ALLEINER KANNST DU GAR NICHT SEIN

Huhu!

Also die heutige Überschrift finde ich ganz besonders passend für meine letzten Wochen und Monate, denn irgendwie befinde ich mich in der Tat seit Ende Oktober hier zu Hause in so einer Art Exil mit meinem allerdings nur zum Teil selbstauferlegten Eremiten-Dasein. Und so langsam merke ich auch, wie ich allmählich ein bißchen gaga werde, denn auch mir fehlt unter Umständen dann doch ein bißchen soziale Interaktion, also vor allem in Echt halt. Wenn man unter der Woche eigentlich zu niemanden großartig Kontakt hat außer ein, zwei halbwegs debilen Nachbarn und seinem 80-jährigen Vater, der, so cool und fit er auch sein mag, nun mal sehr schlecht sieht und hört und sich generell noch nie zu viel dafür interessiert hat, was sein Jüngster eigentlich so treibt, ja, dann fühlt man sich zuweilen manchmal menschlich etwas unterfordert. Und dazu dann halt diese dunkle, nasse und kalte Jahreszeit, deswegen bin ich ja seit Jahren auch um ca. diese Jahreszeit eigentlich immer auf irgendeine längere Mission Richtung südliche Halbkugel gezogen. Aber auch das fällt aus verschiedenen Gründen dieses Jahr aus, so muß ich mich wohl halbwegs alleine noch bis zum Frühling durchboxen, wo man zum fröhlich sein eigentlich nicht viel mehr braucht als ein bißchen gutes Wetter und eine eigene Skateparkbaustelle hier in der Nachbarschaft…

Aber das haut mich jetzt auch nicht um alles und ich will und werde hier ganz sicher nicht rumjammern, so ist das alles eben, von Corona mal abgesehen, ja auch ein stück weit selbst gewollt so. Aber wenn sich eines diesen Winter mal wieder bestätigt hat, dann ist es, daß mensch nicht so viel erledigt bekommt wie vorgenommen, wenn mensch sich ständig mit neuen Projekten und Ideen zuballert, so daß die alten eben auf der Strecke bleiben. Ich kann mich nur wiederholen, aber ein Tag hat nun mal nur 24 Stunden und mindestens sieben davon will und muß ich im Durchschnitt eigentlich schlafen. Wenn man dann noch dieses Geld verdienen dazu zählt, bleibt echt nicht viel Zeit übrig für Schabernack, so aufs Jahr gesehen. Aber auch hier kann ich mich wahrlich nicht beschweren, denn verglichen mit den meisten Menschen habe ich durch meinen mir über Jahrzehnte selbst so zurecht gefummelten Lebensstil dann eigentlich doch reichlich Freizeit (also letztes Jahr habe ich tatsächlich nicht mal ganz sechs Monate richtig gearbeitet, und wißt ihr was? I like…). Aber wenn ich ganz ehrlich bin, manchmal denke ich, ich sollte einfach auf diesen Blog scheißen und mich noch mehr ins schöpferische Exil zurückziehen, um die wirklich wichtigen Projekte weiterzumachen und zu Ende zu bringen. Denn ob ihr es glaubt oder nicht, das kostet schon ganz schön Zeit, hier regelmäßig so viele Zeilen für euch zu schreiben, aber eigentlich mache ich das ja für mich, oder!? Schreibe ich zumindest immer…

Ist ja auch egal, ich bräuchte diesen Blog auch gar nicht in Frage zu stellen, wenn ich denn endlich mal anfangen würde, hier wirklich wichtige Sachen zu schreiben, aber da stellt sich dann auch ganz schnell die Frage, was genau ist eigentlich wichtig? Gerade im Unterhaltungssektor, und nichts anderes ist das hier ja wohl, als Unterhaltung für Leute, die scheinbar nichts Besseres zu tun haben, als sich meine unregelmäßigen Gedankensplitter durchzulesen. Irgendwie war das zu BOARDSTEIN ZEITEN geiler und auf Papier, eben als das mein richtiger Job war, genau deswegen mache ich das hier wahrscheinlich auch, ich hab` dieses ‚mich mitteilen‘ vermutlich zu lange schleifen lassen. Aber ey, dafür hab` ich in den letzten 15 Jahren gut hundert Skateparks und Spots aus Beton gebaut, das sollte ich mir auch ruhig öfter mal auf meiner Zunge zergehen lassen, schmeckt nämlich gar nicht so schlecht diese Tatsache. Jedenfalls bin ich einfach dankbar, daß ich mich beruflich seit über zwanzig Jahren im Skateboarding bewege und es sich dadurch niemals so anfühlt, als würde ich irgendwie kostbare Lebenszeit mit Arbeit verschwenden.

