genug gelabert, ich melde mich hier auch heute vor allen Dingen, weil ich morgen für ein paar Tage nach Hamburg fahre und nächste Woche ein paar Tage Kuschelurlaub auf Amrum hinterherschiebe, und ich glaube nicht, daß ich es zwischendurch hinkriege, hier munter rumzubloggen. Nun sollte mensch meinen, daß wenn ich nichts Wichtiges zu erzählen habe, ich doch vielleicht einfach die Klappe halten sollte und diese erst wieder aufmache, wenn denn da auch was Sinn- oder Wertvolles rauskommt (Klappe = Finger auf Tastatur…). Ähh, gibt es eigentlich schon das Wort ‚blogvoll‘?

Nun, da es sich hier immer noch um BOARDSTEIN.COM handelt, also um den zehn Jahre zu späten Blog eines der legendärsten Skateboardmagazine, für die unser schöner Planet jemals seine wertvollen Rohstoffe hergeben mußte, ist das hier heute zumindest inhaltlich etwas, über das wir früher eine ganze Sonderausgabe rausgebracht hätten. Und ja, wie ihr vielleicht schon an den Bildern gesehen habt, geht es tatsächlich hier um BOARDSTEIN in seiner papierenden Urform. Also um das kurz zu erklären: Die meisten dürften sich daran erinnern, daß wir in gewissen Teilen Deutschlands vor knapp einem halben Jahr das hatten, was zum Spaß aufgelegte Meterologen vielleicht als Sodom und Gomorrha bezeichnen würden, das Wort Jahrhundertflut trifft es wohl auch ganz gut.

Verdammt schrecklich und beschissen, glaubt mir, ich hatte wie die meisten Mitbürger wahrscheinlich auch Tränen in den Augen, als ich die Bilder damals gesehen habe, und letztendlich habe ich das auch heute noch, wenn ich mal wieder welche aus den entsprechenden Gebieten zu sehen bekomme. Ich mein`, so pervers es jetzt klingt zu sagen ‚das einzig Gute daran…‘, denn daran gibt es mit Sicherheit so rein gar nichts Gutes… nur hab` ich damals während dieser Tage gedacht: Immerhin trifft es nicht wie eigentlich immer die Ärmsten der Ärmsten der Ärmsten, sondern nun auch mal mitten ins Herz unseres wohlhabenden Super-Deutschlands. Willkommen, wir nennen es Klimaerwärmung, ist sie dann nun wirklich auch in unseren Wohnzimmer angekommen, ganz schön kacka, oder!?

Oh ja, Jahrhundertkacke ist das, doch ein kleines bißchen sind wir da als Menschen nun mal auch selbst dran Schuld, woll!? Ist leicht gesagt, wenn man nicht selbst betroffen ist, aber ja, ein klitzekleines bißchen bin eben sogar ich im höchsten Norden der Republik davon betroffen gewesen, wenn auch nur sehr sehr indirekt, bedenkt man, daß viele Menschen alles verloren haben, was sie jemals besessen haben, und noch viel viel mehr…

Aber auch in Hagen, dem Tor zum Sauerland, 20km südlich von Dortmund und letztendlich sowas wie die Geburtsstätte von BOARDSTEIN, haben damals die Fluten gewütet. Ich krieg`s nicht mehr genau zusammen, aber irgendwie wollte ich zufällig gerade was von meinem alten Partner in crime, Klaas, und schrieb` dann in der SMS dazu beiläufig in einem Nebensatz, ob denn das Haus noch stehen würde. Er wohnt in Hagen ganz oben aufm Berg, wo er eigentlich vermeintlich sicher sein sollte, und er war während der Fluten auch gar nicht zu Hause, sondern mit Familie aufm Campingplatz. Aber als er dann das Wort Proberaum erwähnte, fiel es mir wie Schuppen aus den Augen… Denn ja, Klaas hatte schon seit Jahren einen nicht mehr wirklich benutzten Proberaum in einem alten Industriegebäude in Hagens Innenstadt direkt neben der Volme, das kleine Flüßchen, das sich durch Hagen schlängelt und welches natürlich in die Ruhr mündet, is` schließlich tiefstes Ruhrgebiet da, verstehste!?

