1. NOT-SO-HAPPY WEEKEND GLÜCKSBURG

Moin und so!

Jaja, da habe ich mir mal wieder reichlich Zeit gelassen mit Schreiben die letzten Wochen und ich erbarme mich hier jetzt gerade auch regelrecht, weil ich eher das Gefühl hab`, ich müsse das hier jetzt bloggen, als wenn ich voll Lust darauf hätte. Aber nachdem unser tolles Happy Weekend in Glücksburg mitten in einer vierwöchigen Betonage mit einem Dutzend angeheuerten Helfern stattfand, welche dann wiederum endete und eins zu eins in mein Geburstagsgartenwochende überging, habe ich mich dann erstmal ein paar Tage extrem locker und somit so gut wie gar nichts gemacht. Außer vorletztes Wochenende ein bißchen ordentlich Hafengeburtstag in Hamburg, wo ich davor über zehn Wochen nicht mehr gewesen bin, was natürlich an meinen sommerlichen Aktivitäten lag, nämlich einen 1400qm großen Skatepark zu bauen und nebenbei dieses dämliche Event zu organisieren. Und dann mußte die Scheiße ja erst einmal genehmigt werden, Alter, wo fang` ich denn jetzt an, wo hör` ich auf?…

Wie gesagt tue ich mich jetzt echt schwer, das hier alles in die Tasten zu hauen, weil ich es gefühlt in den letzten Wochen ziemlich genau so schon zehntausendmal erzählt haben muß. Es ist aber auch eine tolle Geschichte, so schön toll traurig und einfach nervig, auch hinterher noch… Also nochmal halbwegs von vorne und in versuchter Kurzfassung, die aufgrund der Ereignisse leider doch sehr lang und wortreich ausfallen wird. Aber ich empfehle wirklich jedem/r, der/die irgendwie meint, eine Meinung zu den Geschehnissen zu haben oder sich diese bilden zu müssen, alles gründlich von Anfang bis Ende durchzulesen! Denn genauso wie aufgeschrieben habe ich das alles in Erinnerung und auf diese kann ich mich in der Regel ziemlich gut verlassen, sonst hätte ich nämlich in meinem Leben ganz sicher nicht so viel eben Leben geschissen gekriegt. Und wer mich (danach) für einen arroganten, überheblichen, drogenabhängigen Spinner hält, kann sich ja mal meinen Lebenslauf zu genüge tun und dann bei Bedarf von mir aus neidisch werden. So gesehen werde ich als bester Mensch von der ganzen Welt, der ich nun mal bin, hier jetzt definitiv kein Blatt vor den Mund nehmen und die Dinge genauso schildern, wie ich sie erlebt habe. Und glaubt mir, wenn mensch Wochen lang vor lauter Streß durchgehend auf Adrenalin ist, ist der Verstand so klar wie selten. Jedenfalls würde ich die ganze Geschichte auch genau so unter Eid als Plädoyer vor Gericht erzählen, und ich hoffe nicht, daß das nochmal nötig sein wird, aber dazu später…

Und zurück zum Anfang, denn als wir Ende Mai unser 1. Happy Weekend absagen mußten, weil wir eben keine Genehmigung vom Ordnungsamt dafür bekommen hatten, waren wir uns ja relativ schnell einig, daß wir zusammen mit der angeheuerten Securityfirma, die das vom Ordnungsamt geforderte Sicherheitskonzept eigentlich ja schon fast fertig geschrieben hatte (ratet mal, woran die Genehmigung letztendlich gescheitert ist!), am 26. und 27. August einen zweiten Versuch starten wollten. Eigentlich sollte dann das eigentlich fast fertige Sicherheitskonzept Anfang Juni beim Ordnungsamt auf dem Schreibtisch liegen, das war aber letztendlich Ende Juli immer noch nicht der Fall. Und als wir drauf und dran waren, das Ganze ein zweites Mal vor die Wand zu fahren, und ich auf einmal unseren zuständigen und zumindest am Telefon immer sehr freundlichen und kompetent erscheinenden Sachbearbeiter nicht mehr an die Strippe bekam, entledigte ich (wahrscheinlich viel zu spät) besagte Firma per SMS von ihren Pflichten und hoffte nun, ganz kurzfristig mitten in der Hochsaison noch eine andere Securityfirma organisiert zu kriegen.

Beim U-18 Streetcontest, der morgens gegen zehn Uhr anfing, rockte sich Glücksburgs hoffnungsvollstes Nachwuchstalent Leander Wolfromm
mit konsistenten hochwertigen Tricks wie diesem Fs 360° Flip Transfer auf den 2. Platz.
So sieht der Trick übrigens vom gleichen Photographen aus einer anderen Perspektive geschossen aus…

Es meldete sich dann später der Partner des besagten Sacharbeiters und erklärte mir, er sei auch vor zwei Tagen aus allen Wolken gefallen, denn sein Partner, eben der für uns Zuständige, läge nach diversen Hörstürzen, von denen auch schon keiner was gewußt hatte, nun mit Verdacht auf Herzinfarkt im Krankenhaus. Der gute Mann hatte also so eine Art Burnout, ohne diesen selbst zu merken, und hatte sich die ganze Zeit mit Arbeit zugeballert, ohne auch nur ansatzweise daran zu arbeiten, diesen Haufen Arbeit auch mal zu erledigen. Und er hatte es dabei irgendwie geschafft, damit monatelang nicht aufzufliegen. Tolle Wurst, diese Ausrede klang zumindest irgendwie schlüssig für das ganze Drama der vergangenen Wochen und Partner 1 entschuldigte sich am Telefon auch mehr als aufrichtig dafür, aber kaufen konnte ich mir/konnten wir uns dafür nun leider auch nichts. Zum Glück war noch kein Geld geflossen, aber leider gab es auch nicht wirklich ein wenigstens angefangenes Sicherheitskonzept, mit dem man jetzt versuchen konnte, kurzfristig noch eine andere Firma für den Job aufzutreiben.

Leander macht jetzt auch schon vorne am Eingang Ollie über das Geländer. Irgendwann ist er so gut, dann kann er über sich selber rüberspringen…
Das hier müßte Benjamin aus Bremen sein und der Trick sieht aus nach einem Fs Flip To Fakie über die Hip. Aber wer echte Fakten hören will, sollte besser die Bild Zeitung lesen…

Dazu muß ich vielleicht nochmal erwähnen, daß es ganz am Anfang unserer Event-Planungen Ende März/Anfang April ein paar Wochen gedauert hatte, bis ich überhaupt mal an eine brauchbare Securityfirma aufgetrieben hatte, die wir an unser Event heranlassen würden. Denn Security ist nun mal ein sehr sensibles Thema, ich hasse diese Spinner fast noch mehr als die Polizei, aber uns war klar, daß wir bei einem Event dieser Größe nicht um Sicherheitspersonal herumkommen würden, vor allem nicht als uns dann vom Ordnungsamt diese gewaltigen Auflagen auferlegt wurden. Also hörte ich mich erstmal ordentlich um nach einer Firma, die vielleicht so ein bißchen aus dem alternativen, um nicht zu sagen linken, Umfeld kommt, denn wenn die falsche Security auf einem Skate-Event den Skatern zu sehr auf die Nerven geht, kann die Stimmung ganz schnell ins Gruselige umschlagen. Nach den mehrfachen Riots beim Mastership in Münster oder Dortmund Mitte der `90er bin ich auch heute noch der Meinung, daß ein tobender Mob Skater so ziemlich das Übelste ist, was den Autoritäten einer Stadt oder einer Gemeinde passieren kann, dagegen wirken selbst besoffene Punks wie Gummibärchen.

U-18 kommt ganz groß raus und wird die Zukunft bestimmen, gar keine Frage. Trotzdem viel zu wenig Starter, in den `90ern mußte man sich immer durch ewig lange B-Gruppen durchquälen, komische Zeiten heute…

Genau aus diesen Gründen hatten wir auch nicht die Sicherheitsfirma aus dem Nachbardorf angeheuert, die sich gerne bereit erklärt hatte, weil die eigenen Kinder wohl auch regelmäßig den Glücksburger Skatepark mit ihren Scootern benutzen. Aber sorry, wer auf der Startseite seiner Website damit wirbt, daß so und so viel Wachhunde und Schußwaffen der Firma zur Verfügung stehen, ist für ein Happy Weekend ganz sicher nicht geeignet. Die wenigsten Securityfirmen dürften das sein, denn Skater hassen nun mal Security, und das in der Regel auch vollkommen gerechtfertigt, wie ich aus eigener Erfahrung weiß und auch schon angedeutet habe.

Und bei meinem ersten Gespräch mit der später von uns angeheuerten Securityfirma aus Hamburg wurde mir dann von denen bestätigt, daß sie aus der progressiven Ecke kommen und auf genau solche Events wie unseres Bock haben. Nur waren die ja jetzt leider durch Selbstdisqualifikation aus dem Spiel und nun finde mal mitten im Hochsommer fünf Wochen vor einem Event noch eine andere Firma, die zufällig an dem Wochenende Zeit hat und das alles und vor allem ein ausführliches Sicherheitskonzept in der kurzen Zeit auf die Beine gestellt kriegt! Viel Glück dabei!