So halt auch die letzten beiden Wochen, da hab` ich tausend Sachen auf`m Zettel, die es zu erledigen gilt, und dann stürz` ich mich Hals über Kopf in dieses Abenteuer namens 1. Happy Weekend Glücksburg 2022 und war natürlich die letzten Tage kopfmäßig hauptsächlich eben bei dieser Sache, worunter alles andere dann wieder gelitten hat. Aber ja, das ist ganz einfach auch eine mir angeborene Sache, die ich wie so vieles von meiner Mutter geerbt habe, Partys – um nicht besser zu sagen Events – organisieren und damit Menschen zusammenbringen, das weiß auch jede(r), der/die mich gut kennt. Gefühlt die Hälfte meines Freundeskreis hat sich nämlich auf einem dieser Events untereinander kennengelernt, kein Witz! Und wenn die sich erstmal kennen, muß mensch sich halt auch drum kümmern, daß sich regelmäßig Anlässe bieten, an denen mensch sich wiedertreffen kann, kranke Scheiße, oder!? Ich glaube, mensch nennt es Freundschaft, oder einfach Lebensfreude, scheißegal, schmeckt alles gleich gut…

Und durch ständiges Auf-Achse-sein kommen ja auch immer neue Freunde dazu, schade ist nur, daß sich einige, gerade die älteren, auch über die Jahre wieder verabschieden und ihr Leben aus eigenen Stücken Richtung Bedeutungslosigkeit zu verschieben scheinen, aber auf die kann man dann auch nicht immer warten, also ich definitiv nicht, sorry dafür an alle Beteiligten! Jedenfalls freue ich mich sehr über das viele gute Feedback zu unserem geplanten Event in Glücksburg und ich hoffe wirklich, daß wir das Ganze dann auch Ende Mai durchziehen können und sich möglichst viele alte und neue Bekannte wiedersehen und eine gute Zeit zusammen haben werden. Denn für nichts anderes veranstalten wir die ganze Showse schließlich, wenn ich mal ganz ehrlich sein soll.

Soweit so gut, kommen wir dann damit mal zu dem eigentlichen Inhalt des heutigen Blog-Eintrages, denn eigentlich wollte ich euch heute hier nochmal ein Buch vorstellen. Und bevor sich jetzt Leute wieder direkt ausklinken, weil sie das oder generell sowieso nicht Bücher lesen werden, dann laßt euch kurz gesagt sein, es handelt sich schon mal nicht um eine (Auto-)Biographie, yeah! Nein, mir liegt dieses Buch gerade jetzt vor allem deshalb am Herzen, weil ich mich in meinen beiden gefühlt schon Jahre zurückliegenden Corona-Blogs – und nicht nur da, sondern ja generell gerne – so krass über PolitikerInnen ausgekotzt habe. Also nicht, daß mir das jetzt hinterher leid tun würde, mitnichten, ich hasse die meisten von denen nicht ohne Grund auch heute noch. Aber das jetzt hier vorgestellte Buch hat mir zumindest ein bißchen dabei geholfen, mir immer bzw. mal wieder vor Augen zu führen, daß es sich dabei auch nur um Menschen handelt, quasi Menschen wie du und ich, nur halt PolitikerInnen.

Und das besagte, erst zwei Jahre alte Buch, welches ich erst kürzlich zu lesen beendet habe, heißt eben ‚Alleiner kannst du gar nicht sein – Unsere Volksvertreter zwischen Macht, Sucht und Angst‘, und es handelt sich dabei um ein 460 Seiten starkes Werk der beiden renommierten Journalisten Peter Dausend und Horand Knaup, die das politische Geschehen in Deutschland seit Jahrzehnten begleiten. Sie haben aus unzähligen Gesprächen mit bekannten und unbekannten Bundestagsabgeordneten der letzten Jahrzehnte unter verschiedenen Gesichtspunkten die besten Meinungen, Stellungnahmen und Anekdoten, teilweise anonym, zusammengetragen, um uns, dem Volk, näherzubringen, was sich im Bundestag eigentlich alltäglich so abspielt, und vor allem wie.