In diesem geräumigen Proberaum lagerten jedenfalls auch – von den Paar Dutzend Packen auf unserem heimischen Dachboden mal abgesehen – die letzten BOARDSTEIN AUSGABEN sowie alles, was papiermäßig irgendwie mit unsere Magazin und der dazugehörigen GmbH zu tun hatte, Unterlagen, Leserbriefe, Zeichnungen, die Umfragen, letztendlich alles, was irgendwie mal durch unseren Briefkasten in der Paderborner Straße 15 in 44143 Dortmund gewandert war und nach unserem Redaktionsabriß als aufhebungswürdig erachtet wurde. Das war noch ganz schön viel Zeugs gewesen, es gab ja auch immer mal wieder den Gedanken, nochmal ein BOARDSTEIN BUCH zu machen, aber wie gesagt, Gedanken und Ideen gibt es (zumindest bei mir) immer mehr als genug bis zu viel.

Was war jetzt wohl aus all dem Kram geworden? Wir beide waren uns jedenfalls ziemlich sicher, daß aufgrund der Lage des Proberaums und den Augenzeugenberichten, die Klaas gehört hatte, wo Leute in den Straßen Wehringhausens mit Schlauchbooten umhergepaddelt sind, vermutlich nicht allzu viel überlebt hatte. Klaas wollte dann in zwei Wochen, wenn sein Urlaub vorbei war, mal dort vorbeifahren und sich ein Bild von der Lage machen. Er würde sich dann wieder bei mir melden…

Das tat er dann natürlich auch irgendwann und sein Lagebericht klang auf jeden Fall schnell doch recht deutlich nach Glück im Unglück, jedenfalls war das Ausmaß der Katastrophe nicht ganz so schlimm, wie wir beide erwartet hatten. Das lag wohl vor allem daran, daß die Jungs seinerzeit den Boden des Kellers ganz proberaumgerecht mit Styropor und Holz verkleidet hatten, was den Vorteil hatte, daß das Ganze natürlich schwimmt, tata! (Kleiner Tip vielleicht für den Hausbau in potentiellen Überflutungsgebieten, ganz ohne Scherz jetzt!) Jedenfalls hat dann doch wenigstens ein bißchen von dem Inhalt des Kellers überlebt und es war kein kompletter Totalschaden, wenn auch ein ziemlich doller insgesamt. Und da Klaas mir jetzt letzte Woche eine kleine Palette voll mit den überlebenden BOARDSTEIN AUSGABEN per Spedition hochgeschickt hat – weil der Proberaum nun natürlich auch aufgegeben wurde und der Kram sowieso besser bei mir liegt, der ich ja immerhin noch ein bißchen versuche, BOARDSTEIN zu sein – und er es ebenso geschafft hat, mir endlich mal die dazugehörigen Bilder hochzuladen und ich mir nun auch erstmals einen Überblick über diese kleine Tragödie machen konnte (keine Verletzten, keine Toten, nicht mal Blech-, sondern nur Papierschaden!), wollte ich das heute hier nun auch nochmal mit euch teilen. Dem letzten Haufen, der von der ehemaligen Weltmacht, die sich einst FAMILIE BOARDSTEIN nannte, übrig geblieben ist, meine lieben BlogleserInnen…