Bereits beim ersten Best Trick Contest an der Funbox mit der neuen Ledge zeigte der aus einer Kopenhagener Zirkusfamilie stammende Jonas von Bünger – von nun an nur noch Ginger genannt – mit einem soliden Fs Noseslide, daß er nicht nur Transitions zerlegen kann.
Jonathan Osterloh wiederum kommt aus Glücksburg und ist erst gerade nach Kopenhagen gezogen, so läuft das hier bei uns in Angeln. Hat er den Bluntslide eigentlich noch gemacht? Is` doch latte, Aller!…

Nun, ich hatte tatsächlich unglaubliches Glück, denn bei meinem ersten Anruf bei einer erstmal willkürlich rausgesuchten Flensburger Firma wurde mir zwar abgesagt, aber der nette Mann meinte, er frage mal bei seinen Kollegen nach. Und prompt wurde ich eine Dreiviertelstunde später von denen angerufen, und nachdem ich die Lage und die Vorgeschichte kurz erläutert hatte, wurde mir direkt zugesagt, man würde den Job an- und übernehmen. Da war ich echt baff, denn das erste Mal, seit wir mit den Planungen angefangen hatten, war etwas schnell und problemlos gelaufen, das war aber auch genau das erste und absolut einzige Mal, denn jetzt fing der Terror erst richtig an. Und es erscheint auch heute noch unglaublich, daß sich dieser nach allem, was wir bereits durchgemacht hatten, sogar noch steigern ließ.

Natürlich hatte ich den Mann an der anderen Leitung gewarnt, daß im Glücksburger Ordnungsamt jemand das Sagen hat, das nicht nur einen mittelschweren bis unzumutbaren Dachschaden zu haben scheint, sondern uns aus scheinbar reiner Freude das Leben einfach extrem schwer machte und überhaupt gar keine Lust zu haben schien, daß unser Event überhaupt stattfindet. Wir machen sowas ja auch nicht fürs Volk und die Bürger Angelns – um nicht zu sagen Glücksburgs – sondern nur, weil wir uns selbst mal wieder derbe abfeiern wollen. Naja, und beim zweiten Telefongespräch merkte ich dann auch schnell, daß der Mann an der Leitung genau so einer war, wie ich sie nun mal von ganzem Herzen hasse. Ein Aushilfssherrif, der wie die meisten Securities wahrscheinlich zu blöd für die Bullenschule gewesen war und trotzdem meint, er habe alles geblickt. Aber sorry, wer mir in zwei Gesprächen bereits zweimal erzählt, er mache den Job ja nun schon seit 30 Jahren und habe alles gesehen, kommt bei mir ganz schnell in die Schublade ‚Verdächtiger Spinner‘ oder sowas.

Tja, und Mr. Supersecurity, der angeblich schon alles gesehen hatte, verzweifelte dann auch ziemlich schnell an dem Erbsenzählfetischismus im Überordnungsamt und erklärte mir dann relativ früh, sowas habe er ja noch nicht erlebt. Ach, sieh` an, Alter, geschehen etwa noch Zeichen und Wunder!? Und sowas nun ausgerechnet in Glücksburg, wo die Leute im Rathaus bisher immer bemerkenswert cool und locker waren, nur das Überordnungsamt muß nun den extremen Gegenpol dazu bilden. So wurde mir allerdings auch von Mr. Supersecurity ein zweites Mal bestätigt, daß die uns auferlegten Auflagen für eine Veranstaltung dieser Art und Größe komplett überzogen waren, das hatten mir die Jungs von der ersten Firma auch schon ganz am Anfang erklärt. Tja, hätten wir das alles gewußt, hätten wir das Happy Weekend vielleicht nie ins Leben gerufen bzw. zumindest von Anfang an viel tiefer gestapelt, was erwartete Besucherzahlen und sowas angeht. Aber hätte hätte Menschenkette, das Wichtigste ist immer, daß ihr genug und ausreichend große Fluchtwege dafür habt, für diese Menschenketten…

Zum Glück hatten wir Fluchtwege zum Flüchten…

Jedenfalls gab es dann gut drei Wochen ein Hin und Her zwischen Ordnungsamt, Securityfirma und mir, welches ich in dieser Form bitte nicht noch einmal erleben möchte und wahrscheinlich auch nicht überleben würde. So mußte ich regelmäßig nach einem Anruf von Mr. Supersecurity von der Baustelle zu meinem Bauwagen am Jugendtreff eilen, um Emails zu beantworten oder was auch immer zu erledigen, damit wir unserer Genehmigung jedes Mal ein klitzekleines Stückchen näher kamen, aber auch nur bis das Überordnungsamt mich/uns mit etwas Neuem schikanierte. Wie schon angedeutet kommt das Ganze übrigens besonders gut, wenn man gerade mit zwölf Leuten am Betonieren ist und der sonst so tolle Beton, an den man sich in den letzten Jahren so schön gewöhnt hat, auf einmal ein ganz anderer ist und sich gerne mal nicht pumpen läßt und dann geschaufelt werden muß und generell viel schneller anzieht als sonst, so daß man nicht so voran kommt und die Qualität abliefern kann, wie man es gewohnt ist… (aus der Puste sei)… Ich weiß, ich habe mehr als einmal auf der Baustelle meine verzweifelte und fassungslose Wut einfach raus schreien müssen, nur um hinterher luftschnappend zu keuchen ‚Ich kann nicht mehr, ich klapp` bald zusammen’… Was meine vier slowenischen Kollegen dabei wohl gedacht haben? Kejn Deutsch… Im Ernst, so durch, fertig und am Ende war ich seit den schlimmsten BOARDSTEIN ZEITEN anno 2002 nicht mehr, ich war in der Tat kurz vor`m psychischen Kollaps, einach Tilt, wie man in den `80ern gerne sagte. Aber trotzdem immer schön freundlich bleiben und bei allem funktionieren, gell!?

Mein Kollege Brian Dietrich macht hier zwischendurch sowas, was wie ein Blindside Heeflflip To Fakie über die Hip aussieht. Das muß früh vormittags gewesen sein, da waren noch weniger Menschen da als nachmittags…

Es muß dann so ungefähr drei Wochen vor dem eigentlichen Event gewesen sein (wir hatten zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht die Genehmigung dafür), als der Securitymacker sehr bezeichnend mal am Telefon zu mir meinte, wenn das alles denn überstanden sei, müßten wir zwei beide wohl mal ein Bier zusammen trinken. Ja, genau, merkt euch diese Zeilen bitte für später! Zwei Wochen vor dem Event wurde es dann auch nochmal richtig schlimm und wir wurden quasi vollkommen willkürlich mit noch mehr und/oder neuen Auflagen bombadiert. So brauchten wir auf einmal vier(!!!!) Toilettenwagen, obwohl die ganze Zeit – also auch vor unserem ersten Versuch Ende Mai – zwei davon plus ein barrierefreies Dixi als ausreichend gegolten hatten. Dann brauchten wir irgendwann auf einmal auch am Freitagnachmittag Sanitäter, obwohl da unsererseits überhaupt kein Programm stattfinden sollte, und am Samstag auf einmal drei statt nur zwei. Sechs Monate nach dem gesamten Planungsbeginn und zwei Tage vor der vom Überordnungsamt gesetzten Deadline sollte ich dann auf einmal noch eine Flächenberechnung des Geländes machen, ob dieses denn die von uns erwarteten Besucher überhaupt wegstecke. Ich mein`, geht`s noch?

Das war doch nun wirklich nur noch reinste Schikane, aber ich konnte sie alle irgendwie meistern, die Schikanen auch wenn ich dem persönlichen Wahnsinn immer näher rückte. Am geilsten war dann, daß das Mernsch im Überordnungsamt eine Woche vor`m Urlaub (welcher eine Woche vor unserem Event anfing) nun auch noch krankgeschrieben war, einen Email-Autoresponder angeworfen hatte – mensch möge sich in dringenden Fällen doch bitte an ihre Kollegin wenden – und trotzdem das Zepter nicht aus der Hand gab und den Email-Verkehr regelte bis zur selbst gesetzten Deadline. Das ist doch eigentlich schon gar nicht mehr rechtens, oder!? Jedenfalls fiel das sogar Mr. Superscurity auf und er beschwerte sich wie ein kleines Kind bei mir darüber, daß sowas doch eigentlich gar nicht ginge.

Sören Noe nahm den Vulcano beim Best Trick Contest komplett auseinander und machte mindestens fünf Best Tricks, selten war ein Gewinner so leicht zu ermitteln. Aber er ist ja auch aufs Bryggeriet Skategymnasium In Malmö gegangen, das scheint sich irgendwie auszuzahlen… Es ist schwer zu sagen und zu erkennen, aber ich meine, das hier ist der Switch 360° Slob Air bis ins Flat, den er als letztes rausgezaubert hat, was für ein Trick, ey!?