Das ist alles wirklich durchgehend höchst interessant, ganz einfach weil das Ganze eben so alltäglich ist, wir in Presse, Funk und Fernsehen immer davon lesen, hören und sehen und doch so viel eigentlich gar nicht wissen. Und das obwohl nicht wenige der Akteure uns schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten auf diese komische Art und Weise irgendwie so bekannt und vertraut sind. Ich bin auch ganz sicher der letzte, der sagen würde, daß es PolitikerInnen immer leicht haben und nicht hart arbeiten würden, nein, so ignorant oder weltfremd bin ich ganz sicher nicht. Und alle, die dies vielleicht bisher waren und so dachten, sollten sich mal den folgenden Absatz zu Gemüte führen:

„Eine ganz normale Sitzungswoche bedeutet 60 bis 70 Arbeitsstunden mit höchst unterschiedlichen Terminen an verschiedenen Orten. Zwischendurch Telefonate, Unterschriftenmappen und stets ein schneller Blick aufs Smartphone. Was ist gerade los bei den anderen – und in der Welt. E-Mails, WhatsApp, Twitter, Facebook, Instagram – alles muß beobachtet und beantwortet werden. Jederzeit, jeden Tag. Dazu kommen Aufgaben im Wahlkreis, Parteiveranstaltungen, Vereinssitzungen und Diskussionsrunden. Sie finden am Wochenende oder abends statt, wenn Nichtabgeordnete Zeit für Politik haben. Freie Samstage oder Sonntage werden dadurch schnell zur Ausnahme. Schließlich findet fast immer irgendwo ein Orts-, Kreis- oder Landesparteitag statt, ist ein Schützenfest, wird gegen Extremismus demonstriert oder eine Ausstellung eröffnet. „Überall soll der Abgeordnete präsent sein, sich zeigen und bürgernah geben“, sagt der FDP-Abgeordnete Otto Fricke. „Tut er es nicht, wird es ihm spätestens bei der nächsten Kandidatenaufstellung vorgehalten.“ Nicht zuletzt deshalb verplane sein Büro seine Wochenenden sehr häufig wie normale Arbeitstage. „Möchte ich freihaben, muß ich das frühzeitig deutlich machen.““

Tja, daß mensch vermutlich ein besonderer Schlag Mensch sein muß, um überhaupt erst eine Politikkarriere anzustreben, werden wir gleich noch kurz weiter beleuchten, aber ja, deutlich werden sollte, daß so ein Bundestagsmandat vor allem mit viel viel Arbeit einhergeht, und mensch fragt sich, wer sich sowas denn überhaupt antun will. Ich mein`, es soll ja PolitikerInnen geben, die tatsächlich – natürlich nach ihrem eigenen Ermessen – die Welt verändern wollen, um nicht zu sagen verbessern. Vermutlich haben das sogar die meisten irgendwann einmal gewollt, aber das Leben und die Arbeit in Berlin verändern diese Menschen halt auch sehr schell, das wird jedenfalls schon sehr früh in dem Buch deutlich. Sowieso ist den wenigsten eine wirklich glorreiche und langjährige Karriere vorherbestimmt, dafür spielen halt viel zu viele Komponenten eine Rolle, denn wie wir alle wissen und selbst schon oft in der Presse miterleben konnten, sind mühsam und lange aufgebaute Karrieren in dieser Branche nicht selten innerhalb kürzester Zeit einfach ratz fatz zu bzw. am Ende. Und das gilt es dann erstmal wegzustecken, und zwar in vielerlei Hinsicht.

Der eben schon zitierte Otto Fricke z.B., der 2013 mit der FDP aus dem Bundestag flog, hat wie unzählige vor ihm dies hautnah erfahren dürfen. „Heute blickt Fricke auf den Rausschmiß mit der Gelassenheit der dazwischenliegenden Jahre. Er hat alles erlebt und beschreibt den Abschied so. „Es ist ja auch schwer, sich zu lösen. Das Tollste am Bundestag ist doch, daß man an diesem Ort mit so vielen anderen klugen Leuten über die Grundlagen unseres Zusammenlebens diskutieren und sie damit auch mitgestalten darf. Davon willst du nicht lassen.“