Ich hatte mir schon vor zwei Jahren nach meiner BOARDSTEIN LESUNGSTOUR, wo ich zwischendurch immer in Hagen Stop gemacht hatte und auch das erste und einzige Mal in besagtem Proberaum gewesen war, eine Palette alte Ausgaben hochschicken lassen, weil ich keine mehr zum Verschenken hatte. Ich mein`, man lernt ja schon auch heutzutage noch regelmäßig neue Menschen kennen, die nichts von meiner glorreichen Zeit als berüchtigter BOARDSTEIN CHEFREDAKTEUR wissen und denen man dann gerne mal ein paar Ausgaben in die Hand drückt, damit sie sehen können, wie krank die ganze Scheiße damals eigentlich wirklich war und auch heute noch ist. Sagen wir mal so, zum Glück haben wir das vor zwei Jahren gemacht, das mit dem Palette hochschicken, denn sonst wären einige Ausgaben wirklich Opfer der Geschichte geworden und nur noch in auserlesenen Sammlungen vorhanden bei Leuten, die zu viel Platz zu Hause haben und zu viel Nostalgie im Hirn.

Denn die Hefte, die hauptsächlich die Flut überlebt haben, sind eher alte Ausgaben, weil die halt oben in den Regalen lagen. Ich hab` hier auf dem Dachboden allerdings vor allem die neueren, also letzten Ausgaben, weil wir davon einfach noch mehr hatten. Und ich muß auch dazu sagen, daß ich, wenn ich Leuten, die noch niemals nich` eine BOARDSTEIN in den Händen hatten, ein paar Ausgaben zum Kennenlernen und zeitlosen Spaß haben gebe, ich immer lieber welche von den letzten Ausgaben genommen habe, also so ab Ausgabe 30 ungefähr. Denn mit etwas (sagen wir mal so bis zu 20 Jahren) Abstand betrachtet waren gerade die ganz ganz frühen Ausgaben doch schon ganz ganz schön wild und willenlos und nicht immer an allen Stellen etwas, auf das man übermäßig stolz sein würde. Also auf BOARDSTEIN als solches bin und kann ich wohl auch mehr als zu recht stolz sein, aber das war in der Anfangsphase teilweise auch echt ganz schöner Trash und vieles würde ich mit meinen grauen 46 Jahren jetzt wohl auch nicht mehr so machen, oder schreiben…

Naja, müßig, sich Gedanken zu machen, ich bin wirklich heilfroh, daß ich von den meisten Ausgaben noch größtenteils zweistellige Mengen bei mir oben auf dem Dachboden habe (also nicht in meiner Hütte, bei Herrchen drüben im Haus, Mensch!). Denn ich werde hoffentlich bis zu meinem Lebensende noch Menschen kennenlernen, denen ich voller Stolz sagen kann ‚Ey, willst du mal was völlig Beklopptes sehen? Da war ich neun Jahre lang Chefredakteur’… Da kriegste echt Pipi inne Augen, Mann, vor allem wenn du live dabei gewesen bist. Alter, was war das für eine geile krasse Zeit, diese BOARDSTEIN ÄRA! Ich find`s unglaublich, daß ich heutzutage immer noch darüber schreiben kann und die Leute lesen das dann auch noch, selber Schuld, ihr Ochsen und Ochsinnen!

BOARDSTEIN PROBERAUM R.I.P., ich als nordnordeutscher Oberhippie feier` es total ab, daß ein kleiner Teil meines Herzens immer im Pott sein wird, zu intensiv und aufregend waren meine neun Jahre da unten, frei nach Gretchen Dutschke: „Wir hatten ein barbarisch schönes Leben“… und eine schrecklich geile Zeit, und ich bin verdammt stolz drauf, Teil des Ganzen gewesen zu sein. Und alle, die noch irgendwie irgendeine Ausgabe von uns brauchen oder suchen sollten: Also ich würde mich jetzt langsam mal drum kümmern tun, die Dinger werden nämlich echt nicht zahlreicher! Und die nächste Katastrophe kommt ganz bestimmt, ich hör` sie schon klopfen, tropf tropf…

Eine dicke Handvoll Küßchen an meine lieben Freunde im Ruhrgebiet, ich hoffe sehr, wir sehen uns bald mal wieder!
Volle Kraft voraus,
Arne

Und was hat das jetzt alles mit der Überschrift zu tun???