Ja, da war der Punkt erreicht, den ich vielleicht schon viel früher hätte erreichen sollen, und ich beschwerte mich endlich mal bei meiner alten Freundin, der tollen Glücksburger Bürgermeisterin, die ich bis dahin mit dem ganzen Scheiß hatte verschonen wollen, über ihr Überordnungsamt. Und siehe da, zwei Tage später hatten wir unsere Genehmigung und danach hörte ich nie wieder was aus der Richtung. Das zuständige Mensch machte dann nicht mal die Abnahme nachmittags an besagtem Freitag den 26. selbst, obwohl immer wieder betont worden war, genau das würde trotz des schon lange festgelegten Urlaubes auf jeden Fall persönlich übernommen werden. Und ja, diese Abnahme war dann scheinbar ein Wendepunkt in Mr. Supersecurity`s Erbsengehirn, der nämlich jetzt dafür den Oberarschlochpart übernahm, denn scheinbar hatte er auf einmal ziemlich deutlich die Seiten gewechselt und war nicht mehr auf meiner/unserer.

So hatte er mir Anfang der Woche nämlich noch erzählt, er habe das Mensch vom Überordnungsamt am Wochenende vor unserem auf einer Veranstaltung in Glücksburg, wo er und seine Jungs auch Wärter spielen mußten, persönlich kennengelernt und das sei ja total nett und zugänglich gewesen. So, und nun folgende Situation: Abnahme vom Ordnungsamt am Freitag um 15.00 Uhr mit einer jungen äußerst sympathischen Frau aus dem Rathaus, dem Jugendpfleger Lucas und mir, der ein paar Minuten zu spät gekommen war, weil ich mit dem Taxi aus Flensburg nach Glücksburg hetzen mußte, da das Ganze schon um Drei stattfinden sollte, und nicht wie monatelang immer angekündigt um Vier. Frau Vertretung, die scheinbar einfach nur Feierabend machen wollte, war völlig cool und meinte, alles sei super, wir hätten ja (mehr als) genug Toiletten und Mülleimer und alles ist gut vorbereitet. Die ach so wichtigen von uns mit Flatterband gekennzeichneten Fluchtwege (ich betone Mehrzahl, zwei!) vom Zeltplatz bis zum Eingang, wo dann wiederum auch der Versammlungspunkt war (es könnte ja bei einem Blitzeinschlag der komplette gut 2200qm große Betonskatepark abbrennen) interessierte sie überhaupt nicht. Und als dann gut zehn Minuten zu spät Mr. Supersecurity mit seinem Kompagnon dazu stieß, interessierten sie die beiden ebenfalls überhaupt nicht, denn eigentlich waren wir mit unseren kleinen Ortsbegehung bereits fertig und die Abnahme in trockenen Tüchern. Und da stand Mr. Supersecurity dann auf einmal ganz blöd und beleidigt da mit seinem Schreibbrett samt Sicherheitskonzept unter`m Arm und konnte gar nicht glauben, daß er doch nicht so wichtig ist, wie er immer geglaubt hatte.

Beim Best Trick an der Pyra gab es wieder schön viele verschiedene Tricks zu sehen. Bei unserer ersten Eröffnung 2019 hatte Tjark Damerius aus Kiel hier mit einem 360° Flip bis ins Flat gewonnen. Dieses Jahr hatte er Nollie Heelflip Noseslide Bigspin Out im Gepäck………..

Also gleich auf Angriff gehen und Lucas und mich direkt anpflaumen, ob wir denn schon die geforderten Feuerlöscher beisammen hätten. Oha, das hatten wir in der Tat in dem ganzen Streß noch nicht erledigt, und als er dann meinte, das sollte ich dann besser mal tun, anstatt da so cool rumzustehen, machte es bei mir Klick. Ja, der Typ war also genau so ein Vollpfosten und Standard-Security-Arsch, wie ich nach den ersten Gesprächen befürchtet hatte, aber sowas von. Ich verkniff mir dann die Ansage meinerseits, er möge sich gegenüber seinen Kunden (respektive Auftraggebern) bitte diesen Feldmarschallton verkneifen, und machte mich an die Aufgabe, noch ein paar Feuerlöscher aufzutreiben. (Wo ich mir die letztendlich für das Wochenende ausgeliehen habe, verrate ich jetzt nicht, sonst kriege ich noch (mehr) Ärger…)

Jedenfalls war es quasi so gut wie geschafft, wir hatten die Abnahme in der Tasche, alles, was wir benötigen würden, war nach und nach vor Ort und wir mit den Nerven an einem Zusammenbruch vorbeigeschrammt. Ich mußte dann nochmal nach Flensburg, um die letzten überlebenswichtigen Besorgungen zu machen, u.a. ein Megaphon, denn sollte am Wochenende tatsächlich der Blitz einschlagen, während wir einen Stromausfall haben, mußte ich als DJ, Ansager und Veranstalter ein solches griffbereit haben, um den panischen Menschenmassen zu erklären, sie mögen bitte die zwei Fluchtwege zum Flüchten benutzen und nicht den großflächigen Skatepark aus unbrennbarem Beton. Ja, Deutschland, du und deine Paragraphen und Gesetze… Ihr habt euch im Laufe der letzten Jahrzehnte wirklich komplett totgelähmt, deswegen geht hier auch nichts mehr, Deutschland hat fertig, aber sowas von.

Eine echte deutsche Treppe bildete den Spot für den vierten Best Trick Contest und hier wurde sich munter ins Vergnügen gestürzt zum Beispiel mit einem schicken 360° Flip. Das ist der Argentinier auf Durchreise, der die ganze Zeit Weed Massagen angeboten hat, leider haben wir seine Namen nicht am Start…
Sören mit einem Fs Lipslide…
Jonathan und ein Bs Heelflip, gebailt, aber gestanden…
Der Gewinner Marci Ollhoff und sein Bilderbuch-Hardflip…

Auf dem Weg nach Flensburg bekam ich dann nochmal einen Anruf von Mr. Supersecurity, er hätte ja gehört (nicht daß er sich extra informiert hatte), ich hätte die zweite Rechnung für die beiden Nachtwachen ja noch gar nicht gezahlt. Als ich ihm erklärte, ich ginge davon aus, daß aufgrund unserer hohen, bereits getätigten Ausgaben ein wenig Verständnis vorherrsche, daß wir diese Rechnung erst nach getaner Arbeit und ein paar Einnahmen vom Wochenende zahlen wollten, er aber verlangte, daß ich das Geld (1400,- Euro) abends noch in bar einem Kollegen von ihm geben solle, da wußte ich spätestens endgültig: Der Flachwichser hatte die Seiten gewechselt und war jetzt unser Feind und nicht Freund. Nach dem Überordnungsamt war jetzt Mr. Supersecurity mit seinen Psycho-Schikanen am Hebel und genau so sollte es dann auch am Samstag kommen, Endgegner-Style.

Vorher mußten wir als Veranstalter aber leider bereits am Freitagabend feststellen, daß nicht annähernd so viele Besucher und Starter zu unserem Happy Weekend erscheinen würden wie von uns angenommen, und daß wir uns die ganze Scheiße mit der legalen Zeltfläche hinter dem Skatepark, die vermutlich einen Großteil der Auflagen hinter sich hergezogen hatte, hätten sparen können. Denn mit Sicherheit hätte es niemanden gestört, wenn die achteinhalb Zelte da abends einfach so aufgebaut worden wären. Aber ja, wir sind halt ehrliche Bürger und gute Gastgeber, zwei Tugenden, die einem im Leben nicht immer weiter helfen, wie ich schon viel zu oft feststellen mußte. Unserer ‚Florabowl Locals‘ Videoaufführung (plus Premiere des neusten Arne Fiehl vom BOARDSTEIN Videopart!!!) in der benachbarten Sports Bar am Freitagabend wohnten dann maximal 50 Leute bei, und ja, ich muß gestehen, ich war bereits jetzt schon enttäuscht und überzeugt davon, daß wir für das gesamte Wochenende aufgrund mangelnder Beteiligung ordentlich draufzahlen würden. Ich mein`, an fehlender Werbung kann es im Zeitalter von Instagram eigentlich nicht gelegen haben, wenn auch wir uns bei diesem zweiten Besuch zwangsläufig etwas bedeckt haben halten müssen. Denn Werbung für ein Event zu machen, von dem mensch nicht weiß, ob es überhaupt genehmigt wird, ist so ein Sache, oder sagen wir mal so, wir hatten zum Schluß noch einige Plakate übrig und nicht mehr viel Zeit zum Plakatieren…

Mehr `80er geht nicht! Buffo schaltet sich mit 45 Jahren Skateboarding im Gepäck und einem Bertslide ins Geschehen ein…
Den Best Tick an der Camouflage Bank allerdings gewann uns Lauritz mal so gar nicht tech mit diese stilechten Trollie To Fakie… Trollie is` klar, Wallie und Tree (Baum) = Trollie, verstehste, `ne!?