Ja, ganz genau, bei aller Ehrenhaftigkeit der eben gesagten Worte, aber Sucht ist mit Sicherheit seit jeher ein ganz wichtiges Thema im politischen Treiben weltweit, das Wort steht ja nicht umsonst auch im Untertitel dieses Buches. Ebenso wie Macht, und ich wage einfach mal zu behaupten, gerade weil ich in meinem Leben auch schon selbst mehr als genug mit PolitikerInnen zu tun hatte, daß für einen Großteil derer, die eine Karriere in der Politik anstreben, dies leider die Hauptmotivation zu sein scheint. Die sind einfach hungrig und gierig und letztendlich süchtig nach Macht, die wollen nicht alle die Welt zu einem besseren Ort machen, ganz sicher nicht, denn dann würde dieses nämlich auch irgendwann mal geschehen. Und nein, ich würde mich nicht als naiv bezeichnen, mir ist schon klar, daß die Welt letztendlich nicht wirklich von PolitikerInnen, sondern vielmehr von Wirtschaftslobbyisten und dem ganzen Dreck, der damit zusammenhängt, regiert wird, das ist ja auch alles so schön verflochten und zusammengewachsen während des letzten Jahrhunderts.

An dieser Stelle vielleicht mal nochmal zwei passende Textpassagen, die so ein bißchen unterstreichen, was ich in Hinsicht auf eventuelle Persönlichkeitsstrukturen bei PolitikernInnen gerade geschrieben habe: „Man kann Machterfahrung als einen Vorgang beschreiben, bei dem jemand einen Schädel öffnet und den Teil rausnimmt, der besonders wichtig für Empathie und soziales Verhalten ist“, sagt Dacher Keltner, Professor für Psychologie an der Berkeley Universität. Menschen mit Macht verhalten sich demnach tendenziell wie Menschen mit einem Hirnschaden. Und auch für das unangemessene soziale Verhalten, laut Keltner ein Indiz für voranschreitenden Machtschaden, gibt es zahlreiche Beispiele…“

„Auch der Düsseldorfer Psychiater und Psychotherapeut Leonhard Schilbach hat immer wieder Politiker unter seinen Patienten. Als Forscher befaßt sich der habilitierte Schilbach zudem mit Verhaltensabweichungen und Mechanismen der sozialen Interaktion sowie der Emotionsregulation. Auf der einen Seite sei eine gewisse Portion Narzissmus notwendig, um sich zutrauen zu können, mit den eigenen Ideen die Welt verändern zu wollen, sagt er. Problematisch werde es da, wo dieses Machtstreben allein zum Gegenstand der Selbstwertförderung werde. Ob der Politiker eher einem verträglichen oder einen malignen Narzissmus unterliege, werde häufig erst in den Krisenmomenten erkennbar. Schilbach: „Solange Politiker erfolgreich sind, bleibt das verborgen.“ Schilbach hat sie erlebt – die Politiker mit dem fokussierten Blick auf sich selbst: „Man nimmt das Gegenüber nicht mehr wahr, und die Meinung der anderen findet im eigenen Meinungs- und Deutungshorizont keine Berücksichtigung mehr.“ Bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung versucht der Patient über positive Reaktionen einer Umwelt „die inneren Zweifel zum Schweigen zu bringen“. Dabei ist oft nachrangig, ob es sich um aufrichtige Anerkennung handelt oder nicht. Dieses häufig unstillbare Verlangen nach Aufmerksamkeit nehme zum Teil geradezu suchtartigen Charakter an.“

Bingo! Hier wird doch wirklich (wieder) mal von Experten zusammengefaßt, warum ich für die meisten PolitikerInnen nichts übrig habe und sie auch nicht für echte Volksvertreter halte, weil sie nämlich hauptsächlich und größtenteils nur sich und ihre eigenen Interessen vertreten. Und wenn sie noch nicht immer schon so waren, dann werden sie durch den parteipolitischen Betrieb in Berlin im Laufe der Jahre häufig so, und genau die Gründe dafür, versucht dieses Buch u.a. aufzuschlüsseln, und genau das macht es so interessant, lesens- und empfehlenswert. Denn wie es der Abgeordnete Axel Berg auf den Punkt bringt: „Es geht nicht um die, die man im Bundestag antrifft. Sondern um die, die einen dahin geschickt haben.“ Und alleine weil die meisten PolitikerInnen diese kleine wichtige Tatsache scheinbar gerne vergessen oder verdrängen, werde ich vermutlich auch nie in irgendeiner Weise Mitleid für sie entwickeln können, obwohl das Buch da durchaus an manchen Stellen Anreize für bietet.