Ein kleines P.S. wie immer: Ich will ja nicht sagen, manche Dinge sollen so sein, wie sie sind, aber als ich nach der Katastrophe das besagte erste Mal mit Klaas telefonierte, meinte ich zu ihm, er solle in dem zu erwartenden Chaos im Proberaum bitte Ausschau nach Kollege Brett halten. Kollege Brett ist ein Skateboard, welches unser damaliger Mailorder Män und Chefgraphiker Raffel Stüken bemalt und uns für die Redaktion geschenkt hatte (wir haben Nummer 7 von 12, streng limitiert also alles). Das hatte ich eigentlich vor zwölf Jahren schon aus Dortmund mit zu mir nehmen wollen, aber das war damals eins der wenigen Dinge, die partout Klaas behalten wollte. Nämlich um es im Proberaum verstauben zu lassen, aber ich wagte wohl auch vor zwei Jahren bei meinem Besuch scheinbar nicht, ihn danach zu fragen, obwohl sich das gute Stück verdammt gut in meiner ständig wachsenden Boardsammlung zu Hause machen würde. Deswegen sagte ich zu Klaas ‚Ey, Klaas, wenn Kollege Brett das Ganze überlebt haben sollte, schick` ihn doch bitte mit den Heften zu mir, der ist bei mir eh besser aufgehoben als bei dir‘. Er hat das ja nicht so mit Kunst und Deko, der Klaas, und ich find` das Board echt ziemlich genial, Kollege Brett, verstehste!? Das ist Potthumor from the finest und dann auch graphisch noch super umgesetzt! Ich sage, der Gute hat aus einem guten Grund überlebt, also Raffael, solltest du, oder wer auch immer damals regelmäßig Gast im BOARDSTEIN KELLER war, das hier zufällig lesen, ich hab` dich/euch nicht vergessen, werde das mit Sicherheit auch nie tun, und danke euch nochmal für Freundschaft und eine tolle Zeit in Dortmund. Brettkollegen for life and for real, auch wenn das Leben weitergeht und uns auseinandergetrieben hat, so ist es nun mal, das liebe Leben, verdammt schön, aber auch gnadenlos…

So jetzt reicht`s aber mit Tränendrüse, Fakt ist, ich kann mit diesem einem Board letztendlich mehr anfangen als mit fünf Kartons voll von BOARDSTEIN PAPIERKRAM, in die man vermutlich doch nie wieder reingeguckt hätte, denn das mit dem BOARDSTEIN BUCH, das ist bzw. war jetzt wirklich eine Schnapsidee…

P.P.S.: Und, ey, wenn ich in den nächsten Wochen vor lauter Schreibtisch mal nicht weiß, worüber ich bloggen soll, also ich hab` im letzten Jahr schon wieder so abartig viel Geld für Skateboards ausgegeben, die nicht geskatet, sondern an die Wand bzw. Decke gehangen wurden, das würde glatt für einen dritten und vierten Teile der beliebten Serie ‚Kompletter Board-Sammel-Amok‘ reichen… Schaun mer mal, nä!? Daß ich ein bißchen die Pfanne heiß habe, dürften jetzt auch die letzten begriffen haben, woll!?

P.P.P.S. von Klaas: MEGA-Dank an Kollege Thomas (gelber Handschuh), der mehrfach tatkräftig beim Ausräumen half, obwohl er nicht mal Skateboard fährt (kann es sowas geben, ja – Solidarität und Homie sein) sowie an den Ex-Frontmann der losen Musikertruppe Dan, der schon immer bei den Contests mit am Start war. Danke!

Ein Gedanke zu „KOLLEGE BRETT HAT ÜBERLEBT

  1. ah shit man! das tut weh! da blutet den boardsteinern das herz!
    an die porno collage kann ich mich noch erinnern, die war sogar im heft drin!

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