Samstag früh gab es dann noch einiges zu tun und vorzubereiten und um Sechs stand ich bereits wieder stramm hinter der Schubkarre zum Kram hin und her karren und begrüßte die beiden Security-Nachtwachen, die ja nix für ihren assigen Chef konnten und die wahrscheinlich den langweiligsten Dienst ihrer bisherigen Karriere geschoben hatten, weil einfach nichts los und alles viel zu ruhig gewesen war. Noch schlimmer, es war ziemlich bewölkt, und schlechtes Wetter war wirklich das Allerletzte, das wir gebrauchen konnten, so gesehen starte ich ziemlich mißmutig und unmotiviert in den Morgen und schob ein bißchen Panik, daß das Ganze in einer Katastrophe enden würde. (Es klarte dann aber vormittags recht schnell auf und wurde sogar noch richtig sonnig, zumindest von dieser Seite sind wir verschont geblieben.)

Ahnt ihr mal bitte, wie lässig mein Vater mit seinen 81 Jahren dem ganzen Spektakel beiwohnt! Wenigstens einer, der da war…
Ich sag` ja, alles Fotzen außer Herrchen… Zischel!

Aber der Streß ging weiter, in erster Linie, weil nun mal einiges an Organisation und tatkräftigem Einsatz dazu gehört, um so ein Event durchzuziehen und wir waren insgesamt mal gerade zwei Handvoll Leute, die sich um alles kümmerten, das waren auf jeden Fall gut zwei Handvoll Leute zu wenig für ein Event dieser Größe. Aber wat willste machen, wenn alle absagen, keine Lust haben oder sonstwie solcherlei Veranstaltungen gleichgültig entgegen gehen? Fakt ist, der Freundeskreis schrumpft und wird immer älter, bequemer und, ja, gleichgültiger, ein Spiegelbild der Gesellschaft also. Ansonsten kann man noch erwähnen, daß wirklich reichlich andere Veranstaltungen an diesem Wochenende waren, wie das nun mal im Sommer eigentlich immer ist, aber damit sollte mensch eventuelle Abwesenheit auch nicht in Schutz nehmen. Ich weiß, wir wohnen am Arsch von Deutschland, aber auch hier wohnen Menschen, nur wo waren die denn alle? Und all die anderen?

Manchmal reicht aber auch einfach nur einer, denn Mr. Supersecurity hatte es sich offensichtlich vorgenommen, uns heute das Leben extra schwer zu machen, und zwar einmal mit einer extrem unfreundlichen geradezu herrscherischen Art und mit laufenden Beschwerden, weil das ein oder andere nicht so lief oder aufgebaut wurde wie im achtzehnseitigen Sicherheitskonzept festgelegt (als wenn er sich selbst dabei immer an alle Punkte gehalten hätte). Und ich als Hauptveranstalter und Ansager am höchsten Punkt des Geländes fühlte mich somit den ganzen Tag lang extrem beobachtet und ging deswegen seelenruhig jeder Forderung nach einer Durchsage seitens des Security-Abschaums nach, wenn zum Beispiel drei Fahrräder mitten im Ausgang von Fluchtweg 1 abgestellt worden waren und da natürlich sofort weggeschafft werden mußten. Fragt sich, wie die da überhaupt abgestellt werden konnten, wenn sich fünf Meter weiter die Supersecurities die Beine in den Bauch stehen? Einmal mit Profis, ey…

Ich hab` jetzt ehrlich gesagt gar keinen Bock, großartig auf das ganze Skateboarding einzugehen, weil der ganze Scheiß im Umfeld das für mich halt alles leider überschattet hat, aber dafür gibt es ja reichlich bunte Bilders. Der U-18 Streetcontest war relativ schnell über die Bühne gebracht und wurde eingetütet von einer fünfzehnjährigen Contestmaschine namens August aus dem dänischen Aarhus, der nicht so aussah, als sei er schon mal außerhalb eines Skateparks geskatet, gerippt hat er trotzdem. Zweiter wurde unser junges Hoffnungsnachwuchstalent Leander Wolfromm aus Flensburg, yeah, Leander! Mein Kollege Hinnerk übernahm zusammen mit Tim das Ansagen, so daß ich mich ein bißchen lockerer machen und ganz aufs Platten auflegen konzentrieren konnte. Die Voranmeldungen für den Bowl-Contest und das Death Race, um die sich Morphium Karl kümmerte, liefen äußerst bescheiden und wir waren letztendlich froh, daß wir insgesamt überhaupt ganze acht Starter für Bowl zusammen bekamen. Und da ganz besonderer Dank an Ginger, Björn und Sören aus Kopenhagen, die schon Donnerstagabend angereist waren und ohne die zumindest dieser Teil der Veranstaltung ein ganz großer Reinfall geworden wäre. Da waren wenigstens mal ein paar Leute heiß auf das üppige Preisgeld…

Der aus der französischen Schweiz stammende Sascha Conca war mit den drei Jungs aus Kopenhagen angereist und zusammen zerlegten sie fröhlich den Wallride mit Tricks wie diesem Fs Ollie…

Wir entschieden uns dann recht früh, genau dieses insgesamt um gut die Hälfte zu kürzen, wofür auch alle Verständnis hatten, da wir bei so wenigen Besuchern sonst noch mehr draufgezahlt hätten und das übersichtliche Starterfeld ebenso ein derart hohes Preisgeld nicht wirklich rechtfertigte. So gab es bei den Best Tricks dann einfach nur 50,- Euro für den besten und nicht wie ursprünglich geplant auch jeweils 10,- für die ersten fünf Tricks. Bowl schraubten wir vor dem Finale runter auf 500,- 1. Platz, 300,- 2. Platz, 200,- 3. Platz und 50,- für 4 bis 6. und beim Death Race gab es einfach nur den von Poler gesponsorten Stuff für die schnellsten Drei zu gewinnen. Und apropos Disziplinen, der Miniramp-Jam auf der extra dafür aufgebauten Miniramp fiel komplett aus, da die Koloss Jungs, die die Showse eigentlich hätten präsentieren sollen, drei Tage vorher abgesagt hatten, was ich ein bißchen uncool fand, aber letztendlich auch latte war, weil wir alles einfach nur noch möglichst problemlos hinter uns bringen wollten.

Aber erstmal ging es ja los und bei den geringen Starterzahlen im Bowl fingen wir statt mit den Qualifications erstmal mit ein paar Best Tricks an, insgesamt gab es über den Tag verteilt neun an verschiedenen Obstacles im Park. Und an dieser Stelle schreib` ich mal ganz blöd, um nicht noch mehr schreiben zu müssen: Siehe Photos! Die Tombola mit über 500 Wundertüten war ein Riesenerfolg, allerdings eindeutig mein Fehler, daß ich zu früh morgens die Preise für die Lose runtergesetzt hatte, weil ich dachte, wir werden den ganzen Kram sonst nie los. Aber so gab es wenigstens überall strahlende Gesichter, die sich über viel gewonnen Stuff freuten. Unser Getränkestand mit Angeliter Bier, Premium Cola und Softdrinks lief natürlich auch nur schleppend, das galt ebenso für den Kaffeeverkauf und das Softeis von Foodtoura. Richtiges Essen gab es übrigens gar nicht vor Ort zu kaufen, weil die veganen Russen, die uns eigentlich mit Futter versorgen sollten, auch kurzfristig abgesagt hatten. Jaja, die Pleiten reihten sich aneinander sozusagen…

Schöner Bs Smith Grind von Ado aus Hamburg mit noch mehr Zuschauern als beim Finale…

Bowlcontest war irgendwie albern, wir hatten die drei dänischen Ripper, uns Flower aus Schwerin, Ado aus Hamburg sowie Sascha Conca aus der Schweiz, der mit den Jungs aus Kopenhagen da war. Dazu noch die achtjährige Ida aus Berlin, wo ich mich immer frage, ob sowas sein muß, daß ein Kind dann einmal reindroppt und den Bowl runterrollt, wo die Mutter daneben steht, um aufzupassen. Sowas finde ich immer etwas deplatziertes Geltungsbedürfnis, aber das ist Geschmackssache, sie hat es damit immerhin bis in die Zeitung geschafft (naja, Zeitung ist übertrieben, in die Wochenschau). Jedenfalls meldete sich dann noch Ansager Tim an, der eigentlich nur schnell carven kann, damit wir wenigstens zwei Heats hatten und sowas wie eine Vorentscheidung präsentieren konnten. Dabei ging es definitiv einfach nur um den Show-Effekt!