An anderer Stelle des Werkes wird anonym aus einem Gespräch zitiert und die eben von Herrn Berg getätigte Aussage weiter ausgeführt: „Wenn mir jemand mit einem Anliegen kommt, von dem ich weiß, daß es nichts wird, dann sage ich ihnen das auch ganz klar. Die sind dann zwar nicht immer erfreut, sehen aber, daß man ehrlich ist. Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann.“ Dadurch bauten die Leute Vertrauen auf. „Und das ist doch der größte Erfolg, den man in der Politik haben kann: daß die Menschen einem vertrauen.“ Boah, ja, wenn doch nur alle PolitikerInnen so denken würden, denn auch Ehrlichkeit ist nicht unbedingt das Wort, daß die meisten Menschen verwenden würden, um ihre landeseigenen Volksvertreter, ob gewählt oder nicht, charakteristisch zu beschreiben. Politik hat einfach ein schlechtes Image, aber das ja auch nicht ohne Grund so, ich mein`, im Ernst, mensch muß sich doch nur mal umgucken, was um uns herum passiert. Und damit meine ich nicht Corona, sondern die allgemeine geopolitische Lage, gerade auch in Hinsicht auf unsere liebe Umwelt. Das meiste davon hat nun mal die Politik der jüngeren und jüngsten Vergangenheit zu verantworten, und daß es da noch nicht zu Massenhinrichtungen wegen Unvermögen gekommen ist, liegt eigentlich nur an uns, dem mündigen und hörigen Volk.

Zum Ende des Buches wird sich passenderweise damit befaßt, wie PolitikerInnen ihre Karrieren beenden, denn wie wir ja alle wissen, tun genau das die allerwenigsten freiwillig, paßt halt auch nicht zum Image der Politik. Gründe dafür gäbe es außer der Tatsache, daß ein normaler Mensch nach mehreren Legislaturperioden eigentlich komplett durch und ausgelaugt sein müßte, theoretisch mehr als genug, nicht oft genug auch die eigene Fraktion. Denn Parteipolitik besteht nun mal hauptsächlich immer aus Kompromissen, wie wir ja bei den letzten Koaliationsverhandlungen wieder einmal bilderbuchmäßig miterleben durften. Dazu ein paar Worte von einem, der es wissen muß und der alleine für die Dauer seiner politischen Karriere meinen vollsten Respekt genießt: „Wenn die Regierung überprüft, was vom Koalitionsvertrag umgesetzt wurde, dann ist das nicht Politik, sondern Bürokratie“, sagt Wolfgang Schäuble. Für den Bundestagspräsidenten ist das schlichte Abarbeiten von Koalitionsverträgen alles andere als hohe Politikkunst. „Das hat mit politischer Führung, mit Charisma, mit all dem, was die repräsentative Demokratie braucht, nichts zu tun.“ Das sehe ich ganz genauso, aber das interessiert trotzdem niemanden, und mein Eindruck, den ich seit jeher in mir trage, bleibt: Politik zermürbt einen Menschen auf die Dauer mit Sicherheit und das kann nicht positiv fürs eigentliche Regieren sein. Irgendwie ist das einfach ein so dreckiges und böses Geschäft, daß es wohl nur die wenigsten da heil – im Sinne von menschlich noch ernstzunehmen – raus schaffen, aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich immer die Regel.