Das Finale mit sechs Leuten bildeten dann nämlich wieder die oben genannten sechs Ripper und so gerippt wird der Bowl ja leider nur sehr selten. Gut, der ist halt auch nicht ohne, aber manche, so wie diese Sechs, frühstücken sowas auch mal zum Frühstück, also guten Hunger! Das war auf jeden Fall super Skateboarding und eine super Show, die Leute, von denen der Großteil sowas mit Sicherheit zum ersten Mal im Leben live hautnah miterleben durfte, kriegten wirklich sechs sehr unterschiedliche Styles geboten, die sich allesamt nichts schenkten. Und genauso hatte ich mir das vorgestellt, nur natürlich mit viel viel mehr Startern und Zuschauern und ich frage mich jetzt hinterher wirklich, was noch alles geboten werden muß, um die Leute von der Couch nach Glücksburg zu locken, und ich meine nicht nur Besucher, sondern vor allem Skater. Hallo, wo gibt es denn auf einem kleinen Dorfcontest mal eben 3500,- Euro Preisgeld zu gewinnen? Das ist doch wohl nun wirklich üppig, dafür könnte man sich doch (zum Beispiel als gesponsorter Skater) echt mal auf die Reise machen von woher auch immer. Ich mein`, ich hatte wirklich erwartet, daß sich das mehr Leute, die ja im Sommer sowieso in Europa unterwegs sind von Contest zu Event und zurück, in den Kalender geschrieben hätten, also deutschlandweit ebenso wie international. Das hat mich wirklich extrem überrascht und auf den Boden der Tatsachen geholt, ich hätte einfach schwören können, sowas zieht mehr Leute. Aber ja, falsch gedacht, Versuch macht klug, ich bin ja anscheinend auch immer gerne sehr optimistisch, das muß die Liebe zum Leben sein…

Ist zwar ein Buttshot, aber dafür der Trick, der die 50,- Euro am jungfräulichen Picknicktisch auf`m Basketballplatz mit nach Hause nahm – Fs Lipslide von Flensburg-Veteran Tom Lehwalder, der schon immer mit abartigen Pop gesegnet war. Dazu lief ‚Straight outta Compton‘ von N.W.A…

Zum Schluß war dann Rene, der sich eigentlich um das Death Race kümmern sollte, zu besoffen, um das alles geregelt zu kriegen und ich hatte inzwischen vor lauter Enttäuschungen ziemlich gleichgültig resigniert, deswegen bin ich den Kollegen Rasmus und Schalle super super dankbar dafür, daß die das kurzfristig übernommen haben. Es gab dann Kopf-an-Kopf-Rennen im K.O.-System statt Zeit messen, und das Ganze sowieso alles völlig unspektakulär ohne Feuertonnen, Fackeln und Nebelmaschine. Eigentlich sollte das Death Race ja das Highlight des Tages werden und aufgrund eines vollgestopften Zeitplans im Dunkeln stattfinden, aber der Zeitplan war bei so wenig Startern den ganzen Tag lang ja überhaupt nicht vollgestopft gewesen und somit war es auch noch gar nicht dunkel.

So, und jetzt bitte nochmal genau lesen, denn das ist gleich noch wichtig: Die Brandschutzwache, die ja wegen des vermeintlich offenen Feuers anwesend sein mußte, hatte mich schon ziemlich früh gefragt, ob wir nach zwei Monaten ohne Regen nicht auf die Feuertonnen verzichten könnten. Und mir war wie gesagt inzwischen sowieso alles latte, deswegen haben wir dann auch auf sämtlichen optischen Klimmbimm (Hipster sprechen auch gerne von ‚Visuals‘) verzichtet. Bock hatten die Feuerwehrjungs sowieso nie gehabt, das war damals im Mai schon ganz deutlich rübergekommen und nun waren sie wieder weg, hatten dafür aber bis hier hin auch nichts gekostet.

Nach dem Best Trick am Picknicktisch gab es den von Caramba Skateshop präsentierten Highest Ollie Contest, ein echtes Publikumshighlight. Ludwig Hitzing aus Kiel war fast bis zum Schluß mit dabei, sein Kollege Tjark sackte die 200,- Kröten dann letztendlich ein…

Nachdem also diverse Rennen gemacht worden waren, war der Däne Sören Noe letztendlich der Schnellste von allen gewesen, und zwar vor Lokalmatador und Wahlflensburger Louis Taubert, der aufgrund eines Seminars leider erst am späten Nachmittag zu dem ganzen Geschehen stoßen konnte. Dritter wurde das Kiddie mit dem blauen Helm, Respekt dafür, nächstes Mal merke ich mir dann auch deinen Namen, okay!? Ja, und nach dem großen Finale sollte dann ein Finale kommen, das wir so weder eingeplant noch vorhergesehen hatten, und das alles mitten während der Siegerehrung! Für eben diese – also zumindest für die Plätze 1 bis 3 im Bowl, wo es ja um den größten Anteil des Preisgeldes ging – hatte ich nämlich von meinem wahnsinnigen Nachbarn Nicolai drei Fackeln anfertigen lassen, prägnanterweise aus alten Feuerlöscher zusammengeschweißt und geplasmaschneidet. So schön mit ‚1‘, ‚2‘ bzw. ‚3‘ drin sowie einem BOARDSTEIN TOTENKOPF, und da steckst du dann eine mit Sonneblumenöl getränkte Klopapierrolle rein und hast zwei Stunden feinstes Flackerlicht! Genial und eine echt tolle Trophäe, wie ich fand, vor allem in der Dämmerung.

Das fand Mr. Supersecurity allerdings überhaupt nicht, schließlich war nach dem Abzug der Brandschutzwache jegliches offenes Feuer verboten, dazu gehörten selbstverständlich auch die drei Fackeln bei der Siegerehrung. Er kam angeschnauft wie ein tollwütiges Nashorn und schrie mich mehrfach an, ich solle sofort das Feuer ausmachen. Ich aber erklärte ihm, daß das zur Zeremonie gehöre und wir da ganz sicher nicht drauf verzichten würden, vor allem nicht weil wir gerade mitten in einem Betonskatepark standen mit einem Feuerlöscher in anderthalb Metern Reichweite, aber der Spinner gab keine Ruhe. Irgendwann schrie ich zurück, dann solle er doch eben die Bullen holen und sofort wurde das Diensthandy gezückt. Nachdem wir die Sieger dann geehrt hatten, löschte Jacob die Fackeln und alle wollten sich gerade Richtung Bierwagen trollen, wo gerade noch zwei neue Fässer angestochen worden waren, als ein/das Polizistenpärchen eintrudelte. Und weil ja nun mal gegen Auflagen verstoßen worden war (und sei es noch so megageringfügig) und man einen Tip bekommen habe, daß ich als Veranstalter Alkohol zu mir genommen haben soll, mußte ich dann als erstes durchsagen, daß die Veranstaltung nun beendet sei. Da war es mal gerade halb Zehn und bis Zehn durften wir eigentlich offiziell da rummachen tun.

Voll tolle Trophäen…
Würde ich jemals bereuen, was ich hier tat? Ich bin ja nicht unbedingt der hellste Leuchtturm an dieser Küste…
Das ganze Dilemma nur für diesen Moment hier, dabei war es noch nicht mal richtig dunkel…

Ja, und zweitens mußte ich nun mit zur Wanne und pusten und auf dem Weg dahin fiel mir noch ein, daß ich mich vorher besser mal sämtlicher Drogen entledigen sollte, bevor es nach einem positiven Blasergebnis und Ausweiskontrolle womöglich noch zu irgendwelchen Taschenkontrollen kommt, weil es mal wieder heißt ‚Sie hatten ja in der Vergangenheit auch schon Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz!‘ (Ja, seit 30 Jahren nahezu täglich, ihr Vollidioten!) So schmiß ich ein Tütchen nach dem anderen in die Dunkelheit und hoffte zwei Dinge: 1) Daß mich dabei keiner sah oder erwischte. Und 2) daß ich die im Idealfall alle später hinterher wiederfinden würde… Beim dritten Versuch Blasen klappte es dann auch, ich spritzte zwar nicht ab, aber hatte immerhin 1,26 Promille, wobei ich zugeben muß, daß ich selbst echt ein bißchen überrascht war, daß das nur so wenig war, hihi… Aber wenn mensch den ganzen Tag am Machen und Tun und nebenbei am Reden und Ansagen ist, kommt mensch scheinbar gar nicht so richtig zum Saufen. Und scheinbar hatte ich die richtige Mischung aus Uppern und Downern gefunden, man ist ja auch kein Anfänger mehr, woll!? Und wie immer mensch es auch dreht, für den hauptverantwortlichen Veranstalter vor Ort sind das nach dem Gesetz in jedem Fall 1,26 Promille zu viel, und wenn mich jetzt hinterher noch jemand dafür anzeigen will, zum Beispiel gewisse Personen im örtlichen Überordnungsamt, bitteschön, nur zu! Ihr macht mir keine Angst mit eurem beschissenen Deutschland, was hab` ich nach all dem denn noch zu verlieren außer noch mehr Geld? Und wenn ich damals geahnt hätte, daß ich mir mit dem Bau des Glücksburger Skateparks vielleicht mal mein eigenes Grab schaufeln würde, hätte ich es trotzdem gemacht und ihn gebaut. Karma ist mit mir und Skateboarding auch, mehr brauchste eigentlich auch nicht…

Da sich nun der übriggebliebene, etwa fünfzig- bis sechzigköpfige Mob nicht so richtig beeindrucken geschweige denn auflösen, aber im Gegenzug sich auch nichts zu schulden kommen ließ, wurde dann ganz schnell Verstärkung geholt. Und, Alter, ich war äußerst beeindruckt, wie schnell die dann da war, das dauert bei uns auf`m Land nämlich in der Regel etwas länger. Aber das erklärt sich ganz simpel so, als daß mir hinterher zwei Freunde erzählt haben, daß sie das Gelände gerade verließen, um weiteren Ärger aus dem Weg zu gehen, als ich beim Pusten war. Und daß der Polizeieinsatz scheinbar in sofern vorprogrammiert war, erscheint logisch, als daß sie unweit des Skateparks in einer Kurve an der Schloßallee sechs weitere Bullenwagen entdeckten. War das Ganze etwa ein einziges abgekatertes Spiel? Nun, das würde zumindest erklären, warum denn auf einmal einer der Mitarbeiter der Securityfirma (und laut Aussagen anderer wohl auch jemand aus dem Publikum) plötzlich eine gelbe Polizeiweste anhatte. Richtig geil, damit kommen wir dann nämlich ganz zurück zum allerersten Anfang, als das Überordnungsamt bei unserer allerersten (und allereinzigen) Ortsbegehung im April meinte, nachdem ich gesagt hatte, der Roter Stern Flensburg e.V. sei der Veranstalter der Veranstaltung sein würde, dann müsse man ja besser das LKA informieren…

Jaja, meine Damen und Herren, das Leben schreibt nun mal die allerbesten Geschichten des Lebens und diese ist dann zum Glück auch endlich bald zu Ende. Aber nein, ich habe mir das alles nicht so ausgedacht und leider ist es auch noch nicht ganz zu Ende, denn es waren ja nun auf einmal mindestens ein Dutzend weitere PolizistInnen vor Ort, und sowas verheißt nie etwas Gutes. Diese waren bis auf das Kommandoalphapärchen auch durch die Bank weg auffallend jung und teilten sich wie üblich auf in eine Hälfte überaus Engagierte und ein Hälfte, aus deren Mündern mensch tatsächlich die ein oder andere Äußerung gehört haben soll, daß man diesen Einsatz selbst für ein bißchen überzogen hält.

Gewisse Personen auf diesem Bild sind hier eindeutig überflüssig…

Naja, die Platzverweise wurden größtenteils ignoriert oder (laut Grundgesetz völlig zu recht) teilweise lauthals schriftlich eingefordert, natürlich gab es ein paar Buhrufe und Pöbeleien und auf einmal lag dann Daniel – mir als guter (Arbeits-)Kollege, Hamburgern vielleicht als Sänger als Sänger von Cräckmeier bekannt – mit den Armen auf dem Rücken auf’m Asphalt (das Basketballfeld vor Ort ist nicht aus Beton) von einer uniformierten Einheit in Schach gehalten. Daniel ist nun ausgerechnet der, der sich zwei Wochen vorher in Husby beim Skaten zum zweiten Mal die Schulter ausgekugelt hatte und seitdem nicht mehr in Handewitt mitarbeiten konnte. Die Schergen interessierte das aber herzlich wenig und sie waren nicht unbedingt sanft mit ihm, er wurde dann auch irgendwann abgeführt und kam erst in den frühen Morgenstunden wieder aus Flensburg aus der Zelle zurück, mal gucken, was da noch so an Ärger kommt. Komisch war, daß sie Conni nicht auch mitgenommen haben. Alter, ich wußte gar nicht, daß du Verwandte so wohl bei der Kölner Kriminalpolizei als auch bei den Hell`s Angels hast, Kollege! Aber die wissen ja, wo ihr wohnt, zischel zischel… (Fun-Fact an dieser Stelle: Laut Augenzeugen stand der Polizei wohl für einen Moment ordentlich Panik in den Augen, als ich um Punkt Zehn unangekündigt, aber ordnungsgemäß den Generator abstellte und wir alle plötzlich fast komplett im Dunkeln da standen.)

Hier machen sie sich endlich mal nützlich und legen Daniel Cräckmeier das Handwerk und ihn in Fesseln…

Aber ja, irgendwie fanden dann scheinbar sämtliche Beteiligte das Geschehene nur noch albern und die ganze Szenerie löste sich allmählich auf, ein paar Leute krochen in ihre Zelte, diverse fuhren noch noch Flensburg zum Partymachen und ein kleines Möbchen von vielleicht 20 Leutchen versammelte sich auf dem Bordstein an der Bank vor`m Mädchentreff (und zufällig vor einer Altersresidenz, wo die Menschen schon zu alt oder tot sind, um um die Uhrzeit noch irgendwie gestört zu werden) auf ein oder zwei Absacker. Ach scheiße, fast vergessen, vorher mußte ich nochmal beim Mädchentreff aufklären, daß es einen Grund gab, warum dort alle Türen offen standen, das hatten zwei Leute vom TSV Glücksburg bei den ja überall rumlaufenden Staatshütern aufgebracht angemerkt. Aber ich konnte das alles schnell klären, weil ich ja im Besitz sämtlicher Schlüssel war, trotzdem mußten wir einmal alle drei Stockwerke zusammen ablaufen, um sicher zu gehen, daß alles seine Richtigkeit hat, und als ich gebeten wurde, dabei doch bitte vorzugehen, mußte ich durchgehend schmunzeln. Hatte ich doch meinen frisch aus dem Druck gekommenen Batik-Kapuzenpulli an, wo Kollege DK aus Hamburch mir das Tragedy Design mit den Bullen in Kampfmontur, Anarchie-Zeichen und dem Spruch ‚Today`s pig, tomorrow`s bacon‘ draufgedruckt hatte. Ja, Mann, Anarchist ich bin, und Deutschland muß sterben, damit wir leben können…

Ich werde jetzt aus Diskretion und fassungsloser Enttäuschung nicht detailliert darauf eingehen, wie ein eigentlich sehr guter Freund, mit dem ich davor gerade erst sechs sehr schöne und produktive Wochen in Handewitt zusammengearbeitet hatte, sich während dieser ganzen Ereignisse derartig daneben benahm, daß ich eigentlich nie mehr im Leben etwas mit ihm zu tun haben möchte, sollte er sich dafür nicht bei mir und den anderen Beteiligten irgendwann angemessen entschuldigen. Solche Freunde brauche ich wirklich nicht, die nämlich im Suff und unter Extrembedingungen die Seiten wechseln und einen dann hinterher mit allem im Regen stehen lassen, obwohl sie besser als alle anderen wissen müßten, was man in den letzten Wochen so alles durchgemacht hat. Hast du gehört, Alter, der du diesen Blog ja sowieso nicht liest? Du solltest es im eigenen und scheinbar auch allgemeinen Interesse wirklich mal mit Entzugsklinik und einem anschließenden trockenen Leben probieren, das ist mein letzter gutgemeinter Rat an dich und ich weiß verdammt nochmal, wovon ich da rede! Auf Nimmerwiedersehen und vergiß bitte nicht, deine BOARDSTEIN KLAMOTTEN weiterzuverschenken! Du hast nämlich den entsprechenden Spirit dazu ganz offensichtlich nicht verstanden und ja sogar den Sticker auf dein Auto falsch rum aufgeklebt…

Es sieht aus, als wäre es voll, aber während des Bowl-Finales waren halt auch alle anwesenden Leute auf der Plattform zum Gucken. Laß` es vielleicht 200 gewesen sein, der Größte von ihnen war mein Freund Steffen, der steht direkt hinter Flower`s Fs Rock. Schön, daß du da warst, du altes Gestrüpp!

Ja, so ging der Abend dann insgesamt doch nicht so schön zu Ende, wir haben uns dann von Hans-Jürgen aus der Sportsbar noch zwei Kisten Flens geholt und weiter an der Kreuzung rumgelungert und gepichelt, was absolut niemanden interessiert hat. Zwischendurch erfuhr ich dann nebenbei, daß mit den Bullen auch die gesamten Securities abgerückt waren, also auch die beiden, die uns für teures Geld eigentlich noch die Nacht über bis zum nächsten Morgen beschützen, ähh, bewachen sollten. Die waren nun auch weg, um nicht zu sagen getürmt, denn die offizielle Begründung dafür lautete tatsächlich, daß sie um ihr Leben gefürchtet haben, womit man dann rechtlich vermutlich aus dem Schneider ist. Alter, wie lächerrechtlich ist das bitte, ‚Securities in Todesangst am Glücksburger Skatepark’… das war dann auch der Zeitpunkt, an dem ich rüber gegangen bin, um meine weggeworfenen Drogen zu suchen und problemlos wiederzufinden. Alles armselige Spinner ihr seid, ihr blöden Autoritäten. Ungeklärte Frage zum Schluß: Hätten nicht eigentlich, da wir ja die Auflage einer offiziellen Nachtwache hatten, zwei der Polizisten vor Ort bleiben müssen, wenn schon die Security das Weite sucht? Ich mein`, jetzt einfach mal strikt nach dem Gesetz!? Wurde diese selbst interpretierte Version davon durch die nicht vorhandene Nachtwache nicht gebrochen? Das ist irgendwie ähnlich wie akribische Beschallungshöchstwerte auferlegt zu kiegen, aber wenn es soweit ist, interessiert sich kein Schwein dafür, diese vor Ort dann auch vielleicht wirklich mal zu messen… Können wir zur Not alles vor Gericht klären, wenn ihr wollt! Ich würde das alles am liebsten einfach nur noch vergessen, vergeben kann ich gewissen Leuten für ihre Scheiße aber ganz sicher nicht, nicht in diesem Leben.