„Und es gibt Gerhard Schick, den Mannheimer Grünen-Abgeordneten, der Ende 2018 ebenfalls auf eigenen Wunsch aus dem Bundestag ausschied… Schick trat nicht ab, um einen besser dotierten Job abzukassieren. Schick stieg aus, um eine NGO zu gründen, die sich kritisch mit Steuertricksern und Investmentfonds, mit Graumärkten und Knebelverträgen befaßt. Schick sagt: „Es gibt sicher eine Handvoll Beispiele, bei denen ich nachweisen könnte, daß das Gesamtwerk – von der Regelungsidee bis zur Formulierung – von Lobbyisten kam.“ Teilweise wortwörtlich seien Gesetze vom Bankenverband und der Versicherungswirtschaft formuliert – und auch so durch den Bundestag geschleust – worden… „Ich bin begeisterter Parlamentarier, bin aber trotzdem ausgestiegen.“ Auch weil er, der Volksvertreter, immer wieder der Ohnmacht und den Mängeln des parlamentarischen Systems begegnet ist. So explizit will er es nicht formulieren, aber mutmaßlich spielt auch bei Schick, wie bei den meisten freiwilligen Aussteigern, eine gehörige Portion Frustration eine Rolle. Die Erkenntnis, daß in politischen Prozessen selten in langen Linien und nachhaltig gedacht wird, die Wahrnehmung, daß auch das Parlament bisweilen ohnmächtig ist; die Einsicht, daß trotz aller Sonntagsreden die Macht auch in demokratischen Systemen ungleich verteilt bleibt. Und vielleicht ist es – nicht nur bei Schick – am Ende auch immer ein bißchen Frust über die eigene Partei, die so schwer zu überzeugen ist von den eigenen Zielen, vielleicht sind es die Konkurrenz- und Grabenkämpfe, die viele Abgeordnete in allen Fraktionen mürbe machen.“

Das Schlimme für alle, die wirklich und wahrhaftig in Berlin “die Politik für uns machen“, ist ja leider nicht nur die allgemeine gesellschaftliche Lage unserer Nation und unseres Systems allein, sondern eben auch der Zustand direkt vor Ort im Deutschen Bundestag. Das fängt schon alleine damit an, daß wir leider und schlimmer Weise schon wieder seit Jahren eine rückläufige Frauenquote im Bundestag haben, und hört noch lange nicht damit auf, daß es eine Partei mit dem Namen AfD gibt, als wenn sowas wie die CSU noch nicht genug wäre. Aber Menschen sind nun mal verschieden und versucht, das alles mal in einen Topf zu kriegen, und ihr werdet sehen, wie schwer Politik machen nun mal ist. Die folgenden beiden Passagen finde ich diesbezüglich auch noch lesenswert, gerade auch in Hinsicht auf die gesellschaftliche Entwicklung seit unserer lieben Pandemie:

„Wenn Frauen im Plenum reden, geht der Geräuschpegel hoch. Das ist so. Quer durch alle Fraktionen“, sagt Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau von den Linken. „Plötzlich haben die Männer dringend was zu besprechen.“ Eine Erfahrung, die die weiblichen Abgeordneten aller Fraktionen teilen… Nicht nur die Medienwelt wandelt sich, auch das politische Sprechen verändert sich. Die einen, allen voran die AfD, überschreiten regelmäßig und gezielt die Grenze des Sagbaren und pflegen den beabsichtigten Tabubruch. In einem ersten Schritt wird mit Reizvokabeln wie „alimentierte Messermänner“, „Überschwemmung mit Ausländern“ oder „Vogelschiß der Geschichte“ gezielt gegen eine angeblich überall verortete politische Korrektheit verstoßen, um in einem zweiten Schritt offen völkisches, antisemitisches oder rassistisches Vokabular wie „Umvolkung“, „Meinungsdelikt (Leugnung des Holocausts) oder „Neger“ wieder salonfähig zu machen. Die andere Seite des Strukturwandels der öffentlichen Debatte markieren all jene, die eine sprachliche Hypersensibilität entwickeln. Überall wittern sie Rassismus, Antisemitismus, Rechtsradikalismus, Sexismus. Jeder AfD-Wähler ist gleich ein Nazi; jeder, der in einer multikulturellen Gesellschaft keine Verheißung sieht, ein Rechtsradikaler, und jeder, der beim Anblick von Natalie Portman nicht als Erstes denkt „Die kann aber viele Sprachen“ ein Sexist. Aus oft edlen Motiven heraus grenzt das Vorurteil den Diskurs ein – zuweilen wird auch versucht, Menschen damit mundtot zu machen.“

Leider sehr wahre Worte das alles… Die beiden Autoren kommen am Ende des Buches auch zu einem Fazit, das nicht nur traurig stimmt, sondern in der Tat Angst macht, gerade wenn mensch sich mal die Entwicklungen in diversen vermeintlich demokratischen Ländern dieser Welt anguckt. So heißt es: „Das parlamentarische System steckt in einer Krise. Nicht nur in Deutschland. Immer mehr Menschen, so belegen Umfragen, sind davon überzeugt, daß jenes politisches System, das ihnen nie gekannten Wohlstand und eine höhere Lebenserwartung als allen Generationen zuvor beschert hat, die Probleme der Gegenwart nicht wird lösen können. Die Frage, woran das liegt, sprengt den Rahmen dieses Buches – und war auch nie Gegenstand der Betrachtung. Doch bei den Recherchen und Gesprächen wurden Probleme deutlich, Störungen des parlamentarischen Betriebs – Defizite und Versäumnisse bei jenen, die ihn am Laufen halten sollen, den Abgeordneten.“

Heißt für mich auf gut Deutsch einmal mehr: Uns geht`s nur so gut, weil die Politik ständig scheiße baut. Und weil es dem Großteil dieser Welt scheiße geht. Punkt. Und nichts weiter. Und wenn mensch jetzt noch bedenkt, daß wir derzeit mit über 800 Bundestagsabgeordneten das viertgrößte Parlament dieser Erde unser eigen nennen können, fragt mensch sich, was die denn noch alles Tolles zusammen auf die Beine gestellt kriegen wollen, nämlich vermutlich rein gar nichts, was uns und unsere Welt auch nur irgendwie positiv weiter bringen würde. Toll ist, daß wir Steuerzahler die und das trotzdem alles bezahlen müssen, und das nicht mal schlecht. Aber sie arbeiten ja auch alle so hart, die lieben Frauen und Männer in Berlin. Das tun sie vielleicht sogar, aber leider sowas von ineffektiv und letztendlich einfach weltfremd, denn ihre Welt ist nicht unsere, war sie noch nie, seit es Menschen und Regierungen gibt, und wird sie nie sein.

Fragt mich bitte nicht nach Lösungen, die habe ich mir noch nie anmaßen wollen, aber ich weiß, daß es so mit unserem menschlichen Wahnsinn nicht weitergehen kann und darf. Andererseits auch scheißegal alles, denn ich bin mir ziemlich sicher, daß der Zug schon lange abgefahren ist, und ich glaube tatsächlich leider nicht daran, daß ich eines natürlichen Todes sterben werde. Das werden vermutlich die allerwenigsten von uns, dafür ist die Welt leider zu gefährlich und bedrohlich geworden, und ganz einfach irreparabel kaputt. Bedankt euch dafür vor allem bei den PolitikerInnen von gestern, heute und morgen, denn mal Hand aufs Herz und ganz im Ernst, die haben doch dafür die Verantwortung zu tragen, oder!? Wir, das Volk, sind doch nur dumme Schafe, die als Herde denen in ihr eigenes Verderben hinterher rennen. Zumindest benehmen wir uns so, naja, Menschen halt, zu blöd, um aus`m Bus zu winken…

Amen,
Arne

P.S.: Puh, mal wieder ganz schön unschöne Worte von mir hier über mich und meine ArtgenossenInnen, aber ja, wer das alles anders sieht, ist nicht unbedingt positiver eingestellt als ich, sondern meiner Meinung nach schlichtweg blind, ignorant und/oder naiv. Aber hey, das ist nur meine Meinung und es ist schön, wenn ihr alle noch lachend durchs Leben hüpfen und so tun könnt, als wäre es erst Fünf vor Zwölf und nicht schon lange halb Eins und später…

P.P.S.: Ich für meinen Teil werde mich übrigens morgen nach Hamburg begeben und am Sonntag für mindestens zwei Wochen an die Westfront nach Nordfrankreich. Da wartet ein bißchen Skateparkbetonage auf mich, das ist tatsächlich lange her und ich war in acht Jahren letztes Jahr das erste Mal nicht einmal zum Arbeiten da unten. So gesehen und gerade nach den letzten Monaten eine willkommene kleine Abwechslung, und ich freue mich, ein paar von den Boys endlich mal wiederzusehen, vor allem meinen Blutsbruder, den komplett wahnsinnigen Dirty Mikey von Concrete Flow. Mir paßt das Ganze übrigens auch ganz hervorragend in den Kram, denn mein Kontostand ist bereits jenseits der Null angekommen und ich muß dringend mal wieder ein bißchen Geld verdienen, um es denn irgendwie bis zum Frühling zu schaffen, wo dann hoffentlich hier in meiner Hood eine meiner eigenen Baustellen anfängt. Weiß man aber immer erst, wenn`s wirklich losgeht, und davor muß ich jetzt erstmal nach Lille, der nördlichsten Großstadt Frankreichs. Und ich kenne die Stadt und deren Umgebung bereits ziemlich gut und erwarte somit absolut nichts weltbewegend Spannendes, weil Nordfrankreich ist einfach nicht besonders spannend. Aber ich werde hier wohl trotzdem zwischendurch mal berichten, denn ich weiß, euch interessiert nach all den Buchrezensionen der letzten Wochen nichts brennender als eine kleine Skateparkbaustelle in Lille, Nordfrankreich. Das Leben ist ja nun mal auch hauptsächlich eintönig und langweilig… nicht…