Hier seht ihr Sören am Blunten und ebenfalls, daß das Gelände noch ei paar Besucher mehr weggesteckt hätte…

Zumindest eines aber zeigte der Abend, und zwar daß ich wieder mit meinem Uralt-Kollegen Eyk auf geradem Fuß bin, mit dem ich mich jahrelang ziemlich fies auseinandergelebt hatte. Ja, krass irgendwie, der eine kommt (wieder), der andere geht, kann nicht einfach alles mal ganz normal ohne zwischenmenschliche Probleme laufen? Ganz sicher nicht in meinem Leben, und ich bin mir wohl bewußt, daß das nicht immer nur die Schuld von anderen ist. Ich bin nun mal auch ein echt eigenwilliges Individuum mit einem sehr sehr sturen Kopf, aber ey, eigentlich besteht mein ganzer Lebenssinn vor allem darin, gute Sachen zu machen. Also nicht nur für mich, sondern vor allem auch für andere! Dieses ganze Happy Weekend hab` ich doch nur ins Leben gerufen, um mal professionelles Skateboarding in die norddeutsche Tiefpampa zu bringen, damit wenigstens ein paar Menschen hier mal schnallen, was es eigentlich tatsächlich auf sich hat mit diesem Skateboarding. Und genau dafür machte ich bisher auch alles andere, was ich jemals gemacht habe, sei es auf Papier, Video, Audio oder in Beton.

Ginger war mit seinen Endlos-Runs gespickt mit allem, was Skateboard`s Trick-Repertoire hergibt, der eindeutige Sieger und hinterher um 500,- Euro reicher. Da hatte sich die Reise von Kopenhagen doch eindeutig gelohnt…

Ich bin nun mal leider als Künstler verdammt, und deswegen möchte ich einfach mit meiner Kunst Skateboarding, aber vor allem auch das Leben im Groben und Allgemeinen, verbessern sowie interessanter und unterhaltsamer machen. Nicht weil man damit total viel Geld verdienen kann (wann hab` ich das denn mal?), sondern weil es meine Berufung ist. Ich bin so, ich hab` mir das nicht ausgesucht, daß mir das alles unheimlich viel Spaß macht, echt nicht! Das ist mein Leben und ich bin ihm immer nur gefolgt und die Welt sollte froh sein, daß es solche Spinner wie mich gibt, die sich für eine Sache regelrecht aufopfern, obwohl sie ständig nur Gegenwind kassieren und draufzahlen. Nämlich weil sie wissen, daß es gut ist und alle etwas davon haben, und von mir aus legt mir jetzt Handschellen an oder verdonnert mich zu irgendwelchen absurden Geldstrafen. Dann spring ich lachend in eine Kreissäge, denn ich hab` kein Geld, hab` ich noch nie gehabt…

I live in peace and die angry, motherfuckers!

Und apropos Geld, nachdem sämtliche Rechnungen bezahlt worden waren und die ganz spärlichen Einnahmen verrechnet, stand ziemlich schnell fest, daß ich, der von Anfang an gesagt hatte, er würde für alles gerade stehen, sollten wir mit der ganzen Showse Minus machen, jetzt stolzer Besitzer von mindestens 7000,- Miesen bin, die ich in alles reingebuttert habe (die halbjährige Dunkelziffer ist mit Sicherheit sogar noch ein gutes Stück höher). Äh ja, damit habe ich jetzt das Ende etwas vorweg genommen, aber es paßte gerade so gut.

Sören packte viele technische Tricks in seine Runs, die mensch in so einem Bowl nicht unbedingt erwarten würde wie zum Beispiel diesen Fs Nollie Fs Grab Revert, Könnte man auch Switch Indy Gaytwist nennen das Ganze…

Nein, ganz fertig sind wir leider immer noch nicht, denn jede Party muß ja auch hinterher noch aufgeräumt werden und wir hatten mit unserer kleinen Truppe tapferer KriegerInnen noch reichlich mehr aufzuräumen als bei “normalen“ Parties, weil wir ja so viele Auflagen gehabt hatte. Deswegen mußten zum Beispiel ja auch zwei große Toilettenwagen, vier Dixis und ein Behinderten-Dixi gereinigt werden, die allesamt kaum benutzt worden waren, wir hatten Dank Ordnungsamt bei unserem Happy Weekend auf jeden Fall deutlich mehr zu pissen als zu trinken gehabt…

Aber ja, Aufräumen und Abbauen geht ja irgendwie immer schneller als Aufbau, vor allem war es ja auch (leider) gar nicht so ein großes rauschendes Fest gewesen und somit alles relativ sauber und aufgeräumt geblieben. Ich weiß, es klingt wahrscheinlich abartig, aber ich bekam am Sonntagmorgen beim Aufräumen einfach nicht dieses alberne debile Grinsen aus dem Gesicht. Nicht weil mindestens zum vierten Mal in meinem Leben eine Party/ein Event von mir mit einem Großaufgebot von Bullen beendet worden war, sondern weil alles – und damit meine ich alles, also vor allem auch die gesamte Orga im Vorfeld – so krank abgelaufen war, daß mensch darüber nur lachen konnte. Das unschöne Ende unserer Veranstaltung war einfach nur das I-Tüpfelchen eines extrem beschissenen halben Jahres Vorlauf, irgendwie war von Anfang an der Wurm in unserem Happy Weekend gewesen, so als wenn es einfach nicht sein sollte, aber dann doch von mir erzwungen wurde.

Hier Flower nochmal mit einem schicken Fs Smith Grind im Deep-Ende. Wer im Hintergrund am meisten Bekannte erkennt, darf nächstes Mal zu Hause bleiben!

Aber hauptsächlich mußte ich die ganze Zeit grinsen, weil ich mich nicht getäuscht hatte, und zwar in Mr. Supersecurity, dem Oberarsch vor Gottes Gnaden. Ich war ja froh gewesen, daß sich so kurzfristig noch eine andere Sicherheitsfirma für diesen Auftrag hatte auftreiben lassen, aber hätte ich mal bloß nach meinem Herzen gehandelt, daß mir immer wieder gesagt hat ‚Du sitzt hier mit den falschen Leuten im Boot, mit solchen Leuten willst du eigentlich nicht mal Bus fahren‘. Ja, Mann, meine Menschenkenntnis hatte mich mal wieder nicht im Stich gelassen, das hatte sie bei Shiran dem Superschnacker vorher auch schon nicht (kleiner großer Insider an dieser Stelle). Auf jeden Fall gibt es ab jenem Samstagnachmittag einen Menschen mehr, für den ich nichts als bloße Verachtung übrig habe, herzlichen Glückwunsch, Mister, das muß mensch bei einer Frohnatur, wie ich sie eigentlich bin, erstmal schaffen! Aber meine eigene Integrität bringt mich eben immer wieder zum Staunen, und gerne auch Schmunzeln, nämlich über solch armselige Kreaturen wie dich. Ehrlich gesagt würde mich nicht wundern, wenn es sich bei dem Ganzen tatsächlich um eine irgendwie größer angelegte Verschwörung handelt, die von Doppel D angeleitet wurde. Schlechte Menschen ziehen sich halt an, wie sich auch gute anziehen…

Ach so, und an dieser Stelle auch noch danke an Lucas für das in den Rücken fallen an diesem Morgen, das ging runter wie Öl, gerade wenn einem am Abend vorher schon die eigens angeheuerten und mit 3500,- Euro(!!!) bezahlten Securities in den Rücken gefallen sind! Das gab mir echt den Rest und nach knapp acht Jahren trennte ich mich dann von meinem Schlüssel für die alte Turnhalle, wo im ersten Stock mein geliebtes Mädchentreff liegt, in dem ich über all die Jahre mindestens ein ganzes Jahr meines Lebens verbracht habe. Aber mit Glücksburg und einigen/m anderen habe ich fertig. Leider, ich wollte das alles ganz sicher nicht so, im Gegenteil, ganz ursprünglich war mit dem ganzen Event ja mal geplant gewesen, ein bißchen Geld zu regenerieren, um eventuell mit einem fünften Bauaubschnitt den Skatepark komplett zu vollformvollenden. Heute weiß ich, dieser Traum wird ausnahmsweise mal nicht in Erfüllung gehen, denn ich bin es eigentlich gewohnt, daß Träume in Erfüllung gehen, weil ich nämlich in der Regel solange für sie kämpfe, bis sie es tun. In Glücksburg aber zu lange auf verlorenem Posten, das geht einfach so nicht mehr.

And the winner is… Jonas von Büger mit dem mehr als passenden Spitznamen Ginger. Und dieser Fs Air zeigt ganz gut seinen Style auf dem Skateboard, nämlich always on the edge…

Nun denn, gegen späten Sonntagnachmittag waren ich und die olle Olga, die sich wie keine andere das ganze Wochenende den Superknackarsch für uns aufgerissen hatte (Superdupiextraliebhabknutschis dafür nochmal!!!), mit reichlich Krempel zum Aufräumen bei uns im Garten in meiner Kuschelhütte. und wenn ich mich recht erinnere, ging es dann auch sehr sehr schnell in Kuschelbetti. Ich hatte mir baustellenmäßig für Montag eine kurze Auszeit gegönnt, die Jungs würden in Handewitt ein großes Stück Flat auch ohne mich betoniert kriegen. Aber ja, ab Dienstag warteten dann noch zwei Wochen Beton auf mich, damn, das hatte ich beinahe vergessen… Durchatmen, Junge, und dann Augen zu und durch und weiter! Irgendwann erlöst dich der Tod…

Puhhhhh,
Arne

P.S.: Wer jetzt meint, erstmal genug ätzenden bzw. deprimierenden Skateboardjournalismus zu sich genommen zu haben, sollte dankbar sein, daß ich hier nur die letzten Wochen des Ganzen detailliert zuammengefaßt habe, und nicht das ganze beschissene halbe Jahr Orga, was dem vorausgegangen ist. Ich glaube, ich habe es damals bei unserm ersten Orgatreff tatsächlich in die Runde gesagt, nämlich das dies alles auch ein Test der Flensburger Skateboardszene ist, ein Versuch, ob man diese mal vereinigt kriegt, um mit allen zusammen etwas Großartiges auf die Beine zu stellen. Das Experiment ist eindeutig und leider nicht überrraschenderweise fehlgeschlagen und es dürfte klar sein, daß ich das alles hier jetzt (wie diesen Blog generell und eigentlich alles) in erster Linie für mich aufgeschrieben habe, und zwar um das Geschehene, dieses wahnsinnige Alles, einfach mal für die (F)Akten aufgeschrieben zu haben und es zumindest zum Teil für mich verarbeiten zu können. Mir reicht dieser Rückblick ohne Frage auch so schon und ganz objektiv betrachtet muß ich mir wirklich mal auf die Schulter klopfen, daß und wie ich das alles durchgestanden habe und danach immer noch stehe, und zwar nicht in der Klapse. Im Ernst, es war ein regelrechter Alptraum, der nicht aufhören wollte, und ich genieße tatsächlich zur Zeit mein Leben sehr ohne Happy Weekend im (Hinter)Kopf. Was nicht unbedingt heißen soll, daß es das Ganze nächstes Jahr nicht nochmal geben wird, aber mit absoluter Sicherheit nicht in Glücksburg und genauso wenig mit mir an vorderster Front. Aber da gibt es ja bald auch diesen geilen neuen Skatepark in Handewitt mit kompetenteren Leuten vor Ort, als wir sie scheinbar in Glücksburg vorfinden können. Vielleicht kann ich ja da mal ein Death Race veranstalten genauso, wie ich es mir vorstelle, mit Pauken und Trompeten nämlich, und reichlich Visuals… Aber dann darf ich wohl nicht wieder so stockbesoffen sein, 1,26 Promille, I laugh me dead…

P.P.S.: Es sind noch T-Shirts da!!! Von unseren 250 Stück haben wir nämlich ganze 20 verkauft und inzwischen gut hundert verschenkt und bis auf XXL sind noch alle Größen reichlich vorrätig. Dafür feier` zumindest ich das Design immer noch ziemlich ab und hätte gar kein Problem damit, wenn sich von den restlichen Shirts noch ein paar zu Geld machen ließen, wo ich doch so viel Geld dafür ausgegeben habe! Da ich vor ein paar Blog-Einträgen bei meinem ersten Versuch in dieser Hinsicht nicht den erwünschten Erfolg verbuchen konnte (es kam exakt keine einzige Bestellung von euch hier rein), probiere ich es denn nun einfach nochmal. (So sind wir Skater halt, immer wieder auf die Fresse kriegen und trotzdem schön wieder aufstehen und die andere Arschbacke hinhalten.) Inzwischen gibt es sogar noch die absoluten Überrabatte dazu, und zwar kostet ein Shirt nur noch 10,- Euro (inklusive Porto!!!) und bei fünf bestellten gibt es eins umsonst!!!!! Und laut Zeugenaussagen handelt es sich qualitativ wirklich um super Shirts, der Stoff soll wirklich ganz besonders angenehm zu tragen sein… Also schickt mir dafür einfach 10,- Euro (oder entsprechend mehr) zusammen mit Größe(n) und Adresse per Paypal an und leistet damit einen echten Soli-Beitrag zu dieser ganzen Misere, die zumindest finanziell an mir ganz alleine kleben geblieben ist. Ich, der es ja wegstecken kann mit den vielen schwarzen Zahlen auf`m Konto…

 

P.P.S.: Bedanken möchte ich mich zum Schluß auf jeden Fall nochmal ausdrücklich und sehr herzlich bei all denen, die in welcher Form auch immer zu dem Nichtgelingen unseres 1. Happy Weekends (na gut, mal nicht übertreiben, immerhin waren fast alle Leute vor Ort von dem ganzen Spektakel hellauf begeistert) beigetragen haben. Es waren nicht allzu viele HelferInnen, aber ich will sie trotzdem jetzt nicht alle aufzählen, nur um dann doch jemanden zu vergessen. Jedenfalls dickes Küchen an euch alle, ihr wißt, wer ihr seid!

P.P.P.S.: Großer Dank auch nochmal an unseren Hauptsponsor Iriedaily sowie Poler, Koloss und den Caramba Skateshop als auch sämtliche Firmen und Vertriebe, die uns mit so viel Stuff für die Tombola beworfen haben, daß es für über 500 Wundertüten und mehr als reichlich Sachpreise gereicht hat. 1000 Dank, so kann man arbeiten!

P.P.P.P.S.: Soll ich beim Thema Hilfe noch was zum Roten Stern Flensburg e.V. sagen, immerhin vermeintlicher Veranstalter des 1. Happy Weekends? Nee, das spare ich mir lieber, Glänzen tun Vereine auf jeden Fall anders…

P.P.P.P.P.S.: Es wird demnächst wohl noch einen kleinen (englischen) Artikel auf der Confusion Webseite zu dem Event geben, da gibt es dann auch noch mehr bzw. andere Photos für alle, die es interessiert. Wie, niemanden!? Na dann eben nicht… Respekt jedenfalls an alle, die bis hierhin durchgehalten haben, wir sehen uns nächstes Jahr beim 2. Happy Weekend!… NICHT.

P.P.P.P.P.P.S.: Die Photos sind bis auf die paar Schnapschüsse übrigens alle von Matthias Richter, wie immer gute Arbeit, Alter, danke dafür!

2 Gedanken zu „1. NOT-SO-HAPPY WEEKEND GLÜCKSBURG

  1. Moin Arne und alle anderen.

    Zuerst, danke für den langen Bericht.
    Ich war ein paar Stunden dabei und fand es prima. Mein Rekord auf dem Board ist zwar nur 3m, jedoch bin ich von den Leistungen begeistert.

    Um noch etwas vom Ablauf des Abends zu berichten:
    Beim Anzünden der Fackeln war ich selbst beteiligt und habe mich gewundert, warum der Siegeszug nach ein paar Metern beendet war.

    Einige Zeit später war plötzlich alles aus.
    So ging ich mal zum Moppel (Generator), keine Sau da.
    Dann habe ich mich der Aufgabe angenommen und wurde von einem gut gehopften Fotomann unterstützt.
    Alles auseinander, dann Neustart.
    Bei der Suche kam heraus, daß eine Tresenfee im Bierwagen einen Stecker eingesteckt hatte, und dann war alles aus.
    Deutliche Ansprache und alles war wieder primstens.

    Noch zur Security:
    Als ich da am Moppel gearbeitet habe, kam einer von der SEC aus dem Wald, hatte wohl den Grottenolm gewürgt, und wollte an mir vorbei.
    Ich fragte ihn dann, ob es ihm gar nicht merkwürdig vorkäme, wenn sich hier einer an der Technik zu schaffen macht.
    Der hat sich nur getrollt.

    Dazu habe ich eine klare Meinung:
    Wenn auf einer Veranstaltung der GESAMTE Strom weg ist, darf man sich als Secreturianer nicht einfache in den Wald verpissen.
    Zur Polizeichefin gibts auch eine Geschichte, die kennt Arne aber schon.
    Grüße
    Nicolai

  2. Lieber Arne,

    wir haben den Tag sehr genossen. Schon morgens um 9 standen wir am Park und haben diesen erst um 20 Uhr vollgepackt mit tollem Stuff verlassen. Meine Söhne und ich sind jetzt noch heißer auf unsere Bretters, denn das, was wir gesehen haben war einfach unfassbar gutes Skateboarding und sehr motivierend! Vielen Dank für deinen Einsatz und diesen tollen Park!
    Beste Grüße,

    Moritz

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