P.P.P.S.: Und weil dieser Blog bis hier her mal wieder absolut bilderlos daher kam, hier zum Schluß dann noch zwei Bildchen von unserem Knick, die beweisen dürften, daß Herrchen und ich in den letzten zwei Wochen wieder nicht faul gewesen sind. Das sind dann auch jeden Tag ein paar Stunden, die einem am Rechner fehlen, aber bei der Arbeit hat mensch wenigstens hinterher was davon, nämlich ordentlich Holz vor der Hütte (lechz)…

Wie unschwer zu erkennen ist, sind wir seit dem letzten Photo aus dieser Perspektive ein gutes Stück weiter gekommen, und fast fertig mit dem Knick.
So sieht das Ganze übrigens von meiner Hütte aus…

P.P.P.P.S.: Damn, ich muß mir zu allem Übel wohl tatsächlich bald schon wieder eine neue Kamera besorgen, die Linse ist inzwischen ja sowas von zerkratzt, geht ja gar nich`…

3 Gedanken zu „ALLEINER KANNST DU GAR NICHT SEIN

  1. Jo Arne, zum Thema Politiker kann ich dir vielleicht eine Beobachtung aus Hamburg schildern. Am 10.2. gab es im I-Punkt Skateland ein Treffen, an dem mehrere Behörden-Leiter, die Staatsrätin für Soziales und auch die Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft teilgenommen haben. Rate mal, wer die alte Frau war, die mit dem S-Klasse-Benz samt Chauffeur auf den Hof gefahren kam… Das war die 62-Jährige Staatsrätin! Die der Senatorin unterstellt ist. Und die Staatsrätin hat die Halle natürlich auf der Streich-Liste. (Was der S-Klasse Benz samt Chauffeur im Jahr kostet, übersteigt den jährlichen Zuschuss der Stadt für die Halle um cirka das Doppelte!!)… Die Bürgerschafts-Präsidentin kam – wie immer – mit dem Fahrrad! Fazit: In der Politik gibt es auch Gute.

    1. Mein lieber Jonn, weiß ich doch, so haben wir zum Beispiel in Glücksburg die beste Bürgermeisterin von der ganzen Welt, sonst wäre der ganze Skatepark dort so gar nicht möglich gewesen. ‚Ausnahmen bestätigen die Regel‘ ist eine Allerweltsformel für mich, und Niko, ‚Live and let live!‘ hab` ich auf den Nacken tätowiert, wir verstehen uns!? Wäre klasse, wenn du beim Happy Weekend was mit Tischtennis regeln könntest, Jonn, dich sehen wir dann ja auch da, woll!?
      Freu mir,
      Arne

  2. Wenn ich mich da reinfühle, was du über Politiker & Co. schreibst, dann stimmt mich das sehr traurig
    und ich glaube, der beste Weg damit trotzdem klarzukommen ist, mit sich selber auszumachen, was in seiner kleinen Welt das Richtige ist zu tun und danach zu leben.
    Und den ganzen Müll, den man nicht beeinflussen kann, nicht an sich ranzulassen -so in destruktiv emotionaler bzw. lähmender Weise.
    Ein schönes Gegenbeispiel sind die vielen freiwilligen Helfer, die in und nach Zeynep aufgeräumt haben.
    Das Radio berichtete gerade von über 3000 Hilfseinsätzen -Helfen um zu helfen.
    Und ich hoffe so sehr, dass wir Pflanzen, Tiere und unseren Planeten mit mensch darauf auf diese Weise leben lassen werden -„Leben und leben lassen“, sagt ein Freund immer.

    Ich selber habe am 21.05. noch nichts weiter vor und als TT-Verrückter könnte ich mich um etwas schwerere Bälle kümmern, die nicht gleich wegfliegen beim kleinsten Lufthauch
    und das Turnier gerne mitorganisieren.
    LG
    Niko

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